Das Judentum und das Christentum gehören neben dem Islam zu den drei Weltreligionen. Diese haben die Vorstellung gemeinsam, dass der Tod nicht das Ende ist, sondern dass jeder Mensch dazu in der Lage ist, den Tod zu überwinden. Der Glaube an die Auferstehung, der als erstes im Judentum zu finden ist, wird ungefähr auch ab dem ersten Jahrhundert nach Christus vom Christentum thematisiert.
„Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos“ (1 Kor 15,14), so schreibt Paulus an die Korinther. Dies dient zum einen als Beweis, dass die Auferstehung eine fundamentale Bedeutung im Christentum hat und zum anderen wird die Zentralität des Osterglaubens für die Kirche deutlich. Auch diese Formulierung hebt die große Bedeutung des Auferstehungsglaubens hervor:
„Das Samenkorn der ersten Auferweckungsbekenntnisse ist aufgegangen, hat bildlich gesprochen verschiedene Knospen angesetzt, sie zur Blüte gebracht und hat für das Leben der Christen bedeutsame Früchte getragen.“ Das Samenkorn, hier als Metapher für das Judentum verwendet, spielt also eine zentrale Rolle, denn ohne dieses Samenkorn wäre es gar nicht erst zu den Blüten beziehungsweise Früchten des Christentums gekommen.
An dieser Stelle kommt die Frage auf, wie die Vorstellung der Auferweckung im Judentum und Christentum damals ausgesehen hat und welche Gemeinsamkeiten es gab.
Um einen Überblick über die Thematik der Auferstehungsvorstellungen zu erhalten, wird zunächst auf das Judentum eingegangen, indem auf die beiden Gruppen der Pharisäer und Sadduzäer Bezug genommen wird, um verschiedene Ansichten zur Auferstehung im Judentum zu verdeutlichen. Anschließend wird auf das Christentum übergegangen und an dieser Stelle werden, um die Bedeutung des leeren Grabes für die Auferstehungsvorstellungen aufzuzei-gen, zunächst die Ostererzählungen der drei Evangelisten Markus, Matthäus und Lukas, die in narrativer Art den Auferstehungsglauben hervorbringen, kurz inhaltlich beschrieben, um sie anschließend abzugleichen und jeweils genauer auf analytische Weise zu untersuchen. In einem Fazit werden schließlich die erarbeiteten Ergebnisse zusammengetragen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Auferstehung im Judentum
2.1 Pharisäer
2.2 Sadduzäer
3. Auferstehung im Christentum
3.1 Markus
3.2 Matthäus
3.3 Lukas
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die historischen und theologischen Entwicklungen der Auferstehungsvorstellungen im Judentum und deren Transformation sowie Bedeutung im frühen Christentum. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf den unterschiedlichen Perspektiven innerhalb des Judentums sowie der spezifischen narrativen Darstellung des leeren Grabes in den drei synoptischen Evangelien.
- Vergleichende Analyse der Auferstehungserwartungen bei Pharisäern und Sadduzäern.
- Untersuchung der Osterberichte und des leeren Grabes bei Markus, Matthäus und Lukas.
- Analyse der Rolle des Judentums als geistiges Fundament für den christlichen Auferstehungsglauben.
- Erforschung der unterschiedlichen theologischen Absichten der Evangelisten in ihren Passionserzählungen.
- Betrachtung der historischen Entstehung des Auferstehungsglaubens im Kontext des ersten Jahrhunderts.
Auszug aus dem Buch
3.1 Markus
Das Schlusskapitel des Markusevangeliums berichtet über die Auffindung des leeren Grabs. Der Evangelist schildert die Situation nach dem Sabbat, als Maria aus Magdala, Maria und Salome am ersten Tag der Woche mit Ölen zum Grab gingen, um Jesus damit zu salben. Vor Ort ist der Stein, der den Eingang des Grabes verschlossen hat, zur Seite gerückt. Im Grab befindet sich ein Mann, der ein weißes Gewand trägt, welcher zu den Frauen sagt: „Erschreckt nicht! Ihr sucht Jesus von Nazaret, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden; er ist nicht hier.“38
Er erteilt den Frauen den Auftrag, diese Botschaft den Jüngern zu erteilen und zu erwähnen, dass Jesus nach Galiläa vorausgeht. Die Frauen flohen jedoch und sagten aus Angst nichts.39
Wenn man diese Erzählung in Anbetracht der Darstellung des Todes und des Begräbnisses Jesu sieht, wird deutlich, dass Markus das Kirchenbekenntnis aus 1 Kor 15, 3-5 in seiner Erzählung umsetzt und auf seine Weise interpretiert.40 Durch eine Epiphanieerzählung will er seine Geschichte besonders hervorheben und die bedeutende Botschaft besonders zu rahmen, was im nächsten Abschnitt genauer betrachtet wird.41
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Auferstehungsvorstellungen als verbindendes, aber auch differenzierendes Element der Weltreligionen Judentum und Christentum ein.
2. Auferstehung im Judentum: Dieses Kapitel erläutert die Entwicklung des Auferstehungsglaubens im frühen Judentum, wobei besonders die theologischen Gegensätze zwischen Pharisäern und Sadduzäern beleuchtet werden.
2.1 Pharisäer: Hier wird die pharisäische Lehre von der unsterblichen Seele und der notwendigen Auferstehung als essenzieller Bestandteil des jüdischen Lebens dargelegt.
2.2 Sadduzäer: Der Abschnitt behandelt die konservative, ablehnende Haltung der Sadduzäer gegenüber der Auferstehungsthematik und deren Konflikt mit den Pharisäern.
3. Auferstehung im Christentum: Das Kapitel widmet sich der christlichen Interpretation des Auferstehungsgeschehens und der Bedeutung der Evangelien als Glaubenszeugnisse.
3.1 Markus: Die Analyse konzentriert sich auf die Darstellung des leeren Grabes im Markusevangelium und die Rolle der Frauen als erste Zeuginnen.
3.2 Matthäus: Hier werden die apologetischen und polemischen Aspekte der matthäischen Erzählung im Vergleich zur Markusvorlage untersucht.
3.3 Lukas: Dieses Kapitel beleuchtet die erzählerische Fokussierung auf den Leser und die Bestätigung der Auferstehung durch Erscheinungen.
4. Fazit: Das Fazit führt die Ergebnisse zusammen und unterstreicht die Rolle des pharisäischen Denkens als Ausgangspunkt für das christliche Verständnis der Auferstehung.
Schlüsselwörter
Auferstehung, Judentum, Christentum, Pharisäer, Sadduzäer, leeres Grab, Markus, Matthäus, Lukas, Osterglaube, Evangelien, biblische Hermeneutik, Totenauferstehung, Glaube, Theologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historischen und theologischen Ursprünge der Auferstehungsvorstellungen im Judentum und deren Übertragung in das frühe Christentum.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die unterschiedlichen Ansichten jüdischer Gruppierungen wie Pharisäer und Sadduzäer sowie die narratives Ausgestaltung der Ostergeschichten in den drei synoptischen Evangelien.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie sich die Auferstehungsvorstellung im Judentum entwickelte und welche Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede in der Darstellung des leeren Grabes bei den Evangelisten Markus, Matthäus und Lukas bestehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine hermeneutische und textanalytische Methode angewandt, um die biblischen Berichte und deren theologischen Kontext systematisch zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung des Auferstehungsglaubens im Judentum sowie eine detaillierte Analyse der einzelnen Ostererzählungen der drei Synoptiker.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Auferstehung, Pharisäer, Sadduzäer, Evangelien, Osterglaube und das leere Grab.
Warum lehnten die Sadduzäer die Auferstehung ab?
Die Sadduzäer waren politisch und religiös konservativ geprägt und hielten an alten priesterlichen Traditionen fest, welche keine Vorstellung von einer Auferstehung der Toten vorsahen.
Wie unterscheidet sich die Erzählung des Matthäus von der des Markus?
Matthäus integriert apologetische und polemische Züge und betont stärker die göttliche Macht, während er die Geschichte der Frauen am Grab leicht abgewandelt darstellt.
- Arbeit zitieren
- Nina Hans (Autor:in), 2018, Auferstehungsvorstellungen im Judentum und Christentum, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/544357