Informationen, Wissen und Medien spielen in unserer Gesellschaft eine zunehmende Rolle. Die Informationsgesellschaft setzt dabei auf die Ausbildung ‚neuer Schlüsselkompetenzen‘ wie Informations- und Medienkompetenz und die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen. Jedoch sucht man im föderalen Bildungsland Deutschland an den Schulen nach flächendeckenden Medienbildungskonzepten und einer Chancengleichheit gewährleistenden Vermittlung von Informations- und Medienkompetenz vergeblich. 2003 lag Deutschland in der schulischen Computernutzung mit nur 21% auf dem letzten Platz der an der PISA-Befragung teilnehmenden OECD-Staaten. Auch 2011 setzt nur knapp ein Viertel der Lehrkräfte überhaupt neue Medien im Unterricht häufig (mehrmals pro Woche) ein, davon fallen 88% der Nutzung auf Internetrecherchen. „Digitale Medien kommen in den Schulen noch zu selten zum Einsatz, um den Schülern ausreichend Medienkompetenz zu vermitteln und auf Studium und Beruf vorzubereiten“.
Im wissenschaftlichen Bildungssektor hat sich inzwischen die Idee der ‚Teaching Library‘ etabliert, die die Vermittlung von Informations- und Medienkompetenz als eine Kernaufgabe versteht. Auch Öffentliche Bibliotheken werden zunehmend als außerschulischer Lernort für Informationskompetenz und selbstbestimmtes lebenslanges Lernen gesehen und erweitern dahingehend ihre Angebote. Bei all diesen öffentlichen und wissenschaftlich geführten Diskussionen bleibt die Schulbibliothek jedoch fast gänzlich unbeachtet. Dies erstaunt umso mehr, da doch die Schulbibliothek per se sowohl in einen allgemeinen Bildungsauftrag als auch in die jeweilige Schule mit ihrem speziellen Bildungsschwerpunkt eingebunden ist und ihr propädeutisches Potential für das Lernen im Zusammenhang mit Informationen, Wissen und Medien offensichtlich scheint.
Im Rahmen dieser Hausarbeit werden daher medienpädagogisch relevante Aspekte erörtert, um der Frage nachzugehen, welche bedeutenden medienpädagogischen Aufgaben für Schulbibliotheken im Bereich der Informationsbeschaffung und der Vermittlung von Informations- und Medienkompetenz lokalisiert werden können, vor allem im Bereich neuer Medien.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffe
2.1 Informationskompetenz
2.2 Medienkompetenz
2.3 Schulbibliothek 2.0
3 Aufgaben und Ziele von Schulbibliotheken
3.1 UNESCO Schulbibliotheksmanifest
3.2 Realität von Schulbibliotheken in Deutschland
4 Informationsbeschaffung und Mediennutzung
4.1 Jugendliche - Informationsbeschaffung inmitten der medialen Reizüberflutung
4.1.1 Bedürfnisgruppen
4.1.2 Intellektuelle Entwicklung
4.1.3 Sozialmoralische Entwicklung
4.2 Schulbibliotheken - Informationsbeschaffung inmitten medialer Entwicklungen und Trends
4.2.1 Ausstattung
4.2.2 Personal
4.2.3 Medienpädagogisches Konzept
4.2.4 Lerntheoretische Orientierung
5 Medienpädagogische Aufgaben im Spannungsfeld
5.1 Handlungs- und interaktionsorientierte Medienerziehung
5.2 Medienpädagogische Aufgaben für die Vermittlung von Informations- und Medienkompetenz in der Schulbibliothek 2.0
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die medienpädagogischen Potenziale von Schulbibliotheken bei der Vermittlung von Informations- und Medienkompetenz an Jugendliche im Kontext des Modells "Schulbibliothek 2.0". Dabei wird der Frage nachgegangen, welche spezifischen Aufgaben sich für diese Einrichtungen in einem Umfeld ergeben, das durch digitale Medien und veränderte Nutzungsweisen geprägt ist.
- Analyse des "Schulbibliothek 2.0"-Konzepts im digitalen Zeitalter.
- Untersuchung der Informationsbeschaffung und Mediennutzung bei Jugendlichen.
- Einordnung psychologischer und entwicklungstheoretischer Faktoren.
- Diskussion medienpädagogischer Aufgaben entlang handlungs- und interaktionsorientierter Ansätze.
- Bewertung der Rahmenbedingungen (Ausstattung, Personal, Konzepte) in deutschen Schulen.
Auszug aus dem Buch
4.1.2 Intellektuelle Entwicklung
Die Schwierigkeit, die Glaubwürdigkeit einer Quelle oder die Relevanz einer Information zu beurteilen ist ein klassisches Aufgabenfeld der Informations- und Medienkompetenz. Erfahrung spielt dabei eine wichtige Rolle, auf die sich Lehrkräfte und Erziehungsberechtigte gerne berufen, wenn sie selbst überfordert sind und die Jugendlichen sich selbst in den Medien überlassen, weil diese ja schon wüssten wie es geht. Auf der anderen Seite ist die intellektuelle Entwicklung ein wichtiger Faktor für kritisches Denken.
Zur intellektuellen Entwicklung hinsichtlich der Mediennutzung führt Tulodziecki aus, „dass Jugendliche sich dem Ziel eines sachgerechten, selbstbestimmten, kreativen und sozialverantwortlichen Handelns im Zusammenhang mit Medien umso mehr nähern, je stärker sie zu einem ‚kritisch-reflektierenden Denken‘ fähig werden“ (2011, S. 38). Dies ist die höchste Stufe der intellektuellen Entwicklung bei kognitiven Prozessen. Sie zeichnet sich aus durch die Fähigkeit, die individuelle Sicht (z.B. der Mediennutzung) vor dem Hintergrund übergreifender Prinzipien zu sehen. Die einzelnen Kriterien von Handlungsalternativen können so differenziert und kritisch reflektiert werden. Dieser Stufe gehen fixiertes Denken (1.), isolierendes Denken (2.), konkret-differenzierendes Denken (3.) und systematisch-kriterienbezogenes Denken (4.) voraus (vgl. Tulodziecki 2011, S. 37f). Für das Jugendalter sind vor allem die Stufen 2 bis 4 relevant. Auf der 2. Stufe können zwar Alternativen wahrgenommen werden, verschiedene Lösungsansätze verunsichern jedoch, die eigenen Bedürfnisse stehen im Vordergrund. Auf Stufe 3 werden verschiedene Vor- und Nachteile und ihre unterschiedlichen Handlungsalternativen gegeneinander abgewogen, Vorteile erhalten dabei häufig mehr Gewicht. Auf der 4. Stufe ist eine systematische Beurteilung verschiedener Handlungsmöglichkeiten unter mehreren verschiedenen Kriterien möglich, die unterschiedlich gewichtet und begründet werden können.
Tulodziecki hebt hervor, dass durch die Beschäftigung mit einem für das Individuum leicht höheren Niveau wichtige Entwicklungsanregungen hervorgehen und die Förderung der intellektuellen Entwicklung eine wichtige medienpädagogische Aufgabe darstellt (vgl. Tulodziecki 2011, S. 38).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Bedeutung von Informations- und Medienkompetenz in der Wissensgesellschaft heraus und skizziert das oft vernachlässigte Potenzial der Schulbibliothek.
2 Begriffe: Hier werden die zentralen Termini Informationskompetenz, Medienkompetenz und das Konzept der Schulbibliothek 2.0 definiert und in den Kontext medienpädagogischer Diskurse eingeordnet.
3 Aufgaben und Ziele von Schulbibliotheken: Das Kapitel kontrastiert das international anerkannte UNESCO-Manifest mit der defizitären Realität von Schulbibliotheken in Deutschland.
4 Informationsbeschaffung und Mediennutzung: Dieser Abschnitt beleuchtet das Medienverhalten Jugendlicher sowie die theoretischen Voraussetzungen und infrastrukturellen Anforderungen an eine moderne Schulbibliothek.
5 Medienpädagogische Aufgaben im Spannungsfeld: Hier werden konkrete medienpädagogische Ansätze entwickelt, um Jugendliche vom Informationsnutzer zum Informationsgestalter zu befähigen.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Notwendigkeit von pädagogisch geschultem Personal zusammen und betont das Potenzial der Schulbibliothek als zentraler Lernort für das Web 2.0.
Schlüsselwörter
Schulbibliothek, Medienkompetenz, Informationskompetenz, Medienpädagogik, Jugendliche, Web 2.0, Informationsbeschaffung, Mediennutzung, Schulentwicklung, Teaching Library, Medienbildung, Lernort, Sozial-kognitive Entwicklung, Handlungsorientierung, Digitale Medien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Rolle der Schulbibliothek als Lernort, um Jugendliche im Umgang mit digitalen Medien und Informationsquellen zu unterstützen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Vermittlung von Medien- und Informationskompetenz, die medienpädagogische Gestaltung von Schulbibliotheken und das Medienverhalten von Jugendlichen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, medienpädagogisch relevante Aufgaben für Schulbibliotheken zu identifizieren, die über eine reine Bereitstellung von Büchern hinausgehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und Erörterung aktueller medienpädagogischer Konzepte sowie bibliotheksfachlicher Richtlinien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen (Begriffe), die Analyse der Zielgruppe (Jugendliche), die Rahmenbedingungen von Bibliotheken und spezifische Ansätze zur Medienförderung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind unter anderem Medienkompetenz, Schulbibliothek 2.0, Informationsbeschaffung und medienpädagogische Aufgabe.
Warum spielt das Konzept der „Schulbibliothek 2.0“ eine so wichtige Rolle?
Es markiert den Wandel der Bibliothek von einem reinen Wissensspeicher hin zu einem interaktiven Lernort, der Kommunikation und digitale Produktion ermöglicht.
Welche Herausforderung sieht die Autorin beim Bibliothekspersonal?
Es fehlt häufig an spezifisch ausgebildetem Personal mit pädagogischen Qualifikationen, was dazu führen kann, dass das Potenzial der Bibliothek ungenutzt bleibt.
- Quote paper
- Cora Ginzel (Author), 2011, Medienpädagogische Aufgaben für die Schulbibliothek 2.0, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/179064