Im Hinblick auf das gesellschaftliche Zusammenleben lassen sich durch den Einfluss der Digitalisierung enorme Veränderungen verzeichnen. Das alleinige Auftreten von sozialer Interaktion und Kommunikation in der Realität, gehört der Vergangenheit an. Zunehmend findet eine Verlagerung dieser Bereiche in die virtuelle Welt statt. Neue Informations- und Kommunikationsmedien prägen das 21. Jahrhundert und wirken sich bedeutend auf den gegenseitigen Umgang und die Wechselbeziehungen der Menschen aus. Erfüllten Telefone früher lediglich ihren grundlegenden Zweck, bilden die gegenwärtigen Smartphones den Schlüssel in das Portal der virtuellen Welt. Chat-Applikationen und Soziale Netzwerke, wie WhatsApp, Facebook und Instagram, werden weltweit und täglich genutzt und stellen nur einen Teil der Kanäle dar, welche den zunehmend jungen Nutzern den irrealen Informationsaustausch und gleichermaßen eine Präsentation ihrer Selbst ermöglichen. Besonders bezüglich der Jugendlichen der Generation, welche mit den digitalen Medien aufgewachsen ist, den sog. „Digital Natives“, ist ein Trend der steigenden Ausstattung und Nutzung der neuen Medien zu beobachten. Dies begründet sich durch die Alltags- und Sozialisationsrelevanz der digitalen Teilnahme, aus der ein immenser Stellenwert in der Lebenswelt der jungen Menschen hervorgeht. Unter Berücksichtigung zahlreicher Vorteile, die sich aus der digitalen Vernetzung ergeben, birgt der Umgang mit dem Internet zu gleichen Teilen Gefahren in sich. Soziale, virtuelle Räume können gleichermaßen als Angriffsfläche dienen. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung in die Thematik
1.1 Relevanz der Thematik
1.2 Zentrale Forschungsfrage
1.3 Vorgehensweise
2. Klassisches Mobbing im schulischen Kontext
3. Digitalisierung
3.1 Der Einfluss auf die Jugend
4. Cybermobbing
4.1 Kanäle und Erscheinungsformen
4.2 Besonderheiten von Cybermobbing
4.2.1 Unterschiede zum klassischen Mobbing
4.3 Die Hemmschwelle zu Cybermobbing
4.3.1 Online-Disinhibition-Effect
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Veränderungen des Phänomens Mobbing durch die Digitalisierung und analysiert die Ursachen für die gesunkene Hemmschwelle bei Cybermobbing in virtuellen Räumen.
- Transformation von klassischem Mobbing zu Cybermobbing
- Einfluss der Digitalisierung und Mediennutzung auf Jugendliche
- Charakteristika und Erscheinungsformen virtueller Übergriffe
- Analyse der Anonymität und des Online-Disinhibition-Effects
- Sozialisationsrelevanz digitaler Medien in der Lebenswelt junger Menschen
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Unterschiede zum klassischen Mobbing
Die örtliche und zeitliche Unabhängigkeit stellt sowohl eine Besonderheit des Cybermobbings dar, als auch einen wesentlichen Unterschied zum klassischem Mobbing. „Attacken machen nicht mehr am Schultor halt, sondern können Opfer bis in das eigene Kinderzimmer verfolgen. Die Betroffenen haben keine Rückzugsmöglichkeit, da sie täglich rund um die Uhr angreifbar sind“ (Belkacem, 2011, S. 54). Hinzukommt der ausschlaggebende Faktor der Anonymität in sozialen Netzwerken. Während dem Opfer beim klassischen Mobbing ein klares Bild des Täters übermittelt wird, halten sich Durchführende des virtuellen Mobbings oftmals unter einem Pseudonym versteckt. In Bezug auf Verzweiflung und Hilflosigkeit, erleidet der Betroffene dadurch ein ausgeprägteres Gefühl.
Die Unsicherheit des Betroffenen hinsichtlich der Identität des Täters, wirkt sich zusätzlich auf das Leben im sozialen Umfeld aus, da neben der Identifikation auch das Ausweichen des Täters nicht möglich ist. Ein weiteres Problem, dass der Anonymität im Netz geschuldet ist, ist die in Kapitel 4.1 beschriebene Erscheinungsform „Impersonation“, bei der es sich um den Identitätsbetrug handelt. Die potentielle Reichweite und die hohe öffentliche Aufmerksamkeit, die im Netz geteilte Informationen erlangen können, kennzeichnen eine weitere Besonderheit des Cybermobbings. Sind bestimmte Inhalte publiziert, so lässt sich dies nicht mehr ungeschehen machen, ein digitales Radiergummi gibt es nicht (Baum, 2015). Anders als in realen Kreisen, ist das involvierte digitale Publikum unbestimmt groß. Hier haben die Zuschauer, die Bystander, deutlich geringere Handlungsmöglichkeiten, um der betroffenen Person zu helfen (Fawzi, 2015). Auch gegebene Schutzfaktoren, wie Körpergröße und Stärke, die beim klassischen Mobbing einen wichtigen Faktor bilden, sind im digitalen Raum bedeutungslos. Problematisch ist außerdem die Wirkungsdauer virtueller Mobbingattacken. Gegensätzlich zu Mobbing im realen Umfeld, bei dem sich die aktive Tatzeit auf eine bestimmte Situation beschränkt, erlauben die neuen Medien, durch Speicherungen von geteilten Inhalten, eine fortlaufende Präsenz der Tat. Als Folge aus der Verlustkontrolle der ursprünglichen Tat, kann sich eine Endlosviktimisierung des Betroffenen entwickeln.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung in die Thematik: Die Einleitung beleuchtet den massiven Einfluss der Digitalisierung auf das gesellschaftliche Zusammenleben und die Kommunikation, was die Relevanz der Untersuchung von Cybermobbing begründet.
2. Klassisches Mobbing im schulischen Kontext: Dieses Kapitel definiert Mobbing als systematische Ausgrenzung und Diskriminierung innerhalb von Lerngruppen unter Berücksichtigung von Tätern, Opfern und Bystandern.
3. Digitalisierung: Es wird der technologische Wandel und die zentrale Rolle der Medien im Alltag von Jugendlichen (Digital Natives) sowie deren Einfluss auf die Kultur und soziale Interaktion erläutert.
4. Cybermobbing: Der Hauptteil analysiert die Erscheinungsformen von digitalem Mobbing sowie die spezifischen Besonderheiten und die reduzierte Hemmschwelle durch den Online-Disinhibition-Effect.
5. Fazit: Die abschließende Zusammenfassung betont die Gefährlichkeit von Cybermobbing und fordert verstärkte präventive Maßnahmen durch Eltern und Bildungsinstitutionen.
Schlüsselwörter
Cybermobbing, Digitalisierung, Digital Natives, Mobbing, soziale Netzwerke, Anonymität, Online-Disinhibition-Effect, Internet, Mediennutzung, Schulumfeld, Jugend, Impersonation, Kommunikation, Prävention, virtuelle Welt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Transformation des Phänomens Mobbing durch die fortschreitende Digitalisierung und beleuchtet, warum die Hemmschwelle zu Übergriffen in der virtuellen Welt deutlich niedriger ist.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen umfassen das klassische Mobbing im Schulalltag, die Auswirkungen der Mediennutzung auf Jugendliche und die spezifischen Merkmale sowie psychologischen Faktoren von Cybermobbing.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu ergründen, ob Mobbing im Internet lediglich ein neues Umfeld findet oder eine völlig neue, gefährlichere Dimension der Problematik darstellt, insbesondere in Bezug auf die Anonymität und Reichweite.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und der Analyse aktueller Studien, wie etwa der JIM-Studie, um theoretische Konzepte mit empirischen Beobachtungen zu verknüpfen.
Was umfasst der inhaltliche Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Medienumgebung Jugendlicher, die Kategorisierung von Cybermobbing-Formen sowie die theoretische Herleitung der enthemmten Kommunikation mittels des Online-Disinhibition-Effects.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Kernbegriffe sind insbesondere Cybermobbing, Digital Natives, Anonymität, Online-Disinhibition-Effect und soziale Teilhabe im digitalen Kontext.
Was beschreibt der „Online-Disinhibition-Effect“ konkret?
Es handelt sich um einen von John Suler entwickelten psychologischen Effekt, der erklärt, warum Menschen sich online enthemmter verhalten, etwa durch Anonymität, Unsichtbarkeit und mangelnde Autorität.
Warum spielt die „Asynchronität“ im digitalen Mobbing eine Rolle?
Die Asynchronität ermöglicht es Tätern, Kommentare zu verfassen, ohne sich umgehend einer direkten Reaktion oder Konfrontation stellen zu müssen, was die Hemmschwelle für aggressive Äußerungen senkt.
Was ist mit dem „digitalen Radiergummi“ gemeint?
Der Autor verwendet diesen Begriff metaphorisch, um zu verdeutlichen, dass einmal ins Netz gestellte Informationen oder Bilder oft nicht mehr vollständig gelöscht werden können und somit eine dauerhafte Belastung für das Opfer darstellen.
- Quote paper
- Nick Feldmann (Author), 2017, Cybermobbing. Wie hat sich das Phänomen Mobbing durch den Einfluss der Digitalisierung verändert?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/413401