Das Buch Jeremia besteht aus 52 Kapiteln, von der Berufung Jeremias bis hin zu seiner Verbannung. Diese Hausarbeit befasst sich mit Jer 7, 1-15; der Tempelrede. Für diese Arbeit werde ich mit meiner eigenen Übersetzung des hebräischen Textes aus der Biblia Hebraica Stuttgartensia arbeiten.
Um die Perikope besser zu erschließen werden die verschiedenen Schritte der Exegese zu Hilfe genommen. Zuerst wird mit Hilfe der Textabgrenzung die Perikope von den angrenzenden Kapiteln getrennt und die Tempelrede in das Buch Jeremia eingeordnet. In der anschließenden sprachlichen Analyse wird auf bestimmte Wörter des hebräischen Textes und auf textuelle Besonderheiten genauer eingegangen. Die Literarkritik zeigt, dass die Tempelrede, so wie sie heute in der Bibel gefunden werden kann, nicht auf einmal entstanden ist. Hier wird versucht den Text so genau wie möglich auf darauf hinweisende Merkmale zu untersuchen, umso diejenigen Verse zu identifizieren, die ursprünglich nicht Teil dieser Perikope waren. Im darauffolgenden Kapitel der Realienkunde und Traditionskritik, werden die damals historischen Faktoren erläutert. Dazu zählen der Tempelkult, der damalige König Jojakim und die Zerstörung der Stadt Schilo. Das letzte Kapitel widmet sich der Redaktionskritik, in welcher die Perikope auf Anzeichen deuteronomistischer Redaktion geprüft wird.
Jeremia erhält den Auftrag Gottes am Eingang des Jerusalemer Tempels zu einer Menschenmenge zu sprechen. Durch die Tempelrede überbringt er ihnen das Wort Gottes und sagt ihnen, dass sie ihr Verhalten zu bessern haben. Falls sie diese Warnung nicht beachten würde der Tempel und die gesamte Stadt zerstört werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Übersetzung
3. Textabgrenzung
4. Sprachliche Analyse
5. Literarkritik
6. Gattungskritik
7. Realienkunde und Traditionskritik
8. Redaktionskritik
9. Fazit
10. Literaturverzeichnis
10.1. Primärquellen
10.2. Hilfsmittel
10.3. Forschungsliteratur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, die Tempelrede (Jer 7, 1-15) wissenschaftlich zu exegieren, um deren theologische Aussagekraft, historische Einbettung und redaktionsgeschichtliche Entwicklung innerhalb des Jeremiabuches zu verdeutlichen.
- Analyse des hebräischen Grundtextes und textliche Abgrenzung
- Untersuchung der gattungskritischen Merkmale als Prophetenwort und Alternativpredigt
- Historische Einordnung in die Regierungszeit von König Jojakim
- Sozialkritik und die Bedeutung des Tempels als Schutzraum
- Identifikation deuteronomistischer Redaktionsschichten im Text
Auszug aus dem Buch
4. Sprachliche Analyse
Die Verse 1 und 2 leiten die Tempelrede ein. Sie geben Auskunft über den Aufbau der aktuellen Szene. Diese Verse stehen außerhalb der Handlung und dienen nur als Informationsquelle. In Vers 1 steht die Wortereignisformel דְּבַר־יְהוָה אֲשֶׁר הָיָה, was häufig auf einen neuen Sinnabschnitt hinweist und anzeigt, dass die darauffolgende Rede eindeutig als Gotteswort zu lesen ist. Es zeigt also eindeutig, dass hier ein neuer Handlungsakt beginnt. Im zweiten Vers bekommt Jeremia den Auftrag Gottes zu den Menschen vor dem Tempel zu predigen. Der Vers gibt den Lesern nähere Informationen über den Handlungsort. Vers 2 leitet den Wechsel „[…] von der privaten zur öffentlichen Kommunikation […]“ ein. Der dritte Vers beginnt direkt mit der Botenformel כֹּה־אָמַר יְהוָה. Sie kündigt die kommende Botschaft Gottes an. Diese Botschaft zieht sich bis zum Ende der Textstelle. Deshalb wechselt die Erzählperspektive im dritten Vers zur 1. Person Singular und bleibt bis zum Ende erhalten. Das bedeutet nicht, dass Jeremia von sich in der 1. Person Singular erzählt, sondern dass er die Worte Gottes eins zu eins berichtet. Vers 3-6 zählen die Bedingungen auf, die Gott an die Menschen Judas hat. In Vers 7 wird dann die daraus folgende Gegenleistung Gottes genannt. Die Verse 8-11 listen die Untaten der Menschen auf. Vers 12 rät den Menschen sich an Schilo zu erinnern und dies als Warnung zu sehen. In Vers 13 wird die Verurteilung der Stadt eingeleitet. Der Vers zeigt, dass die Menschen die davor genannten Verbrechen begangen haben und nicht auf Gott gehört haben. Die letzten beiden Verse beenden die Textstelle. Hier wird verkündigt, dass keine Besserung der Menschen mehr möglich ist, dass die Stadt zerstört wird und dass die Bevölkerung fliehen muss.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Untersuchungsgegenstands Jer 7, 1-15 sowie Erläuterung der exegetischen Vorgehensweise und Zielsetzung.
2. Übersetzung: Darstellung des hebräischen Textes in deutscher Sprache als Grundlage für die weiterführende Analyse.
3. Textabgrenzung: Bestimmung des Anfangs und Endes der Perikope und Einordnung in den biographischen Kontext des Propheten Jeremia.
4. Sprachliche Analyse: Untersuchung grammatikalischer Strukturen, Wortstatistiken und der Rolle der wörtlichen Rede zur Ermittlung des Textsinns.
5. Literarkritik: Suche nach Ungereimtheiten im Text, um ursprüngliche und redaktionell hinzugefügte Abschnitte voneinander abzugrenzen.
6. Gattungskritik: Einordnung des Textes in die Gattungen des Prophetenspruchs und der Alternativpredigt.
7. Realienkunde und Traditionskritik: Analyse des historischen Hintergrunds, wie die Thronbesteigung Jojakims und die Erinnerung an Schilo.
8. Redaktionskritik: Prüfung der Tempelrede auf deuteronomistische Einflüsse und Diskussion über die Entstehung des Textkerns.
9. Fazit: Zusammenführende Synthese der Analyseergebnisse und Bestätigung der Bedeutung der Tempelrede als Prolog zur Zerstörung Jerusalems.
10. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primärquellen, Hilfsmittel und der herangezogenen Forschungsliteratur.
Schlüsselwörter
Jeremia, Tempelrede, Exegese, Altes Testament, Jojakim, Schilo, Deuteronomismus, Prophetenspruch, Sozialkritik, Bibelauslegung, Gotteswort, Tempelkult, Unheilsverkündigung, Literaturkritik, Alternativpredigt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit einer exegetischen Untersuchung der sogenannten Tempelrede des Propheten Jeremia, wie sie im siebten Kapitel des Buches Jeremia (Vers 1-15) überliefert ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die sprachliche Beschaffenheit des Textes, seine literarische Entstehungsgeschichte, die historische Einbettung in die Zeit von König Jojakim sowie die theologischen Aspekte von Gottesurteil und Sozialkritik.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, durch Anwendung klassischer exegetischer Methoden (Literarkritik, Gattungskritik, Redaktionskritik) zu verstehen, wie der Text entstanden ist und welche Intention der Prophet mit seiner Rede gegenüber dem Volk verfolgte.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Arbeit nutzt die gängigen Methoden der historisch-kritischen Exegese, darunter Textabgrenzung, linguistische Analyse des Hebräischen, Literarkritik, Gattungskritik sowie Realien- und Redaktionskritik.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodischen Schritte: von der Übersetzung und Textabgrenzung über die Analyse der sprachlichen Besonderheiten bis hin zur detaillierten kritischen Untersuchung von Gattung, Historie und redaktioneller Überformung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Jeremia, Tempelrede, Deuteronomismus, Prophetenspruch, Sozialkritik und die historische Kontextualisierung durch Orte wie Schilo und Jerusalem.
Warum ist die Erwähnung der Stadt Schilo im Text so bedeutend?
Schilo dient als warnendes historisches Beispiel. Jeremia erinnert das Volk daran, dass Gott den dortigen Heiligtumsort nicht verschont hat, um zu verdeutlichen, dass der Jerusalemer Tempel keinen magischen Schutz bietet, wenn das Volk sein Verhalten nicht ändert.
Welche Rolle spielt die literarkritische Beobachtung bezüglich Vers 13?
Die Arbeit vermutet, dass Vers 13 eine nachträgliche Ergänzung darstellt, da er einen inhaltlichen Bruch aufweist und sprachliche Anzeichen einer redaktionellen Auffüllung zeigt, die den zeitlichen Ablauf der Ereignisse im Text beeinflusst.
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- Anne Sander (Author), 2016, Die Tempelrede. Exegese von Jeremia 7, 1-15, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/416282