Der Film "Boys don't cry" verdeutlicht, welche starken Unterdrückungsmechanismen innerhalb einer Gesellschaft vorherrschen, um die heterosexuelle Matrix zu erhalten. Dass es sich dabei nicht um Strafmaßnahmen handelt, welche lediglich von Einzelpersonen ausgehen, sondern sich ein institutioneller Charakter dahinter verbirgt, soll durch meine Hausarbeit hervorgehoben werden.
Dazu wird sich zunächst mit dem Phänomen der Heteronormativität und ihren Ursachen beschäftigt. Im Anschluss daran erfolgt die Analyse einiger ausgewählter Szenen des Films "Boys don't cry" unter Berücksichtigung heteronormer Strukturen. Abschließend wird ein Versuch unternommen, den Film hinsichtlich seines subversiven Charakters zu bewerten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Heteronormativität und Institution
2.1 Die Entdeckung der Unterdrückung
3. Analyse
3.1 Die Problematik der Uneindeutigkeit
3.2 Der Verweis auf die gesellschaftliche Anrufung
3.3 Brisanz der letzten gemeinsamen Nacht von Brandon und Lana
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Funktionsweise und Auswirkungen institutioneller Heteronormativität am Beispiel des Films "Boys don't cry". Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Transgender-Subjekt Brandon Teena durch gesellschaftliche Zwänge und binäre Normvorstellungen unterdrückt wird, während gleichzeitig alternative Identitätsentwürfe und deren utopisches Potenzial analysiert werden.
- Analyse heteronormativer Unterdrückungsmechanismen und deren institutionelle Verankerung.
- Untersuchung der "Doing-Gender"-Theorie im Kontext filmischer Repräsentation.
- Dekonstruktion der binären Geschlechterordnung durch das Beispiel der Transgender-Identität.
- Die Rolle der Wahrnehmung und Identitätsbestätigung durch das soziale Umfeld.
- Kritische Auseinandersetzung mit der Machtausübung durch gesellschaftliche Institutionen.
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Problematik der Uneindeutigkeit
Kathrin Mädler legt in ihrem Aufsatz zu Boys don’t cry Augenmerk auf die Umsetzung von Strategien, mit denen die gesellschaftlich vorherrschende Heteronormativität entlarvt und festgeschriebene Geschlechtsidentitäten aufgebrochen werden sollen. Sie stellt das Transgender-Subjekt, durch Brandon Teena verkörpert, als eine „Figur des Übergangs“ vor. Durch die Unverortbarkeit Brandon Teenas in das binäre Geschlechtersystem entstehe eine „unlösbare Spannung“. Das hybride Wesen des Protagonisten diene unter anderem dazu, Männlichkeit immer wieder als „krisenhaft“ zu zeigen. Indem Brandon eine Männlichkeit nachahme, die dem normativen Verständnis von männlichem Verhalten entspräche, werde deutlich, wie wenig natürlich ein solches Verhalten ist. Die zwingende Abhängigkeit eines männlichen Verhaltens vom männlichen Sexus wird somit als Irrtum aufgedeckt. Laut Mädler „destabilisiert“ Brandon als Transgender auf diese Weise die binäre Ordnung und bedränge im Umkehrschluss eine Männlichkeit, die sich im Glauben daran, dass männliches Verhalten natürlicherweise Männern vorbehalten ist, absichert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Gender-Theorien ein und thematisiert das Spannungsfeld zwischen biologischem Geschlecht und sozial konstruierter Geschlechtsidentität, mit dem Fokus auf den Film "Boys don't cry".
2. Heteronormativität und Institution: Dieses Kapitel erläutert den Begriff der Heteronormativität als gesellschaftlichen Code und die damit verbundenen Ausgrenzungsmechanismen sowie die Machtstrukturen, die diese Norm aufrechterhalten.
2.1 Die Entdeckung der Unterdrückung: Hier werden die durch Heteronormativität bedingten Diskriminierungen und der Ausschluss abweichender Lebensweisen aus gesellschaftlichen Ressourcen vertieft.
3. Analyse: Das Analysekapitel widmet sich der Anwendung der theoretischen Konzepte auf ausgewählte Szenen aus dem Film "Boys don't cry" und untersucht die institutionelle Unterdrückung des Protagonisten.
3.1 Die Problematik der Uneindeutigkeit: Dieses Unterkapitel beleuchtet, wie die Transgender-Figur durch ihre Unverortbarkeit im binären System das Verständnis von Männlichkeit destabilisiert.
3.2 Der Verweis auf die gesellschaftliche Anrufung: Hier wird analysiert, wie durch Gewalt und Verhörsituationen versucht wird, das Individuum gewaltsam in das binäre Geschlechtermodell zurückzuzwingen.
3.3 Brisanz der letzten gemeinsamen Nacht von Brandon und Lana: Dieses Kapitel untersucht, ob die Darstellung der letzten Begegnung zwischen den Protagonisten eine Aufgabe des queeren Konzepts bedeutet oder einen neuen, befreiten Raum eröffnet.
Schlüsselwörter
Heteronormativität, Gender-Theorie, Transgender, Boys don't cry, Doing-Gender, Geschlechterbinarität, Identität, Performanz, Unterdrückungsmechanismen, Judith Butler, Filmwissenschaft, Maskulinität, Geschlechtsidentität, Machtanalyse, Repräsentation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Mechanismen der Heteronormativität und deren Auswirkungen auf Transgender-Identitäten anhand der filmischen Aufarbeitung der Lebensgeschichte von Brandon Teena in "Boys don't cry".
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den zentralen Themen gehören die Doing-Gender-Theorie, institutionelle Machtstrukturen, die Performanz von Geschlecht sowie die gesellschaftliche Ablehnung und Gewalt gegenüber Identitäten, die nicht dem binären Modell entsprechen.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Institutionen und soziale Gruppen mittels Zwang und Gewalt versuchen, eine binäre Geschlechterordnung aufrechtzuerhalten, und inwieweit der Film dazu beiträgt, dieses System kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine filmwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die durch Gender- und Queer-Theorien (insbesondere von Judith Butler) sowie machtanalytische Perspektiven (nach Foucault) gerahmt wird.
Welche Aspekte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Begriffs Heteronormativität und eine detaillierte Analyse spezifischer Filmszenen, die das Scheitern, die Unterdrückung und die Widerständigkeit von Transgender-Identitäten thematisieren.
Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit charakterisiert?
Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie Heteronormativität, Geschlechterbinarität, institutionelle Unterdrückung, Performanz und Transgender-Subjektivität gekennzeichnet.
Welche Bedeutung kommt der "Toilette" im Kontext der Analyse zu?
Die Toilette fungiert als Ort der "binären Verortung", an dem die Gesellschaft strikt zwischen den Kategorien Mann und Frau trennt und somit die heteronorme Struktur institutionell zementiert.
Wie interpretiert der Autor das Verhör von Brandon durch den Beamten?
Das Verhör wird als "medizinierte Geständnissituation" interpretiert, in der das Opfer durch den Beamten genötigt wird, seine Transgender-Identität zu verraten und sich einen "penetrierbaren weiblichen Körper" zuzuweisen, um im System der binären Ordnung urteilbar zu sein.
- Quote paper
- Lena Krause (Author), 2015, Subversion der heteronormativen Geschlechterordnung im Film "Boys don't cry", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/340370