Im Alltag meist gegenwärtig und ein enormer Einflussfaktor auf unser Leben – die Familie. Doch wofür steht der Begriff der Familie tatsächlich? Und hat diese wirklich einen erheblichen Einfluss auf den Charakter eines Menschen und seine Entwicklung? Wie ist ihre Bedeutung heute? In der vorliegenden Arbeit wird diese Thematik näher beleuchtet und mit Hilfe der Theorie Erich Fromms die Bedeutung der Familie für die Erziehung und die Gesellschaft herausgearbeitet.
Diese kleine, aber sehr intensive Lebensgemeinschaft, gehört in Deutschland für vierzig Prozent der Bevölkerung zum Leben dazu. Nicht immer ist es die klassische bürgerliche Familie mit einem Ehepaar und einem oder mehrere Kinder. Es setzten sich auch Formen wie z.B. Patchwork-Familien oder gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften mit Kindern durch.
Nach Familienforschungen weißt der Begriff der Familie im sozialwissenschaftlichen Bereich drei verschiedene Merkmale auf. Das erste ist die „biologische und soziale Doppelnatur“. Dies bezieht sich auf die gesellschaftliche Integration der Kinder im sozialen Bereich auf der einen Seite und auf die Reproduktion des Menschen im biologischen Sinn auf der anderen Seite. Weiterhin ist eine Familie daran zu erkennen, dass innerhalb dieses Verhältnisses eine ganz klare und einmalige Rolle für jedes Mitglied existiert. Diese Rollen innerhalb der Familien weisen eine rege Kooperation und Solidarität auf. Ein letztes und entscheidendes Merkmal einer Familie ist der Unterschied der Generationen. Eine solche Differenz ist in jeder Familie vorhanden. Auch bei alleinerziehenden Müttern und Vätern ist dies zu beobachten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Sozialisationsprozess – Begriffsbestimmung unter der zusätzlichen Komponente der familiären Sozialisation
3 Gemeinsamkeiten und Unterschiede Sozialisation und Erziehung
4 Erich Fromm und seine Theorie
4.1 Begriff des Gesellschafts-Charakters
4.2 Das Leben Erich Fromms und dessen Einfluss auf seine Theorie
4.3 Erich Fromm und die Erziehung
4.4 Kritik an Gesellschafts-Charakter und Entdeckung des Marketing-Charakters
4.5 Hochindustrialisierte Gesellschaft und der „Haben-Modus“
5 Relevanz der Sichtweisen Fromms auf die Erziehung in der Familie
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Bedeutung der Familie für die individuelle Charakterbildung und den Sozialisationsprozess unter Einbeziehung der sozialpsychologischen Theorie von Erich Fromm. Die Forschungsfrage widmet sich der Frage, wie familiäre Erziehung in einer Gesellschaft, die stark von Konsum und dem "Haben-Modus" geprägt ist, authentische Identität und biophile Werte fördern kann.
- Sozialisationsbegriff im familiären Kontext
- Erich Fromms psychoanalytischer Ansatz der Gesellschaftskritik
- Die Differenzierung zwischen Haben-Modus und Sein-Modus
- Die Rolle der Familie als psychologische Agentur der Gesellschaft
- Biophile Erziehung als Gegenentwurf zur Konsumgesellschaft
Auszug aus dem Buch
4.2 Das Leben Erich Fromms und dessen Einfluss auf seine Theorie
Warum ich ein so großes Interesse für die Frage entwickelte, warum die Menschen sich gerade so und nicht anders verhalten, dafür mag der Hinweis hilfreich sein, dass ich das einzige Kind eines ängstlichen und launischen Vaters und einer zur Depression neigenden Mutter bin. (Hardeck, 2005, S. 11)
Mit dieser Aussage wollte Erich Fromm einmal erklären, warum gerade er sich mit dem Gebiet der Psychoanalyse befasste. Schon seine Kindheit und die traditionelle Familie aus der er stammte prägten ihn dahingehend tief. Geboren wurde er am 23. März 1900 in Frankfurt am Main als Sohn des Weinhändlers Naphtali Fromm und Rosa Fromm geboren Krause. Beide Elternteile stammten aus traditionsreichen Rabbinerfamilien. Fromm wuchs also in einer jüdischen Gemeinde in Frankfurt auf (Hardeck, 2005, S. 12). Die Tatsache, dass er Einzelkind war, empfand Fromm als besonders schlimm (Erich Fromm online, 2015).
Fromm litt unter seinen Eltern, wie er später zugab. Der Vater war zu ängstlich, um ihm Leitlinien im Leben vorzugeben. Er hätte ihm nichts beigebracht. Seine Mutter prägte ihn durch ihre narzisstische Vereinnahmung. Sie machte ihm deutlich, dass sie nur das an ihm liebt, was er von der Familie Krause, also ihrer Familie, habe. Nur diese Seiten an ihm wären positiv. Die Familie gehörte zum gesellschaftlichen Mittelstand (Hardeck, 2005, S. 12-13).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert den Begriff der Familie aus sozialwissenschaftlicher und psychologischer Perspektive und führt in die Relevanz der Thematik für die menschliche Charakterentwicklung ein.
2 Sozialisationsprozess – Begriffsbestimmung unter der zusätzlichen Komponente der familiären Sozialisation: Dieses Kapitel erläutert den Sozialisationsbegriff und die spezifische Wechselwirkung zwischen Individuum und familiärem Umfeld.
3 Gemeinsamkeiten und Unterschiede Sozialisation und Erziehung: Hier erfolgt eine theoretische Abgrenzung der Begriffe Sozialisation und Erziehung sowie eine Analyse ihres Zusammenhangs innerhalb der Generationsfolge.
4 Erich Fromm und seine Theorie: Das Kapitel bietet eine umfassende Darstellung von Fromms Theorien, angefangen bei seinem Lebensweg bis hin zur Kritik am Gesellschafts-Charakter und dem Haben-Modus.
5 Relevanz der Sichtweisen Fromms auf die Erziehung in der Familie: Dieser Teil beleuchtet die praktische Bedeutung von Fromms Ansätzen für die moderne familiäre Erziehung und die Gefahr einer Entfremdung.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse über die Rolle der Familie als prägender Ort der Identitätsentwicklung in einer Zeit des sozialen Wandels zusammen.
Schlüsselwörter
Familie, Sozialisation, Erziehung, Erich Fromm, Gesellschafts-Charakter, Haben-Modus, Sein-Modus, Biophilie, Identität, Psychoanalyse, Charakterbildung, Konsumgesellschaft, Sozialpsychologie, Elternrolle, Humanismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Rolle der Familie als zentraler Ort der Sozialisation und wie Erich Fromms psychologische Theorien dabei helfen, die menschliche Entwicklung und Erziehung in der heutigen Gesellschaft zu verstehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind der Sozialisationsbegriff, die Charaktertheorie von Erich Fromm, die Unterscheidung zwischen dem Haben- und Sein-Modus sowie die Bedeutung biophiler Erziehung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Bedeutung der Familie für die Erziehung unter Berücksichtigung der gesellschaftlichen Einflüsse aufzuarbeiten, die Fromm in seinen Theorien zum Gesellschafts-Charakter beschreibt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und Anwendung der psychoanalytischen und sozialpsychologischen Konzepte von Erich Fromm im pädagogischen Kontext.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert Fromms Theorie des Gesellschafts-Charakters, seinen persönlichen Werdegang, seine Kritik am Marketing-Charakter sowie die Gefahren und Möglichkeiten der Erziehung in der modernen Industrie-Gesellschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Familie, Sozialisation, Erziehung, Fromm, Haben-Modus, Sein-Modus und Biophilie.
Warum ist laut Fromm der "Haben-Modus" für Kinder problematisch?
Im Haben-Modus geht es um Besitz und Konsum anstatt um authentisches Selbsterleben. Dies führt bei Kindern zu einer inneren Leere und einer Pseudo-Identität, da sie nicht nach ihren eigenen Bedürfnissen handeln, sondern gesellschaftliche Erwartungen erfüllen.
Welche Rolle spielen Mutter und Vater laut der Arbeit in der frühen Sozialisation?
Mutter- und Vaterliebe leisten einen entscheidenden Beitrag zum Aufbau einer authentischen Ich-Identität. Die Mutterliebe schenkt Vertrauen zu sich selbst, während die Vaterliebe dabei unterstützt, äußere Lebensanforderungen zu bewältigen.
- Quote paper
- Sar Ah (Author), 2015, Familiäre Sozialisation nach Erich Fromm, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/320672