Schlägt man zurzeit Zeitungen auf oder schaut sich Nachrichten an, scheint kein Thema so präsent zu sein wie die aktuelle Flüchtlingssituation. Bilder, die zeigen wie Menschen mit ihren Familien in Bussen nach Deutschland gebracht werden oder in kleinen, kaputten Booten das Wasser überqueren, um in Europa eine bessere Zukunft zu finden, werden alltäglich. Auch in den zu untersuchenden Ländern Deutschland, was im Jahr 2014 mit knapp 200000 das Land war, das die meisten Flüchtlinge aufnahm, und Spanien, welches mit annähernd 6000 Flüchtlingen zu den Ländern gehört, die vergleichsweise wenig Flüchtlinge aufnahmen, spielen die aktuellen politischen Entwicklungen eine zentrale Rolle. Menschen, verlassen aus verschiedenen Gründen wie politischen Unruhen sowie Krieg, Zerstörung, Verfolgung oder Folter, ihr Heimatland und versuchen, sich in Europa ein besseres Leben aufzubauen. Wie die beiden Länder Deutschland und Spanien mit dieser aktuellen Flüchtlingssituation umgehen wird in der vorliegenden Arbeit untersucht.
Dazu werden zunächst im zweiten Kapitel die grundlegenden theoretischen Konzepte vorgestellt. Im Unterkapitel 2.1 wird der Begriff der Migration genauer erläutert. Dazu wird er zunächst von Kurzzeitaufenthalten im Ausland abgegrenzt und anschließend nach Treibel (2008) und Mintzel (1997) weiter differenziert. Dies wird Grundlage bieten für die in Kapitel 2.2 untersuchten möglichen Gründe und Ursachen für Migrations- und Fluchtbewegungen nach Opitz (1993) und dem Push-Pull-Modell nach Lee (1972). Hierbei wird deutlich, dass viele Gründe, vor allem individueller Art, zu Migration führen. Abschließend werden in dem Grundlagenkapitel die Begriffe Migrant, Flüchtling und Asylsuchender voneinander abgegrenzt, da sie im alltäglichen Sprachgebrauch häufig synonym verwendet werden, trotz verschiedener Bedeutung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Konzepte
2.1 Migration
2.2 Ursachen der Migrations- und Fluchtbewegungen
2.2.1. Die sechs Dimensionen der Migration nach Opitz (1993)
2.2.2. Das Push-Pull-Modell nach Lee (1972)
2.3 Migrant, Flüchtling und Asylsuchender
3. Die Verteilungsquote der EU-Kommission
4. Deutschlands Umgang mit Migration
5. Spaniens Umgang mit Migration
6. Vergleich
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht den unterschiedlichen Umgang der Länder Deutschland und Spanien mit der Flüchtlingssituation im Jahr 2014, wobei der Fokus auf den jeweiligen politischen Strategien, der Aufnahmebereitschaft sowie den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen liegt.
- Theoretische Grundlagen von Migration und Fluchtursachen
- Die europäische Verteilungsquote für Flüchtlinge
- Flüchtlingspolitik und gesellschaftliche Wahrnehmung in Deutschland
- Spaniens Abschottungspolitik und Strategie der zirkulären Arbeitsmigration
- Vergleichende Analyse der nationalen Interessen und Herausforderungen
Auszug aus dem Buch
2.2.1. Die sechs Dimensionen der Migration nach Opitz (1993)
Opitz (1993) nennt als mögliche Gründe für Migration sechs verschiedene Dimensionen, welche nachfolgend verkürzt erläutert werden. Zunächst nennt Opitz Konflikte zwischen Staaten oder innerhalb eines Staates, beispielweise durch separatistische Bestrebungen oder kulturelle Umbrüche resultierend in Bürgerkriegen, ethnischen Säuberungen oder Grenzkonflikten, als einen Hauptgrund für Migration. Außerdem nennt er das moderne Wirtschaftssystem als einen weiteren Faktor. Hierbei spricht er unter anderem von wirtschaftlicher Marginalisierung und Verarmung bestimmter Regionen, hingegen auf der anderen Seite von neuen wirtschaftlichen Wachstumsregionen, die Migranten anziehen. Als einen weiteren Grund für Migration nennt Opitz klimatische Veränderungen und Umweltschäden, besonders in Ländern, in denen der landwirtschaftliche Sektor von den klimatischen Gegebenheiten abhängt oder die finanziellen Mittel fehlen, um Umweltschäden zu beheben. Zusätzlich nennt der Autor das globale Bevölkerungswachstum, welches häufig mit einer Qualitätsminderung der Lebensbedingungen einhergeht als einen weiteren Grund. Ein Gefälle in den Lebensbedingungen ist laut Opitz (1993) auch durch „die Erosion traditioneller Weltanschauungen, Werthaltungen und Lebensstilen […] “ (zitiert nach Mintzel 1997: 104) sichtbar. Die Übernahme von westlichen Lebensstandards und die damit einhergehende Vernachlässigung der eigenen Kultur führen dazu, dass Menschen nicht mehr so stark an ihre Heimat gebunden sind und ihr Land somit schneller verlassen, so der Autor. Als letzten Grund werden die modernen Kommunikationsmittel genannt, da sie das bereits erwähnte starke Gefälle zwischen den Lebensbedingungen auf politischer, wirtschaftlicher und kultureller Ebene sichtbar machen. Auch die verbesserten Reisemöglichkeiten würden Migration erleichtern (vgl. Mintzel 1997: 99ff.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die aktuelle Flüchtlingssituation ein und erläutert die Zielsetzung der vergleichenden Analyse zwischen Deutschland und Spanien.
2. Theoretische Konzepte: Das Kapitel definiert grundlegende Begriffe der Migration, erläutert verschiedene Ursachenmodelle und grenzt die Bezeichnungen Migrant, Flüchtling und Asylsuchender voneinander ab.
3. Die Verteilungsquote der EU-Kommission: Hier wird der Vorschlag der EU zur gerechten Verteilung von Flüchtlingen vorgestellt, kritisch diskutiert und die Reaktion der Mitgliedsstaaten beleuchtet.
4. Deutschlands Umgang mit Migration: Dieser Abschnitt analysiert die deutsche Flüchtlingspolitik, die Asylzahlen von 2014/2015 sowie die konträren Meinungsbilder innerhalb der deutschen Bevölkerung.
5. Spaniens Umgang mit Migration: Das Kapitel untersucht die spanische Abschottungspolitik, die Ablehnung der EU-Quote sowie die Strategie der gezielten Anwerbung von zirkulären Gastarbeitern.
6. Vergleich: Diese Gegenüberstellung verdeutlicht die unterschiedlichen wirtschaftlichen Motive und politischen Handlungsweisen beider Länder im Umgang mit der Flüchtlingsproblematik.
7. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und einem Plädoyer für ein gemeinsames, solidarisches europäisches Handeln.
Schlüsselwörter
Migration, Flucht, Deutschland, Spanien, EU-Verteilungsquote, Asylpolitik, Gastarbeiter, Push-Pull-Modell, Fachkräftemangel, Abschottungspolitik, Migrationsursachen, Flüchtlingssituation, Arbeitslosenquote, Europa, Integration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit einem Vergleich der Migrations- und Flüchtlingspolitik von Deutschland und Spanien im Jahr 2014 sowie deren jeweiliger Reaktion auf die europäische Flüchtlingskrise.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf theoretischen Migrationskonzepten, den Gründen für Fluchtbewegungen, der kontroversen EU-Verteilungsquote sowie den nationalen Strategien zur Steuerung von Migration.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, die Unterschiede im Umgang mit Flüchtlingen zwischen Deutschland und Spanien aufzuzeigen und zu analysieren, wie beide Länder ihre jeweiligen politischen Interessen gegenüber einer humanitären Verpflichtung abwägen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine komparative Analyse, bei der theoretische Modelle und aktuelle politische Daten (Statistiken, Umfragen, offizielle Berichte) gegenübergestellt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, die Debatte um die EU-Verteilungsquote, eine detaillierte Betrachtung der deutschen und spanischen Politik sowie den direkten Vergleich der Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Migration, Asylpolitik, EU-Verteilungsquote, Fachkräftemangel, Abschottungspolitik und Gastarbeiter.
Welche These stellt der Autor zur spanischen Flüchtlingspolitik auf?
Es wird die These angeführt, dass Flüchtlinge in Spanien weniger willkommen sind als Gastarbeiter, da Flüchtlinge nicht zur Deckung des Arbeitskräftebedarfs beitragen und somit nicht in die ökonomische Strategie des Landes passen.
Wie unterscheidet sich die deutsche von der spanischen Haltung zur EU-Verteilungsquote?
Deutschland stimmte der Einführung der Quote zu, um den hohen Flüchtlingszahlen und dem internen Druck zu begegnen, während Spanien die Quote unter Verweis auf die eigene hohe Arbeitslosenquote ablehnte.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2015, Migration in Deutschland und Spanien. Eine komparative Analyse zum Umgang mit Migranten, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/336691