In dieser Arbeit wird eine Einschätzung zum aktuellen Stand der Demokratisierung Ghanas nach den Demokratietheorien von Robert Dahl (Polyarchien), Wolfgang Merkel (Embedded Democracy) und dem Bertelsmann Transformation Index (BTI) gegeben.
Weiterhin wird der Frage nachgegangen, ob das Ölvorkommen Ghanas in der Zukunft eine Gefahr für die Demokratie darstellen könnte, da viele Rohstoffreiche Staaten keine demokratische Staatsordnung aufweisen.
Die Wahlen 2008 in Ghana gingen durch die Medien. Diese Wahlen genossen weltweit besondere Aufmerksamkeit, da der damalige Präsident John Kufuor sein auf zwei Legislaturperioden begrenztes Amt nach den zwei angesetzten Perioden rechtmäßig aufgab und Neuwahlen stattfinden ließ. Das Regierungsverhalten Kufuors in diesem Zusammenhang stellte eine Besonderheit dar. In anderen afrikanischen Ländern, wie im Kamerun oder in Namibia, war es üblich, dass die Amtszeit auch nach zwei Legislaturperioden unrechtmäßig fortgesetzt wird. Somit verzeichnete sich vor den Wahlen bereits ein gewisses demokratisches Bewusstsein in Ghana. Insgesamt legen die Wahlen den Grundstein für den Weg in die Konsolidierung der Demokratie. Das Interesse der Politikwissenschaft für das Land Ghana stieg somit an. Die afrikanischen Staaten bieten eine Vielfalt an unterschiedlichen Regierungsformen, weshalb Afrika allgemein ein attraktives Forschungsgebiet für die Transitionsforschung darstellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsdefinitionen
2.1 Demokratie
2.2 Transition
3. Demokratiekonzepte
3.1 Polyarchien nach Robert Dahl
3.2 Embedded Democracy nach Wolfgang Merkel
3.3 Bertelsmann Transformation Index (BTI)
4. Analyse der Demokratisierung Ghanas
4.1 Der Transitionsprozess in Ghana
4.2 Die Verfassung Ghanas
4.3 Polyarchien nach Robert Dahl
4.4 Bertelsmann Transformation Index (BTI)
4.5 Embedded Democracy nach Wolfgang Merkel
4.6 Das Ölvorkommen als Gefahr für die Demokratie?
5. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Demokratisierungsprozess in Ghana, um zu analysieren, ob das Land zu Recht als konsolidierte Demokratie gilt und als Vorbild für andere afrikanische Staaten dienen kann. Dabei wird insbesondere beleuchtet, ob zukünftige Ölvorkommen eine Gefährdung für die demokratische Stabilität darstellen könnten.
- Vergleich verschiedener Demokratiekonzepte (Robert Dahl, Wolfgang Merkel, Bertelsmann Stiftung)
- Analyse des historischen Transitionsprozesses in Ghana seit den 1990er Jahren
- Untersuchung der ghanaischen Verfassung hinsichtlich demokratischer Standards
- Bewertung der Stabilität der internen und externen Einbettung der Demokratie
- Einschätzung der Auswirkungen von Ressourcenreichtum (Öl) auf das politische System
Auszug aus dem Buch
4.5 Embedded Democracy nach Wolfgang Merkel
Die interne Einbettung nach Merkel ist in Ghana stabil vorzufinden. Das demokratische Wahlregime ist in Ghana durch ein aktives und passives Wahlrecht, freie und faire Wahlen seit 1992 und durch die gewählten Mandatsträger, die Ghana tatsächlich regierten und regieren, gegeben. In Ghana gibt es eine Vielzahl von privaten Medien, welche eine kritische Berichterstattung bieten. Beispiele hierfür sind der Clinton Besuch, oder auch die Wahlanfechtung aus dem Jahr 2012 und dem darauffolgenden Prozess 2013. Das Recht auf freie Meinungsäußerung, Pressefreiheit und Informationsfreiheit wird in den Kapiteln sieben und zwölf der Verfassung gesichert, siehe Kapitel 4.3. Das Petitonsrecht taucht in der ghanaischen Verfassung in Kapitel 26 unter dem Punkt „Verschiedenes“ auf.
Die Bürgerlichen Freiheitsrechte, wie der Schutz des Lebens oder die Gleichstellung aller Bürger werden in Kapitel 5 der Verfassung garantiert. Die Horizontale Verantwortlichkeit wie die Kontrolle von gewählten Amtsträgern, die Eingrenzung der exekutiven Macht und die Gewaltenteilung werden in den Kapiteln neun, zehn und elf der Verfassung beschrieben. Dennoch gibt es in Ghana eine hohe Korruptionsrate, welche den Punkt der horizontalen Verantwortlichkeit zum Teil untergräbt. Die effektive Regierungsgewalt gibt vor, dass lediglich die Exekutive die Regierungsmacht besitzen darf, das Militär demnach nicht. Nach der Verfassung unterliegt das Militär der Zustimmung des Parlaments. Dennoch ist eine mögliche Intervention seitens des Militärs nicht gänzlich auszuschließen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz Ghanas als Fallbeispiel für eine erfolgreiche Demokratisierung in Afrika ein und benennt die zentrale Forschungsfrage sowie das Vorgehen der Arbeit.
2. Begriffsdefinitionen: In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundlagen durch die Definition der Begriffe "Demokratie" und "Transition" gelegt.
3. Demokratiekonzepte: Es erfolgt eine detaillierte Vorstellung der Konzepte von Robert Dahl, Wolfgang Merkel und der Bertelsmann Stiftung, die als Analyseraster für den Hauptteil dienen.
4. Analyse der Demokratisierung Ghanas: Dieses Kernkapitel wendet die zuvor vorgestellten Konzepte auf Ghana an, analysiert den Transitionsprozess, die Verfassung und die Auswirkungen des Ölvorkommens.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, bestätigt den Status Ghanas als konsolidierte Demokratie und diskutiert zukünftige Herausforderungen.
Schlüsselwörter
Demokratisierung, Ghana, Transition, Polyarchie, Embedded Democracy, Bertelsmann Transformation Index, politische Stabilität, Zivilgesellschaft, Gewaltenteilung, Ressourcenreichtum, Ölvorkommen, Regimewandel, Subsahara-Afrika, Konsolidierung, Korruption.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Demokratisierungsprozess in Ghana und bewertet, inwiefern das Land als Vorbild für andere Staaten in Subsahara-Afrika dienen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Anwendung wissenschaftlicher Demokratiekonzepte, die historische Transition Ghanas, die verfassungsrechtliche Lage und die ökonomischen Risiken durch Ressourcenreichtum.
Welches ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, den Status der Demokratie in Ghana anhand unterschiedlicher theoretischer Modelle zu verifizieren und eine Prognose hinsichtlich der Stabilität des Landes unter Berücksichtigung der Ölförderung abzugeben.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Autorin nutzt einen vergleichenden analytischen Ansatz, indem sie das politische System Ghanas mit den Kriterien bekannter Demokratiekonzepte (Dahl, Merkel, BTI) abgleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Beschreibung des Transitionsprozesses, die Prüfung der Verfassungsbestimmungen sowie die detaillierte Analyse der internen und externen Einbettung der ghanaischen Demokratie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Demokratisierung, Ghana, Transition, Embedded Democracy und Ressourcenfluch beschreiben.
Warum wird Wolfgang Merkels "Embedded Democracy"-Modell als besonders relevant erachtet?
Im Vergleich zu Dahls Polyarchie-Modell bietet Merkels Konzept eine umfassendere Perspektive, da es neben internen Teilregimen auch externe Faktoren wie sozioökonomische Rahmenbedingungen und internationale Integration miteinbezieht.
Welche Rolle spielt das Ölvorkommen für die Prognose zur Demokratie in Ghana?
Obwohl Ölförderung oft mit Korruption und Destabilisierung verbunden ist, kommt die Arbeit zu dem Schluss, dass aufgrund der starken zivilgesellschaftlichen Strukturen und der institutionellen Einbettung eine Destabilisierung in Ghana eher unwahrscheinlich ist.
Wie bewertet die Arbeit den Machtwechsel in Ghana im Jahr 2000?
Der friedliche Machtwechsel wird als entscheidender Wendepunkt und Beleg für die Konsolidierung der Demokratie hervorgehoben, da er in der Region Subsahara-Afrika keine Selbstverständlichkeit darstellt.
- Arbeit zitieren
- Sabrina Voigt (Autor:in), 2014, Der Demokratisierungsprozess in Ghana. Demokratiekonzepte und die Analyse der Demokratisierung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/322627