Viele deutsche Krankenkassen bieten heutzutage sogenannte Bonusprogramme an, in denen man als Versicherter Punkte sammeln kann und davon dann am Ende des Jahres Prämien erhält. Motivieren Bonusprogramme auch diejenigen, die noch nicht so viel für ihre Gesundheit unternehmen? Gehören Bonusprogramme überhaupt zur Gesundheitsprävention und inwieweit dienen diese der Marketingstrategie der Krankenkassen?
In dieser Arbeit soll der Frage nachgegangen werden, ob diese Programme eher auf Prävention oder zu der Marketingstrategie der Krankenkassen zielen. Dafür wird zuerst der aktuelle Forschungsstand wiedergeben, wobei Begrifflichkeiten geklärt und die Bonusprogramme für gesundheitsförderliches Verhalten allgemein vorgestellt werden. Ein großer Kritikpunkt an den Programmen wird vorgestellt und zum Schluss die Ergebnisse aus aktuellen Studien vorgestellt. Im letzten Teil der Arbeit werden diese Informationen, bezogen auf die Forschungsfrage, diskutiert und es wird ein Ausblick gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Aktueller Forschungsstand
Gesundheitsprävention
Bonusprogramme
Mitnahmeeffekt
Studien
3. Diskussion und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit Bonusprogramme der Krankenkassen tatsächlich zur Gesundheitsprävention beitragen oder primär als Marketinginstrumente zur Kundenbindung fungieren. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob diese Programme eine echte gesundheitsförderliche Motivation bei Versicherten erzeugen oder lediglich Mitnahmeeffekte bei bereits gesundheitsbewussten Personen begünstigen.
- Grundlagen der Gesundheitsprävention
- Struktur und Zielsetzung von Bonusprogrammen
- Kritische Analyse des Mitnahmeeffekts
- Auswertung aktueller Studienergebnisse zur Effektivität
- Diskussion von Kundenbindung vs. Gesundheitsförderung
Auszug aus dem Buch
Mitnahmeeffekt
Der größte Kritikpunkt der Bonusprogramme liegt bei dem sogenannten Mitnahmeeffekt. Rosenbrock zum Beispiel kritisiert, dass sich Versicherte mit bereits vorhandener gesundheitsbewusster Lebensweise lediglich ihre Aktivitäten bescheinigen lassen, aber nicht neu motiviert sind, um eine Prämie zu erhalten (vgl., zitiert nach Blöß, 2004, A394). Diese nähmen die Prämien nur „mit“, seien aber nicht durch das Programm an sich motiviert. Blöß stellt dabei auch die Frage, „wen man eigentlich belohnen sollte: diejenigen, die fortan gesünder leben, oder die, die schon immer gesundheitsbewusst waren?“ (2004, A394). Nach Rosenbrock reichen diese materiellen Anreize eben nicht aus um die Menschen von der Notwendigkeit der Gesundheit zu überzeugen, sondern vielmehr müsse die Primärprävention weiter ausgebaut werden (vgl. ebd.). Dieses Problem der Erreichbarkeit von sogenannten Risikogruppen mit präventiven Maßnahmen fordert nach der Sicht von Mosebach eine „stärkere Zielgruppenorientierung“ (Mosebach et al., 2010, S. 375). Man solle "[…] von sogenannten <
In der Politik und bei den Krankenkassen ist man jedoch weiterhin überzeugt, dass materielle Anreize die Menschen zu einem gesundheitsbewussten Leben motivieren würden (vgl. Blöß, 2004, A394).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Bonusprogramme ein und wirft die zentrale Frage nach deren Nutzen für die Prävention gegenüber dem Marketingcharakter auf.
2. Aktueller Forschungsstand: Dieses Kapitel definiert die Begriffe der Gesundheitsprävention, erläutert die Funktionsweise von Bonusprogrammen, beleuchtet den kritischen Mitnahmeeffekt und fasst relevante Studienergebnisse zusammen.
3. Diskussion und Ausblick: Der abschließende Teil reflektiert die Ergebnisse, stellt Hypothesen zur mangelnden Zugänglichkeit und Neutralität der Programme auf und fordert eine strategische Neuausrichtung hin zur unabhängigen Gesundheitsförderung.
Schlüsselwörter
Bonusprogramme, Krankenkassen, Gesundheitsprävention, Prävention, Marketingstrategie, Kundenbindung, Mitnahmeeffekt, Gesundheitsförderung, Verhaltenssteuerung, Primärprävention, Zielgruppenorientierung, SGB V, Gesundheitswesen, Prämien, Anreizsysteme.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Wirksamkeit und Rolle von Bonusprogrammen der gesetzlichen Krankenkassen im Spannungsfeld zwischen echter Gesundheitsprävention und marktwirtschaftlicher Kundenbindung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die Definition präventiver Maßnahmen, die historischen Hintergründe der Bonusmodelle, die kritische Diskussion des sogenannten Mitnahmeeffekts sowie die Bewertung der Programme durch aktuelle wissenschaftliche Studien.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu klären, ob Bonusprogramme Menschen tatsächlich zu einem gesundheitsbewussteren Verhalten motivieren können oder ob sie lediglich als Instrument zur Kundenbindung dienen, ohne einen echten präventiven Mehrwert für die Zielgruppen zu generieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erkenntnisgewinnung verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die verschiedene theoretische Konzepte und empirische Studien zur Wirksamkeit von Bonusprogrammen und Präventionspolitik zusammenführt und kritisch diskutiert.
Was bildet den inhaltlichen Schwerpunkt des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition der Gesundheitsprävention, die systematische Vorstellung von Bonusprogrammen sowie die Auseinandersetzung mit der Kritik am Mitnahmeeffekt und der Wirksamkeit basierend auf Studien.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Publikation?
Die Publikation lässt sich primär über die Begriffe Bonusprogramme, Krankenkassen, Prävention, Mitnahmeeffekt und Gesundheitsförderung charakterisieren.
Welche Bedeutung haben sogenannte "Komm-Leistungen" in diesem Kontext?
Als "Komm-Leistungen" werden Angebote bezeichnet, die nur bei aktiver Inanspruchnahme durch den Versicherten wirksam werden, was laut der Autorin eine stärkere zielgruppenorientierte Strategie ("Aktiv-zugehende-Leistungen") erforderlich macht, um auch Risikogruppen zu erreichen.
Warum wird die Unabhängigkeit der Organisation von Bonusprogrammen gefordert?
Die Autorin argumentiert, dass Bonusprogramme erst dann frei von Interessenkonflikten (wie der Kundenbindung) sein können, wenn sie unabhängig von den Krankenkassen, beispielsweise durch staatliche Stellen wie das Bundesministerium für Gesundheit, organisiert würden.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2017, Bonusprogramme für gesundheitsbewusstes Verhalten der Krankenkassen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/536507