Welchen Kategorisierungen und Stereotypisierungen wir in unserem alltäglichen Leben ausgesetzt sind, fällt erst auf, wenn man sich einmal genauer mit dem Thema „Gender“ auseinandersetzt. In der folgenden Hausarbeit möchte ich mich deshalb genau mit diesem Thema beschäftigen und hinter die Konstruktion von Geschlecht blicken. Dabei möchte ich die Frage, wie Geschlecht gefasst wird und was es für uns bedeutet, anhand eines Vergleiches von zwei soziologischen/philosophischen Ansätzen erörtern. In der folgenden Arbeit werde ich versuchen, Erving Goffmans „Arrangement der Geschlechter“ mit Judith Butlers „Unbehagen der Geschlechter“ zu vergleichen. Beide Ansätze werden unter anderem darauf untersucht, wie Geschlecht behandelt wird und welche gesellschaftliche Relevanz dies hat. Dabei werden Unterschiede und Gemeinsamkeiten herausgearbeitet und es wird versucht einen Bezug zu den aktuellen Geschehnissen herzustellen. Im letzten Kapitel dieser Arbeit wird ein Fazit über die beiden Ansätze gezogen und es wird ein Ausblick auf die Zukunft gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begrifflichkeiten der Konstruktion des sozialen Geschlechts
2.1 Sex und Sex-Category
2.2 Gender
2.3 Doing Gender
3 Erving Goffman – Das Arrangement der Geschlechter
4 Judith Butler – Das Unbehagen der Geschlechter und die Macht der Geschlechternormen
5 Vergleich der beiden Ansätze
5.1 Gemeinsamkeiten
5.2 Unterschiede
6 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das soziale Geschlecht als Konstruktion und vergleicht dazu die soziologischen und philosophischen Ansätze von Erving Goffman und Judith Butler hinsichtlich ihrer theoretischen Fundierung und gesellschaftlichen Relevanz.
- Konzeptualisierung von Geschlecht (Sex, Gender, Doing Gender)
- Analyse von Erving Goffmans Theorie des Geschlechterarrangements
- Untersuchung von Judith Butlers Performanztheorie und Geschlechternormen
- Kritischer Vergleich von Gemeinsamkeiten und Differenzen beider Ansätze
- Bedeutung der sozialen Konstruktion für aktuelle Identitätsdiskurse
Auszug aus dem Buch
3 Erving Goffman – Das Arrangement der Geschlechter
Erving Goffman, der wohl zu den bekanntesten Soziologen überhaupt zählt, wurde 1922 in Kanada geboren und ist 1983 gestorben. Er verschrieb sich vor allem der Untersuchung von Identität und Interaktion. In diesem Zusammenhang verfasste er 1959 eine seiner meistgelesenen Theorien „Wir alle spielen Theater“, in der es um die Darstellung von Identität und soziales Handeln als Schauspielerei geht (vgl. Abels 2009, S. 348f.). Seine These dabei ist, dass die Individuen so tun müssen „als ob es bei der Darstellung vor anderen um die wirkliche Identität geht“ (ebd. 2009, S. 349).
Bevor nun also näher auf seine Untersuchungen zum Thema Geschlecht eingegangen wird, möchte ich zunächst kurz seine These „Wir alle spielen Theater“ betrachten, da sie für das Verständnis von Identität nach Goffman Vorarbeit leistet. Gerade in einer Zeit, in der Facebook und soziale Medien vorherrschen, ist Identität etwas, über das gesprochen werden sollte. Goffman behandelt das Thema „Identität“ unter der Perspektive der Präsentation (vgl. Abels 2009, S. 349). Diese Perspektive wird uns später auch bei Judith Butler begegnen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz der Geschlechterkonstruktion ein und benennt den Vergleich von Goffman und Butler als zentralen Gegenstand der Untersuchung.
2 Begrifflichkeiten der Konstruktion des sozialen Geschlechts: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen von Sex, Sex-Category und Gender sowie das Konzept des Doing Gender nach West und Zimmerman.
3 Erving Goffman – Das Arrangement der Geschlechter: Das Kapitel beleuchtet Goffmans soziologische Perspektive, in der Geschlecht als institutioneller Code und Teil der sozialen Fassade dargestellt wird.
4 Judith Butler – Das Unbehagen der Geschlechter und die Macht der Geschlechternormen: Hier wird Butlers Theorie der Performativität von Geschlecht und deren machtkritische Komponente dargelegt.
5 Vergleich der beiden Ansätze: Die Gegenüberstellung arbeitet die gemeinsamen konstruktivistischen Grundannahmen heraus und beleuchtet die Diskrepanzen, insbesondere hinsichtlich der Rolle des biologischen Geschlechts.
6 Fazit und Ausblick: Das Fazit resümiert, dass Geschlecht eine kulturelle Konstruktion ist, und diskutiert die aktuelle Bedeutung der Ansätze im Kontext der LGTBI-Bewegung.
Schlüsselwörter
Soziales Geschlecht, Gender, Konstruktivismus, Doing Gender, Identität, Performativität, Erving Goffman, Judith Butler, Zweigeschlechtlichkeit, Sozialisation, Machtverhältnisse, Geschlechternormen, Dekonstruktion, Interaktion, LGTBI
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen und philosophischen Analyse von Geschlecht als Konstruktion und vergleicht dabei die Ansätze von Erving Goffman und Judith Butler.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Identität, Interaktion, soziale Geschlechterrollen, Machtstrukturen innerhalb der Zweigeschlechtlichkeit und die performative Natur von Geschlecht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu erörtern, wie Geschlecht gefasst wird, welche Rolle die Gesellschaft bei dessen Konstruktion spielt und wie sich die Ansätze von Goffman und Butler dazu verhalten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Vergleichsarbeit, die die wesentlichen Konzepte beider Autoren analysiert und in einem kritischen Vergleich gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Begrifflichkeiten definiert, gefolgt von der detaillierten Betrachtung des „Arrangements der Geschlechter“ bei Goffman und des „Unbehagens der Geschlechter“ bei Butler.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Konstruktivismus, Gender, Doing Gender, Performativität, Dekonstruktion und soziale Identität.
Wie unterscheidet sich Butlers Sichtweise auf das biologische Geschlecht von der Goffmans?
Während Goffman das biologische Geschlecht als Basis für soziale Strukturierung akzeptiert, betrachtet Butler auch das biologische Geschlecht als eine durch soziale Performanz gestaltete Konstruktion.
Warum wird Goffman oft nicht als Feminist wahrgenommen?
Goffman verstand sich selbst nicht als Feminist und konzentrierte sich in seinen Analysen stärker auf soziale Interaktionsprozesse als auf die politische Dekonstruktion von Geschlechterhierarchien.
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- Sarah Lange (Author), 2017, Die Konstruktion des sozialen Geschlechts. Ein Vergleich zwischen Erving Goffman und Judith Butler, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/374327