Seit einigen Jahren befinden sich die Weltwirtschaft und damit der Wettbewerb in beinahe allen Branchen und Märkten in einem massiven Wandel. Das Wettbewerbsumfeld verschärfte sich zunehmend. Die Gründe dafür liegen unter anderem in der Liberalisierung lokaler Märkte, der weiter zunehmenden Globalisierung und dem Ausbau der Telekommunikationsinfrastruktur. Gleichzeitig sind eine Verkürzung der Technologie- und Produktlebenszyklen sowie eine steigende Komplexität der Produkte und Dienstleistungen feststellbar. Eine zunehmende Schnelllebigkeit und Individualisierung der Markt- und Kundenanforderungen ist bemerkbar. Rasante Fortschritte in der Informations- und Kommunikationstechnologie ermöglichen neue Produkte, Prozessinnovationen, neue Formen der Arbeitsorganisation und Unternehmensorganisation.
Unternehmen, die sich in ihrer Branche seit Jahren gut positionierten und ihre Märkte eindeutig definieren und verteidigen konnten, müssen sich auf Grund des geänderten Umfeldes neu orientieren um den komplexen Anforderungen gerecht zu werden. Traditionelle Organisationsformen vermögen oftmals das erforderliche Know-how, um auf den neuen Märkten bestehen zu können, nicht hervorzubringen beziehungsweise dieses nicht ausreichend zu bündeln.
In den Vordergrund unternehmerischen Handelns treten vermehrt Eigenschaften wie Flexibilität, Schnelligkeit und Kundenorientierung.
Einen möglichen Ansatz bietet eine neue Organisationsform, die in der Lage ist, die erforderlichen Problemlösungskompetenzen schnell aufzubauen. Diese Kombination von Eigenschaften wird durch das Konzept des virtuellen Unternehmens realisiert. Anhand eines Aufsatzes im Harvard Business Review von Ricardo Semler soll die Anwendung des Konzeptes der „virtuellen Organisation“ (VO) auf reale Begebenheiten überprüft, Grenzen definiert und einer kritischen Würdigung unterzogen werden.
Der zweite Teil dieser Arbeit beschäftigt sich mit traditionellen Organisationsformen und beschreibt deren Vor- wie auch Nachteile in der geänderten Wettbewerbssituation. Beginnend bei grundlegenden Organisationsdefinitionen wird der Bogen über die Ziele einer Organisation bis hin zu Ein- und Mehrlinienorganisation sowie zur Matrixorganisation gespannt. Der darauf folgende Teil stellt das Framework einer VO vor. Es werden deren Strukturmerkmale und Besonderheiten zu bisherigen Organisationsformen beleuchtet. Eine klare Abgrenzung zu ähnlichen Konzepten schließt diesen Teil ab.
Inhaltsverzeichnis
3. Einleitung und Zielsetzung dieser Arbeit
4. Traditionelle Organisationsformen
4.1 Definition
4.1.1 Instrumenteller Organisationsbegriff
4.1.2 Funktionale Definition
4.2 Formalisierungsgrad
4.2.1 Formale Organisation
4.2.2 Informale Organisation
4.3 Organisationsziel
4.4 Traditionelle Organisationstheorie
4.4.1 Aufbau- und Ablauforganisation
4.4.2 Organisationsformen
Einliniensystem
Stabliniensystem
Mehrlinienorganisation
Matrixorganisation
5. Das virtuelle Unternehmen als neue Organisationsform
5.1 Definition
5.2 Merkmale von Virtuellen Unternehmen
5.2.1 Netzwerkcharakter
5.2.2 Einbringen von Kernkompetenzen
5.2.3 Modularisierung
5.2.4 Kommunikation- und Informationstechnologien
5.2.5 Vertrauensbeziehungen
5.2.6 Abgrenzung zu ähnlichen Konzepten
Konzern
Strategische Allianz
Joint Venture
Keiretsu
5.3 Kritische Würdigung
6. Semler: Why My Former Employees Still Work For Me
6.1 Background
6.2 Systembeschreibung
6.3 Modularisierung
6.4 Netzwerkcharakter
6.5 Einbringen von Kernkompetenzen
6.6 Kommunikations- und Informationstechnologien
6.7 Vertrauensbeziehungen
6.8 Kontrolle und klassische Unternehmensführung
6.9 Kritische Würdigung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit verfolgt das Ziel, das Konzept des virtuellen Unternehmens theoretisch zu fundieren und dessen Anwendbarkeit anhand des Fallbeispiels von Ricardo Semler (SEMCO) kritisch zu analysieren, um Stärken und Schwächen gegenüber traditionellen Organisationsformen aufzuzeigen.
- Analyse traditioneller Organisationsformen (Einlinien-, Mehrlinien- und Matrixorganisation).
- Erarbeitung der Merkmale und Definitionen virtueller Unternehmen.
- Untersuchung des Paradigmenwechsels bei der Firma SEMCO.
- Kritische Würdigung der Übertragbarkeit virtueller Organisationskonzepte.
- Gegenüberstellung von klassischer Hierarchie und radikaler Selbstorganisation.
Auszug aus dem Buch
6.2 Systembeschreibung
Semler beschreibt die Organisation folgendermaßen:
„What we’re now engaged in might be called a radical experiment in unsupervised, in-house, company supported satellite production of goods and services for sale to Semco itself and to other manufacturers by employees, part-time employees, ex-employees, and people who have never had any connection with Semco whatsoever (but who work on our premises and on our equipment). This is not at all the same thing as outsourcing. This is a borderless system of short-term, non-contractual task assignment often using Semco’s own fixed assets, some of it in Semco plants and some dispersed at a dozen sites that don’t belong to the company.”
Zusammenfassung der Kapitel
3. Einleitung und Zielsetzung dieser Arbeit: Einführung in den Wandel der Weltwirtschaft und die resultierende Notwendigkeit für neue, flexible Organisationsformen wie das virtuelle Unternehmen.
4. Traditionelle Organisationsformen: Darstellung klassischer Strukturmodelle wie der Einlinien- und Matrixorganisation sowie deren theoretische Einordnung und Charakteristika.
5. Das virtuelle Unternehmen als neue Organisationsform: Definition und Analyse der Merkmale virtueller Netzwerke, einschließlich Abgrenzungen zu anderen Konzepten wie Joint Ventures oder Konzernen.
6. Semler: Why My Former Employees Still Work For Me: Fallstudie über die Firma SEMCO, bei der das theoretische Modell der virtuellen Organisation an der realen Unternehmenspraxis geprüft wird.
Schlüsselwörter
Virtuelles Unternehmen, Organisationsstruktur, Ricardo Semler, SEMCO, Kernkompetenzen, Modularisierung, Netzwerkcharakter, Selbstorganisation, Dezentralisierung, Arbeitsteilung, Unternehmensführung, Flexibilität, Kundenorientierung, Informationsmanagement, Vertrauensbeziehungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Wandlungsprozesse in der globalen Wirtschaft und wie Unternehmen durch den Übergang von starren, klassischen Organisationsformen hin zu virtuellen Unternehmensmodellen wettbewerbsfähig bleiben können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Organisationstheorie, die spezifischen Merkmale virtueller Unternehmen und die empirische Überprüfung dieser Konzepte an einem Praxisbeispiel.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel besteht darin, anhand des Artikels von Ricardo Semler über die Firma SEMCO zu bewerten, inwieweit das theoretische Konzept der „virtuellen Organisation“ in der Realität angewendet werden kann und wo die Grenzen dieses Modells liegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine Kombination aus Literaturanalyse zur Fundierung der Organisationstheorien und einer kritischen Fallstudienanalyse (Analyse des Artikels von Semler) verwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auseinandersetzung mit traditionellen Organisationsformen sowie eine fundierte Analyse des virtuellen Unternehmens als moderne Alternative, ergänzt durch die Fallstudie SEMCO.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Netzwerkcharakter, Modularisierung, Kernkompetenzen, Selbstorganisation und die Abgrenzung von klassischen Hierarchien.
Wie unterscheidet sich das SEMCO-Modell von klassischem Outsourcing?
Semler betont, dass es sich um ein grenzenloses System kurzfristiger, nicht-vertraglicher Aufgabenverteilungen handelt, bei dem oft die eigenen Anlagen des Unternehmens genutzt werden, was über die bloße Auslagerung von Prozessen hinausgeht.
Welche Rolle spielt Vertrauen in diesem Organisationsmodell?
Aufgrund des Fehlens eines festen juristischen Daches oder hierarchischer Weisungsbefugnisse ist Vertrauen das wesentliche Koordinationsinstrument, um die Zusammenarbeit der verschiedenen Module sicherzustellen.
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- MMag. Patrick Zirngast (Author), 2006, Diskussion des Artikels: Why My Former Employees Still Work For Me (Semler R.), in Harvard Business Review Vol. 72/1., Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/70732