Neben der Steuerung des Handelns und des Verhaltens von Menschen durch Märkte, Gesetze und soziale Normen umfasst die Diskussion dazu heutzutage auch die Steuerung durch Software-Codes. Diese begegnen uns stets im alltäglichen Bewegen in netz- und codebasierter Software. Soziale Netzwerke, App-Installationen und Websites sind nur einige Beispiele für Oberflächen, auf denen wir Codes im Alltag antreffen. Von der menschlichen Verhaltenssteuerung durch rechtliche und soziale Normen unterscheidet sich die Steuerung durch Code insbesondere dadurch, dass ein Code auf Produktionslogiken basiert, von denen die Nutzer oft weder Kenntnis haben noch auf die sie Einfluss nehmen können.
Hier stellt sich die Frage, ob den digitalen Bürgern die Relevanz von Code in ihrem Alltag und die Einflussnahme dessen auf ihr tägliches Handeln überhaupt bewusst ist. Haben sie die Kompetenzen, um die Software-Codes kritisch zu hinterfragen und zu beurteilen, um im Zuge dessen selbstbestimmt handeln zu können? Verstehen wir als Nutzer die Wirkmacht der Codes, deren Entstehungsprozess sowie die Logik und die Zielrichtung, denen sie unterliegen? Und welche Rolle spielen die autark handelnden Dienste insbesondere im Hinblick auf die Frage der Verantwortung?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischer Rahmen
2.1 Definition Code
2.2 Code Literacy
2.3 Second Level Digital Divide und was wir nicht über Code wissen
3 Anbieterseite: Verantwortung und Funktion der Code-Ersteller
3.1 Funktion codebasierte Dienste
3.2 Exkurs: Facebooks „EdgeRank“ Algorithmus
3.3 Verantwortung codebasierter Dienste
4 Nutzerseite: Digitale Staatsbürgerkunde für den digitalen Bürger?
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Relevanz von "Code Literacy" in einer digitalisierten Gesellschaft. Das primäre Ziel ist es zu erörtern, ob die Fähigkeit, die Funktionsweisen und Einflüsse von Software-Codes kritisch zu reflektieren, als eine Form der digitalen Staatsbürgerkunde zu verstehen ist, die für ein selbstbestimmtes Handeln im Internet unerlässlich ist.
- Die gesellschaftliche Bedeutung und Wirkkraft von Software-Code.
- Die Verantwortung von Technologieanbietern bei der Gestaltung digitaler Räume.
- Das Konzept der "Code Literacy" als Abgrenzung zur reinen Medienkompetenz.
- Die Problematik des "Second Level Digital Divide" im Kontext von Navigationskompetenzen.
- Die Rolle von Algorithmen, exemplarisch dargestellt am Facebook "EdgeRank".
Auszug aus dem Buch
3.1 Funktion codebasierte Dienste
„Da das Internet im Wesentlichen eine globale Ressource darstellt, muss eine angemessene Regelung und Verwaltung des Internets das Recht eines jeden Menschen auf selbstbestimmten Zugang zu Information ebenso wie auf selbstermächtigte Nutzung von Informationen und Kommunikationstechnologien unabdingbar schützen“ (Farida Shaheed, zit. in: Voigt 2013, S. 37).
Farida Shaheed drückt damit aus, was auch vorangegangenes Kapitel 2 verdeutlichen sollte: die Verantwortung über die Internetnutzung eines jeden Individuums kann nicht allein beim Rezipienten liegen. Neben den Internetnutzern und dem Staat sind auch die Code-Ersteller auf der wirtschaftlichen Seite relevante Teilspieler, wenn nicht sogar die Hauptakteure. Denn webbasierte Anwendungen richten sich nicht an die staatlichen Grenzen und unterliegen deshalb kaum nationalstaatlichen Steuerungsmöglichkeiten (vgl. Dreyer; Heise; Johnsen 2013, S. 352).
Die Freiheit öffentlicher Kommunikation, das wurde bereits in der Verfassung der Weimarer Republik diskutiert, kann nicht nur durch den Staat gefährdet werden, sondern auch – und vor allem – durch Wirtschaftsunternehmen. Insbesondere dann, wenn bestimmte eigene Inhalte oder Inhalte von Dritten hervorgehoben oder bevorzugt dargestellt werden sollen (vgl. Schulz; Dreyer; Hagemeier 2011, S. 8). Im digitalen Raum hat sich die Macht also zu Gunsten der neuen Intermediäre, wie beispielsweise Suchmaschinen und Soziale Netzwerke, verschoben. In der öffentlichen Kommunikation handeln sie codebasiert und steuern diese (vgl. Schulz; Dreyer; Hagemeier 2011). Dadurch, dass digitale Kommunikationsräume durch Code gestaltet werden, können sie nicht gesellschaftlich kontrolliert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Steuerung menschlichen Verhaltens durch Code und stellt die Frage nach der notwendigen Kompetenz der Nutzer, diese Prozesse kritisch zu durchdringen.
2 Theoretischer Rahmen: Dieses Kapitel definiert den Begriff Code und führt das Konzept der "Code Literacy" ein, welches durch das Problem des "Second Level Digital Divide" ergänzt wird.
3 Anbieterseite: Verantwortung und Funktion der Code-Ersteller: Es wird die Macht der Plattformen sowie deren Intransparenz beleuchtet, wobei der Facebook-Algorithmus "EdgeRank" als Fallbeispiel dient.
4 Nutzerseite: Digitale Staatsbürgerkunde für den digitalen Bürger?: Der Fokus liegt hier auf der Notwendigkeit einer digitalen Staatsbürgerkunde, die über das reine Erlernen von Programmiersprachen hinausgeht.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Forschung noch am Anfang steht und ein Zusammenspiel aus Anwendern, Politik und Ethik erforderlich ist, um digitale Mündigkeit zu sichern.
Schlüsselwörter
Code Literacy, Software, Algorithmen, EdgeRank, Digitale Staatsbürgerkunde, Internet, Second Level Digital Divide, Medienkompetenz, Datenfluss, Transparenz, digitale Mündigkeit, Internetnutzung, Kommunikation, Verantwortung, Informatik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der gesellschaftlichen Relevanz von "Code Literacy", also der Fähigkeit, die Funktionsweisen und den Einfluss von Software-Codes im Alltag zu verstehen und kritisch zu hinterfragen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Macht von Algorithmen, die Rolle von Technologieanbietern, der Second Level Digital Divide und die Notwendigkeit einer digitalen Staatsbürgerkunde für Nutzer.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu klären, inwiefern eine Code Literacy ein notwendiges Grundrecht für die digitale Gesellschaft darstellt, um Nutzern ein selbstbestimmtes Handeln zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und Diskussion vorhandener wissenschaftlicher Literatur und aktueller Diskursbeiträge zum Thema Code und Netzpolitik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen der Code-Definition, die Analyse der Anbieterseite und deren Verantwortung sowie die Untersuchung der Nutzerseite im Hinblick auf digitale Mündigkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Code Literacy, Algorithmen, digitale Mündigkeit, Transparenz und die Verantwortung der Anbieter in der Online-Gesellschaft.
Wie wirkt sich der Algorithmus "EdgeRank" auf den Nutzer aus?
Der EdgeRank-Algorithmus personalisiert die Inhalte im Newsfeed, was dazu führt, dass Nutzer oft in einer „Blase“ mit ähnlichen Meinungen leben und die chronologische, objektive Wahrnehmung öffentlicher Diskussionen eingeschränkt wird.
Warum reicht "Programmieren lernen" allein nicht aus?
Der Autor argumentiert, dass das bloße Erlernen von Programmiercode (als technische Fertigkeit) nicht ausreicht; entscheidend sei vielmehr das Verständnis für die systemischen Wirkmechanismen und die ethischen Auswirkungen von Software auf die Gesellschaft.
- Quote paper
- Laura Peters (Author), 2017, Code Literacy. Ein Mehrwert für die Online-Gesellschaft?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/377930