In der heutigen Gesellschaft gewinnt das Thema des Alkoholmissbrauchs immer mehr an Bedeutung. In Deutschland gibt es etwa 1,9 Millionen Menschen, die an einer Alkoholabhängigkeit leiden. In der Berufswelt gibt es jedoch eine hohe Dunkelziffer. Die DAK geht von etwa 10 % Betroffenen aus, die regelmäßig am Arbeitsplatz Alkohol konsumieren. Immer mehr Führungskräfte stehen daher vor der Herausforderung, mit dieser besonders schwierigen Situation professionell umzugehen. Die Folgen können sowohl für das Unter- nehmen als auch für die Mitarbeiter erheblich sein. alkoholkranke Mitarbeiter 16-mal häufiger am Arbeitsplatz als nicht alkoholabhängige Kollegen.
Basierend auf der Fallstudie „Die Fahne – Mitarbeiter mit Alkoholproblem“ wird im Folgenden die Situation des vermutlich alkoholabhängigen Mitarbeiters Ulrich Stieglitz analysiert. Schwerpunkt der Arbeit ist das Mitarbeitergespräch zwischen dem Niederlassungsleiter der Versicherung und Ulrich Stieglitz. Hierbei werden Gesprächsziele und weitere Maßnahmen aufgezeigt, wie mit der Situation in der Versicherungsniederlassung zukünftig verfahren wird.
Alkoholabhängigkeit gilt als eine anerkannte Krankheit, wobei der Betroffene gesundheitliche Schäden durch den Konsum von Alkohol erleidet. Diese können sowohl psychisch, als auch körperlich in Erscheinung treten und von Mensch zu Mensch unterschiedlich ausgeprägt sein. Hierbei gibt es Kriterien, anhand derer festgestellt werden kann, ob eine entsprechende Abhängigkeit vorliegt. Der Krankheitsverlauf wird typischerweise durch verschiedene Phasen gekennzeichnet. In der „voralkoholischen Phase“ trinkt der Betroffene regelmäßig Alkohol, um den Stress im Alltag zu bewältigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Informationen zum Alkoholmissbrauch
3. Situationsanalyse
4. Das Problemgespräch
4.1. Mögliche Schwierigkeiten im Gespräch
4.2. Was könnte im schlimmsten Fall passieren?
4.3. Ziele des Gesprächs
4.4. Gesprächsablauf
4.5. Folgeschritte
5. Fazit und operationalisierte Vorschläge
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, ein professionelles Vorgehen für Führungskräfte bei Verdacht auf Alkoholmissbrauch am Arbeitsplatz zu erarbeiten, wobei das konkrete Fallbeispiel des Mitarbeiters Ulrich Stieglitz als Grundlage dient. Die Forschungsfrage fokussiert dabei darauf, wie ein Vorgesetzter seiner Fürsorgepflicht nachkommen kann, ohne die notwendige professionelle Distanz zu verlieren und gleichzeitig arbeitsrechtliche Konsequenzen bei fehlender Verhaltensänderung vorzubereiten.
- Analyse der Krankheitsbilder und Verlaufsphasen von Alkoholabhängigkeit
- Erarbeitung einer methodischen Struktur für Interventions- und Rückmeldegespräche
- Umgang mit arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen und der Dokumentationspflicht
- Strategien zur Förderung der betrieblichen Gesundheit und Prävention
Auszug aus dem Buch
4.1. Mögliche Schwierigkeiten im Gespräch
Das Gespräch ist aus verschiedenen Gründen als besonders schwierig zu er achten. Die persönliche Beziehung zwischen dem Niederlassungsleiter und dem Teamleiter kann bei einem solchen sensiblen Thema hilfreich sein, da eine Vertrauensbasis besteht. Diese kann sich jedoch auch nachteilig auswirken, da verschiedene Karrierewege möglicherweise Diskrepanzen zwischen den ehemaligen Freunden gebildet haben. Dadurch steht die Führungskraft in einem Zwiespalt. Auf der einen Seite ist es die Aufgabe des Niederlassungsleiters für die Belange seiner Mitarbeiter einzustehen, um ein gutes Arbeitsklima zu gewährleisten. Auf der anderen Seite muss der Niederlassungsleiter die Problematik ernst nehmen und konsequent daran arbeiten, um die betrieblichen Belange insbesondere den Sicherheitsschutz durchzusetzen.
Aufgrund der Hierarchie könnte U. Stieglitz gegenüber dem Niederlassungsleiter ein Schamgefühl sowie Minderwertigkeitskomplexe im Gespräch aufzeigen. Weiter unterliegt das Gespräch der Schwierigkeit, dass dem Niederlassungsleiter viele Auffälligkeiten nur von Dritten zugetragen worden sind und er diese teilweise nicht selber beobachtet hat. Hier steht der Vorgesetzte vor der Herausforderung zu entscheiden, wie er die Informationen bewertet und den dementsprechenden Wahrheitsgehalt einschätzt. Im anschließenden Gespräch muss der Vorgesetzte darauf achten, dass er diese Beobachtungen als „Ich-Botschaften“ formuliert. Dadurch soll vermieden werden, dass der Teamleiter sich persönlich angegriffen fühlt und keine Abwehrhaltung auf die Beobachtung von Dritten einnimmt. Es soll nicht der Eindruck erweckt werden, dass über diesen hinter vorgehaltener Hand in der Niederlassung geredet wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die steigende gesellschaftliche Relevanz von Alkoholismus am Arbeitsplatz und definiert das Ziel der Analyse am Beispiel des Falles Ulrich Stieglitz.
2. Informationen zum Alkoholmissbrauch: Dieses Kapitel definiert Alkoholabhängigkeit als anerkannte Krankheit und erläutert die verschiedenen Stadien des Krankheitsverlaufs von der voralkoholischen bis zur chronischen Phase.
3. Situationsanalyse: Es erfolgt eine detaillierte Beschreibung der Ausgangslage in der Versicherungsniederlassung sowie der konkreten Auffälligkeiten beim Mitarbeiter, die ein Eingreifen des Vorgesetzten erforderlich machen.
4. Das Problemgespräch: Das Kapitel widmet sich umfassend der Planung und Durchführung von Interventionsgesprächen, den potenziellen Hürden, Zielen sowie den notwendigen Folgeschritten im Falle einer ausbleibenden Besserung.
5. Fazit und operationalisierte Vorschläge: Das Fazit fasst die Dringlichkeit des Handelns zusammen und empfiehlt präventive Maßnahmen wie Schulungen und Gesundheitstage zur Sensibilisierung des gesamten Unternehmens.
Schlüsselwörter
Alkoholmissbrauch, Mitarbeiterführung, Interventionsgespräch, Suchtprävention, Fürsorgepflicht, Arbeitsrecht, Fehlverhalten, Leistungsfähigkeit, Verhaltensänderung, Betriebsklima, Führungskraft, Personalmanagement, Rehabilitation, Dokumentationspflicht, Teamleiter.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der professionellen Vorgehensweise einer Führungskraft bei alkoholbedingten Auffälligkeiten eines Mitarbeiters im beruflichen Umfeld.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Themenfelder umfassen die arbeitsrechtliche Fürsorgepflicht, die psychologischen Aspekte von Suchtgesprächen und die strategische Planung von Interventionsketten.
Welches Ziel verfolgt der Niederlassungsleiter primär?
Das primäre Ziel ist die Wiederherstellung der vollen Arbeitsfähigkeit des Mitarbeiters und dessen langfristige Sicherung im Betrieb unter aktiver Bekämpfung der Suchterkrankung.
Welche methodischen Ansätze werden zur Gesprächsführung gewählt?
Es wird eine klare, sachliche Vorgehensweise empfohlen, die auf der Nutzung von „Ich-Botschaften“, der Dokumentation von Fakten und der Vereinbarung verbindlicher Ziele basiert.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Vorbereitung und Durchführung des Mitarbeitergesprächs, die Bewältigung von Kommunikationsschwierigkeiten sowie die Definition von Folgeschritten und Konsequenzen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Suchtprävention, Interventionsgespräch, Fürsorgepflicht und betriebliche Gesundheitsförderung geprägt.
Wie sollte eine Führungskraft reagieren, wenn der Mitarbeiter alkoholisiert zum Gespräch erscheint?
Das Gespräch muss in diesem Fall sofort abgebrochen werden; der Mitarbeiter ist nach Hause zu schicken und es ist die Auflage zu erteilen, beim nächsten Termin nüchtern zu erscheinen.
Welche Rolle spielt die Dokumentation für das weitere Vorgehen?
Die Dokumentation ist essenziell, um bei einer notwendigen arbeitsrechtlichen Eskalation, wie etwa einer Abmahnung oder Kündigung, eine nachvollziehbare Beweisgrundlage zu haben.
Kann der betroffene Mitarbeiter trotz seiner Sucht im Unternehmen gehalten werden?
Ja, bei entsprechender Einsicht, Kooperation und dem erfolgreichen Durchlaufen von Therapiemaßnahmen ist eine Wiedereingliederung ausdrücklich das angestrebte Ziel.
Welche Rolle kommt der Personalabteilung bei diesem Prozess zu?
Die Personalabteilung wird insbesondere bei fortgeschrittenen Schritten involviert, beispielsweise wenn arbeitsrechtliche Konsequenzen wie Abmahnungen oder Kündigungsverfahren eingeleitet werden müssen.
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- Anonym (Author), 2016, Kollegen mit "Fahne"? Mitarbeitergespräch bei Alkoholmissbrauch, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/336650