Diese Hausarbeit betrachtet das viel diskutierte, facettenreiche Symptombild der Aufmerksamkeitsdefizit(hyperaktivitäts)störung. Im ersten Teil findet der Begriff Aufmerksamkeit Beachtung. Was bedeutet er? Welche Prozesse laufen dabei ab? Kann man Aufmerksamkeit überhaupt steuern und wenn ja, wie? Unterschiedliche Theorien über die Aufnahme von Reizen bilden den Anfang. Es folgt eine kurze Abhandlung über die Verarbeitung von Informationen. Anschließend wird dargestellt, wie sich diese Abläufe auf unser Handeln auswirken.
Bei Theoriemodellen geht man meist von reibungslosen Vorgängen aus, um Zusammenhänge logisch, schnell und plausibel erklären zu können. Was passiert aber, wenn die Aufmerksamkeit gestört wird oder ist? Dieser spannenden Frage widmet sich der zweite Teil. Voran steht eine Begriffsdefinition, wobei ADS dem allgemein in der Literatur verwendeten ADHS untergeordnet wird. Der Leser erfährt, warum es nötig und gleichzeitig so schwierig ist, diese Diagnose nach bestimmten Kriterien zu erstellen. Fragen nach der Häufigkeit des Auftretens und der Hauptsymptome werden beantwortet. Im Laufe der Zeit gab es verschiedene Theorien über die Entstehung von ADHS. Ein allgemeines und ein komplexeres Modell werden dazu vorgestellt. In einigen Fällen führen andere Erkrankungen zum Symptombild von ADHS. Wie solche Ursachen differenziert werden und welche Begleiterkrankungen auftreten können, ist unter Punkt 3.5 aufgeführt.
Wie kann man das Krankheitsbild eindeutig diagnostizieren? Welche Vorgaben, Leitlinien und Ausschlusskriterien gibt es? Diese Punkte werden vor dem anschließenden Themenfeld der Prävention und Behandlung aufgegriffen. Vorbeugende Maßnahmen sind vor allem in den letzten Jahren verstärkt entwickelt worden. Spezielle Programme sollen Kinder, Eltern und Lehrer zu einem kompetenten Umgang mit ADHS anleiten. Mit der Therapie der Aufmerksamkeitsdefizithyperaktivitätsstörung wird oft die Behandlung mit umstrittenen Psychopharmaka assoziiert. Hier gibt die Verfasserin einen kurzen Überblick unter Einbeziehung des aktuellen Forschungsstands. ADHS hat einen persistierenden, chronischen Verlauf. Dies ist eine Herausforderung für die gesamte Gesellschaft und deshalb wird dieses komplexe Symptombild auch zukünftig immer neue Fragen aufwerfen, die es zu beantworten gilt.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 AUFMERKSAMKEIT
2.1. AUFMERKSAMKEITSPROZESSE
Geteilte Aufmerksamkeit
Filtertheorie der Aufmerksamkeit
Attenuationstheorie
Theorie der späten Selektion
Determinanten der Reizauswahl
Wahrnehmungsvermeidung
Selektive visuelle Aufmerksamkeit
2.2. AUFMERKSAMKEIT UND PERFORMANZ
Yerkes-Dodson`sche Regel
Aufmerksamkeitsstörungen
Mehrfachaufgabenperformanz
Automatische Verarbeitung
3 AD(H)S
3.1 DEFINITION
3.2 PRÄVALENZ UND EPIDEMIOLOGIE
3.3 KLINISCHE BESCHREIBUNG
3.4 ÄTIOLOGIE UND PATHOGENESE
3.5 DIFFERENZIALDIAGNOSE UND KOMORBIDITÄT
3.6 DIAGNOSTIK
3.7 PRÄVENTION UND BEHANDLUNG
3.8 VERLAUF UND PROGNOSE
3.9 PERSPEKTIVE
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit befasst sich mit der Analyse der Aufmerksamkeitssteuerung, ihrer Störbarkeit sowie dem komplexen Krankheitsbild ADHS unter Berücksichtigung aktueller wissenschaftlicher Modelle und Therapieansätze.
- Grundlagen der Aufmerksamkeit und ihrer Steuerung
- Einfluss von Aufmerksamkeitsstörungen auf die menschliche Performanz
- Klinische Definition, Epidemiologie und Entstehungsursachen von ADHS
- Diagnostische Verfahren und Differenzialdiagnostik
- Präventions- und Interventionskonzepte sowie multimodale Therapiemöglichkeiten
Auszug aus dem Buch
3.1 Definition
Nach den Klassifikationsschemata ICD-10 und DSM-IV sind Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörungen durch die Kardinalsymptome Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität gekennzeichnet. Begleitend können Störungen des Sozialverhaltens vorhanden sein, die ein sich wiederholendes und andauerndes Muster dissozialen, aggressiven und aufsässigen Verhaltens charakterisiert (hyperkinetische Störungen des Sozialverhaltens, ICD-10: F90.1).
Die Bezeichnung ADHS hat sich inzwischen als Oberbegriff für verschiedene Manifestationen der Störung etabliert. Für die Variante ADS existiert nicht genügend Forschungsmaterial. Betroffene Kinder werden seltener diagnostiziert, weil sie in ihrem Verhalten weniger störend innerhalb der Gesellschaft wirken. Sie werden eher als lernschwach und minderbegabt eingestuft. Weiterhin laufen sie Gefahr, den Anschluss an das Leistungsniveau der Klasse zu verlieren. Es sind die sogenannten „Träumer“, die in die Kategorie ADS eingeordnet werden. Viele Symptome der Störung von Aufmerksamkeit überschneiden sich allerdings. Auch ein Kind mit ADS kann zeitweise hyperaktiv sein. Ähnlich verhält es sich mit sämtlichen Unterkategorien. Bestimmte gemeinsame Entstehungsfaktoren scheinen ursächlich für alle Ausprägungen vorhanden zu sein, deshalb wird in dieser Arbeit im Weiteren vom Oberbegriff ADHS gesprochen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung gibt einen Überblick über das Thema Aufmerksamkeit und führt in das Symptombild ADHS sowie die Problematik seiner Diagnose und Behandlung ein.
2 AUFMERKSAMKEIT: Dieses Kapitel erläutert die psychologischen Grundlagen der Aufmerksamkeit, deren Selektionsprozesse sowie den Zusammenhang zwischen Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit.
3 AD(H)S: Das Kapitel widmet sich detailliert der klinischen Störung, von der Definition über ätiologische Modelle und diagnostische Herausforderungen bis hin zu präventiven und therapeutischen Ansätzen.
Schlüsselwörter
Aufmerksamkeit, Selektion, Performanz, ADHS, ADS, Hyperaktivität, Impulsivität, Unaufmerksamkeit, Neuropsychologie, Differenzialdiagnostik, Prävention, Verhaltenstherapie, Pharmakotherapie, Multimodale Therapie, Komorbidität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das menschliche Aufmerksamkeitssystem, mögliche Störungsbilder und konzentriert sich schwerpunktmäßig auf das ADHS-Syndrom.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die psychologischen Mechanismen der Reizselektion, die Auswirkungen von Störungen auf die Leistungsfähigkeit sowie medizinische und pädagogische Aspekte von ADHS.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist eine wissenschaftliche Einordnung des ADHS-Symptombildes sowie die Darstellung der aktuellen diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung auf Basis relevanter Fachliteratur, internationaler Klassifikationssysteme (ICD-10, DSM-IV) und aktueller Studien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Analyse der Aufmerksamkeitsprozesse und eine umfassende Darstellung der ADHS-Symptomatik, inklusive Ätiologie, Diagnose und Behandlung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich über die Begriffe Aufmerksamkeit, ADHS, Differenzialdiagnostik, multimodale Therapie und Prävention definieren.
Warum wird der Begriff ADHS als Oberbegriff verwendet?
Da viele Symptome von ADS und ADHS fließend ineinander übergehen und gemeinsame Entstehungsfaktoren vorliegen, wird in der Arbeit ADHS zur Vereinfachung als umfassender Begriff genutzt.
Welche Rolle spielt die multimodale Therapie?
Aufgrund der komplexen Ursachen und individuellen Ausprägungen wird die multimodale Therapie, die verhaltenstherapeutische, pädagogische und medikamentöse Ansätze kombiniert, als besonders geeignet angesehen.
Was besagt die Yerkes-Dodson-Regel?
Sie beschreibt den Zusammenhang zwischen Erregungsgrad und Leistung als umgekehrte U-Kurve, bei der die Leistung bis zu einem gewissen Punkt steigt und bei zu hoher Erregung wieder abfällt.
- Arbeit zitieren
- Rubi Mauer (Autor:in), 2015, Aufmerksamkeit und Aufmerksamkeitssörungen. Prävention und Behandlung von ADS/ADHS, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/344964