Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Vergleich der Theorien von Alfred Schütz und Jürgen Frese mit Blick auf die Begriffe „Handlungen“ und „Situation“. Max Weber definiert in seinem Werk „Wirtschaft und Gesellschaft“ Soziologie als „eine Wissenschaft, welche soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich erklären will“. Mit dieser Definition beeinflusste Weber eine ganze Wissenschaft, in der sowohl aufeinander aufbauende als auch kontrovers diskutierte Theorien vorhanden sind. Auch Schütz und Frese stellten Handlungstheorien auf, die das Ziel verfolgte, das menschliche Handeln zu verstehen und die Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Interaktion zu erklären. Beide Ansätze weisen Ähnlichkeiten in ihren Grundzügen, aber auch Unterschiede auf.
Alfred Schütz gilt als Vertreter der verstehen Soziologie und konzipiert seine Handlungstheorie in Bezug auf den subjektiven Sinn nach Max Weber. Nach Schütz steht das wechselseitige Verstehen der einzelnen Akteure im Zentrum, wobei die Akteure trotz begrenzten intersubjektiven Verstehens die Verständigung im Alltag konstruieren. Darüber hinaus erarbeitet Schütz Unterscheidungen, die bei Weber nicht zu finden sind, was Ersterer kritisiert. Schütz differenziert zwischen Handeln als Ablauf und vollzogener Handlung, zwischen dem Sinn des Erzeugens und dem Sinn des Erzeugnisses, zwischen dem Sinn eigenen und fremden Handelns bzw. eigener und fremder Erlebnisse und zwischen dem Fremdstehen und Selbstverstehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Handlungstheorie
2.1 Alfred Schütz
2.2 Jürgen Frese
3. Vergleich der Handlungstheorien von Alfred Schütz und Jürgen Frese
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die Handlungstheorien von Alfred Schütz und Jürgen Frese im Hinblick auf die zentralen Begriffe „Handlung“ und „Situation“ einander gegenüberzustellen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in ihren Ansätzen zur Erklärung menschlichen Handelns und intersubjektiven Verstehens aufzuzeigen.
- Grundlagen der Handlungstheorie bei Alfred Schütz und Jürgen Frese
- Differenzierung zwischen den Begriffen „Handeln“, „Handlung“ und „Verhalten“
- Die Bedeutung der „Situation“ für den Handlungsverlauf
- Vergleich der Konstitution von subjektivem und objektivem Sinn
- Prozesshafte vs. typisierende Ansätze im sozialen Handeln
Auszug aus dem Buch
2.1 Alfred Schütz
Ausgangsfrage der Schützschen Handlungstheorie ist die Konstitution des subjektiven Sinns, der die Grundlage jedes Handelns bildet und für das gegenseitige Handeln vorausgesetzt wird. Schütz will dieser Frage nachgehen und vor diesem Hintergrund das Defizit, welches er bei der Handlungstheorie von Weber feststellt, beheben. Dementsprechend versucht Schütz die Handlungstheorie von Weber dahingehend zu ergänzen, dass ein intersubjektiver Sinn einer Handlung zum Ausdruck kommt, da sein Interesse im Prozess der Konstitution des subjektiven Sinns liegt.
In erster Linie macht Schütz die Unterscheidung zwischen Handeln und Handlung, dass das Handeln durch eine Vorkonstruktion einer bereits abgeschlossenen Handlung sozusagen im Hinterkopf ausgeführt wird. Schütz geht davon aus, dass der „Sinn des Handelns die vorher entworfene Handlung“ (Schütz 1977: 79) ist und „nur der Handelnde den wahren Zweck oder besser: das wahre Ziel seiner Handlung kennt“ (Schütz 1932: 57). Demnach ist der Sinn für die entworfene Handlung subjektgebunden. Sobald der Akteur mit seinem Verhalten Sinn verbindet, wird Verhalten zu Handeln.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein, stellt die Relevanz der Begriffe Handlung und Situation dar und umreißt die methodische Herangehensweise des Vergleichs.
2. Handlungstheorie: Hier werden die theoretischen Positionen von Alfred Schütz und Jürgen Frese separat beleuchtet, wobei der Fokus auf ihren jeweiligen Konzepten von Handeln und Situation liegt.
3. Vergleich der Handlungstheorien von Alfred Schütz und Jürgen Frese: In diesem Abschnitt werden die zuvor dargestellten Theorien gegenübergestellt, um zentrale Übereinstimmungen sowie divergierende Auffassungen herauszuarbeiten.
4. Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und reflektiert die erarbeiteten Ergebnisse sowie die Schwierigkeiten bei der Literaturlage zu Jürgen Frese.
Schlüsselwörter
Handlungstheorie, Alfred Schütz, Jürgen Frese, Handeln, Handlung, Situation, Subjektiver Sinn, Intersubjektives Verstehen, Typisierung, Soziales Handeln, Prozesshaftigkeit, Kommunikation, Max Weber, Soziologie, Lebenswelt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einem theoretischen Vergleich der Handlungstheorien von Alfred Schütz und Jürgen Frese.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Begriffe „Handlung“, „Handeln“ und „Situation“ sowie deren Bedeutung für das Verständnis menschlicher Interaktion.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Grundzüge beider Theorien darzulegen und ihre Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede systematisch herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der vergleichenden Literaturanalyse, um die Theorien der beiden Soziologen gegenüberzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Einzeltheorien von Schütz und Frese sowie deren anschließende vergleichende Diskussion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Handlungstheorie, subjektiver Sinn, Typisierung, Situation, soziales Handeln und Kommunikation.
Wie unterscheidet Alfred Schütz zwischen Handeln und Handlung?
Schütz versteht Handeln als ein Verhalten, das auf einem im Hinterkopf vorausgegangenen Entwurf basiert, wobei die Handlung das abgeschlossene Resultat dieses Entwurfsprozesses darstellt.
Wie definiert Jürgen Frese den Begriff der „Situation“?
Frese definiert die Situation als jene Möglichkeiten, die zu einem bestimmten Zeitpunkt eines sozialen Prozesses vorhanden sind, um diesen weiterzuführen.
- Quote paper
- Melike Kayan (Author), 2017, Alfred Schütz und Jürgen Frese. Ein Vergleich zweier Positionen mit Blick auf die Begriffe "Handeln", "Handlung" und "Situation", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/429284