Der Naturzustand ist der Ausgangspunkt Lockescher Überlegungen, wie das Staatswesen organisiert sein soll. Die Vorstellung, wie Menschen leben und welche Rechte sie unabhängig allen politischen Körperschaften haben, zeigt zum einen die fundamentalen Rechte die jeder Mensch besitzt und zum anderen den Zweck und die Verpflichtungen, die der Staatsapparat erfüllen muss um seine Bürger zu schützen.
In dieser Verschriftlichung sollen dabei der Naturzustand, die Möglichkeit der Transformation und die Überwindung des Kriegszustandes im Mittelpunkt stehen. Hierfür ist es unabdinglich auch auf die Begriffe Arbeit, Eigentum und Geld einzugehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Naturrecht und Naturzustand
3. Arbeit und Eigentum im Naturzustand
4. Geld als Konvention und Übereinkunft die natürlichen Grenzen des Eigentums zu umgehen…
5. … und damit den Grundstein zu legen für den Kriegszustand
6. Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die politische Philosophie von John Locke, insbesondere das Konzept des Naturzustands, dessen Transformation und die Gründe für dessen Überwindung zugunsten einer staatlichen Ordnung. Dabei wird analysiert, wie grundlegende Rechte wie Leben, Freiheit und Eigentum durch die Einführung des Geldes und das Aufkommen von Ressourcenknappheit unter Druck geraten und einen politischen Körper notwendig machen.
- Die Rechte des Individuums im vorstaatlichen Naturzustand
- Die enge Verknüpfung von Arbeit, Eigentum und Selbsterhaltung
- Die Rolle des Geldes als Konvention zur Umgehung natürlicher Eigentumsschranken
- Der Übergang vom friedlichen Naturzustand zum Kriegszustand
- Die Notwendigkeit und Legitimierung einer bürgerlichen Regierung
Auszug aus dem Buch
3. Arbeit und Eigentum im Naturzustand
„Die Erde und alles, was auf ihr ist, ist den Menschen zum Unterhalt und zum Genuß ihres Daseins gegeben“ (Locke 1977: S. 216). Damit geht die Verpflichtung einher, dass die Menschen das Land kultivieren und sich Besitz aneignen. Doch wie kann jemand etwas sein Eigentum nennen, was Gott allen Menschen gegeben hat? Zur Beantwortung dieser Frage greift Locke auf den Begriff der Arbeit zurück, sie macht den Unterschied aus.
Der Mensch hat zunächst ein Eigentum an seiner Person (nicht aber an seinen Leben, denn das gibt und nimmt Gott) und damit verbunden an der Arbeit, die sein Körper zu leisten vermag. Locke verbindet also die Begriffe von Eigentum und Arbeit. Der Mensch kann durch Arbeit sein Eigentum ausdehnen. Durch Arbeit entrückt er dem Naturzustand Gegenstände und macht sie zu seinem Eigentum. Die Arbeit, die er aufwendet, macht den Mehrwert dieses Gegenstandes aus und verleiht ihm das Recht, den Gegenstand zu besitzen und schließt damit andere von seiner Nutzung aus ohne das eine Zustimmung Dritter vorher erforderlich wäre.
Das erlegte Wildtier gehört demzufolge demjenigen, der es geschossen hat, die Äpfel seien das Eigentum desjenigen, der sie aufgesammelt hat und das Land derer, die es bewirtschaften. Durch Arbeit erlangt der Mensch also Privatbesitz, weil der Mensch die Vollmacht von Gott hat sich die Erde anzueignen. Vielmehr noch ist es eine Folge des Selbsterhaltungstriebes, den jeder Mensch unterliegt. Leben, Freiheit und Besitz sind notwendig für die Selbsterhaltung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Organisation des Staatswesens bei John Locke und skizziert den Aufbau der Untersuchung zum Naturzustand und dessen Überwindung.
2. Naturrecht und Naturzustand: Das Kapitel erläutert Lockes Verständnis der vorstaatlichen Freiheit und Gleichheit der Menschen sowie die daraus resultierenden Gesetze der Natur und Vernunft.
3. Arbeit und Eigentum im Naturzustand: Es wird dargelegt, wie der Mensch durch Arbeit Privatbesitz an der Natur begründet und welche Schranken das Eigentum vor der Einführung des Geldes begrenzen.
4. Geld als Konvention und Übereinkunft die natürlichen Grenzen des Eigentums zu umgehen…: Dieses Kapitel beschreibt die Funktion des Geldes als unvergängliches Tauschmittel, das es ermöglicht, Kapital anzuhäufen und die ursprünglichen Schranken der Eigentumsbildung zu überschreiten.
5. … und damit den Grundstein zu legen für den Kriegszustand: Hier wird analysiert, wie die Geldwirtschaft zu Ungleichverteilung und Konflikten führt, die den Naturzustand in einen Kriegszustand verwandeln.
6. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung reflektiert den Naturzustand als normatives Modell für die Notwendigkeit von Herrschaft und ordnet Lockes Philosophie in den Kontext moderner Menschenrechte ein.
Schlüsselwörter
John Locke, Naturzustand, Kriegszustand, Eigentum, Arbeit, Freiheit, Gleichheit, Selbsterhaltung, Geld, Kapitalakkumulation, Naturrecht, Gesellschaftsvertrag, politische Philosophie, Regierung, Menschenrechte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der politischen Philosophie von John Locke, insbesondere mit seinem Konzept des Naturzustands und der Frage, wie und warum Menschen diesen verlassen, um eine bürgerliche Gesellschaft zu gründen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Naturrecht, die Entstehung von Privateigentum durch Arbeit, die Rolle des Geldes als ökonomische Konvention und die daraus resultierende Gefahr des Kriegszustands.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Übergang vom Naturzustand zum organisierten Staat bei Locke zu verdeutlichen und aufzuzeigen, wie Lockes Überlegungen zur Erhaltung von Leben, Freiheit und Eigentum die Notwendigkeit einer Regierung begründen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer textanalytischen Auseinandersetzung mit Lockes „Zweiten Abhandlung über die Regierung“ unter Einbeziehung und kritischer Würdigung politikwissenschaftlicher Forschungsliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Rechte im Naturzustand, die Genese des Eigentums, die transformative Kraft des Geldes und den daraus folgenden Rückfall in den Kriegszustand, der schließlich die Gründung einer staatlichen Ordnung erfordert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Naturzustand, Eigentum, Arbeit, Freiheit, Geld und der Übergang zur bürgerlichen Gesellschaft.
Warum spielt das Geld bei Locke eine so entscheidende Rolle für den Übergang zum Kriegszustand?
Geld ermöglicht es, über den Eigenbedarf hinaus Güter anzuhäufen, ohne dass diese verderben. Dies bricht die natürlichen Schranken der Aneignung, führt zu Ressourcenknappheit und begünstigt Egoismus, was den ehemals friedlichen Naturzustand instabil macht.
Wie unterscheidet sich der Lockesche Kriegszustand vom Hobbesschen Naturzustand?
Während Hobbes einen permanenten „Krieg aller gegen alle“ als ursprünglichen Zustand annimmt, ist der Kriegszustand bei Locke ein Zustand der Feindschaft, der erst durch die Zerstörung des friedlichen Naturzustands durch Habgier und fehlende Rechtssicherheit entsteht.
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- Martin Schultze (Autor:in), 2007, Naturzustand und Kriegszustand in der politischen Philosophie von John Locke, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/84598