Noch vor wenigen Jahrzehnten, bis in die 60er Jahre hinein, bedeutete die Mutterschaft für Frauen meist der Ausstieg aus der Erwerbstätigkeit. Seitdem ist die Bildungs- und Erwerbsbeteiligung von Frauen kontinuierlich angestiegen. Mit der zunehmenden Erwerbsorientierung der Frauen jedoch, geht die Problematik der Vereinbarkeit von Familie und Beruf einher. Entscheiden sich Frauen für Kinder, so steigen sie betreuungsbedingt zumindest zeitweise aus dem Erwerbsleben aus und kehren vermehrt erst mit zunehmendem Alter der Kinder wieder ins Erwerbsleben zurück. Immer noch sind es nämlich die Frauen, die einen Großteil der Hausarbeit und Kinderbetreuung übernehmen und dafür auf die Erwerbstätigkeit verzichten. Während Väter, unabhängig von Anzahl und Alter der Kinder, zu 91% einer Erwerbstätigkeit nachgehen, sind es 70% der Mütter, wobei davon nur 24% vollzeitbeschäftigt sind (Statistisches Bundesamt, 2017). Durch das entgangene Einkommen in dieser Zeit, sowie mögliche negative Karrierefolgen beim Wiedereinstieg entstehen indirekte, sogenannte Opportunitätskosten, deren Höhe neben den direkten Kosten wie Nahrung und Kleidung sich stark auf die Entscheidung für oder gegen ein Kind auswirkt. Die Kinderlosigkeit von deutschen Frauen ist zwar in den letzten Jahren nicht weiter angestiegen, im europäischen Vergleich gehört Deutschland mit einer Kinderlosigkeit von 21% jedoch zu den Spitzenreitern (Statistisches Bundesamt, 2017). Nicht nur im Zuge der Gleichstellungspolitik, auch mit dem erklärten Ziel der Steigerung der Geburtenrate dürfte die Untersuchung von negativen Einkommenseffekten bei Müttern für die Politik von Interesse sein, um durch entsprechende Maßnahmen intervenierend einzugreifen und Anreize für Frauen zu schaffen, Kinder zu bekommen.
Der Effekt von Erwerbsunterbrechungen auf das Einkommen von Frauen ist erstmals von Mincer und Polachek (1974) untersucht worden. Besonders in den letzten Jahren folgten einige Studien, welche unterschiedliche Einflussfaktoren auf die Einkommensunterschiede zwischen Müttern untersuchten (Beblo & Wolf 2000; 2002; Ziefle 2004; Boll 2009; Schmelzer et al. 2015). Aufgrund der dynamischen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt und der Implementierung von Maßnahmen im Rahmen der Arbeits- und Familienpolitik bedarf es der ständigen Erneuerung der Analysen mit unterschiedlichen Forschungsschwerpunkten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Tastes for discrimination und Statistische Diskriminierung
2.2 Humankapitaltheorie
3 Daten, Operationalisierungen und Methode
3.1 Daten
3.2 Abhängige und unabhängige Variablen
3.3 Kontrollvariablen
4 Ergebnisse
4.1 Deskriptive Analysen
4.2 Multivariate Analysen
4.3 Sensitivitätsanalysen
5 Zusammenfassung und Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss der Mutterschaft auf das individuelle Einkommen von Frauen, um auf Basis der Humankapitaltheorie und der Theorie der statistischen Diskriminierung empirische Lohneinbußen von Müttern im Vergleich zu kinderlosen Frauen zu analysieren.
- Analyse von Lohndifferenzen zwischen Müttern und Nicht-Müttern
- Diskussion theoretischer Ansätze (Humankapitaltheorie & Statistische Diskriminierung)
- Empirische Untersuchung anhand des ALLBUS 2012 Datensatzes
- Überprüfung von Interaktionseffekten durch den Hochschulabschluss
- Berücksichtigung sozio-demografischer Kontrollvariablen
Auszug aus dem Buch
Tastes for discrimination und Statistische Diskriminierung
Unterschiede im Erwerbseinkommen zwischen Müttern und kinderlosen Frauen können aus dem Vorhandensein von diskriminierendem Verhalten seitens der Arbeitgeber resultieren. Dabei muss zwischen der statistischen Diskriminierung und den tastes for discrimination unterschieden werden (Pollmann-Schult 2015: 618).
Becker erkennt die Hauptursache von Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt in den sogenannten tastes for discrimination. Darunter versteht er eine persönliche Diskriminierungsneigung, unter anderem von Arbeitgebern aufgrund nicht-rationaler, persönlicher Präferenzen, welche sich beispielsweise aus Vorurteilen ergeben können. Diese persönlichen Präferenzen des Arbeitgebers für oder gegen bestimmte Arbeitnehmer fließen als nicht-monetäre Nutzentherme in die Entscheidung der Akteure auf dem Arbeitsmarkt ein und können sich in Form eines niedrigeren Einkommens bei vorhandener Abneigung gegen einen Arbeitnehmer auswirken (Becker 1971: 14 ff.). Auf Mütter bezogen könnte eine persönliche Abneigung des Arbeitnehmers sich auf zugeschriebene Eigenschaften von Müttern wie beispielsweise geringeren beruflichen Ehrgeiz oder geringere Kompetenz beziehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die daraus resultierenden Opportunitätskosten für Mütter ein und definiert das Ziel der Untersuchung.
2 Theoretischer Hintergrund: Hier werden die theoretischen Konzepte der statistischen Diskriminierung und der Humankapitaltheorie erläutert, um die Einkommensunterschiede von Müttern zu begründen und Hypothesen abzuleiten.
3 Daten, Operationalisierungen und Methode: Dieses Kapitel beschreibt die Datengrundlage ALLBUS 2012, die Auswahl der abhängigen und unabhängigen Variablen sowie die methodische Vorgehensweise zur Testung der Hypothesen.
4 Ergebnisse: Hier erfolgt die Präsentation und Diskussion der deskriptiven Daten, der linearen Regressionsmodelle sowie der durchgeführten Sensitivitätsanalysen zur Überprüfung der Modellannahmen.
5 Zusammenfassung und Diskussion: Das abschließende Kapitel fasst die zentralen Ergebnisse zusammen, diskutiert diese im Kontext der theoretischen Annahmen und reflektiert über die Aussagekraft sowie Grenzen der Studie.
Schlüsselwörter
Mutterschaft, Einkommen, Humankapitaltheorie, Statistische Diskriminierung, Erwerbsunterbrechung, Lohneinbußen, ALLBUS, Regressionsanalyse, Arbeitsmarkt, Geschlechterunterschiede, Opportunitätskosten, Familiengründung, Arbeits- und Familienpolitik, Erwerbsverlauf, Einkommensunterschiede
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Forschungsarbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern sich die Mutterschaft auf das Einkommen von Frauen auswirkt und welche Mechanismen zu Einkommensunterschieden zwischen Müttern und Frauen ohne Kinder führen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die ökonomischen Folgen von Erwerbsunterbrechungen, Diskriminierungsprozesse auf dem Arbeitsmarkt durch Arbeitgeber und die Bedeutung von Humankapitalakkumulation.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, den Einkommenseffekt der Mutterschaft empirisch zu überprüfen und zu analysieren, ob dieser durch verschiedene Faktoren wie den Bildungsstand oder sozio-demografische Merkmale beeinflusst wird.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es werden lineare Regressionsanalysen auf Basis von Umfragedaten des ALLBUS 2012 durchgeführt, ergänzt durch deskriptive Analysen und Sensitivitätsprüfungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Fundierung, die detaillierte Beschreibung des Datensatzes, die Operationalisierung der Variablen sowie die statistische Auswertung und Interpretation der Regressionsmodelle.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Humankapitaltheorie, statistische Diskriminierung, Erwerbsunterbrechung, geschlechtsspezifische Einkommensdifferenzen und Regressionsdiagnostik.
Welches Ergebnis ergab sich bezüglich der ersten Hypothese?
Die Hypothese, dass Mütter im Durchschnitt ein geringeres Einkommen erzielen als Nicht-Mütter, konnte durch die Analysen bestätigt werden.
Warum konnte die zweite Hypothese bezüglich des Hochschulabschlusses nicht bestätigt werden?
Obwohl das Modell einen Interaktionseffekt prüfte, ergab sich ein p-Wert von 0,0852, was bedeutet, dass der Interaktionseffekt statistisch insignifikant war und somit die ursprüngliche Hypothese nicht bestätigt werden konnte.
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- Neema Li (Author), 2017, Inwiefern wirkt sich die Mutterschaft auf das Einkommen von Frauen aus?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/380780