„In guten wie in schlechten Zeiten – bis, dass der Tod euch scheidet.“
Dieses bei der Eheschließung oft verwendete Eheversprechen ist nur noch bedingt gültig, auch wenn viele Paare bei ihrer Hochzeit davon ausgehen, den Partner des Lebens gefunden zu haben und somit dieses Versprechen gedenken zu halten. Dem ist jedoch nicht immer so, sodass in einigen Ehen schon nach wenigen Jahren die Frage der Scheidung im Raum steht. Dabei gibt es das Konstrukt der Ehe schon so lange der Mensch zurückdenken kann.
Schon immer galt sie als ein sehr flexibles soziales Gebilde, auf das sich Ehepartner und Familienmitglieder stützen konnten und welches in vielerlei Formen auftrat. Doch anders als die meisten annehmen, wird der Ehe fälschlicherweise das Bild eines idyllischen, immer intakten Konstrukts unterstellt. Stattdessen stellt sie jedoch häufig eine Zweckgemeinschaft dar, die nicht „unbedingt Liebe und emotionale Zuneigung voraus[setzt]“. Traditionell gesehen stellt sie jedoch die einzig akzeptierte Form in der Gesellschaft dar, um eine sexuelle Beziehung zu führen und Kinder aufzuziehen.
Des Weiteren kristallisiert sich ein Familienbild heraus, indem der Mann als Alleinverdiener die Familie versorgt und die Frau zu Hause bleibt und als Hausfrau und Mutter fungiert. Dieses traditionelle Ehekonzept kann jedoch in der modernen Gesellschaft als problematisch angesehen werden. Demnach wird sich die vorliegende Arbeit mit der Frage beschäftigen, in wie fern die Austauschtheorie und das austauschtheoretische Modell der Ehescheidung den Entschluss zur Scheidung erklären können.
Im Folgenden werden zuerst zentrale Aspekte der Austauschtheorie nach Homans, Thibaut und Kelley näher erläutert, um im Anschluss auf das austauschtheoretische Modell der Ehescheidung einzugehen. Zur Verdeutlichung wird ein empirisch ermitteltes Fallbeispiel einer geschiedenen Frau interpretiert und auf die theoretischen Modelle angewandt. Im Anschluss werden die theoretischen Ansätze sowie die Analyse des Fallbeispiels kritisch betrachtet. Dafür werden einige weitere häufige Scheidungsgründe auf die Person im Fallbeispiel übertragen. Im Fazit wird letztendlich durch Analyse und Abwägen der zuvor genannten Aspekte die Ausgangsfrage kritisch beantwortet.
Inhaltsverzeichnis
1) Einleitung
2) Theoretische Fundierung
2.1) Die Austauschtheorie nach Homans, Thibaut und Kelley
2.2) Austauschtheoretisches Modell der Ehescheidung
3) Interpretation eines Fallbeispiels
4) Kritische Betrachtung der Scheidungsmodelle in Bezug zum Fallbeispiel
5) Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit die Austauschtheorie sowie das austauschtheoretische Modell der Ehescheidung den Entschluss zur Scheidung theoretisch fundieren und praktisch anhand eines Fallbeispiels erklären können.
- Grundlagen der Austauschtheorie nach Homans, Thibaut und Kelley
- Anwendung des austauschtheoretischen Modells der Ehescheidung
- Interpretation eines empirischen Fallbeispiels einer geschiedenen Frau
- Analyse von Ehequalität, Ehestabilität und nachehelichen Alternativen
- Kritische Reflexion über Subjektivität und Scheidungsursachen
Auszug aus dem Buch
3) Interpretation eines Fallbeispiels
Im Anschluss an die theoretische Ausarbeitung der Modelle, werden die zentralen Konzepte im Folgenden auf ein Fallbeispiel angewandt. Dieses Fallbeispiel basiert auf einem Gespräch mit Melanie, das persönlich im Zuge dieser Arbeit geführt wurde. Melanie war zum Zeitpunkt des Gesprächs seit anderthalb Jahren von ihrem Ex-Ehemann geschieden und hat die Hintergründe und Gedankengänge hinter ihrem Entschluss zur Scheidung mit mir geteilt. Ein Transkript des Gesprächs liegt im Anhang vor.
Dieses Fallbeispiel zeigt viele der für die Austauschtheorie typischen Merkmale. Es handelt sich um zwei Akteure, einen Ehemann und seine Ehefrau. Die theoretischen Modelle werden an Hand der Aussagen der Ehefrau analysiert, die ihre Beziehung subjektiv empfindet und ausdrückt. Sie beschreibt, wie ihr Ehemann aufhört, Güter in der Form von Zeit, Geld und Aufwand mit ihr auszutauschen und sie begründet dieses Handeln subjektiv rational. Jedoch sind für den Außenstehenden die Gründe für das Verhalten des Mannes nicht eindeutig. Ebenso ist unklar, wie die Interaktionen von Seiten des Mannes empfunden werden und ob das Verhalten beider Akteure objektiv nachvollziehbar ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1) Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Ehe als oft fälschlicherweise idealisiertes Konstrukt ein und stellt die Forschungsfrage nach der Erklärbarkeit des Scheidungsentschlusses durch Austauschmodelle.
2) Theoretische Fundierung: Dieses Kapitel erläutert die Grundannahmen der Austauschtheorie sowie das Modell der Ehescheidung, inklusive der Konzepte von Ehequalität und Ehestabilität.
3) Interpretation eines Fallbeispiels: Hier erfolgt die praktische Anwendung der theoretischen Konzepte auf das Interview mit einer geschiedenen Person unter Fokus auf Ressourcenaustausch und Nettonutzen.
4) Kritische Betrachtung der Scheidungsmodelle in Bezug zum Fallbeispiel: Das Kapitel hinterfragt die Validität der Analyse kritisch und ergänzt soziologische Erkenntnisse zu Alter, Berufsstand und Scheidungsursachen.
5) Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, bestätigt die Nützlichkeit der theoretischen Modelle bei gleichzeitiger Einschränkung durch die Subjektivität des Fallbeispiels.
Schlüsselwörter
Austauschtheorie, Ehescheidung, Ehequalität, Ehestabilität, Rational Choice, Sozialer Tausch, Ressourcentheorie, Nettonutzen, Fallstudie, Familiensoziologie, Scheidungsrisiko, Interaktion, Beziehungsabbruch, Subjektivität, Eheverlauf.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung soziologischer Austauschtheorien auf den Prozess der Ehescheidung, um zu verstehen, warum und unter welchen Bedingungen Menschen eine Ehe beenden.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Konzepte des sozialen Austauschs, die Bestimmung von Kosten und Nutzen in einer Partnerschaft sowie die Faktoren, die zur Stabilität oder Destabilisierung einer ehelichen Beziehung führen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu prüfen, inwieweit die theoretischen Modelle von Homans, Thibaut und Kelley sowie das Modell der Ehestabilität nach Lewis & Spanier den konkreten Entschluss zur Scheidung erklären können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin kombiniert eine theoretische Literaturanalyse mit der qualitativen Interpretation eines empirischen Fallbeispiels, welches auf einem persönlichen Interview basiert.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Vordergrund?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einführung und die anschließende empirische Anwendung, bei der das Verhalten der Akteure im Fallbeispiel anhand der Begriffe Ehequalität und Ressourcenaustausch analysiert wird.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Nettonutzen, interpersoneller Austausch, Ehestabilität, soziale Anerkennung und die subjektive Bewertung ehelicher Interaktionen geprägt.
Warum wird im Fallbeispiel explizit die Rolle der Erwerbstätigkeit erwähnt?
Die Erwerbstätigkeit beider Partner wird als Faktor für Konkurrenz, Zeitmangel und veränderte Ansprüche diskutiert, was wiederum den Austausch von immateriellen Gütern negativ beeinflussen kann.
Welche Rolle spielt die Einseitigkeit im Fallbeispiel für das Ergebnis?
Die Einseitigkeit wird kritisch als Limitation der Arbeit benannt, da sie lediglich die subjektive Sichtweise der befragten Ehefrau wiedergibt und die Perspektive des Ex-Mannes ausblendet.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2017, Von der Ehe zur Scheidung. Inwieweit beeinflusst die Austauschtheorie die Scheidung?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/428449