Gewalttätige Jugendliche wurden zuletzt in der Öffentlichkeit, vor allem im Rahmen der Landestagswahl in Hessen, sehr stark diskutiert. Zudem ist, vor allem in ostdeutschen Stadien, immer wieder von Hooliganübergriffen die Rede. Dabei scheint vielen Menschen nicht klar zu sein, dass es nicht nur erwachsene Männer sind, die dort zuschlagen, sondern oftmals jene gewalttätige Jugend. Diese Arbeit soll zunächst das Phänomen „Hooliganismus“ beschreiben um dann in einem weiteren Schritt einen Erklärungsansatz für die Jugendgewalt und deren Kristallisation im Hooliganismus liefern. Dabei möchte ich in dieser Einleitung zunächst einen Überblick über den thematischen Aufbau dieser Arbeit geben und eine geeignete Definition für den Gewaltbegriff im Kontext der Jugenddelinquenz und des Hooliganismus finden. Im zweiten Punkt, möchte ich in einem klassifikatorischen Ansatz eine Trennung der Fanlandschaft aus soziologischer Sicht beschreiben um dann in Punkt drei expliziert auf die gewaltaffinen Fangruppen der Ultras und der Hooligans einzugehen. Im Hauptteil möchte ich zunächst eine erste Brücke zwischen den Merkmalen der delinquenten Jugendkultur der Unterschicht und der Subkultur der Hooligans schlagen (Punkt vier) um dann im letzten Punkt Erklärungsansätze für jugendliche Gewalt und deren Kristallisation im Hooliganismus zu erläutern.
Da der Gewaltbegriff vielseitig diskutiert und definiert wird, möchte ich zunächst klar umreißen, von was die Rede ist, wenn im Folgenden der Terminus „Gewalt“ auftaucht [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung und Gewaltbegriff
2. Differenzierung der Fanlandschaft im Fußball
3. Spezifische Fangruppen
3.1 Ultras
3.2 Hooligans
4. Kristallisationspunkte einer delinquenten Jugendkultur der Unterschicht
5. Wert-, Sinnkrise und Erlebnisarmut – Gründe für die Gewalttätigkeit Jugendlicher
5.1 Werteverlust
5.2 Sinnkrise
5.3 Erlebnisarmut
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des Hooliganismus als einen Kristallisationskern für jugendliche Gewalt. Das primäre Ziel besteht darin, den Zusammenhang zwischen der delinquenten Jugendkultur der Unterschicht und der Subkultur der Hooligans aufzuzeigen sowie die gesellschaftlichen Ursachen für die wachsende Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen im Kontext des Fußballs zu analysieren.
- Soziologische Differenzierung von Fußballfangruppen (Ultras und Hooligans).
- Analyse der Subkultur der Hooligans und ihres Ehrenkodex.
- Übertragung der "Kultur der Unterschicht" nach Walter B. Miller auf die Hooligan-Szene.
- Untersuchung gesellschaftlicher Einflussfaktoren wie Werteverlust, Sinnkrise und Erlebnisarmut.
- Die Funktion der Hooligan-Firms als Identitätsstifter und Ersatz-Gleichaltrigengruppe.
Auszug aus dem Buch
3. Spezifische Fangruppen
Die Polizei hat abseits der Theorie HEITMEYERs und PETERs ein eigenes System mit dem gewaltbereite und gewaltsuchende Fans in der Datei „Gewalttäter Sport“ bei der „Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze“ in Düsseldorf (ZIS) gespeichert werden. Die Fans werden in A-, B- und C-Fans eingeteilt:
- A-Fans: Nur am Fußball interessiert, keinerlei Interesse an Gewalt
- B-Fans: Hauptsächlich „Kuttenfans“ in Fankurven, Gewalt weitaus weniger abgeneigt als die A-Fans, von der Polizei als „latent gewaltbereit“ eingestuft
- C-Fans: Hooligans, auf das Kämpfen und nicht auf das Fußballspiel fixiert, von der Polizei als „ständig auf Randale aus“ eingestuft
In der Datei „Gewalttäter Sport“ sind derzeit mehr als 10.000 Stadiongänger verzeichnet, Tendenz steigend. (Vgl. BLASCHKE 2007) Im Folgenden möchte ich etwas genauer auf die gewaltbereiten und gewaltsuchenden Gruppierungen der Ultras und vor allem der Hooligans eingehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung und Gewaltbegriff: Einführung in das Thema Hooliganismus und Definition eines physiologisch orientierten Gewaltbegriffs im Kontext von Jugenddelinquenz.
2. Differenzierung der Fanlandschaft im Fußball: Soziologische Einteilung der Fans in konsumorientierte, fußballzentrierte und erlebnisorientierte Idealtypen.
3. Spezifische Fangruppen: Detaillierte Betrachtung der gewaltaffinen Gruppen der Ultras und Hooligans unter Einbeziehung polizeilicher Kategorisierungen.
4. Kristallisationspunkte einer delinquenten Jugendkultur der Unterschicht: Anwendung der Theorie von Walter B. Miller zur Kultur der Unterschicht auf die Strukturen und Verhaltensweisen der Hooligan-Szene.
5. Wert-, Sinnkrise und Erlebnisarmut – Gründe für die Gewalttätigkeit Jugendlicher: Analyse der gesellschaftlichen Ursachen für Jugendgewalt, insbesondere durch Entsolidarisierung und den Verlust an Identitätsbildung.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung des Hooliganismus als Ventil für den Frust Jugendlicher in einer gesellschaftlich prekären Lage.
Schlüsselwörter
Hooliganismus, Jugendgewalt, Unterschicht, Subkultur, Fanlandschaft, Ultras, Gewaltbegriff, Identitätsfindung, Sinnkrise, Erlebnisarmut, Firm, Ehrenkodex, Desintegration, Soziologie, Fußballkultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Hooliganismus als gewaltförmiges Lebensmuster und untersucht, warum sich Jugendliche in entsprechenden Gruppierungen (Firms) organisieren.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Im Zentrum stehen die soziologische Einordnung von Fangruppen, die Analyse des Ehrenkodex von Hooligans und die gesellschaftlichen Bedingungen, die zu Jugendgewalt führen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit möchte belegen, wie der Hooliganismus als Kristallisationspunkt für die Delinquenz Jugendlicher fungiert und welche gesellschaftlichen Mängel dieser durch das Angebot von Identität und Erlebnis ausgleicht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt einen soziologischen Ansatz, basierend auf der Subkulturtheorie (Miller), Desintegrationskonzepten (Heitmeyer) und Modellen zur Identitätsentwicklung (Pilz).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit dem Transfer von Werten der Unterschicht auf die Hooligankultur sowie mit der Analyse von Werteverlust, Sinnkrise und Erlebnisarmut als Motoren für Gewalt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend sind Begriffe wie Hooliganismus, Identitätsfindung, Desintegration, Erlebnisarmut und der Ehrenkodex als hierarchisches Ordnungsprinzip.
Warum spielt die Unterschicht-Kultur eine so wichtige Rolle für das Verständnis von Hooligans?
Der Autor argumentiert, dass viele Hooligan-Verhaltensweisen, wie Härte, Geistige Wendigkeit und Statussuche, direkt auf die von Walter B. Miller beschriebene Kultur der Unterschicht zurückzuführen sind.
Wie unterscheidet sich die Hooligan-Identität von der Identität im Alltag?
Hooligans führen ein "Doppelleben": eine bürgerliche Alltagsidentität und eine subkulturelle Hooliganidentität, die an Spieltagen durch den Rauschzustand der Gewalt komplett abgelöst wird.
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- Benedikt Weber (Author), 2008, Hooliganismus als Kristallisationskern eines gewaltförmigen Lebensmusters Jugendlicher, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/93678