Diese Arbeit wird zu einer Zeit erstellt, in der sich die gesetzlichen Krankenkassen durch die entsprechenden gesetzlichen Vorgaben einer neuerlichen Sparwelle ausgesetzt sehen. So ist zu erwarten, dass die Aktivitäten der Krankenkassen auf allen Ebenen einer umfassenden Wirtschaftlichkeitsprüfung unterzogen werden. In dieser Situation kommt die „Balanced Scorecard“ (BSC) für Krankenkassen gerade recht. Dieses Instrument aus dem Controlling-Bereich wurde vor einigen Jahren zunächst für die Privatwirtschaft entwickelt und verspricht eine konsequente Ausrichtung aller Aktivitäten an der effizienten Umsetzung vorgegebener strategischer Ziele. Dabei steht nicht nur die Kostenersparnis im Vordergrund, sondern auch die günstige Positionierung im Wettbewerb um den Kunden und um knappe Ressourcen. In der Privatwirtschaft ist die BSC bereits weit verbreitet. So verwundert es nicht, dass sich seit einiger Zeit auch Krankenkassen für die BSC interessieren und sie zur Steuerung nutzen wollen. Hierzu muss die BSC allerdings an die spezifischen Anforderungen von gesetzlichen Krankenkassen angepasst werden. Konkrete Konzepte und detaillierte Erfahrungsberichte aus diesem Segment sind in der Literatur jedoch noch rar. So soll diese Arbeit zwei Ziele erfüllen. Zum einen sollen die Chancen, die sich durch die Implementierung einer BSC für ein Unternehmen ergeben, herausgearbeitet werden. Zum anderen soll hinterfragt werden, ob sich durch die Umsetzung dieses Instruments die herausgearbeiteten Chancen ebenfalls in gesetzlichen Krankenkassen erreichen lassen. Dabei wird insbesondere auf die spezifischen Rahmenbedingungen der strategischen Steuerung in gesetzlichen Krankenkassen eingegangen. Um einen direkten Bezug zur Praxis herzustellen werden die theoretischen Ausführungen durch die Praxisberichte aus der XY-BKK, dem Arbeitgeber der Verfasser, ergänzt und abgerundet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen der Balanced Scorecard
2.1 Definition
2.2 Kennzahlen und Perspektiven
2.2.1 Konzept der Balanced Scorecard
2.2.2 Finanzperspektive
2.2.3 Mitarbeiterperspektive
2.2.4 Geschäftsprozessperspektive
2.2.5 Kundenperspektive
2.2.6 Mögliche weitere Perspektiven
2.2.7 Fazit
2.3 Von der Vision zum konkreten Ziel
2.3.1 Übersetzung der Vision und der Strategie
2.3.2 Verbindung mit Management by Objectives
2.4 Betriebliche Auswirkungen der Balanced Scorecard
2.4.1 Chancen
2.4.2 Risiken
3 Übertragung auf gesetzliche Krankenkassen
3.1 Warum eine Balanced Scorecard für Krankenkassen?
3.2 Besonderheiten für die Umsetzung in gesetzlichen Krankenversicherungen
3.3 Balanced Scorecard bei Krankenkassen konkret: Ein Beispiel aus der Praxis
3.3.1 Einsatz der Balanced Scorecard bei der XY-BKK
3.3.2 Weiterentwicklung der Balanced Scorecard bei der XY-BKK
3.3.3 Umsetzungsprobleme bei der XY-BKK
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, inwieweit die Balanced Scorecard (BSC) als Steuerungsinstrument erfolgreich auf gesetzliche Krankenkassen übertragen werden kann, um deren strategische Ausrichtung in einem zunehmend wettbewerbsorientierten Umfeld zu verbessern.
- Grundlagen und Konzepte der Balanced Scorecard
- Anpassungsbedarf der BSC für den öffentlichen Sektor
- Chancen und Risiken der Implementierung in Krankenkassen
- Praxisbeispiel der XY-BKK zur Anwendung des Instruments
- Verbindung von Unternehmensstrategie und Mitarbeiterführung
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Konzept der Balanced Scorecard
Ein Unternehmen kann aus verschiedenen Sichten betrachtet werden. Dabei entsteht schnell die Gefahr einseitig zu betrachten, weil entweder bestimmte Sichten bewusst ausgeblendet werden oder in der Flut der Informationen untergehen. Viele Führungskräfte verfolgen persönliche Visionen. Die BSC übersetzt die Visionen einzelner in eine gemeinsame, zusammengesetzt aus verschiedenen Perspektiven. Kernidee des Konzeptes der BSC ist daher die Berücksichtigung unterschiedlicher Perspektiven bei der Leistungsbeurteilung eines Unternehmens als Grundlage zu deren Planung und Steuerung.
Die BSC wird in vier Perspektiven unterteilt: finanzwirtschaftliche Perspektive, Kundenperspektive, die interne Prozessperspektive und die Lern und Entwicklungsperspektive (auch Mitarbeiterperspektive genannt). Die Leistung eines Unternehmens wird als Gleichgewicht aus den vier Perspektiven gesehen.
Auf das „Balanced“ kommt es also an, schließlich ist die BSC vor allem ein Führungssystem das es uns erlaubt, das Unternehmen u.a. mit Kennzahlen strategisch zu führen. Den Kennzahlen kommt dabei eine zentrale Rolle zu. Sie dienen der Information der Mitarbeiter über gegenwärtige und zukünftige Erfolgsfaktoren. Sie sind dabei aber kein Instrument zur Verhaltenskontrolle und zur Bewertung vergangener Leistungen, wie in klassischen Kennzahlensystemen, sondern dienen der Formulierung und Kommunikation der Unternehmensstrategie und Ausrichtung aller Aktivitäten auf ein gemeinsames Ziel.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den hohen wirtschaftlichen Druck auf gesetzliche Krankenkassen und führt die Balanced Scorecard als Instrument zur strategischen Steuerung ein.
2 Grundlagen der Balanced Scorecard: Dieses Kapitel erläutert das Grundkonzept, die vier klassischen Perspektiven und die Verbindung von Visionen zu konkreten Zielen.
3 Übertragung auf gesetzliche Krankenkassen: Hier wird der Anpassungsbedarf der BSC für die spezifischen Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen sowie ein Praxisbeispiel der XY-BKK detailliert dargelegt.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass eine erfolgreiche Implementierung möglich ist, sofern das Modell an die Besonderheiten der Branche angepasst wird.
Schlüsselwörter
Balanced Scorecard, BSC, gesetzliche Krankenkassen, GKV, Strategie, Controlling, Unternehmensführung, Kennzahlen, Mitarbeiterperspektive, Kundenperspektive, Prozessoptimierung, XY-BKK, Zielerreichung, Management by Objectives, Gesundheitswesen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Eignung der Balanced Scorecard als Managementinstrument, um gesetzliche Krankenkassen strategisch auszurichten und zukunftsfähig zu gestalten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den Grundlagen der BSC, der Analyse des Anpassungsbedarfs im Krankenkassenwesen und der praktischen Anwendung bei einer spezifischen BKK.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es soll untersucht werden, welche Chancen durch eine BSC entstehen und ob diese erfolgreich auf die spezifischen Rahmenbedingungen gesetzlicher Krankenkassen übertragen werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse der Literatur zum Controlling und ergänzt diese durch Praxisberichte aus der XY-BKK.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen der BSC, deren Übertragung auf den Gesundheitssektor sowie eine Fallstudie zur Implementierung bei der XY-BKK detailliert ausgeführt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Balanced Scorecard, Krankenkassen, Strategie, Controlling, Prozessoptimierung und Leistungssteuerung.
Warum ist eine Anpassung der Perspektiven für Krankenkassen nötig?
Aufgrund des öffentlichen Auftrags und der fehlenden Autonomie bei der Zielsetzung müssen klassische Konzepte angepasst werden, um beispielsweise politische Faktoren oder spezielle Kundengruppen (Beitragszahler vs. Leistungsempfänger) zu berücksichtigen.
Welche Rolle spielt die XY-BKK in der Arbeit?
Die XY-BKK dient als konkretes Praxisbeispiel, an dem die Umsetzung, die Weiterentwicklung des BSC-Systems sowie aufgetretene Probleme bei der Implementierung aufgezeigt werden.
Ist die BSC nur ein reines Zahlenwerk?
Nein, die Arbeit verdeutlicht, dass die BSC ein umfassendes Führungssystem ist, das Kommunikation, Zielausrichtung und die Verknüpfung von Strategie mit dem operativen Tagesgeschäft in den Vordergrund stellt.
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- Christian Hagedorn (Author), 2005, Balanced Scorecard - Umsetzung als Chance für gesetzliche Krankenkassen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/57999