Noch zu Beginn des 21. Jahrhunderts existiert in der Bundesrepublik eine Benachteiligung und Diskriminierung aufgrund des Geschlechts. Mehr als jeder zweite Bundesbürger ist weiblich, doch eine gerechte Verteilung von Arbeit, Macht, Geld, Einfluss, Ressourcen, sozialer Arbeit oder Familienarbeit findet man selten. Dennoch scheinen Frauen in der BRD besser ausgebildet zu sein als ihre männlichen Mitbürger. An Hauptschulen sind Mädchen deutlich unterrepräsentiert (2000 43,8 %) [Vgl.: Anlage zum Fünften Bericht der Bundesrepublik Deutschland zum Übereinkommen der Vereinten Nationen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (CEDAW). S. 12.], während von den AbiturientInnen 2000 53,6 % junge Frauen waren. Hinzu kommt die Tatsache, dass Gleichberechtigung noch immer Frauensache zu sein scheint, bei der der männliche Teil der Bevölkerung bestenfalls zusieht. [Vgl.: Gender Mainstreaming. S. 4.]
Wichtig bei der Betrachtung dieser geschlechtsabhängigen Benachteiligungen ist jedoch die Auffassung, dass das jeweilige Geschlecht nicht nur eine (oder z.B. nach Judith Butler überhaupt keine) [Vgl.: U.a. J. Butler: Zwischen den Geschlechtern.] schlichte biologische Tatsache ist, sondern speziell durch die gesellschaftlich unterschiedliche Sozialisation geprägt wird. An dieser Stelle setzt eine relativ junge Gleichstellungsförderung namens Gender Mainstreaming an. Grundlegender Gedanke dieser Methode ist, dass allein die Tatsache, ein Mann oder eine Frau zu sein, weder qualifizieren noch disqualifizieren soll bzw. darf.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Politische Rahmenbedingungen
1.1 EU-weit
1.2 Auf Ebene der Bundesrepublik Deutschland
2. Konzept des Gender Mainstreaming-Ansatzes
2.1 Definition
2.2 Ziele
2.3 Konzept
3. Unterschied zur institutionalisierten Frauenpolitik
4. Methode von Gender Mainstreaming
5. Beispiele für Gender Checks
5.1 Die „3-R-Methode“ in Schweden
5.2 Überprüfung in Belgien, den Niederlanden und der EU
5.3 Sechs Schritte in der Bundesrepublik
6. Derzeitiger Entwicklungsstand in der BRD
6.1 Auf Bundesebene
6.2 Auf Landesebene
6.2 Auf kommunaler Ebene
6.4 Privatwirtschaft
7. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept des Gender Mainstreaming als Strategie zur Förderung der Chancengleichheit zwischen Frauen und Männern, wobei die zentrale Forschungsfrage darauf abzielt, wie dieser Ansatz politisch und praktisch verankert wird, um strukturelle Benachteiligungen nachhaltig abzubauen.
- Historische Entwicklung der EU-Gleichstellungspolitik
- Definition und theoretische Grundlagen des Gender Mainstreaming-Ansatzes
- Abgrenzung zur traditionellen Frauenpolitik
- Methodische Instrumente und Implementierungsbeispiele (Gender Checks)
- Status quo der praktischen Umsetzung in der BRD
Auszug aus dem Buch
1. Politische Rahmenbedingungen
Auf europäischer Ebene begann die Entwicklung der Politik der Chancengleichheit mit EU-weiten Regelungen zur Gleichbehandlung in Form von gesetzlichen Bestimmungen. In diesem Kontext wurde z.B. über gleichwertige Bezahlung der Geschlechter, über Einstellungspraxis, Sozialleistungen, Schutz für Schwangere, Elternurlaub oder Beweisführung im Fall von Diskriminierung entschieden.
Ergänzend zu diesen eher passiven und nachträglichen Maßnahmen begann Anfang der 80er Jahre eine aktive Politik der Chancengleichheit in der EU Fuß zu fassen. Teil dieser zweiten Strategie waren eher Einzelprojekte oder Modellprogramme zur Frauenförderung, wie z.B. im Bereich der Wiedereingliederung für „Berufszurückkehrerinnen“. Problem dieser herkömmlichen Praktiken war jedoch, dass die Diskriminierung oft indirekt und mittelbar abläuft, so dass daher ein geschlechtsspezifischer Blick der PolitikerInnen und AkteurInnen und eigene Genderkompetenz der Verantwortlichen nötig ist, um die tatsächliche Diskriminierung hinter einer scheinbaren Gleichbehandlung zu erkennen.
Aus diesem Gedanken entwickelte sich schließlich die dritte Strategie der EU zur Gleichbehandlung von Mann und Frau: das Konzept des Gender Mainstreamings.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Beschreibt die bestehende geschlechtsspezifische Benachteiligung und Diskriminierung in der Bundesrepublik zu Beginn des 21. Jahrhunderts.
1. Politische Rahmenbedingungen: Erläutert die Entwicklung der EU-Gleichstellungspolitik sowie die spezifische Verankerung des Prinzips in der Bundesrepublik Deutschland.
2. Konzept des Gender Mainstreaming-Ansatzes: Definiert den Ansatz, die angestrebten Ziele sowie das konzeptionelle Vorgehen bei der Implementierung.
3. Unterschied zur institutionalisierten Frauenpolitik: Analysiert das Verhältnis zwischen traditioneller Frauenförderung und dem breiter angelegten Gender Mainstreaming-Ansatz.
4. Methode von Gender Mainstreaming: Beschreibt den Top-Down-Prozess und die notwendigen Kompetenzen für die praktische Anwendung.
5. Beispiele für Gender Checks: Stellt konkrete methodische Verfahren zur Überprüfung von Gleichstellungszielen in verschiedenen Ländern und Organisationen vor.
6. Derzeitiger Entwicklungsstand in der BRD: Gibt einen Überblick über die praktische Umsetzung auf verschiedenen staatlichen und wirtschaftlichen Ebenen.
7. Ausblick: Diskutiert künftige gesellschaftliche Leitbilder und die Notwendigkeit, Gender Mainstreaming durch verbindliche Rahmenbedingungen zu stärken.
Schlüsselwörter
Gender Mainstreaming, Chancengleichheit, Frauenpolitik, Diskriminierung, Gleichstellung, Bundesrepublik Deutschland, EU-Vertrag, 3-R-Methode, Geschlechterdemokratie, Genderkompetenz, Organisationsentwicklung, Arbeitsmarktpolitik, Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert Gender Mainstreaming als eine Strategie zur Förderung der Geschlechtergleichstellung, die in politischen und organisatorischen Prozessen verankert werden soll.
Welche Themenfelder stehen im Fokus?
Im Zentrum stehen die politischen Rahmenbedingungen, die methodische Umsetzung durch Gender Checks und der Status quo der Implementierung in Deutschland.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Es wird untersucht, wie Gender Mainstreaming als durchgängiges Leitprinzip etabliert werden kann, um geschlechtsspezifische Benachteiligungen systematisch zu identifizieren und abzubauen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die politische Dokumente, EU-Verträge und wissenschaftliche Konzepte der Gleichstellungsforschung auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Konzepts, die Abgrenzung zur klassischen Frauenpolitik und die Vorstellung praktischer Anwendungsbeispiele.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren den Text?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Chancengleichheit, Genderkompetenz, Gleichstellungspolitik und Gender Checks definiert.
Was ist der Unterschied zwischen der „3-R-Methode“ und anderen Ansätzen?
Die 3-R-Methode konzentriert sich gezielt auf die quantitativen und qualitativen Dimensionen von Repräsentation, Ressourcen und Realität.
Warum wird die Einbeziehung von Männern in den Prozess betont?
Da das Ziel eine Geschlechterdemokratie ist, müssen beide Geschlechter als Akteure und Nutznießer betrachtet werden, um langfristige soziale Veränderungen zu erzielen.
- Quote paper
- M.A. Nicole Nieraad (Author), 2004, Gender Mainstreaming, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/50623