Mit dem Namen Gianlorenzo Bernini verbindet man allgemein eine herausragende Künstlerpersönlichkeit, welche die Kunst Roms im 17. Jahrhundert wesentlich geprägt hat. Der Einfluss Berninis auf die Kunst seiner Zeit übertrifft den jedes anderen Künstlers zuvor bei weitem.
In der vorliegenden Arbeit wird nun speziell auf die überlebensgroße Gruppe des Raubes der Proserpina eingegangen. Sie entstand in den Jahren 1621-22 und wurde unter nicht gänzlich geklärten Umständen von Scipione Borghese an den Kardinalnepoten des Papstes Gregor XV., Ludovico Ludovisi, geschenkt und 1623 in der Villa Ludovisi aufgestellt. Seit dem Jahr 1908 befindet sie sich in der Villa Borghese, für die sie eigentlich bestimmt war.
Nachfolgend bringt ein kurzer Exkurs zu den literarischen Vorlagen des Proserpina-Mythos das Thema der Gruppe näher. Weiters wird neben der allgemeinen Beschreibung der Skulpturengruppe sowie die Vorarbeiten dazu auch auf Fragen nach der Ansichtigkeit, möglichen Inspirationsquellen, Motivwahl und Aufstellung eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitendes
2. Der Mythos des Raubes der Proserpina
3. Berninis Figurengruppe „Raptus der Proserpina“
3.1 Der Entwurfsprozess
3.2 Beschreibung der Gruppe
3.3 Mögliche Inspirationsquellen
3.4 Zur Ansichtigkeit
3.5 Zur Themenwahl
3.6 Zur Aufstellung der Skulpturengruppe
4. Abschließende Betrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die überlebensgroße Marmorskulptur „Raptus der Proserpina“ von Gianlorenzo Bernini. Das Hauptziel besteht darin, den Entstehungsprozess, die ikonographischen Einflüsse und die räumliche Wirkung des Werkes im Kontext der barocken Kunstauffassung zu analysieren und die Bedeutung des Mythos für den Auftraggeber Scipione Borghese zu erörtern.
- Analyse der kompositorischen Entwicklung anhand von Skizzen und Bozzetti
- Untersuchung der formalen und inhaltlichen Inspirationsquellen (Antike, Renaissance, Giambologna)
- Darstellung der Bedeutung von Ansichtigkeit und Dynamik in Berninis Komposition
- Beleuchtung der allegorischen und politischen Dimension der Themenwahl
- Betrachtung der wechselnden Aufstellungsorte und ihrer Bedeutung für die Werkrezeption
Auszug aus dem Buch
3.2 Beschreibung der Gruppe
Die Gruppe „Pluto und Proserpina“ stellt in gewisser Hinsicht das erste Werk aus Berninis Hoch-Periode dar; weiters kann es auch als dasjenige angesehen werden, das noch am meisten der Antike verhaftet ist. Bildgegenstand ist die schwierige Variation des Themas von einer Figur, die eine andere, in der Luft Schwebende, hält, die sich zudem noch leidenschaftlich wehrt und dem Zugriff zu entkommen versucht.
Der Herrscher der Unterwelt, als Paradestück der Anatomie sowie erste „kraftgeladene Aktfigur“ Berninis, ist vom Liebesverlangen ergriffen mit großem Ausfallschritt, flatterndem Haar und Bart zum Stand gekommen und hat unterstützt vom linken Bein die angsterfüllte Proserpina hoch- und an sich gerissen. Das rechte Bein ist weit zurückgesetzt, beide Knie sind stark durchgebogen und der Oberkörper Plutos ist weit nach rechts hinten hinaus gebogen. Proserpina wird von Pluto mit beiden Armen fest gegen seine linke zurückliegende Schulter gedrückt. Mit eisernem Griff hat Pluto die Entführte umfasst, sodass sich seine Finger tief in das Fleisch des linken Oberschenkels von Proserpina einpressen und dieser an den Linken gepresst hochgezogen wird. Von Alois Riegel wurde dieses Motiv des Eingrabens der Finger „als ein Zeichen für die Stoffempfindlichkeit“ Berninis ausgelegt. Jedoch wird dadurch auch eindrucksvoll neben Plutos Kraft das Widerstreben Proserpinas ersichtlich: „wegstrebend beantwortet sie den Druck der Umklammerung mit ihrem Gegendruck“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitendes: Einführung in die Biografie und den Werdegang von Gianlorenzo Bernini als prägende Künstlerpersönlichkeit des römischen Barock.
2. Der Mythos des Raubes der Proserpina: Darstellung der mythologischen Grundlage des Werkes durch antike Quellen sowie der Bedeutung der Jahreszeitenallegorie.
3. Berninis Figurengruppe „Raptus der Proserpina“: Detaillierte Untersuchung der künstlerischen Gestaltung, von der ersten Skizze bis zur vollendeten Marmorskulptur, einschließlich der Ansichtigkeit und Inspirationsquellen.
4. Abschließende Betrachtung: Zusammenfassende Einordnung des Werkes als Zäsur in Berninis Schaffen und Begründung seiner neuen Skulpturauffassung.
Schlüsselwörter
Gianlorenzo Bernini, Raptus der Proserpina, Bildhauerei, Barock, Scipione Borghese, Skulptur, Marmor, Mythologie, Ovid, Ikonographie, Ansichtigkeit, Kunstgeschichte, Rom, Antike, Dynamik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Skulpturengruppe „Raptus der Proserpina“ von Gianlorenzo Bernini, eines der Schlüsselwerke der barocken Bildhauerkunst.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die ikonographische Analyse, der Entstehungsprozess, die Kompositionsweise und die historische Bedeutung des Werkes.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die künstlerische Meisterschaft Berninis bei der Umsetzung des mythologischen Stoffes in Marmor zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die kunsthistorische Methode der Werkanalyse sowie den Vergleich mit zeitgenössischen und antiken Vorbildern.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Beschreibung der Figurengruppe, der Analyse von Skizzen, den Inspirationsquellen und der Bedeutung der Aufstellung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Bernini, Barock, Marmorskulptur, Raptus, Ikonographie und die mythologische Darstellung des Proserpina-Raubes.
Welche Rolle spielt Scipione Borghese für das Werk?
Als Mäzen gab er das Werk in Auftrag und beeinflusste vermutlich durch die Nähe zu antiken Heiligtümern und dynastische Überlegungen die Themenwahl.
Wie unterscheidet sich Berninis Auffassung von der Renaissance?
Bernini überwand die Begrenzung des Marmorblocks und strebte durch eine dynamische Komposition eine unmittelbare Gesamtwirkung auf den Betrachter an.
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- MA Angelika Wöss (Author), 2010, Die Skulpturengruppe "Raptus der Proserpina" von Gianlorenzo Bernini, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/333971