In der heutigen Industriegesellschaft, in der Termindruck, Just-in-time-Produktion, Globalisierung, Veränderungsdruck und Flexibilität uns täglich begegnen, sowie die steigende Anzahl an terroristischen Anschlägen, Krisengebieten und dem vermehrten Auftreten von Naturkatastrophen, sind die Begriffe >>Stress<< und >>Trauma<< ein alltäglicher Begleiter der Menschen. Nicht ohne Grund hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Stress zu einer der großen Gesundheitsgefahren des 21 Jahrhunderts erklärt (vgl. SCHUH/LITZCKE (2005: 2)). Die Stressfolgekosten summieren sich für Deutschland auf die unglaubliche Zahl von dreißig Milliarden Euro, mit steigender Tendenz (vgl. ebd.).
Stress und traumatische Erlebnisse sind keine Phänomene, die nur vereinzelte Personen oder Personenkreise betreffen, sie sind allgegenwärtig und wirken auf alle Lebewesen, durch alle Altersstufen und soziale Schichten. Stress ist z.B. keine Managerkrankheit, als die sie manchmal bezeichnet wird.
Das Stress und traumatische Ereignisse negative Folgen haben können, ist eine Tatsache. Allerdings sind die genauen Einflüsse, die Personen anfällig gegenüber Stress und Traumata machen sehr unterschiedlich und auch in der Wissenschaft herrscht teilweise Uneinigkeit über die unterschiedlichen Faktoren, die bei der Ätiologie eine Rolle spielen.
In dieser Arbeit werde ich die wesentlichen Stress- und PTBS-Theorien und Konzepte inklusive möglicher Behandlungs- und Bewältigungsstrategien herausstellen und ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede betonen sowie kritisch betrachten. Dabei habe ich mich auf weitestgehend Fachliteratur zu den einzelnen Themengebieten gestützt, sowie einige Dissertationen und exemplarische Studien zur empirischen Fundierung herangezogen. Als Metaanalyse ist diese Arbeit aber keinesfalls anzusehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Hinführung zum Thema
2. Der Begriff Stress in der historischen Entwicklung
3. Grundkonzepte der Stressforschung
3.1 Der Reaktionsansatz
3.2 Der Stimulusansatz
3.3 Das transaktionale Konzept
4. Ursachen
4.1 Die Umwelt
4.2 Das Ich
4.2.1. Soziodemographische Personenmerkmale und soziökonomischer Status
4.2.2. Personale Ressourcen und Vulnerabilitätsfaktoren
4.2.2.1. Negative Affektivität
4.2.2.2. Typ-A Verhalten
4.2.2.3. Positive Affektivität
4.2.2.4. Selbstwerterhaltung und Selbstwirksamkeit
5. Erscheinungsformen
5.1 Psychologische Stressreaktionen
5.2 Physiologische Stressreaktionen
6. Stresscoping
6.1 Problemorientierte Bewältigung
6.2 Emotionsorientierte Bewältigung
6.3 Soziale Unterstützung
7. Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
7.1 Epidemiologie
7.2 Die Klassifikation der PTBS in den aktuellen Diagnosesystemen
7.2.1. Intrusive Symptome
7.2.2. Vermeidungssymptome
7.2.3. Arousal-Symptome
7.3 Nosologie und Verlauf
7.4 Komorbidität
8. Vom Stress zum Trauma – Was macht Stress traumatisch?
9. Ausgewählte Konzepte der Traumabewältigung
9.1 Konfrontationsverfahren
9.2 EMDR
10. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Stress, Stressbewältigung und der Entwicklung einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), wobei sie die theoretischen Modelle kritisch beleuchtet und empirisch fundierte Bewältigungsstrategien sowie protektive Faktoren analysiert.
- Psychologische und physiologische Konzepte der Stressforschung
- Einflussfaktoren von Umwelt und Persönlichkeit auf das Stressempfinden
- Ätiologie und Diagnostik der Posttraumatischen Belastungsstörung
- Die Rolle sozialer Unterstützung als Puffer bei psychischen Belastungen
- Methoden und Ansätze der Traumabewältigung
Auszug aus dem Buch
3.1 Der Reaktionsansatz
In reaktionsorientierten Ansätzen werden die Indikatoren für Stress nicht auf der Stimulusseite definiert, sondern sowohl physio- als auch psychologisch auf der Reaktionsseite operationalisiert. Man kann auch sagen, dass Stress als Output verstanden wird (vgl. u. a. SCHWARZER (1993: 14) (2004: 153)). Auf Basis der Forschungen von Walter CANNON (1929) im Bereich der Emotionspsychologie hat der Endokrinologe Hans SELYE maßgeblichen Einfluss auf die Theorie genommen. Nicht zuletzt deshalb wird der Reaktionsansatz bzw. das Reaktionskonzept die SELYE´sche Stresstheorie genannt (vgl. HAMBERGER/ LOHR (1984: 9) u. WENSING (1990: 7)). Um diese Theorie und ihren wissenschaftlichen Hintergrund zu verstehen, muss im Vorfeld geklärt werden, was SELYE unter Stress versteht (vgl. 2. prozessorientierte Betrachtung des Terminus). So definiert er Stress medizinisch als „die unspezifische Reaktion des Körpers auf jede Anforderung, die an ihn gestellt wird.“ (SELYE (1974: 58)) Hier wird Stress auf die unspezifische Reaktion des Organismus bezogen, während die (Umwelt-) Anforderungen oder auslösenden Reize die Stressoren darstellen.
Was bedeutet nun „unspezifische Reaktion“? SELYE (1974: 58-59) stellt fest, dass jede Anforderung an den menschlichen Körper in gewissem Maße >>spezifisch<< ist. Dies kann das Zittern bei Kälte sein, das Schwitzen bei Hitze oder das Schnellerschlagen des Herzes bei erhöhter körperlicher Beanspruchung. Auch Arzneimittel können diese spezifischen Wirkungen auslösen. Darüber hinaus allerdings „steigern sie auch noch den Bedarf für den normalisierenden Ausgleich“ (ebd.: 58-59), also den Bedarf der Wiederherstellung der Homöostase bzw. Aufrechterhaltung des inneren Milieus. Genau dieser Bedarf ist eben >>unspezifisch<<, mit anderen Worten, die unspezifische Reaktion des Organismus auf endogene oder exogene Reize, kennzeichnet das Unspezifitätskonzept von Hans SELYE. Stress manifestiert sich demnach in einem spezifischen Syndrom, das aus allen unspezifischen Veränderungen eines biologischen Systems besteht (vgl. HELLER (1978: 118)).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Hinführung zum Thema: Einleitung in die Relevanz von Stress und Trauma in der modernen Industriegesellschaft und Darlegung der Zielsetzung der Arbeit.
2. Der Begriff Stress in der historischen Entwicklung: Historische Herleitung und wissenschaftliche Einordnung des vielschichtigen Stressbegriffs.
3. Grundkonzepte der Stressforschung: Darstellung der drei primären theoretischen Stressansätze: Reaktions-, Stimulus- und transaktionales Modell.
4. Ursachen: Analyse der Umweltfaktoren sowie persönlicher Persönlichkeitsmerkmale und Ressourcen als Stressursachen.
5. Erscheinungsformen: Beschreibung der verschiedenen psychischen und physischen Symptome, die als direkte Folge von Stress auftreten können.
6. Stresscoping: Untersuchung von Bewältigungsmechanismen sowie der zentralen Rolle sozialer Unterstützung im Umgang mit Stress.
7. Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS): Epidemiologische Daten, Klassifikationskriterien nach DSM-IV und ICD-10 sowie Symptombeschreibungen.
8. Vom Stress zum Trauma – Was macht Stress traumatisch?: Kritische Auseinandersetzung mit der Übergangsphase von Stress zu traumatischen Belastungen.
9. Ausgewählte Konzepte der Traumabewältigung: Vorstellung therapeutischer Ansätze wie Konfrontationsverfahren und EMDR zur Behandlung von Traumafolgen.
10. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse zur Bedeutung von Diagnose, Früherkennung und ökonomischen Aspekten in der Traumabewältigung.
Schlüsselwörter
Stress, Trauma, Posttraumatische Belastungsstörung, PTBS, Stresscoping, Soziale Unterstützung, Resilienz, Vulnerabilität, Transaktionales Stressmodell, Bewältigungsstrategien, Diagnostik, Pathogenese, Gesundheit, Psychosomatik, Interventionsmethoden.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit widmet sich der wissenschaftlichen Aufarbeitung des Zusammenhangs zwischen Stress und der Entstehung sowie Bewältigung einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS).
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Stressforschung, die Bedeutung individueller Persönlichkeitsmerkmale und Umweltfaktoren sowie spezifische Behandlungs- und Bewältigungsstrategien bei Stress und Traumata.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel der Arbeit ist es, die wesentlichen Stress- und PTBS-Theorien zusammenzuführen, ihre Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede kritisch zu betrachten und dabei die Rolle von Bewältigungsressourcen und Interventionsmöglichkeiten herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer umfassenden Literaturanalyse und dem Heranziehen exemplarischer Studien zur empirischen Fundierung, sie versteht sich jedoch ausdrücklich nicht als Metaanalyse.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Stresskonzepte, Ursachen, psychische und physische Erscheinungsformen sowie Stressbewältigungsmethoden und die spezifische klinische Beschreibung der PTBS unter Berücksichtigung aktueller Diagnosesysteme detailliert dargelegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Stress, Trauma, PTBS, Coping, Soziale Unterstützung, Vulnerabilität und Resilienz charakterisieren.
Warum spielt soziale Unterstützung eine so große Rolle?
Soziale Unterstützung wird als einer der wichtigsten, konstanten Schutzfaktoren identifiziert, der sowohl präventiv wirken kann als auch entscheidend für den Genesungsprozess nach einem Trauma ist.
Inwieweit unterscheiden sich Stress und Trauma in dieser Arbeit?
Die Arbeit betont den kausalen Unterschied im Ausmaß: Während Stress oft als längerfristige Anforderung wahrgenommen wird, führt ein Trauma als Überforderung zu einer Erschütterung des Selbst- und Weltverständnisses.
- Arbeit zitieren
- Dipl.-Päd. Alexander Geldmacher (Autor:in), 2006, Stress und Traumaerleben - Zum Zusammenhang von Stress und Posttraumatischer Belastungsstörung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/72352