Die Aus- und Wechselwirkungen des Internets mit der Öffentlichkeit werden heutzutage intensiv erforscht. Doch wie sieht es aus, wenn angenommen wird, dass das Internet eine eigene Öffentlichkeit herausbildet? Welche Rolle spielen dabei Informationsvermittlung, Politik und Diskussion? Aufgrund dieser Fragen wurde die These aufgestellt, dass diese zweite Form der Öffentlichkeit bereits existiert.
Zudem wirft sie neue Fragen auf: Was hat Online-Partizipation mit der gesellschaftlichen Öffentlichkeit zu tun, gibt es Wechselwirkungen und wenn ja, welche? Was ist in diesem Zusammenhang überhaupt unter Partizipation und Öffentlichkeit zu verstehen? Um diese Fragen zu klären, bedarf es vorerst einer Definition der wichtigsten Begriffe. Diese führt schließlich zur Kernfrage, ob online und offline dieselbe Art der Öffentlichkeit stattfindet und was diese beiden Arten unterscheidet.
Warum haben wir nun eine neue Art der Öffentlichkeit in Folge des Internets? Information wird heutzutage über viele Kanäle vermittelt, Diskurs findet hingegen vor allem online statt, da Printmedien, Radio und Fernsehen vor allem Produzenten von Nachrichten sind und weniger der Hörer, Zuschauer beziehungsweise Leser eingebunden wird. All diese Definitionen und Merkmale der aktuellen Öffentlichkeit lassen erahnen, dass sich ihr Begriff in den letzten Jahren stark gewandelt hat. Es ist ein neuer Begriff der Öffentlichkeit entstanden, der vor allem mit Partizipation verknüpft ist. Diese Art der Partizipation findet in einem großen Rahmen online statt. Welche Zusammenhänge ergeben sich daraus mit der nicht-digitalen Öffentlichkeit, der Gesellschaft?
Inhaltsverzeichnis
1. Ein neuer Begriff der Öffentlichkeit
2. Parallelen
3. Diskrepanzen
4. Entwicklung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die grundlegenden Unterschiede und Wechselwirkungen zwischen der digitalen und der analogen Öffentlichkeit, um zu klären, inwiefern das Internet eine eigenständige Form der Öffentlichkeit herausbildet und wie Partizipation in beiden Sphären funktioniert.
- Definition und theoretische Einordnung von Öffentlichkeit
- Analyse von Partizipationsformen im Internet (eParticipation)
- Gegenüberstellung von online und offline Diskursen
- Untersuchung der strukturellen Trennung trotz medialer Durchdringung
Auszug aus dem Buch
Parallelen
Betrachten wir dazu vorerst die Parallelen zwischen der digitalen und der nicht-digitalen Öffentlichkeit – falls es diese Unterscheidung in dieser Weise gibt:
In beiden Öffentlichkeiten, falls man das so sagen kann, kann nach Dahrendorf theoretisch zwischen drei Formen der Partizipation unterschieden werden: der latenten Öffentlichkeit, die aus Nichtteilnehmern besteht, der passiven Öffentlichkeit, die das Publikum beinhaltet, und der aktiven Öffentlichkeit, deren Repräsentanten aktiv daran teilnehmen und gestalten. Die Grenzen zwischen diesen drei Kategorien sind als dynamisch anzusehen. (Dahrendorf 1993: 45) Bereits an dieser Kategorisierung ist jedoch bereits zu erkennen, dass die digitale Öffentlichkeit quasi keine latente Öffentlichkeit kennt: Durch die Mitgestaltung des Internets durch jeden Nutzer ist es unmöglich geworden, nicht an der digitalen Öffentlichkeit teilzunehmen, wenn man das Internet nutzt. Für die digitale Öffentlichkeit wurden diese Formen der Partizipation sogar bereits mit eigenen Begriffen belegt: e-Enabling als bloße Teilnahme, die aber eben nicht komplett ohne Mitgestaltung stattfinden kann, und e-Engaging das bewusste Einbringen der eigenen Meinung (Grönlund 2009). Auch die Begriffe der „lurker“, „intermittent contributors“ und „heavy contributors“, aufsteigend nach ihrem Grad der Partizipation, wurden geprägt (Nielsen 2006). Zugleich wird Interaktion online häufig als automatisch politische Aktion verstanden, als „casual politics“ (Pena-Lopez 2002), was hier aber nicht näher ausgeführt werden soll, da es den Rahmen sprengen würde. Festzuhalten sei daher nur, dass bei der Teilnahme in der nicht-digitalen Öffentlichkeit keine solche enge Verflechtung mit politischem Handeln vorausgesetzt werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
Ein neuer Begriff der Öffentlichkeit: Das Kapitel führt in die Problematik ein, wie das Internet die traditionelle Öffentlichkeit durch Partizipation und neue Kommunikationsformen verändert und definiert.
Parallelen: Es werden theoretische Schnittmengen der Partizipation in analogen und digitalen Räumen untersucht, wobei die Unvermeidbarkeit der Teilnahme im digitalen Raum hervorgehoben wird.
Diskrepanzen: Hier werden die fundamentalen Unterschiede in der Art der Anschlusskommunikation und der Form des digitalen Diskurses gegenüber der traditionellen Öffentlichkeit analysiert.
Entwicklung: Das abschließende Kapitel reflektiert die Mediatisierung der Gesellschaft und argumentiert, dass trotz enger Verflechtung weiterhin von zwei getrennten Öffentlichkeiten gesprochen werden muss.
Schlüsselwörter
Öffentlichkeit, Internet, Partizipation, Anschlusskommunikation, Diskurs, Mediatisierung, digitale Gesellschaft, eParticipation, Kommunikation, soziale Netzwerke, Online-Partizipation, politische Teilhabe, Nutzergenerierte Inhalte, Medienwandel, Interaktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie das Internet die Struktur der Öffentlichkeit verändert und ob eine digitale Öffentlichkeit als eigenständige Form existiert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Feldern zählen die Definition von Öffentlichkeit, der Einfluss von Partizipation auf Diskursformen und die Interaktion zwischen digitaler und nicht-digitaler Sphäre.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Klärung der Kernfrage, ob online und offline dieselbe Art von Öffentlichkeit stattfindet oder ob sich grundlegende Unterschiede in ihrer Funktionsweise zeigen.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit soziologischen Konzepten von Öffentlichkeit (u.a. nach Habermas und Dahrendorf) und deren Anwendung auf digitale Phänomene.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung von Parallelen und Diskrepanzen zwischen beiden Welten sowie eine Reflexion über die zunehmende Mediatisierung der Gesellschaft.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Öffentlichkeit, Partizipation, eParticipation, Anschlusskommunikation und Mediatisierung.
Wie unterscheidet sich laut Autor die digitale von der analogen Öffentlichkeit bei der Partizipation?
Im Internet ist laut Autor eine Nicht-Teilnahme kaum möglich, da die Struktur durch die ständige Mitgestaltung (eEnabling/eEngaging) geprägt ist, während im analogen Raum Partizipation weniger zwingend an politisches Handeln gekoppelt ist.
Warum kommt die Arbeit zu dem Schluss, dass es keine allumfassende, kombinierte Öffentlichkeit gibt?
Trotz der Verflechtung der Nutzer bestehen unüberbrückbare technische und strukturelle Grenzen, die eine Identität als "eine" Öffentlichkeit verhindern.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2020, Digitale Öffentlichkeit. Online Partizipation, Information und Diskurs, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/918994