Zielführend in dieser Arbeit soll es sein, die Möglichkeiten der Selbstdarstellung im Internet zu untersuchen und unter Einbeziehung der Transaktionsanalyse des Psychotherapeuten Eric Berne neue Optionen herauszuarbeiten. Im besonderen Fokus soll dabei die Frage danach stehen, inwiefern Nutzer von sozialen Netzwerken, je nach thematischer Ausrichtung der Plattform, divergente Rollen einnehmen bzw. sich selbst unterschiedlich präsentieren. Welche Facetten des Selbst nutzen sie dabei und in welchem Umfang? Fraglich ist auch, ob die unterschiedlichen Zustände des Ich, wie sie Berne in der Transaktionsanalyse beschreibt, ebenfalls auf die Selbstdarstellung in mobilen und sozialen Medien angewendet werden können.
Wenn wir im Internet surfen, was erwarten wir dann? Dass die Menschen, denen wir begegnen uns die Wahrheit über ihre Identität verraten oder dass sie uns eine Scheinidentität präsentieren? In den Zeiten verknüpfter Profile von Netzwerken wie Facebook, Twitter und Google ist es schwer, sich hinter einer Maske zu verstecken, da die Identität scheinbar transparent ist. Dennoch gibt es Netzwerke und Plattformen, auf denen der User wenig über sich preisgeben muss. Läuft man hier Gefahr auf eine Fake-Identität hereinzufallen? Grundsätzlich ist Authentizität ein wichtiger Faktor für viele Internetnutzer und wird aus diesem Grund, wie im weiteren Verlauf dieser Arbeit noch herausgestellt werden soll, von diversen Theoretikern thematisiert. Welche Rolle die Aspekte Privatsphäre, Kriminalität und Öffentlichkeit dabei spielen, soll hier von untergeordneter Bedeutung sein. Es rückt besonders der Gedanke in den Vordergrund, auf welche Art und Weise der Nutzer sich selbst darstellen und was er dabei über sich lernen kann. „Selbstmanagement“ oder „Identitätsarbeit“ wird dieser Vorgang von Wissenschaftlern wie Nicola Döring und Christian Stiegler bezeichnet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Identität in Zeiten der sozialen und mobilen Medien
2.1. Formen der Identität
2.2. Selbstmanagement
3. Transaktionsanalyse und die Zustände des „Ich“ von Eric Berne
4. Möglichkeiten der Selbstdarstellung
4.1. Mittel der Selbstdarstellung
4.2. Plattformen der Selbstdarstellung
4.3. Besondere Formen der Selbstdarstellung
5. Beispielanalyse
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Möglichkeiten der Selbstdarstellung im Internet und analysiert diese unter Einbeziehung der Transaktionsanalyse nach Eric Berne, um zu ergründen, wie Nutzer in sozialen Netzwerken divergente Rollen einnehmen und inwiefern sich die Zustände des Ich auf die Online-Selbstpräsentation übertragen lassen.
- Identitätstheorien im digitalen Zeitalter
- Konzepte des Identitäts- und Selbstmanagements
- Grundlagen der Transaktionsanalyse nach Eric Berne
- Plattformspezifische Formen der Selbstdarstellung
- Anwendung der Transaktionsanalyse auf soziale Medien
Auszug aus dem Buch
3. Transaktionsanalyse und die Zustände des „Ich“ von Eric Berne
Der Leser dieser medienwissenschaftlichen Arbeit stellt sich vermutlich die Frage, warum die Verfasserin versucht, den Bezug zur Psychoanalyse herzustellen. Diese Problematik kann wie folgt dargestellt werden: Historisch betrachtet, kann die Selbstthematisierung mit der Beichte seiner Sünden in einen Zusammenhang gesetzt werden. Im Zuge dieses Vorganges stellt der Mensch also einen reflexiven und kommunikativen Bezug zu sich selbst her. Dabei stellt er fest, dass der „gesunde“ Menschenverstand immer mit irrationalen Komponenten vermischt wird, die Einfluss auf unser Handeln und unser Denken nehmen.
Die Psychoanalyse untersucht eben diese Einflüsse und versucht sie voneinander abzugrenzen, um dem Individuum die Ursachen des eigenen Handelns vor Augen zu führen. In eben diesem Faktum liegt der Grund für die hier geführte Untersuchung. Wie bereits aufgeführt wurde, ist ein Bedürfnis des Menschen, sich selbst darzustellen und von seiner Umfeld reflektiert zu bekommen, wie er auf diese wirkt. Im Angesicht der modernen Marktwirtschaft, die das Web 2.0 bereits in vollem Umfang zu nutzen weiß, ist es daher für viele Nutzer wichtig, die eigene Selbstdarstellung unter Kontrolle zu haben. In diesem Punkt kann uns die Psychoanalyse behilflich sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Herausforderungen der Identität in modernen sozialen Netzwerken und definiert das Ziel, Selbstdarstellungsstrategien durch das psychologische Modell der Transaktionsanalyse zu untersuchen.
2. Die Identität in Zeiten der sozialen und mobilen Medien: Dieses Kapitel erörtert verschiedene Identitätskonzepte sowie die Notwendigkeit von Selbstmanagement in einer zunehmend transparenten digitalen Welt.
3. Transaktionsanalyse und die Zustände des „Ich“ von Eric Berne: Es werden die theoretischen Grundlagen der Transaktionsanalyse und die drei Ich-Zustände (Eltern-Ich, Erwachsenen-Ich, Kind-Ich) eingeführt.
4. Möglichkeiten der Selbstdarstellung: Hier werden unterschiedliche technische Mittel und Plattformen zur digitalen Identitätsinszenierung sowie die verschiedenen Freiheitsgrade der Selbstdarstellung detailliert beschrieben.
5. Beispielanalyse: In diesem Kapitel wird die Anwendbarkeit der Transaktionsanalyse auf konkrete Facebook-Beispiele und -Kommentare getestet, um Kommunikationskonflikte aufzuzeigen.
6. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse, wobei die Dynamik digitaler Identitäten hervorgehoben und die Nützlichkeit der Transaktionsanalyse zur bewussten Gestaltung der eigenen Selbstdarstellung betont wird.
Schlüsselwörter
Identität, Selbstmanagement, Transaktionsanalyse, Eric Berne, Selbstdarstellung, Soziale Netzwerke, Online-Kommunikation, Digitale Identität, Identitätsarbeit, Authentizität, Virtuelle Identität, Ich-Zustände, Medienwissenschaft, Internet, Kommunikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Art und Weise, wie Nutzer ihre Identität in sozialen Netzwerken präsentieren und wie diese Prozesse medienwissenschaftlich eingeordnet werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Dynamik von Identitätskonzepten im Web 2.0, die Möglichkeiten der Selbstdarstellung sowie die Anwendung psychologischer Modelle auf digitale Interaktionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, inwiefern die Transaktionsanalyse von Eric Berne als Werkzeug dienen kann, um Selbstdarstellung und Kommunikationsprozesse in sozialen Medien besser zu verstehen und zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung von Identitäts- und Medientheorien sowie eine qualitative Beispielanalyse von Interaktionen in sozialen Netzwerken.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zu Identität und Selbstmanagement, eine Einführung in die Transaktionsanalyse nach Eric Berne sowie eine praktische Anwendung dieser Theorie auf Beispiele aus Facebook-Kommentaren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Identität, Selbstmanagement, Transaktionsanalyse, soziale Netzwerke, Selbstdarstellung und Authentizität.
Wie unterscheiden sich die Ich-Zustände nach Berne in der Online-Kommunikation?
Das Erwachsenen-Ich agiert rational, während das Kind-Ich oft irrational oder rebellisch reagiert und das Eltern-Ich meist eine belehrende oder normgebende Haltung einnimmt, was sich in Internet-Diskussionen an typischen Kommentarstilen ablesen lässt.
Warum ist das Thema "Authentizität" in dieser Arbeit so wichtig?
Authentizität stellt für viele Internetnutzer ein Ideal dar, steht jedoch im ständigen Spannungsfeld zum Wunsch, die eigene Identität durch Maskierung oder gezieltes Selbstmanagement in bestimmten digitalen Räumen zu kontrollieren.
- Quote paper
- Susann Greve (Author), 2016, Identität in Zeiten der sozialen und mobilen Medien. Die Versionen des Ich in sozialen Netzwerken, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/334366