Diese Hausarbeit beschäftigt sich damit, welche Anforderungen die beiden Theoretiker Aristoteles und Niccoló Machiavelli an die Rolle des Staatsherrn beziehungsweise Machthabers in der jeweiligen politischen Theorie stellen.
Was ist Macht und was ist Herrschaft? Wer beansprucht Macht oder Herrschaft für sich und wie soll diese Person sein, die Herrschaft und Macht über andere oder den Staat hat? Aristoteles, Machiavelli und Max Weber haben womöglich eine Antwort auf diese Fragen. Es gibt viele Antworten auf diese Frage. Ein Führer eines Staates ist einer der mächtigsten Männer, daher sollte man voraussetzen, dass er Intelligenz in sich trägt. Da er oft schwere Entscheidungen zu treffen, hat sollte er vielleicht entscheidungsfreudig und auch etwas risikoresistent sein. Aber wenn sein Plan mal nicht aufgeht, sollte er mit der Kritik beziehungsweise Folgen leben können. Sind auch das die Vorstellungen die Aristoteles und Machiavelli von einem Herrscher haben? Das soll diese Arbeit in den folgenden Gliederungsabschnitten detaillierter beantworten.
Hierzu werden in einem ersten Schritt die jeweiligen Anthropologien oder auch Menschenbilder der beiden Theoretiker erarbeitet und gegenübergestellt. Im zweiten Teil der Arbeit erfolgt eine analoge Herausarbeitung für die Rolle des Staatsführers, woran sich der dritte Teil dieser Arbeit, eine eingehende Analyse der jeweiligen Staatsformen bei Machiavelli und Aristoteles, anschließt. In einem letzten Abschnitt werden Gründe für das Scheitern der Machthaber erläutert, bevor ein abschließendes Fazit erfolgt.
Inhaltsverzeichnis
1. Anthropologie der beiden Theoretiker
1.1 Das Menschenbild nach Aristoteles
1.2 Das Menschenbild nach Niccoló Machiavelli
1.3 Der Vergleich der beiden Anthropologien
2. Die Rolle des Herrschers bei Aristoteles und Machiavelli
2.1 Das Charakterbild und die damit verbundenen Anforderungen an den häuslichen Herrscher
2.2 Charakterbild und die damit verbundenen Anforderungen an den öffentlichen bzw. staatlichen Herrscher
2.3 Vergleich des machiavellistischen und aristotelischen Charakterbildes des Staatsherren mit Bezug zur Anthropologie
3. Die Staatsformen
3.1 Die Polis als Staatsform bei Aristoteles
3.2 Die Staatsform bei Machiavelli
3.3 Der Spezialfall der Mischverfassung Aristoteles vs. Machiavelli
4. Anforderungen an den Herrscher in besonderen Phasen der Herrschaftsdauer
5. Gründe für das Scheitern eines Staatsherren bzw. Machthabers
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die Anforderungen, die Aristoteles und Niccoló Machiavelli an die Rolle eines Herrschers in ihren jeweiligen politischen Theorien stellen, wobei insbesondere die Bedeutung des Charakterbildes für den Erfolg oder Misserfolg staatlichen Handelns analysiert wird.
- Vergleichende Analyse des Menschenbildes bei Aristoteles und Machiavelli.
- Unterscheidung zwischen Anforderungen an den häuslichen und den öffentlichen Herrscher.
- Gegenüberstellung der jeweiligen Staatsformmodelle und ihrer Stabilität.
- Untersuchung des Konzepts der Mischverfassung als ideale Staatsform.
- Identifikation von Faktoren, die zum Scheitern eines politischen Machthabers führen.
Auszug aus dem Buch
2.2 Charakterbild und die damit verbundenen Anforderungen an den öffentlichen bzw. staatlichen Herrscher
Wenn es einen privaten Herrscher im Haus gibt, muss es auch einen Herrscher im Staat geben, der sich um alle öffentlichen Angelegenheiten kümmert. Daher erfolgt nun die genaue Analyse über den Staatsherren in Aristoteles in seinem Werk „Politik“ bzw. über den Fürsten bei Machiavelli in seinem Werk „Il-Principe-Der Fürst“. Zunächst wird das aristotelische Herrscherbild näher betrachtet. Anders als die Hausherrschaft, die mit einer alleinigen Herrschaft gleichzusetzen ist, ist die Staatsherrschaft eine Form von Herrschaft, die unter „Freien und Gleichen“ (Aristoteles 2001: 87, 1255b) ausgeübt wird (vgl. Aristoteles 2001: 87, 1255b). Die Frage stellt sich nun, wie soll der Herrscher sein und was soll er für Charaktereigenschaften mit sich bringen? Wie schon im vorherigen Abschnitt erwähnt, gibt es einen Herrscher und einen Beherrschten in einem Herrschaftsverhältnis, dieser Zustand ist von Natur aus gegeben (vgl. Aristoteles 2001: 76, 1252a). Aristoteles widmet dem Staatsherrscher nicht ein komplettes Buch, wie Machiavelli, dennoch nennt er uns drei verschiedene Lebensformen. Ottmann hat diese drei Lebensformen näher ausgeführt. Diese drei Formen bestehen aus: (a) dem Lustleben („das apolaustische Leben“), (b) das ehrwürdige Leben („das politische Leben) und (c) das Leben der Weisheit und des geistigen Schauens („das theoretische Leben“) (vgl. Ottmann 2001: 142f.). Auch eine Rückführung auf die Anthropologie und die Begierde der Lust spiegeln sich hier wieder, denn jede Lebensform empfindet Lust, die eine sklavische mehr die theoretische stellt die Vernunft der Lust über (vgl. Ottmann 2001: 142f.). Daher muss der Staatsmann folgenden Anforderungen gerecht werden: politischen Handlungen sollten ein höheres Ziel sein, welches vom Tätig-sein und vom seelischen Handeln beeinflusst ist (vgl. Aristoteles 2003: 1098b 5-26).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Anthropologie der beiden Theoretiker: Darstellung und Vergleich der Menschenbilder von Aristoteles und Machiavelli als Grundlage für das Verständnis ihrer politischen Theorien.
2. Die Rolle des Herrschers bei Aristoteles und Machiavelli: Analyse der Erwartungen an häusliche und öffentliche Herrscher sowie deren Charakterisierung vor dem Hintergrund ihrer anthropologischen Ansätze.
3. Die Staatsformen: Untersuchung der verschiedenen Staatsformen wie Polis und Republik sowie der Bedeutung der Mischverfassung zur Erzielung politischer Stabilität.
4. Anforderungen an den Herrscher in besonderen Phasen der Herrschaftsdauer: Erörterung der spezifischen Verhaltensweisen und Anforderungen an Machthaber in Krisenzeiten oder bei äußeren Bedrohungen.
5. Gründe für das Scheitern eines Staatsherren bzw. Machthabers: Identifikation von kritischen Fehlern und Lebensformen, die zum politischen Misserfolg oder zum Sturz eines Herrschers führen können.
Schlüsselwörter
Aristoteles, Niccoló Machiavelli, Politische Theorie, Herrschaft, Staatsform, Menschenbild, Charakterbild, Polis, Republik, Mischverfassung, Staatsmann, Macht, Tugend, Politische Stabilität, Herrschaftsverhältnis
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert und vergleicht die politischen Vorstellungen von Aristoteles und Machiavelli, insbesondere im Hinblick auf die Anforderungen an die Führungspersonen in Staat und Haushalt.
Welche zentralen Themenbereiche werden bearbeitet?
Die Themen umfassen die menschliche Natur (Anthropologie), verschiedene Staatsformen, die Charakteristik des idealen Herrschers und die Ursachen für politisches Scheitern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Herrscherideal der beiden Theoretiker herauszuarbeiten und zu zeigen, wie deren jeweiliges Menschenbild diese Vorstellungen prägt.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde angewendet?
Es handelt sich um einen komparativen Ansatz, bei dem primäre Quellentexte der beiden Philosophen analysiert und mit moderner Sekundärliteratur in Bezug gesetzt wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit inhaltlich behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Anthropologie, die Definition des Herrschercharakters im privaten und öffentlichen Raum, die Analyse der Staatsformen sowie die Bedingungen für den Erfolg oder das Scheitern von Herrschern.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?
Zentrale Begriffe sind Anthropologie, Herrschaft, Staatsform, Tugend, Mischverfassung und das Spannungsfeld zwischen Moral und politischer Notwendigkeit.
Welche Rolle spielt die „Mischverfassung“ bei den beiden Theoretikern?
Die Mischverfassung wird von beiden als ein Lösungsansatz diskutiert, um die Stabilität eines Staates durch das Gleichgewicht der Kräfte zu bewahren und ein Abgleiten in destruktive Staatsformen zu verhindern.
Wie unterscheidet sich die Sichtweise auf das „Handeln aus der Situation“?
Während Aristoteles stark auf ein tugendhaftes Ideal setzt, zeigt die Analyse von Machiavelli, dass ein Herrscher in Ausnahmesituationen auch zur Unmoral oder Härte greifen muss, um den Bestand des Staates zu sichern.
- Arbeit zitieren
- Nici Stompor (Autor:in), 2018, Was macht einen guten Machthaber aus? Charakterbild und Anforderungen an den Herrscher bei Aristoteles und Machiavelli, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/516757