Der Autor dieser Arbeit wird sich mit dem Kapitel 9 aus dem Buch „Evolution der Politik – Von der Stammesgesellschaft zur modernen Demokratie“ beschäftigen. Dieses Kapitel wird nach Wimmer in drei Unterkapitel eingeteilt:
• Theorien zur Entstehung des modernen Staates
• Theorie der Evolution der modernen Gesellschaft
• Verfassungen als evolutionäre Errungenschaft (Vgl. Luhmann)
Für Marx ist „[...] das Moderne an der modernen Gesellschaft nicht mit dem Staat, sondern mit der kapitalistischen Wirtschaft identifiziert, welche die feudale Produktionsweise abgelöst habe.“ Engels wiederum sieht „[den] Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates“ und so „den Akzent auf die Klassenstruktur der Gesellschaft: war der feudale Staat identisch mit der Herrschaft der grundbesitzenden Kriegeraristokratie über eine in Leibeigenschaft gehaltene Bauernschaft gewesen, so entsteht mit den Städten eine neue bürgerliche Mittelklasse, welche die Monarchie nur benutzt, um die anderen beiden Klassen machtpolitisch auszubalancieren. Ausnahmsweise gewinnt so der absolutistische Staat eine gewisse Autonomie gegenüber der Klassenstruktur.“
Inhaltsverzeichnis
1 Die Entstehung des modernen Staates
1.2. Reformation und Staatsbildung
1.3 Sozialdisziplinierung
1.4 Funktionale Differenzierung der Gesellschaft
1.5 Staat und Souveränität
1.6 Verfassungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung des modernen Staates aus evolutionstheoretischer Sicht. Das Hauptziel ist die Analyse verschiedener soziologischer und politikwissenschaftlicher Theorien, um zu erklären, wie sich der Staat als spezialisiertes Subsystem der Gesellschaft entwickelte und welche historischen Ereignisse sowie Konzepte wie Souveränität und Verfassungsbildung diesen Prozess maßgeblich prägten.
- Theorien zur Entstehung des modernen Staates
- Die Rolle der Reformation bei der Staatsbildung
- Sozialdisziplinierung und die Entwicklung staatlicher Institutionen
- Funktionale Differenzierung der Gesellschaft nach Anthony Giddens
- Souveränitätsbegriff und die Rolle von Verfassungen
Auszug aus dem Buch
1.5 Staat und Souveränität
Der moderne Staatsbegriff entwickelte sich nicht wie von manchen angenommen, um das Wort „Staat“, sondern um den Begriff „Souveränität“. Bereits Jean Bodin unterscheidet zwischen der Herrschaft des König en sa royaume und der Herrschaft des Barons en sa terre. Dem König stehen sachlich einzelne Herrschaftsrechte exklusiv zu.
Bodins Souveränitätsbegriff ist genau auf die Lösung der fundamentalen Stabilitätsprobleme der spätmittelalterlichen Gesellschaft angelegt:
„Der moderne Staat entsteht als Überwindung der Ständeorganisation und nicht – wie es die traditionelle Verfassungs- und Staatslehre sah – aus einem Ständestaat heraus“
Das Recht der letzt verbindlichen Entscheidung liegt beim Monarchen.
Er identifiziert Souveränität mit der Gesetzgebungskompetenz: „Diese Gewalt, Gesetze zu machen oder aufzuheben, umfaßt zugleich alle anderen Rechte und Kennzeichen der Souveränität, so daß es streng genommen nur dieses eine Merkmal der Souveränität gibt“.
Ein moderner Staat impliziert den modernen, „voluntaristischen Gesetzesbegriff“. Worauf es aber wirklich ankam, war die Mobilisierung bzw. Anpassung des Rechts, des raschen gesellschaftlichen Wandels; somit der Umstellung der Gesellschaft auf funktionale Differenzierung.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Die Entstehung des modernen Staates: Einführung in die thematischen Grundlagen der Staatsentwicklung unter Einbezug marxistischer und engelscher Perspektiven zur Klassenstruktur.
1.2. Reformation und Staatsbildung: Untersuchung der Reformation als Schlüsselereignis, das durch Säkularisierung und den Ausbau staatlicher Behörden den Grundstein für den modernen Staat legte.
1.3 Sozialdisziplinierung: Analyse der gesellschaftlichen Umbrüche, die zur Entstehung von Institutionen wie Gefängnissen und Schulen führten, um soziale Ordnung zu gewährleisten.
1.4 Funktionale Differenzierung der Gesellschaft: Darstellung der Modernität anhand der vier Dimensionen nach Giddens, wobei der Staat als spezialisiertes Subsystem verstanden wird.
1.5 Staat und Souveränität: Erläuterung des Souveränitätsbegriffs bei Jean Bodin als zentrales Element zur Lösung spätmittelalterlicher Stabilitätsprobleme.
1.6 Verfassungen: Betrachtung der Bedeutung moderner Verfassungen als herrschaftskonstituierende Instrumente, die die Autonomie von Funktionssystemen sichern.
Schlüsselwörter
Staat, Moderne, Souveränität, Reformation, Sozialdisziplinierung, Funktionale Differenzierung, Verfassung, Herrschaft, Gesellschaft, Evolution, Bürokratie, Ständegesellschaft, Gesetzgebungskompetenz, Macht, Absolutismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische und theoretische Entstehung des modernen Staates und analysiert, wie sich dieser im Laufe der Geschichte als funktionale Einheit innerhalb der Gesellschaft etabliert hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Staatsbildung nach der Reformation, der Entwicklung des Souveränitätsbegriffs, der Sozialdisziplinierung durch Institutionen sowie der funktionalen Differenzierung der modernen Gesellschaft.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Entwicklung des Staates als evolutionäre Antwort auf gesellschaftliche Stabilitätsprobleme durch den Rückgriff auf klassische und moderne soziologische Theorien aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoriebasierte Analyse, die sich primär auf die Literatur von Autoren wie Wimmer, Foucault, Giddens und Bodin stützt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in historische Analysen zur Reformation, soziologische Konzepte zur Sozialdisziplinierung sowie systemtheoretische Überlegungen zur Souveränität und Verfassungsgebung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Staat, Souveränität, Reformation, Funktionale Differenzierung, Sozialdisziplinierung und Verfassung.
Wie unterscheidet sich der hier beschriebene Staat vom Ständestaat?
Der moderne Staat überwindet laut den Theorien der Arbeit die Ständeorganisation und etabliert eine zentrale Herrschaft, die über eine Bürokratie und einheitliche Gesetzgebungskompetenzen verfügt.
Welche Rolle spielen Verfassungen bei der Staatsbildung?
Verfassungen dienen laut der Arbeit nicht der bloßen Modifikation von Herrschaft, sondern wirken herrschaftskonstituierend und setzen den Rahmen für die Autonomie der gesellschaftlichen Funktionssysteme.
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- Dr. Christoph Themel (Author), 2005, Gesellschaftstheorien: Über die Entstehung des modernen Staates, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/42378