Diese Hausarbeit gibt einen Überblick des Eltern-Kind-Verhältnisses vom Mittelalter bis zur Neuzeit. Bei den Darstellungen der Verhältnisses wird versucht den gesellschaftlichen Background miteinzubeziehen, um deutlich zu machen, dass zum Beispiel aus heutiger Sicht brutalere Umgangsformen von Eltern gegenüber ihren Kindern eingebettet waren in generell "brutalere" Lebensverhältnisse.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Zu den Probleme des Umganges mit historischen Quellen
2. Familiäre Lebensumstände und die Bedeutung von Kindern im Mittelalter und der frühen Neuzeit
3. Wandlungsprozesse der Eltern-Kind-Beziehung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung der Eltern-Kind-Beziehung unter Einbeziehung der Zivilisationstheorie von Norbert Elias, um den Funktionswandel der Beziehung sowie die veränderten Machtchancen von Kindern innerhalb der Familie aufzuzeigen.
- Historische Analyse der Kindheit im Mittelalter und der frühen Neuzeit
- Einfluss ökonomischer und gesellschaftlicher Strukturen auf Erziehungsmethoden
- Wandel von Kindheit als ökonomische Einheit hin zur emotionalen Bindung
- Rolle der Zivilisationstheorie bei der Betrachtung von Sozio- und Psychogenese
- Veränderung elterlicher Fürsorge und Gewaltanwendung im Zeitverlauf
Auszug aus dem Buch
Die Bedeutung der Gemeinschaft für den Einzelnen, lässt sich am ehesten aus den familiären Lebensumständen erklären.
Die bäuerliche Familienform, bezeichnet als die Lebensform des „ganzen Hauses“ – dem Oikos – stellte eine patriarchalisch strukturierte Subsistenzgemeinschaft dar, dass heißt, eine dem Hausherren unterstehende, in erster Linie für den eigenen Bedarf produzierende Einheit aus Mägden, Knechten, Ehefrau und Kinder. Die so genannte Dreigenerationenfamilie war durch die geringe Lebensdauer, das relativ späte Heiratsalter und aus ökonomischen Gründen so gut wie nicht vertreten.
Der Hausherr vertrat die anderen Hausgenossen nach außen, war für ihr Handeln verantwortlich und konnte für ihr Fehlverhalten belangt werden. Nach innen verfügte er über die „Befehlsobergewalt“ einschließlich des körperlichen Züchtigungsrechts. Dieses „ganze Haus“ schloss nicht nur Blutsverwandte mit ein, sondern alle, die in diesem „Haus“ arbeiteten und lebten. In einigen Gegenden ging die Integration der Nicht-Blutsverwandten so weit, dass das Gesinde das Bauernpaar mit „Vater“ und „Mutter“ anredete.
Die räumliche Anordnung des Oikos ist einfach zu schildern. Der Oikos bestand aus einem großen Raum innerhalb dessen sich das Leben abspielte. Hier wurde gekocht, geschlafen, sich gewaschen, gegessen; Intimsphären waren so gut wie nicht vorhanden – dies betrifft auch die Familienformen ohne Produktionsfunktion, die in so genannten, für jeden zugänglichen „Katen“ lebten. Kinder nahmen von Anfang an am Leben der Erwachsenen teil, ob es dabei um ein Geburtsereignis oder um den Tod eines anderen Menschen ging. Lebensraum und Arbeitsplatz waren nicht voneinander getrennt. Gleiches finden wir beim vom Handwerk geprägten städtischen Leben. Auch hier spielte sich das Leben und Arbeiten innerhalb eines Hauses ab.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Zu den Probleme des Umganges mit historischen Quellen: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Schwierigkeiten bei der Erforschung der Geschichte der Kindheit und begründet den Einsatz der Zivilisationstheorie.
2. Familiäre Lebensumstände und die Bedeutung von Kindern im Mittelalter und der frühen Neuzeit: Hier werden die hierarchischen Strukturen der damaligen Gesellschaft, das Konzept des „ganzen Hauses“ und die alltäglichen Erziehungspraktiken (wie das Wickeln) detailliert analysiert.
3. Wandlungsprozesse der Eltern-Kind-Beziehung: Dieses Kapitel fasst die langfristigen Veränderungen in der Eltern-Kind-Beziehung zusammen, insbesondere den Wandel von ökonomischer Nutzbarkeit hin zur emotionalen Individualisierung.
Schlüsselwörter
Kindheit, Eltern-Kind-Beziehung, Zivilisationstheorie, Mittelalter, Oikos, Erziehung, Kindermord, Funktionswandel, Machtchancen, Affektkontrolle, Sozialgeschichte, Soziogenese, Psychogenese, Humanisierung, Familienstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen Untersuchung des Wandels der Eltern-Kind-Beziehung von der vorindustriellen Zeit bis in die Moderne.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die historische Mentalität gegenüber Kindern, die soziologische Struktur des "ganzen Hauses" (Oikos) sowie der Zivilisationsprozess und seine Auswirkungen auf Erziehung und Gefühlshaushalt.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Funktionswandel der Eltern-Kind-Beziehung in ein theoretisches Rahmenwerk (basierend auf Norbert Elias) einzubinden und die veränderten Machtverhältnisse zwischen Generationen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche und soziologische Analyse historischer Quellen unter Anwendung der Zivilisationstheorie und strukturalistischer Ansätze verfolgt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die lebensweltlichen Bedingungen im Mittelalter, die Rolle der Kindheit, den Einfluss ökonomischer Zwänge auf die Familie sowie den Übergang zu modernen, emotional geprägten Beziehungsstrukturen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Kindheit, Zivilisationstheorie, Oikos, Erziehung, Sozialgeschichte und Machtchancen charakterisiert.
Warum wurde die Kindestötung im Mittelalter als "natürlich" betrachtet?
Dies resultierte aus ökonomischen Zwängen und einer fehlenden institutionellen Sicht auf die Kindheit, wobei der "Kindermord" häufig durch religiöse oder existenzielle Notlagen legitimiert wurde.
Welche Rolle spielt der Oikos für das Verständnis der mittelalterlichen Familie?
Der Oikos war eine patriarchalisch strukturierte Subsistenzgemeinschaft, in der Lebensraum und Arbeitsplatz vereint waren, was zu einer hohen Transparenz und einer Integration des Kindes in die Erwachsenenwelt führte.
Inwiefern hat sich die Machtposition von Kindern verändert?
Kinder haben heute ein höheres Maß an Eigengesetzlichkeit und Machtchancen gegenüber ihren Eltern, was durch rechtliche Schutzinstrumente und eine stärkere emotionale Bindung begründet ist.
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- Christoph Egen (Author), 2007, Wandlungen der Eltern-Kind-Beziehung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/79952