In der vorliegenden Arbeit geht es um eine volkswirtschaftliche Untersuchung der Allmende.
In der Publikation "Die doppelte Tragödie der Allmende" des Wirtschaftswissenschaftlers Thieß Petersens beschreibt der Autor eine Dopplung des bekannten Allokationsproblems, das bei der Nutzung von Allmendegütern auftritt. Nicht alleine die Übernutzung der Allmende stellt demnach ein Problem dar, sondern auch die individuellen Interessen der Politiker, die den Staat konstituieren. Im Folgenden soll diese Verquickung des bekannten Problems der Allokation von Allmendegütern mit dem Problem des Nutzenmaximierens von politischen Entscheidungsträgern näher untersucht werden. Dabei werden beide Problemstellungen erläutert und systematisch zueinander in Bezug gesetzt werden. Es soll dann ein Überblick über mögliche Lösungen der Problemstellung gegeben werden. Als Fallbeispiel für eine erfolgreiche Nutzung von Gemeinschaftsgütern wird der Trebah Garden Trust angeführt werden, der mit der Verwaltung eines Ökosystems in Cornwall betraut ist. Abschließend soll das Modell von "Common Property Trusts", wie eben dem Trebah Garden Trust bewertet werden und in einem abschließenden Fazit eine Bewertung der gesamten Auseinandersetzung erfolgen.
Die Tragödie der Allmende beschreibt das Allokationsproblem, welches bei der Nutzung eines öffentlichen Gutes ohne Ausschließbarkeit im Konsum vorliegt. Da die Allokation, die Zuordnung begrenzter Ressourcen auf unterschiedliche Verwendungsbereiche eines ökonomischen Systems in diesem Fall allen Nutzern der Allmende gleichermaßen überlassen ist und sie nicht durch staatliches Eingreifen reguliert wird, kommt es zur Übernutzung des Allmendegutes. Das Beispiel der Dorfweide eignet sich gut, um das Problem von Gemeinschaftsgütern zu illustrieren. Eine Weidefläche gehört zu einem Dorf, deren Bauern diese Fläche uneingeschränkt für ihre Milchkühe nutzen dürfen. Es liegt ein Gut mit Nichtausschließbarkeit im Konsum vor, bei dem zugleich Rivalität in der Nutzung auftritt. So darf ein jeder Bauer seine Kühe uneingeschränkt dort weiden lassen, das zur Verfügung stehende Gras ist allerdings begrenzt. Die Tragödie der Allmende besteht nun darin, dass die Allmende von den Bauern übernutzt wird, da keiner von ihnen als Individuum einen Vorteil darin sieht, sich selbst im Konsum einzuschränken, da er davon ausgehen muss, ein anderer könne den eigenen Verzicht ausnutzen und selbst nicht darauf verzichten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die doppelte Tragödie Der Allmende
2.1. Theoretischer Hintergrund/Systematisierung
Die erste Tragödie der Allmende
Die zweite Tragödie der Allmende
3. Praktische Lösungsansätze
3.1. Lösungsansätze für die erste Tragödie der Allmende
3.2. Lösungsansätze für die zweite Tragödie der Allmende
4. Fallbeispiel: Alaska Permanent Fund (Erdöl)
4.1. Darstellung
4.2. Beurteilung und Bewertung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die von Thieß Petersen beschriebene „doppelte Tragödie der Allmende“, welche das klassische Allokationsproblem bei Gemeinschaftsgütern mit den eigennützigen Interessen politischer Entscheidungsträger verknüpft. Das Ziel ist es, diese beiden Problemkomplexe systematisch zu analysieren, Lösungsmöglichkeiten durch Treuhänderschaften (Trusts) aufzuzeigen und diese anhand des Fallbeispiels des „Alaska Permanent Fund“ kritisch zu bewerten.
- Die erste Tragödie der Allmende als klassisches Gefangenendilemma.
- Die Rolle politischer Akteure als Nutzenmaximierer und die Problematik des Lobbyismus.
- Das Konzept der Treuhänderschaft (Trusts) zur langfristigen Bewirtschaftung von Ressourcen.
- Die Analyse des Alaska Permanent Fund als erfolgreiches Modell institutioneller Ressourcensicherung.
- Die Schwierigkeiten bei der grenzüberschreitenden Anwendung von Trust-Modellen.
Auszug aus dem Buch
Die Allmendetragödie als Gefangenendilemma
Die Möglichkeit zur Formalisierung der Allmendetragödie als klassisches Gefangenendilemma, wird als erstes von R.M. Dawes aufgezeigt, der in der Beschaffenheit der Allmendegüter eine dominante Strategie der Defektion („Dominating Strategy for Defection“) sieht (Vgl. Dawes 1973). Das Gefangenendilemma, dessen Ausformulierung den Wissenschaftlern Merill M. Flood und Melvin Dresher zugeschrieben wird und das von Albert W. Tucker formalisiert wurde wird wie folgt beschrieben (Ostrom 1990: 217f): „ Zwei Verdächtige werden in Untersuchungshaft genommen und voneinander getrennt verhört. Der Staatsanwalt weiß, dass sie beide der Tat schuldig sind, weiß allerdings nicht ob die Beweislage im Prozess genügen wird um beide zu verurteilen. Er stellt dann beide Gefangene vor die Wahl, entweder zu gestehen oder nicht zu gestehen. Wenn beide ihre Schuld nicht eingestehen, dann wird die Beweislage nicht überzeugend sein und die Bestrafung gering ausfallen. Sollten beide ihre Schuld eingestehen, so wird der Staatsanwalt versuchen, zumindest nicht die Höchststrafe, die auf das begangene Verbrechen steht durchzusetzen. Sollte allerdings nur einer der beiden gestehen und der andere nicht, so würde der Geständige mildernde Umstände erhalten, während der, der leugnet und schweigt, die komplette Höchststrafe erhalten würde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das von Thieß Petersen definierte Problem der „doppelten Tragödie“ ein, bei der neben der Ressourcenübernutzung auch politisches Fehlverhalten eine Rolle spielt.
2. Die doppelte Tragödie Der Allmende: Dieses Kapitel erläutert den theoretischen Hintergrund, wobei die erste Tragödie als klassisches Gefangenendilemma und die zweite Tragödie als Resultat eigennütziger, kurzfristig agierender Politik dargestellt wird.
3. Praktische Lösungsansätze: Hier werden Modelle wie Privatisierung, staatliche Regulierung und die Etablierung von Trusts als Lösungsstrategien für die zuvor beschriebenen Probleme gegenübergestellt.
4. Fallbeispiel: Alaska Permanent Fund (Erdöl): Das Kapitel analysiert den Alaska Permanent Fund als praktisches Beispiel für eine gelungene, rechtlich geschützte Treuhänderschaft zur Verwaltung natürlicher Ressourcen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass eine freiwillige Selbstverwaltung bei Allmendegütern durch die vorliegenden Machtasymmetrien oft unmöglich ist, weshalb unabhängige Treuhänderschaften als notwendige Institutionen erscheinen.
Schlüsselwörter
Tragödie der Allmende, Allmendegüter, Gemeinschaftsgüter, Gefangenendilemma, Politische Ökonomie, Nutzenmaximierung, Lobbyismus, Treuhänderschaft, Trusts, Alaska Permanent Fund, Nachhaltigkeit, Allokationsproblem, Institutionenökonomik, Ressourcenschutz, Defektion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Verquickung von klassischer Ressourcenübernutzung („erste Tragödie“) mit dem eigennützigen Verhalten politischer Entscheidungsträger („zweite Tragödie“).
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die ökonomische Spieltheorie, politische Entscheidungsfindung unter dem Modell des homo oeconomicus sowie Modelle zur langfristigen Sicherung von Gemeinschaftsgütern.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die theoretische Durchdringung der „doppelten Tragödie“ und die Prüfung der Eignung von Trust-Modellen zur Überwindung dieser Probleme in der Praxis.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse sowie eine fallstudienbasierte Analyse des Alaska Permanent Fund, um Lösungsansätze zu evaluieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Systematisierung der Tragödie, die Vorstellung von Lösungsmodellen und die detaillierte Betrachtung des Alaska-Modells.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Allmendetragödie, Gefangenendilemma, Treuhänderschaft und politische Nutzenmaximierung.
Warum ist der Alaska Permanent Fund ein besonderes Beispiel?
Er illustriert, wie durch eine verfassungsrechtlich verankerte Treuhänderschaft verhindert werden kann, dass natürliche Ressourcen durch kurzfristige politische Interessen „heruntergewirtschaftet“ werden.
Warum ist die „zweite Tragödie“ laut Autorin so problematisch?
Weil sie aufzeigt, dass selbst staatliche Interventionen scheitern können, wenn Politiker als Stimmmaximierer agieren und somit Lobbyismusinteressen über das Gemeinwohl stellen.
- Quote paper
- Lisa Kastl (Author), 2012, Zur Problematik der Allmende, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/455498