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Der Gigant hinterm Zaun. Der Prozess der deutschen Wiedervereinigung im Spiegel der polnischen Presse

Titel: Der Gigant hinterm Zaun. Der Prozess der deutschen Wiedervereinigung im Spiegel der polnischen Presse

Magisterarbeit , 1999 , 187 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Ove Kähler (Autor:in)

Geschichte Europas - Neueste Geschichte, Europäische Einigung

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details


1 Einführung

Es gehört zu den vielen Stationen, wo man einfach hinnehmen muß, weil man eine Überzeugung hat, daß man zum Deppen erklärt wird, bloß, was damals geschrieben wurde, ist alles Makulatur, kein Mensch guckt mehr danach.
Helmut Kohl zum Streit um die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze 1989/90

Falsch! Während den Politiker Kohl bekanntlich nur interessierte, "was hinten ′rauskommt", sollte dem Historiker Kohl eigentlich bekannt sein, wie wichtig gerade die Presseberichterstattung, auf die die obige Bemerkung ja offensichtlich anspielt, sein kann für die Klärung der Frage, "wie es eigentlich gewesen ist" (um einen weiteren berühmten Standesgenossen zu zitieren). Dies gilt insbesondere für den Erforscher von Zeitgeschichte, dem amtliche Dokumente aufgrund der Sperrfrist in der Regel nicht zugänglich sind. Bei der Beschäftigung mit dem Prozeß der deutschen Wiedervereinigung begegnet man jedenfalls kaum einer Untersuchung, die in ihrem Anmerkungsapparat keine Zeitungsbeiträge enthält - sei es als (leider oft unkritisch übernommene) Informationsbasis, aber auch als Dokumente, die selbst Geschichte machten. Wenn über die Medien etwa vertrauliche Informationen aus der Diplomatie oder streitbare Äußerungen eines politischen Akteurs an die Öffentlichkeit dringen und für Erklärungsbedarf sorgen, läßt sich die Grenze zwischen Politik und Publizistik nur schwer ziehen.
[...]

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

1.1 Fragestellung

1.2 Forschungslage

1.3 Vorgehensweise

2 DER GIGANT HINTER’M ZAUN (»Rzeczpospolita« 14.2.1990)

2.1 Enthusiasmus, aber kein grenzenloser (»Rzeczpospolita« 18./19.11.1989)

2.2 Warnungen vor Versuchen einer „Ko(h)lonisierung“ der DDR (»Trybuna Ludu« 7.12.1989)

2.3 4 + 2 muß 7 ergeben (»Rzeczpospolita« 15.2.1990)

2.4 Ein europäisches Deutschland oder ein deutsches Europa (»Rzeczpospolita« 10./11.3.1990)

2.5 Zwei-plus-Vier-Konferenz: Ein Erfolg ohne Ergebnisse (»Gazeta Wyborcza« 7.5.1990)

2.6 Kohl versichert: Es wird kein neues Rapallo geben (»Zycie Warszawy« 18.7.1990)

2.7 Per Eilzug nach Deutschland (»Gazeta Wyborcza« 24.8.1990)

2.8 Seit heute haben wir einen neuen Nachbarn (»Trybuna« 3.10.1990«)

3 Zusammenfassung

3.1 Zeitraum

3.2 Zeitungen

3.3 Zeitungsmenschen

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Prozess der deutschen Wiedervereinigung aus der spezifischen Perspektive der polnischen Presse. Ziel ist es, die Wahrnehmung der außenpolitischen Aspekte des Einigungsprozesses in polnischen Medien im Zeitraum von November 1989 bis Oktober 1990 zu analysieren und kritisch zu hinterfragen, anstatt die politischen Ereignisse selbst in den Mittelpunkt zu stellen.

  • Wahrnehmung der deutschen Einheit in polnischen Tages- und Wochenzeitungen.
  • Polnische Debatten um die Oder-Neiße-Grenze und deren völkerrechtliche Absicherung.
  • Die Rolle Polens im Zwei-plus-Vier-Prozess und die Sorge um sicherheitspolitische Folgen.
  • Die Wahrnehmung der deutschen Minderheit und wirtschaftlicher Veränderungen in Polen.
  • Analyse der publizistischen Haltungen gegenüber der deutschen Politik unter Helmut Kohl.

Auszug aus dem Buch

1.1 Fragestellung

In der vorliegenden Arbeit sollen diese beiden Bereiche einmal den Platz tauschen. Nicht die Politik steht wie sonst im Vordergrund, sondern ihre Wahrnehmung in den Medien. Äußerlich zeigt sich diese Akzentverschiebung darin, daß die Presseartikel in den Haupttext rücken, während die Ereignisse, auf die sie sich beziehen, quasi als „Hintergrundinformationen“ in den Fußnoten erläutert werden. Dieser Perspektivwechsel wird durch die Änderung des nationalen Blickwinkels noch potenziert. „Ausländische Korrespondenten“, heißt es in einer Studie, „leben in zwei Welten. Sie haben Abstand zu den Ereignissen im Heimatland und können diese mit der Situation im Gastland vergleichen.“ Wenn im Heimatland überdies nicht minder dramatische Veränderungen vor sich gehen als im Gastland, ja: wenn sich diese Veränderungen sogar gegenseitig beeinflussen — wie das eben bei Polen, dem Nachbarn der damaligen DDR, der Fall war —, kann aus dem Spiegel, in dem Auslandsreporter ihr Umfeld einfangen wollen, leicht ein Zerrbild, aber auch ein umso scharfsichtigeres Porträt der Wirklichkeit werden.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einführung: Die Einleitung begründet den methodischen Ansatz, die Presseberichterstattung als primäres Forschungsobjekt zu nutzen und damit die Perspektive der polnischen Medien auf den Einigungsprozess zu rücken.

2 DER GIGANT HINTER’M ZAUN: Dieses Hauptkapitel analysiert chronologisch anhand zahlreicher Zeitungsartikel die Reaktionen der polnischen Presse auf die Ereignisse der deutschen Wiedervereinigung von 1989 bis 1990.

3 Zusammenfassung: Das Fazit fasst die Analyse zusammen, indem es die zeitliche Einordnung, die Auswahl der Zeitungen und die Rolle der publizistischen Akteure reflektiert.

Schlüsselwörter

Deutsche Wiedervereinigung, Polen, Polnische Presse, Oder-Neiße-Grenze, Zwei-plus-Vier-Vertrag, Außenpolitik, deutsch-polnische Beziehungen, Medienanalyse, Publizistik, Sicherheitspolitik, Grenzfrage, Transformation, Deutschlandbild.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie polnische Zeitungen den deutschen Wiedervereinigungsprozess zwischen 1989 und 1990 wahrgenommen und kommentiert haben.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die Sorge um die Oder-Neiße-Grenze, die sicherheitspolitische Einbindung des vereinten Deutschlands (NATO) sowie wirtschaftliche und gesellschaftliche Ängste der polnischen Bevölkerung.

Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage zielt darauf ab, einen Perspektivwechsel zu vollziehen: Anstatt die Politik als primäres Ereignis zu sehen, wird ihre Spiegelung und Deutung in den polnischen Medien zum zentralen Gegenstand der Untersuchung.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine Presseanalyse, bei der Artikel aus vier Tages- und sechs Wochenzeitungen systematisch chronologisch untersucht und durch Quellenmaterial und Sekundärliteratur kontextualisiert werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in chronologische Abschnitte, die bedeutende Ereignisse des Einigungsprozesses – vom Mauerfall über den Zehn-Punkte-Plan bis zur deutschen Einheit – aus der spezifischen Sicht der polnischen Presse beleuchten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie deutsche Wiedervereinigung, polnische Presse, Oder-Neiße-Grenze, Zwei-plus-Vier-Prozess und außenpolitisches Sicherheitsbedürfnis charakterisieren.

Wie bewerteten die polnischen Zeitungen die Rolle von Helmut Kohl?

Die Presse reagierte kritisch und oft mit Misstrauen auf Helmut Kohl, besonders aufgrund seiner anfänglichen Unklarheit in der Grenzfrage, die oft als taktisch oder gar revanchistisch wahrgenommen wurde.

Warum war die Grenzfrage so entscheidend für die polnische Wahrnehmung?

Die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze war für Polen eine existenzielle nationale Sicherheitsfrage; Unsicherheiten oder ausbleibende Garantien wurden als direkte Bedrohung für das polnische Staatsgebiet empfunden.

Ende der Leseprobe aus 187 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Der Gigant hinterm Zaun. Der Prozess der deutschen Wiedervereinigung im Spiegel der polnischen Presse
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Fachbereich Geschichtswissenschaft)
Note
1,3
Autor
Ove Kähler (Autor:in)
Erscheinungsjahr
1999
Seiten
187
Katalognummer
V4876
ISBN (eBook)
9783638129763
Sprache
Deutsch
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Ove Kähler (Autor:in), 1999, Der Gigant hinterm Zaun. Der Prozess der deutschen Wiedervereinigung im Spiegel der polnischen Presse, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/4876
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