Emile Zolas Roman La bête humaine (ersch. 1890) ist der siebzehnte Band des Zyklus : Les Rougon-Maquart. Die Geschichte evoziert die Welt der Eisenbahn mit den Hauptfiguren Jaques Lantier, Mechaniker und Sohn von Gervaise Macquart und Auguste Lantier (siehe L'Assommoir), sowie seiner Lokomotive - La Lison, die J. Lantier wie eine Frau liebt. Neben seinem dokumentarischen Aspekt stellt La bête humaine eine Art Thriller des 19.Jh. dar. J. Lantier leidet nämlich an einer psychologischen Störung, die Zola auf den Alkoholismus der Maquarts zurückführt und durch die er zu Handlungen getrieben wird, auf die er keinen Einfluss zu vernehmen mag.
Dieser psychologische Aspekt ist Voraussetzung für das Verständnis der zwischenmenschlichen Beziehungen im Roman, wodurch eine Analyse der Figuren unabdingbar ist. Die Verfilmung dieses Aspektes ist eine besondere Herausforderung, der sich Jean Renoir 1938 gestellt hat. Für sein 97-minütiges Drama wurde er noch im selben Jahr von der Académie du Cinéma mit dem Prix Méliès ausgezeichnet. Doch bleibt zu untersuchen, inwieweit sich Renoir an die Romanvorlage hält und ob es ihm tatsächlich gelungen ist dem Anspruch gerecht zu werden.
So werden im Folgendem Jaques Lantier (gespielt von Jean Gabin), Séverine (Simone Simon), Roubaud (Fernand Ledoux), Pequeux (Julien Carette) und Cabuche (Jean Renoir) anhand der Verfilmung analysiert und psychologische Zusammenhänge aufgezeigt. Aschließend findet anhand von Textbelegen ein Vergleich mit der Romanvorlage statt.
Inhaltsverzeichnis
A Die Figuren in Renoirs Film La bête humaine
1. Jacques Lantier
1.1. Einführung in seine Person
1.2. Seine Liebschaft mit Séverine
1.3. Das Ende
2. Roubaud
2.1. Einführung in seine Person
2.2. Der Wandel
3. Séverine
3.1. Einführung in ihre Person
3.2. Ihre Liebschaft mit Jacques
3.3. Das Ende
4. Flore
5. Pecqueux
6. Cabuche
B Die Figuren in der Romanvorlage
1. Jacques Lantier
1.1. Die Einführung in seine Person
1.2. Seine Liebschaft mit Séverine
2.Roubaud
2.1. Seine Person und Geschichte
3. Séverine
3.1. Einführung in ihre Person
3.2. Ihre Liebschaft mit Jacques
4. Flore
5. Pecqueux
6. Cabuche
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Seminararbeit untersucht und vergleicht die Charakterzeichnungen der zentralen Figuren in Émile Zolas Romanvorlage „La bête humaine“ und Jean Renoirs gleichnamiger filmischer Adaption. Das primäre Ziel besteht darin, die psychologische Tiefe und die Entwicklung der Figuren in beiden Medien gegenüberzustellen sowie Unterschiede und Gemeinsamkeiten in ihrer Darstellung herauszuarbeiten.
- Charakterisierung von Jacques Lantier und seiner Krankheit in Film und Roman
- Die psychologische Entwicklung von Roubaud und Séverine im Kontext ihrer Verbrechen
- Die Rolle der Nebenfiguren wie Flore, Pecqueux und Cabuche als soziale Spiegel
- Vergleich der medialen Umsetzung von Zolas naturalistischem Menschenbild
Auszug aus dem Buch
1.1. Einführung in seine Person
Jacques Lantier wird bereits am Anfang des Films als Hauptfigur kenntlich gemacht, indem ein Zitat aus Zolas Textvorlage eingeblendet ist und explizit erwähnt wird, daß der Film seine Geschichte erzählt. Die geschickt inszenierte Einleitung weist alle Merkmale einer klassischen Exposition auf : sie stellt die Hauptperson zunächst rein formell durch die Bekanntgabe seiner Abstammung vor (“einer der Söhne von August Lantier und Gervaise aus der Familie Rougon-Macquart“) und erzählt mit wenigen Worten seine Vorgeschichte und seinen psychologischen Zustand. Der Zuschauer wird bereits mit seiner Krankheit konfrontiert, auch wenn sie noch nicht näher determiniert wird.
Er wird lediglich darüber informiert, daß Jacques durch sie zu Handlungen getrieben wird, auf die er keinen Einfluß hat, daß er von ihr geprägt ist und sich darüber bereits viele Gedanken gemacht hat. Sein erster Auftritt schließt sich inhaltlich der Exposition an. Durch das Auflodern des Feuers im Heizofen wird der Zuschauer mitten ins Geschehen katapultiert und Jacques, der die Lokomotive führt wird ins Bild gesetzt. In dieser relativ langen Szene bekommt der Zuschauer einen Einblick in sein Alltagsleben und wird somit langsam mit seiner Person vertraut gemacht. Erste charakteristische Merkmale können bereits festgestellt werden : Er scheint gut mit seinen Mitmenschen umgehen zu können, was man an seinem Verhältnis zu Pecqueux deutlich erkennen kann. Sie verstehen einander ohne Worte, was bei dem Lärm, der auf der Lokomotive vorherrscht auch nötig ist.
Zusammenfassung der Kapitel
A Die Figuren in Renoirs Film La bête humaine: Analyse der Haupt- und Nebenfiguren sowie deren Motivationen und psychologischer Verfassung in der Verfilmung.
B Die Figuren in der Romanvorlage: Gegenüberstellung der literarischen Charakterzeichnungen mit Fokus auf Zolas ursprüngliche psychologische Konzepte.
Schlüsselwörter
La bête humaine, Émile Zola, Jean Renoir, Charakteranalyse, Jacques Lantier, Roubaud, Séverine, Naturalismus, psychologische Entwicklung, Literaturverfilmung, Romanvorlage, Filmfiguren, Determinismus, Menschenbild, Motivvergleich.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht die Figurenkonstellationen und deren psychologische Darstellung in der Romanvorlage von Émile Zola und der Verfilmung durch Jean Renoir.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentrale Themen sind die menschliche Psyche unter dem Einfluss von Trieben, die Auswirkungen von Schuld und die sozialen Rahmenbedingungen der Figuren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist der Nachweis, wie die Charaktere – insbesondere Jacques, Roubaud und Séverine – durch filmische Mittel einerseits und durch literarische Beschreibungen andererseits charakterisiert werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende literatur- und filmwissenschaftliche Analyse, die Textstellen aus dem Roman und Szenen aus dem Film strukturiert auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die einzelnen Figuren in beiden Werken detailliert eingeführt, ihre Handlungen analysiert und ihre Entwicklung bis zum jeweiligen Ende nachvollzogen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Naturalismus, Charakteranalyse, Determinismus und die spezifischen Protagonisten wie Jacques Lantier und Séverine.
Welche Rolle spielt die Lokomotive für Jacques?
Die Lokomotive, Lison genannt, dient als Ersatzfrau und ermöglicht Jacques eine Flucht aus der sozialen Realität sowie eine Identifikation mit seiner Arbeit.
Wie unterscheidet sich die Darstellung der Schuld bei Roubaud?
Roubaud wandelt sich vom fürsorglichen Ehemann zum gleichgültigen Spieler, wobei die Schuld am Mord seine Persönlichkeit und sein späteres Handeln tiefgreifend verändert.
Welche Bedeutung hat die Figur des Cabuche?
Cabuche wird durchgehend als Sündenbock dargestellt, der trotz seiner ehrlichen Suche nach Liebe und Anerkennung an der Ablehnung durch die Gesellschaft scheitert.
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- Stefanie Klingler (Author), 1999, Zolas Roman La bête humaine: die Figuren in Renoirs Film und der Romanvorlage, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/7402