In der vorliegenden Arbeit geht es um das Leitbild der Einelternfamilie im Wandel der Zeit. Vor dem Hintergrund, dass das Leitbild Hand in Hand mit den gesellschaftlichen Veränderungen geht, wird das Leitbild der Einelternfamilie in den 60er Jahren mit den Bildern verglichen, die aus heutigen wissenschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Diskussionen hervorgehen.
Im ersten Schritt wird zunächst das Leitbild der Familie vorgestellt sowie das Leitbild in Bezug auf „gute“ Eltern. Hier stellt sich die Frage, was aus heutiger Perspektive eine „gute“ Mutter oder einen „guten“ Vater ausmacht, oder anders ausgedrückt: Welche Anforderungen werden heute an die Eltern gestellt, um dem gesellschaftlich erwünschtem Bild der Elternschaft zu entsprechen? Anschließend wird der Frage nachgegangen, wer die Leitbilder bestimmt. Bevor im nächsten Schritt auf das Leitbild der Einelternfamilie in den 60er Jahren eingegangen wird, wird zunächst die geschichtliche Entwicklung dargestellt, um aufzuzeigen, dass es sich hierbei um kein Phänomen handelt, das es erst seit den 60er Jahren gibt. Anschließend werden die Daten und Fakten und das Leitbild der Einelternfamilien in den 60er Jahren und heute vorgestellt. Hier wird aufgezeigt, welche Leitbilder sich aus den Diskussionen über Einelternfamilien ergeben. Nach der Vorstellung der Leitbilder wird die Frage gestellt, welche Auswirkungen die Leitbilder auf die Situation der alleinerziehenden Eltern haben sowie was sich seit den 60er Jahren verändert hat. Im letzten Schritt werden die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Leitbild der Familie
3. Das Leitbild – gute Mutter und guter Vater
4. Wer bestimmt die Leitbilder?
5. Einelternfamilien- geschichtliche Entwicklung
6. Das Leitbild der Einelternfamilie zwischen 1960 und 1980
6.1. Daten und Fakten
6.2. Das Leitbild der Einelternfamilie
7. Das Leitbild der Einelternfamilie heute
7.1. Daten und Fakten
7.2. Das Leitbild der Einelternfamilie
8. Die Auswirkung der Leitbilder auf die Situation
9. Das Leitbild der Einelternfamilie – was hat sich seit den 60er Jahren verändert?
10. Zusammenfassung
Zielsetzung und Forschungsfragen
Die vorliegende Arbeit untersucht den gesellschaftlichen und politischen Wandel des Leitbildes von Einelternfamilien im Vergleich zwischen den 1960er Jahren und der heutigen Zeit. Dabei steht die zentrale Frage im Fokus, wie sich die Wahrnehmung alleinerziehender Eltern verändert hat, welche gesetzlichen und gesellschaftlichen Benachteiligungen fortbestehen und inwieweit das Modell der Einelternfamilie nach wie vor mit defizitären Stigmatisierungen behaftet ist.
- Historische Entwicklung von Einelternfamilien und deren gesellschaftliche Einordnung.
- Analyse des Wandels von der Defizitperspektive hin zur Anerkennung alternativer Familienformen.
- Einfluss politischer Debatten und Kommunikation auf die Gestaltung von Leitbildern.
- Untersuchung ökonomischer Benachteiligungen, insbesondere durch das Ehegattensplitting.
- Vergleich der Auswirkungen von Leitbildern auf die Situation alleinerziehender Eltern über die Jahrzehnte.
Auszug aus dem Buch
6.2. Das Leitbild der Einelternfamilie
1984 schreibt Swientek von folgenden „abenteuerlichsten, vorurteilsbehaftetsten und diskriminierendsten“ Begriffe zur Umschreibung einer Einelternfamilie: Unvollständige Familie, Teilfamilie, Restfamilie, Scheidungsfamilie, zerrüttete Familie, Halbfamilie, broken home, irreguläre Familie, strukturell Desorganisierte, personelle Unvollständigkeit der Kernfamilie und funktional desorganisierte Familie (s. Swientek 1984, 14). Dementsprechend wurden die dazugehörigen nichtehelichen Kinder als Illegitime, Illegale und Irreguläre bezeichnet (s. ebd.).
Als Gemeinsamkeit all dieser Termini nennt sie die Betonung, dass es sich dabei um „etwas handelt, was nicht sein soll, etwas unnormales, normabweichendes, unerwünschtes- um etwas, das von einem wünschenswerten Ganzen leider nur übriggeblieben ist“ (s. Swientek 1984, 15).
Entsprechend diesem Leitbild nichtehelicher Kinder wird im zweiten Familienbericht aus dem Jahr 1975 von der Legitimierung der Kinder durch nachfolgende Heirat gesprochen (s. Swientek 1984, 24f.). Das BMJFG schrieb im Bericht zudem, dass anhand der sogenannten „Muß-Ehen“ gesehen werden kann, wie stark Vollständigkeits- und Erzeugungsprinzipien der Elternschaft immer noch seien, weil es in diesem Falle darum ginge, schon erzeugten Kindern eine vollständige Familie mit leiblichen Eltern zu sichern (s. Swientek 1984, 25).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema des Wandels der Leitbilder von Einelternfamilien ein und skizziert den Aufbau der Untersuchung von den 60er Jahren bis heute.
2. Das Leitbild der Familie: Dieses Kapitel definiert den Begriff des Leitbildes und erläutert die gesellschaftliche Vorstellung davon, was eine Familie im Kern ausmacht.
3. Das Leitbild – gute Mutter und guter Vater: Hier wird der Wandel der Erwartungen an Elternschaft von klassischen Ernährermodellen hin zu egalitären Modellen thematisiert.
4. Wer bestimmt die Leitbilder?: Das Kapitel beschreibt, wie öffentliche und implizite Kommunikation in Medien und Politik soziale Normen und Leitbilder prägen.
5. Einelternfamilien- geschichtliche Entwicklung: Dieser Abschnitt zeigt auf, dass Einelternfamilien kein neues Phänomen sind, sondern sich ihre Wahrnehmung und rechtliche Situation über die Zeit verändert hat.
6. Das Leitbild der Einelternfamilie zwischen 1960 und 1980: Es werden Daten zur Scheidungsrate und die damalige, stark defizitär geprägte Sicht auf Einelternfamilien analysiert.
7. Das Leitbild der Einelternfamilie heute: Dieses Kapitel betrachtet die heutige statistische Lage und die Abkehr von einer rein defizitorientierten Betrachtungsweise.
8. Die Auswirkung der Leitbilder auf die Situation: Hier wird untersucht, wie Leitbilder die Selbstwahrnehmung Alleinerziehender und politische Gestaltungsprozesse direkt beeinflussen.
9. Das Leitbild der Einelternfamilie – was hat sich seit den 60er Jahren verändert?: Eine Synthese des Wandels, die aufzeigt, dass trotz gestiegener Akzeptanz weiterhin strukturelle Benachteiligungen existieren.
10. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass Einelternfamilien heute zwar als Familie anerkannt sind, jedoch systemisch weiterhin benachteiligt werden.
Schlüsselwörter
Einelternfamilie, Leitbild, Alleinerziehende, Familiensoziologie, Diskriminierung, Ehegattensplitting, Normalfamilie, Kindschaftsrecht, Armutsrisiko, Defizitperspektive, gesellschaftlicher Wandel, Sozialisationsforschung, Erziehungsfähigkeit, Ernährermodell, Familienpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert den Wandel der gesellschaftlichen und politischen Wahrnehmung von Einelternfamilien vom Zeitraum der 1960er Jahre bis zur Gegenwart.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den zentralen Themen gehören die historische Entwicklung von Familienbildern, der Einfluss politischer Kommunikation, rechtliche Benachteiligungen durch das Ehegattensplitting sowie die sozioökonomische Situation Alleinerziehender.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie sich der diskursive Umgang mit Einelternfamilien von einer pathologisierenden Defizitperspektive zu einer modernen Anerkennung gewandelt hat, während gleichzeitig strukturelle Ungleichheiten fortbestehen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse soziologischer Studien, Rechtsgrundlagen und statistischer Auswertungen des Statistischen Bundesamtes.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil behandelt den detaillierten Vergleich der Leitbilder in den 60er/70er Jahren gegenüber dem 21. Jahrhundert und untersucht spezifische Diskriminierungsfaktoren in Recht und Gesellschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Einelternfamilie, Leitbildwandel, strukturelle Benachteiligung und gesellschaftliche Defizitperspektive geprägt.
Inwiefern hat sich die rechtliche Lage für nichteheliche Kinder verändert?
Seit den 70er Jahren gab es weitreichende Reformen, die die rechtliche Diskriminierung nichtehelicher Kinder schrittweise abgebaut und die Gleichstellung zu ehelichen Kindern angestrebt haben.
Warum wird trotz moderner Ansichten von einer anhaltenden Benachteiligung gesprochen?
Obwohl die soziale Akzeptanz gewachsen ist, begünstigen fiskalische Strukturen wie das Ehegattensplitting nach wie vor das klassische Ernährermodell, was Alleinerziehende finanziell schlechter stellt.
- Arbeit zitieren
- Valentina Tomic (Autor:in), 2016, Leitbild der Einelternfamilie im Wandel der Zeit seit 1960, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/322620