Der Begriff „Verhaltensstörung“ bezeichnet ein Störbild, das durch die Abweichung von alters- und situationsangemessenen Normen gekennzeichnet ist. Diese Abweichung beeinträchtigt häufig die schulischen Leistungen sowie die sozialen und persönlichen Fähigkeiten eines betroffenen Kindes. Verhaltensstörungen treten über einen längeren Zeitraum in mindestens zwei verschiedenen Lebensbereichen (z.B. Schule und Elternhaus) auf, gehen dabei über zeitlich begrenzte Stressreaktionen (wie z.B. bei Scheidung der Eltern) hinaus, können zusammen mit anderen Behinderungen auftreten und erfordern spezielle Maßnahmen. Kindliche Verhaltensstörungen lassen sich intern (vom Kind selbst) und/oder extern (von anderen Beobachtern) wahrnehmen, wobei das Urteil des jeweiligen Beobachters von seinen Einstellungen, Wertvorstellungen, Haltungen und Erwartung abhängt. In bestimmten Situationen, z.B. in der Schule, wird von einem Kind erwartet, dass es sich normativ verhält und sich in einem gewissen Toleranzbereich bewegt, der nicht überschritten werden sollte. Die Dauer und Intensität der Normabweichung beeinflussen dabei die Einschätzung des auffälligen Verhaltens, das für ein betroffenes Kind jedoch immer eine für es selbst angemessene Antwort bzw. Reaktion auf die gegebene Situation darstellt. Das Kind setzt sich handelnd mit einer neuen Situation auseinander und versucht, die jeweilige Konfliktsituation zu überleben. Leider fehlen operationalisierbare, verbindliche Kriterien bei der diagnostischen Erfassung von Verhaltensstörungen weitgehend und die Diagnose bleibt zu einem gewissen Teil immer subjektiv, vage und unscharf, was dazu führen kann, dass der Begriff der Verhaltensstörung in „alltagssprachlicher Allgemeinheit zu verschwimmen“ droht, so auch bei der Diagnose des Störungsbildes ADS/ADHS.
Inhaltsverzeichnis
A. Ursachen, Diagnose und Behandlung von Verhaltensauffälligkeiten wie ADS / ADHS
1. Einleitung: Kindliche Verhaltensstörungen
2. Das „Zappelphillip-Syndrom“
3. Zum Störungsbild ADS / ADHS
4. Erklärungsmodelle für die Ursachen von ADS / ADHS
4.1 Die Dopamin-Mangel-Hypothese
4.2 Das Modell des Dopaminüberschusses
4.3 Die Beeinflussung der Hirnstruktur durch Erziehung und Sozialisation
5. Zur Diagnose - Der „ADS / ADHS -Test“
6. Zur Dominanz verschiedener Hirnhemisphären
6.1 Rechtshemisphärische Persönlichkeiten
6.2 Linkshemisphärische Persönlichkeiten
6.3 Wissenschaftliche Forschungsergebnisse
7. Besondere Merkmale aufmerksamkeitsgestörter Kinder
7.1 Sensorische Übersteigerungen
7.2 Erinnerungsvermögen, Perfektionismus und Selbstkritik
7.3 Impulsivität, verzögerte motorische Entwicklung und Intuition
8. Medikamentöse Behandlung von ADS / ADHS
8.1 Zum Einsatz von Ritalin
8.2 Die Nebenwirkungen von Ritalin
8.3 Kritik am Einsatz von Medikamenten wie Ritalin
9. Alternative Therapien und Behandlungsmethoden
9.1 Familientherapeutische Maßnahmen
9.2 Esoterische Behandlungen
9.2.1 Das Beispiel Edu-Kinestetik
9.2.2 Kritik an esoterischen Behandlungen
10. ADS / ADHS – Wer hat Schuld?
11. Verwandte Phänomene
11.1 Legasthenie
11.2 Autismus
11.3 Hyperaktivität und Hochbegabung
B. Zum Umgang mit aufmerksamkeitsgestörten Kindern im Unterricht
1. Lernschwierigkeiten bei Kindern mit ADS / ADHS
1.1 Schwächen in der Lautwahrnehmung
1.2 Schwierigkeiten beim Schreibenlernen
1.3 Schwierigkeiten beim Lesenlernen
1.4 Schwierigkeiten beim Anwenden mathematischer Regeln
2. Der traditionelle, linkshemisphärisch ausgerichtete Unterricht
3. Handlungsalternativen und Strategien für den Unterricht
3.1 Zur Arbeit mit aufmerksamkeitsgestörten Kindern
3.2 Das Herstellen von Aufmerksamkeit
3.3 Zur Haltung gegenüber unaufmerksamem Verhalten
3.3.1 Reaktion auf Regelverstöße
3.3.2 Auszeiten während des Unterrichts
3.4 Übergänge und Rituale
3.5 Die Empowerment-Idee
4. Der ideale Unterricht für rechtshemisphärische, aufmerksamkeitsgestörte Kinder
4.1 Klassenarbeiten und Tests
4.2 Berücksichtigung des individuellen Lernstils
4.3 Das ideale Klassenzimmer
4.4 Hausaufgaben
4.5 Lernen und Bewegung
4.6 Fazit: Stärken und Schwächen wahrnehmen
5. Alternative Schulen
5.1 Montessori-Schulen
5.2 Antiautoritäre Schulen
6. Schluss: Lösungsorientiertes Vorgehen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, ein differenziertes Verständnis für ADS und ADHS bei Kindern zu entwickeln, indem sie sowohl die Ursachen als auch die Behandlungsmöglichkeiten kritisch beleuchtet und effektive Strategien für den Unterricht von aufmerksamkeitsgestörten Kindern aufzeigt.
- Ursachenmodelle und biologische Erklärungsansätze für ADS/ADHS.
- Kritische Auseinandersetzung mit medikamentösen und esoterischen Behandlungsmethoden.
- Analyse der Hemisphärendominanz und deren Bedeutung für Lernstile.
- Pädagogische Handlungsempfehlungen für den Unterricht von Kindern mit ADS/ADHS.
- Förderung der individuellen Stärken im Rahmen eines lösungsorientierten Vorgehens.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung: Kindliche Verhaltensstörungen
Der Begriff „Verhaltensstörung“ bezeichnet ein Störbild, das durch die Abweichung von al ters- und situationsangemessenen Normen gekennzeichnet ist. Diese Abweichung beeinträch tigt häufig die schulischen Leistungen sowie die sozialen und persönlichen Fähigkeiten eines betroffenen Kindes. Verhaltensstörungen treten über einen längeren Zeitraum in mindestens zwei verschiedenen Lebensbereichen (z.B. Schule und Elternhaus) auf, gehen dabei über zeit lich begrenzte Stressreaktionen (wie z.B. bei Scheidung der Eltern) hinaus, können zusammen mit anderen Behinderungen auftreten und erfordern spezielle Maßnahmen.
Kindliche Verhaltensstörungen lassen sich intern (vom Kind selbst) und/oder extern (von an deren Beobachtern) wahrnehmen, wobei das Urteil des jeweiligen Beobachters von seinen Einstellungen, Wertvorstellungen, Haltungen und Erwartung abhängt. In bestimmten Situati onen, z.B. in der Schule, wird von einem Kind erwartet, dass es sich normativ verhält und sich in einem gewissen Toleranzbereich bewegt, der nicht überschritten werden sollte. Die Dauer und Intensität der Normabweichung beeinflussen dabei die Einschätzung des auffälligen Ver haltens, das für ein betroffenes Kind jedoch immer eine für es selbst angeme ssene Antwort bzw. Reaktion auf die gegebene Situation darstellt. Das Kind setzt sich handelnd mit einer neuen Situation auseinander und versucht, die jeweilige Konfliktsituation zu überleben.
Leider fehlen operationalisierbare, verbindliche Kriterien bei der diagnostischen Erfassung von Verhaltensstörungen weitgehend und die Diagnose bleibt zu einem gewissen Teil immer subjektiv, vage und unscharf, was dazu führen kann, dass der Begriff der Verhaltensstörung in „alltagssprachlicher Allgemeinheit zu verschwimmen“ droht, so auch bei der Diagnose des Störungsbildes ADS / ADHS.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Kindliche Verhaltensstörungen: Einführung in den Begriff der Verhaltensstörung und die Problematik der diagnostischen Unschärfe bei kindlichen Auffälligkeiten.
2. Das „Zappelphillip-Syndrom“: Hinterfragung, ob es sich bei ADS um ein modernes Phänomen handelt oder ob die Störung bereits historisch existierte.
3. Zum Störungsbild ADS / ADHS: Definition der Merkmalskombinationen von Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität im Kindesalter.
4. Erklärungsmodelle für die Ursachen von ADS / ADHS: Diskussion biologischer Hypothesen zum Dopaminhaushalt sowie der prägenden Rolle von Erziehung und Sozialisation.
5. Zur Diagnose - Der „ADS / ADHS -Test“: Darstellung der diagnostischen Vorgehensweise und der Schwierigkeiten bei der objektiven Bewertung von kindlichem Verhalten.
6. Zur Dominanz verschiedener Hirnhemisphären: Untersuchung der funktionellen Unterschiede zwischen rechter und linker Hemisphäre und deren Einfluss auf Lernverhalten und Wahrnehmung.
7. Besondere Merkmale aufmerksamkeitsgestörter Kinder: Analyse spezifischer kognitiver und sensorischer Besonderheiten, wie etwa Überempfindlichkeit oder ein visuell geprägtes Erinnerungsvermögen.
8. Medikamentöse Behandlung von ADS / ADHS: Kritische Beleuchtung des Einsatzes von Ritalin sowie dessen Nebenwirkungen und gesellschaftlicher Wahrnehmung.
9. Alternative Therapien und Behandlungsmethoden: Vorstellung familientherapeutischer und esoterischer Ansätze unter kritischer Würdigung ihrer Wirksamkeit.
10. ADS / ADHS – Wer hat Schuld?: Analyse der Zuweisung von Verantwortung bei Verhaltensauffälligkeiten im Spannungsfeld zwischen Kind, Eltern und Schule.
11. Verwandte Phänomene: Abgrenzung und Zusammenhänge zu Legasthenie, Autismus und Hochbegabung.
B. Zum Umgang mit aufmerksamkeitsgestörten Kindern im Unterricht: Praktische Strategien und Anpassungen für den Unterricht, um auf die Bedürfnisse rechtshemisphärisch geprägter Kinder einzugehen.
6. Schluss: Lösungsorientiertes Vorgehen: Plädoyer für einen ganzheitlichen und stärkengestützten Ansatz, der das Kind in seiner gesamten Lebenswelt begreift.
Schlüsselwörter
ADS, ADHS, Verhaltensstörung, Dopamin, Hemisphärendominanz, Rechtshemisphärisch, Ritalin, Familientherapie, Pädagogik, Lernschwierigkeiten, Aufmerksamkeitsdefizit, Hyperaktivität, Legasthenie, Autismus, Lösungsorientierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Störungsbild ADS/ADHS bei Kindern aus medizinischer, pädagogischer und systemischer Sicht, um den Umgang mit betroffenen Kindern zu verbessern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Ursachenforschung, die medizinische Diagnose, die Kritik an der gängigen medikamentösen Therapie sowie die Entwicklung pädagogischer Strategien für einen idealen Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Lehrern und Eltern aufzuzeigen, wie sie Kindern mit ADS/ADHS besser gerecht werden können, indem sie weg von defizitorientierten Modellen hin zu einer Stärkung der individuellen Ressourcen gelangen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse wissenschaftlicher Fachpublikationen, medizinischer Studien und erziehungswissenschaftlicher Erkenntnisse basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Ursachen und Diagnostik von ADS/ADHS sowie einen umfangreichen Teil, der sich mit didaktischen Handlungsalternativen für den Unterricht befasst.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind ADS/ADHS, Hemisphärendominanz, Lernstil, medikamentöse Behandlung, Empowerment und lösungsorientiertes Vorgehen.
Warum kritisiert der Autor den Einsatz von Ritalin?
Der Autor kritisiert die vorschnelle medikamentöse Verordnung, mangelnde Nachweise für langfristige Erfolge beim Lernen sowie potenzielle Nebenwirkungen und die Gefahr der „chemischen Problemlösung“ statt pädagogischer Auseinandersetzung.
Welchen Einfluss hat die „Rechtshirn-Dominanz“ auf das Lernverhalten?
Rechtshemisphärisch geprägte Kinder verarbeiten Informationen ganzheitlich und visuell. Da der traditionelle Unterricht oft linkshemisphärisch-linear ausgerichtet ist, entstehen für diese Kinder Schwierigkeiten bei rein auditiven oder regelbasierten Aufgaben.
Welche Rolle spielt die Schule beim Umgang mit ADHS?
Die Schule spielt eine zentrale Rolle, da sie durch veraltete, linkshemisphärisch ausgerichtete Lehrmethoden den Druck auf die Kinder erhöht; der Autor fordert stattdessen den Einsatz visuell orientierter Techniken und eine stärkere Berücksichtigung individueller Lernstile.
- Arbeit zitieren
- Kathrin Morawietz (Autor:in), 2003, Kindliche Verhaltensauffälligkeiten - ADS / ADHS, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/44989