In der Zeit der Aufklärung entstanden die drei großen klassischen Kodifikationen des Zivilrechts, das Allgemeine Bürgerliche Gesetzbuch von 1811/1812, das Allgemeine Landrecht von 1794 und der Code Civil von 1804.
Aufbauend auf den "Urentwurf" zum ABGB von Martini, der sich noch im Geist der Aufklärung entwickeln konnte, war es Zeiller trotz eines mittlerweile reaktionären Umfeldes möglich, ein revolutionäres Gesetzeswerk zu finalisieren, das mit 1.1.1812 in Kraft gesetzt wurde und in seinem Kern bis heute Gültigkeit hat.
Mit diesem reinen Zivilgesetzbuch wurde die bis dahin übliche Gelegenheitsgesetzgebung von einer planvollen Gesetzgebung abgelöst.
Inhaltsverzeichnis
I. EINFÜHRUNG IN DAS THEMA
II. SCHWERPUNKTERÖRTERUNG
A. GESELLSCHAFTSPOLITISCHE RAHMENBEDINGUNGEN
B. DIE ÖSTERREICHISCHE NATURRECHTSSCHULE
C. DIE ENTWICKLUNG DES ABGB
1. Von Martini zu Zeiller
2. Die Arbeit Zeillers
a. Ausgangspunkt
b. Philosophische Einflüsse auf das ABGB
3. Einige wesentliche Aspekte des ABGB
a. Trennung von Zivil- und öffentlichem Recht
b. Architektur des Rechts
c. Die Trennung von Recht und Moral
d. Die Freiheit des Individuums
e. Persönlichkeitsschutz
f. Der kategorische Imperativ
g. Eigentumsrecht
h. Der Gültigkeitsbereich
4. Ansatzpunkte für Kritik
a. Geschlechterverhältnisse
b. Arrangement mit dem Ancien Régime
5. Die kontroversielle Diskussion in Österreich
III. ZUSAMMENFASSUNG DER GEWONNENEN ERKENNTNISSE
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das juristische Wirken von Franz von Zeiller, insbesondere seine maßgebliche Rolle bei der Kodifizierung des Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuches (ABGB), und analysiert dabei die philosophischen Einflüsse, die historische Einbettung sowie die kritische Rezeption seines Werkes.
- Biografische Hintergründe und Wirken von Franz von Zeiller
- Die Rolle der österreichischen Naturrechtsschule und Immanuel Kants
- Systematik und wesentliche Aspekte des ABGB
- Kritik an der Kodifizierung (Geschlechterrollen, politischer Kontext)
- Die wissenschaftliche Kontroverse um die Originalität und Einflüsse des ABGB
Auszug aus dem Buch
Philosophische Einflüsse auf das ABGB
Der Einfluss Immanuels Kants ist u.a. darin zu erkennen, dass im ABGB erstmals der Begriff der „allgemeinen Rechtsfähigkeit des Menschen“ in ein privatrechtliches Gesetzbuch Eingang fand. Laut Kant ist Kraft dem angeborenen Recht der Freiheit jeder Mensch Träger von Rechten und Pflichten. Aus der Freiheit leitet Kant folgerichtig die Gleichheit ab, da kein Mensch einem anderen gegenüber einen rechtlichen Vorzug haben kann.
In seinem Werk „Das natürliche Privatrecht“ hat Zeiller diese Lehre juristisch ausgeformt. Weiters ist es unter dem Einfluss von Kant zur scharfen Trennung von Recht und Moral, von ethischer und juristischer Gesetzgebung gekommen. Die Intention des Individuums ist nicht von Bedeutung, solange sein Handeln mit den Vorschriften der rechtlichen Bestimmungen konform ist. Außerdem präzisiert Zeiller, dass die Rechtspflicht sich durch äußerlichen Zwang definiert. Nur eine von der Gesellschaft gesetzte Strafandrohung kann die gesetzmäßige Ausübung des Rechts und seinen Schutz garantieren. Die moralische Verpflichtung andererseits ist von jeglicher äußerlichen Sanktion unantastbar.
Dies ist wohl auch der Grund, weshalb Zeiller nach kritischer Reflexion des Entwurfs von Martini, sich daran hielt, seine persönliche Interpretation von Kants Rechtslehre als Kodifikationssystem für das ABGB heranzuziehen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. EINFÜHRUNG IN DAS THEMA: Vorstellung der Person Franz von Zeiller und Einordnung seines Hauptwerkes, des ABGB, in den Kontext der josephinischen Aufklärung.
II. SCHWERPUNKTERÖRTERUNG: Detaillierte Analyse der gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen, der Naturrechtsphilosophie sowie des Entstehungsprozesses und der inhaltlichen Merkmale des ABGB unter Berücksichtigung von Kritik und Fachdiskursen.
III. ZUSAMMENFASSUNG DER GEWONNENEN ERKENNTNISSE: Synthese der Ergebnisse zur Bedeutung des ABGB als revolutionäres Werk, das trotz zeitgenössischer Kompromisse eine langfristige Wirkung entfaltete.
Schlüsselwörter
Franz von Zeiller, ABGB, Naturrecht, Immanuel Kant, Aufklärung, Privatrecht, Kodifizierung, Recht und Moral, Rechtsfähigkeit, Josefinismus, Zivilgesetzbuch, Rechtsphilosophie, Karl Anton von Martini, Freiheit, Österreichische Rechtsgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das Leben und Werk von Franz von Zeiller, dem maßgeblichen Schöpfer des Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuches (ABGB), und untersucht die juristischen und philosophischen Grundlagen dieses Gesetzwerkes.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Einflüsse der Naturrechtslehre und Immanuel Kants, die Architektur des Privatrechts, das gesellschaftspolitische Umfeld des 18. und 19. Jahrhunderts sowie die kritische Aufarbeitung der ABGB-Entstehung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, Zeillers Beitrag zur Kodifizierung des ABGB zu würdigen und zu beleuchten, inwiefern philosophische Strömungen der Zeit – insbesondere durch Kant – das Gesetzbuch beeinflusst haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit folgt einer rechtsgeschichtlichen Analyse, die auf Literaturrecherche und der Auswertung historischer Quellen sowie zeitgenössischer wissenschaftlicher Diskussionen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die Rolle der Naturrechtsschule, die Entwicklung des ABGB von Martini zu Zeiller sowie die Auseinandersetzung mit kontroversen Fachmeinungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Franz von Zeiller, ABGB, Naturrecht, Immanuel Kant, Aufklärung und Rechtsgeschichte.
Welchen Einfluss hatte Immanuel Kant konkret auf Zeillers Arbeit?
Laut der vorliegenden Arbeit prägte Kants Philosophie die Trennung von Recht und Moral, das Konzept der angeborenen Rechtsfreiheit sowie die allgemeine Rechtsfähigkeit im ABGB maßgeblich.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle von Karl Anton von Martini?
Martini wird als Lehrer und Schöpfer des "Urentwurfes" anerkannt, dessen Vorarbeiten die Basis für das ABGB bildeten, wobei Zeiller sich emanzipierte und das Werk vollendete.
Wie steht die Arbeit zur Kritik an Zeiller, insbesondere bezüglich der Frauenrechte?
Es wird eingeräumt, dass Zeiller in puncto Geschlechterverhältnisse konservative Ansichten vertrat und somit die Chance auf eine rechtliche Gleichstellung von Frauen in seiner Zeit verpasste.
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- Hans-Peter Dick (Author), 2011, Das juristische Wirken von Franz von Zeiller, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/414002