Nach Bourdieus Theorie des sozialen Raums besitzt jeder Mensch eine individuel- le Position im sozialen Raum. Anhand von Determinanten wie Beruf, Einkommen, Bildungsstand oder Geschlecht, Alter und Nationalität festigt sich diese Position Dabei ist es jedoch auch möglich, dass Personen durch Veränderung dieser Merkmale ihre Position im sozialen Raum ändern, was allerdings meist ein sehr langfristiger und schwieriger Prozess ist. Im Beispiel der Kommunikationswissenschaftsstudentinnen (Männer werden an dieser Stelle ver- nachlässigt, da sie aufgrund ihrer geringen Anzahl für dieses Beispiel nicht rele- vant sind) würde dies bedeuten, dass jede der beginnenden Studierenden von Anfang an unterschiedliche Grundvoraussetzungen mitbringt. Alter, Bildungsstand, Nationalität und Beruf sind bei dem Großteil der Studentinnen zwar gleich oder zumindest sehr ähnlich, jedoch hat sich bei jeder Person im Laufe der Sozialisati- on durch das Elternhaus ein anderer Habitus herausgebildet.
Inhaltsverzeichnis
1. Über die Präsenz des Vergleiches im Studium
1.1 Ein Bourdieu orientierter Erklärungsversuch
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Ziel dieser Arbeit ist es, die Rolle von sozialen Vergleichsprozessen bei der Formierung von Gruppen zu Studienbeginn anhand soziologischer Theorien von Pierre Bourdieu zu analysieren und zu erklären.
- Die Bedeutung von Habitus und sozialer Positionierung im studentischen Alltag.
- Die Analyse von Kapitalformen (kulturelles, soziales, ökonomisches und körperliches Kapital).
- Die Dynamik von Klassentheorien und Distinktionsmerkmalen im universitären Kontext.
- Der Einfluss von Medien und Trends auf die Identitätsbildung und Akzeptanz in sozialen Gefügen.
- Die Praxis des Vergleichens als Mechanismus zur sozialen Grenzziehung und Gruppenbildung.
Auszug aus dem Buch
Über die Präsenz des Vergleiches im Studium
Nach Bourdieus Theorie des sozialen Raums besitzt jeder Mensch eine individuelle Position im sozialen Raum. Anhand von Determinanten wie Beruf, Einkommen, Bildungsstand oder Geschlecht, Alter und Nationalität festigt sich diese Position. Dabei ist es jedoch auch möglich, dass Personen durch Veränderung dieser Merkmale ihre Position im sozialen Raum ändern, was allerdings meist ein sehr langfristiger und schwieriger Prozess ist (vgl. Schwingel, 1995). Im Beispiel der Kommunikationswissenschaftsstudentinnen (Männer werden an dieser Stelle vernachlässigt, da sie aufgrund ihrer geringen Anzahl für dieses Beispiel nicht relevant sind) würde dies bedeuten, dass jede der beginnenden Studierenden von Anfang an unterschiedliche Grundvoraussetzungen mitbringt.
Bourdieu zufolge ist der Habitus ein latenter Leitfaden, der das soziale Verhalten einer Person, wie zum Beispiel den Lebensstil, den Geschmack oder die Kleidung determiniert. Der Habitus selbst ist wiederum abhängig von der Position im sozialen Raum und am externalisierten Habitus wird der Status der jeweiligen Person in der Gesellschaft, also dessen soziale Position, sichtbar (vgl. Schwingel, 1995).
„Gleich zu gleich gesellt sich gern“, heißt es im Volksmund und das scheint sich auch beim Studienbeginn der Kommunikationswissenschaft zu bewahrheiten. Diejenigen, deren Eltern Rechtsanwälte, Ärzte oder Architekten sind, finden sich nach kurzer Zeit in Gruppen zusammen. Nicht, weil sie den Beruf der Eltern kennen, sondern weil sie aufgrund ähnlicher Positionen im sozialen Raum und ähnlicher Sozialisation Gemeinsamkeiten in ihrem Verhalten, ihrem Kleidungsstil und ihrem Geschmack erkennen. Genauso verhält es sich mit denjenigen, deren Eltern keine Akademiker sind oder denen, die auf dem Land groß geworden sind. An Kleidungsstil und Sprache beispielsweise, die externalisierte Formen des Habitus darstellen, wird die soziale Position einer Person sichtbar.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Über die Präsenz des Vergleiches im Studium: Der Essay untersucht durch ein persönliches Fallbeispiel, wie Studierende zu Beginn ihres Studiums durch Vergleiche soziale Gruppen bilden und sich innerhalb des sozialen Raums positionieren.
1.1 Ein Bourdieu orientierter Erklärungsversuch: Hier werden die Beobachtungen der Gruppenbildung mit den soziologischen Konzepten von Pierre Bourdieu zu Habitus, Kapitaltheorie und Klassengesellschaft theoretisch fundiert und analysiert.
Schlüsselwörter
Pierre Bourdieu, Sozialer Raum, Habitus, Kapitaltheorie, Distinktion, Soziale Positionierung, Kommunikationswissenschaft, Gruppenbildung, Studienbeginn, Materielle Kultur, Körperliches Kapital, Symbolisches Kapital, Soziale Ungleichheit, Soziale Identität, Vergleichspraktiken
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen Analyse von Gruppenbildungsprozessen bei Studienanfängern unter Verwendung von Vergleichen als zentralem Mechanismus.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Anwendung von Bourdieus Theorien über Habitus, soziale Klassen und die verschiedenen Formen von Kapital auf den akademischen Alltag.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Studierende ihre soziale Position durch Vergleiche innerhalb ihres Fachbereiches legitimieren und festigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um einen essayistischen Erklärungsversuch, der ein beobachtetes Fallbeispiel mit etablierten soziologischen Theorien Bourdieus verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Verknüpfung von Kapitalausstattung, Habitus und Klassentheorie mit den täglichen Interaktionen und dem Styling der Studierenden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Bourdieu, Habitus, Kapital, Distinktion und soziale Identität.
Warum wird speziell das Beispiel der Kommunikationswissenschaft gewählt?
Das Fach dient als Beispiel, da hier die Beachtung von Trends und eine spezifische materielle Selbstdarstellung als erstrebenswert für den sozialen Aufstieg wahrgenommen werden.
Welche Rolle spielt das körperliche Kapital in der Untersuchung?
Das körperliche Kapital wird als positionsbestimmend analysiert, da Schönheit und modische Trends in sozialen Medien als Indikatoren für den sozialen Status und die Fachkompetenz dienen können.
Inwiefern beeinflusst das Elternhaus die Gruppenfindung?
Laut dem Text finden sich Studierende aufgrund ähnlicher Sozialisation und Positionen im sozialen Raum zusammen, was sich in Kleidung, Verhalten und Sprache widerspiegelt.
Was versteht man in diesem Kontext unter Distinktion?
Distinktion beschreibt die Praxis, sich durch spezifische Riten oder materiellen Besitz von anderen Gruppen abzugrenzen, um den eigenen Status innerhalb einer sozialen Hierarchie zu bewahren.
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- B.A. Magdalena Pfitzmaier (Author), 2017, Über die Präsenz des Vergleiches im Kommunikationswissenschaftsstudium, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/464114