Wie kann das Konzept Ganztagsschule "Risikoschülern" konkret helfen Entwicklungs- und Lernbarrieren zu überwinden? Diese Frage wird in der vorliegenden Hausarbeit geklärt.
Das Konzept der Ganztagsschule findet in Deutschland nicht erst seit 2003 Beachtung, sondern wurde bereits zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts durch Reformpädagogen vertreten und führte 1904 schließlich zur Gründung der ersten Ganztagsschule in Deutschland, der Waldschule in Charlottenburg.
Das Konzept Ganztagsschule strebt damals wie heute keine reine Stundenvermehrung an, sondern Inhalte wie Jugendpflege, Sozialpädagogik, Mittagessen und Mittagsruhe, Sport und Spiel, Werkstatt, Labor und Bibliothek sowie Förderung der Schülerinitiative und soll die Institution Schule zu einem Ort jugendgemäßen Lebens und Arbeitens machen. Aber welches Klientel profitiert von den Rahmenbedingungen der Ganztagsschule? Vor PISA und den aktuellen Bildungsreformen wurden die Begrifflichkeiten Ganztagsschule und Ganztagsbildung im Kontext leistungsschwacher, unterrichtsmüder, delinquenter und schulschwänzender Schüler diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Definitionen
2.1.1 Ganztagsbildung
2.1.2 Risikoschüler
2.1.3 Schulverweigerung
2.2. Empirische Befunde
2.3 Merkmale von Ganztagsschulen und deren Auswirkungen auf Risikoschüler
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Potenziale und Wirkungsweisen von Ganztagsschulkonzepten im Hinblick auf die Unterstützung von sogenannten Risikoschülern. Dabei wird analysiert, inwiefern durch pädagogische Angebote am Nachmittag Lernbarrieren abgebaut, Schulverweigerung präventiv entgegengewirkt und eine individuellere Förderung sowie eine Stärkung des Schülerselbstkonzepts ermöglicht werden kann.
- Historische Entwicklung und Begriffsdefinitionen der Ganztagsbildung
- Identifikation und Charakterisierung von Risikoschülern und Formen der Schulverweigerung
- Analyse empirischer Befunde zur Wirksamkeit von Ganztagsschulen
- Pädagogische Merkmale offener Ganztagsschulen und deren Bedeutung für Schüler mit Förderbedarf
Auszug aus dem Buch
2.1.2 Risikoschüler
Eine allgemeine Definition des Begriffs Risikoschüler ist sehr schwierig. In der diagnostischen Pädagogik sind Risikoschüler die Lernenden, die eine Teilleistungsstörung aufweisen, also mit zwei Standardabweichungen unter dem Durchschnitt in einem Teilleistungsbereich abschneiden. Das Verständnis von Risikoschülern in den PISA-Studien beruht ebenfalls auf unterdurchschnittlichen Leistungen in einem Teilleistungsbereich (vgl. Rösner, 2007, S.128ff). Die Gefahr der Begrifflichkeit liegt jedoch darin, dass sie Lernende mit Defiziten in einem einzigen Teilleistungsbereich zu Risikoschülern stigmatisiert.
Nimmt man an, dass die von Olga Graumann definierten Problemkinder die gleiche Gruppe von Schülern darstellen, so ist es dennoch nicht möglich eine einzige Definition zu finden. Dies liegt an der Tatsache, dass die Definition von vielen individuellen und subjektiven Aspekten und Sichtweisen abhängig ist. Um dennoch zu klären, was Problemkinder oder Risikoschüler sind, muss man sich gemäß Olga Graumann folgende Fragen stellen: „Wer hat das Problem, wie schwerwiegend ist das Problem? Wo und wann zeigt sich das Problem, wodurch wird das Problem ausgelöst, welche Ursachen kommen in Frage, welche Lösungen bzw. Interventionen sind denkbar bzw. durchführbar?“ (Olga Graumann, S.13ff). Die Vielzahl der Fragemöglichkeiten lässt erahnen, wie groß die Vielzahl der Schülerprobleme ist und welche verschiedenen Problemkinder es gibt. Man kann festhalten, dass Problemkind nicht gleich Problemkind ist und dass das eigentliche Problem nicht zwingend im Kind, sondern im System Schule begründet sein kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den durch PISA-Studien aufgedeckten Bildungsnotstand in Deutschland und die daraus resultierenden Reformbemühungen zur Einführung von Ganztagsschulen.
2. Hauptteil: Der Hauptteil definiert zentrale Begriffe wie Ganztagsbildung, Risikoschüler und Schulverweigerung und untersucht deren Zusammenhänge sowie die Wirksamkeit von Ganztagsangeboten empirisch.
2.1 Definitionen: Dieses Kapitel erläutert die wesentlichen Begriffe der Ganztagsbildung, definiert die Gruppe der Risikoschüler und differenziert zwischen verschiedenen Formen der Schulverweigerung.
2.1.1 Ganztagsbildung: Hier wird das Konzept der Ganztagsbildung historisch verortet und bildungspolitisch hinsichtlich seiner Organisation und strukturellen Formen definiert.
2.1.2 Risikoschüler: Dieses Kapitel thematisiert die Schwierigkeit einer einheitlichen Definition von Risikoschülern und betont die Notwendigkeit einer systemischen statt einer stigmatisierenden Betrachtungsweise.
2.1.3 Schulverweigerung: Hier werden unterschiedliche Formen des schulverweigernden Verhaltens, wie Schulabsentismus und Unterrichtsverweigerung, systematisch voneinander abgegrenzt.
2.2. Empirische Befunde: Dieses Kapitel wertet empirische Daten zur Leistungsentwicklung und zum Bildungsabschluss von Schülern aus und belegt den positiven Einfluss von Ganztagsangeboten.
2.3 Merkmale von Ganztagsschulen und deren Auswirkungen auf Risikoschüler: Dieses Kapitel fokussiert auf die spezifischen Vorteile offener Ganztagsschulen für Risikoschüler, insbesondere durch das Modell des Pädagogen als Lernbegleiter.
3. Fazit: Das Fazit fasst die empirisch belegten positiven Effekte von Ganztagsschulen zusammen und identifiziert gleichzeitig den bestehenden Handlungsbedarf bei der Qualitätssicherung.
Schlüsselwörter
Ganztagsschule, Ganztagsbildung, Risikoschüler, Schulverweigerung, Bildungsarmut, PISA-Studie, individuelle Förderung, Lernbegleiter, Sozialkompetenz, Schulentwicklung, Leistungsdefizite, Pädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Bedeutung und die Potenziale von Ganztagsschulkonzepten bei der Förderung von Schülern, die aufgrund verschiedener Faktoren als Risikoschüler eingestuft werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der pädagogischen Unterstützung von lern- und schulmüden Schülern, der Definition von Risikogruppen sowie der empirischen Evaluation von Ganztagsangeboten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Ganztagsschulen aktiv dazu beitragen können, Bildungsarmut abzubauen und Lernbarrieren bei gefährdeten Schülern zu überwinden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die auf der Auswertung bestehender bildungswissenschaftlicher Literatur, PISA-Auswertungen und empirischer Studien zur Ganztagsentwicklung basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine begriffliche Fundierung, eine Analyse empirischer Befunde zur Wirksamkeit der Ganztagsangebote und eine Untersuchung der pädagogischen Merkmale offener Ganztagsschulen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Ganztagsschule, Risikoschüler, Schulverweigerung, Bildungsarmut und individuelle Förderung charakterisiert.
Warum ist eine stigmatisierungsfreie Definition von „Risikoschüler“ so wichtig?
Weil der Begriff das Problem andernfalls einseitig dem Kind zuschreibt, anstatt das System Schule und individuelle Förderbedarfe in den Fokus der Problemlösung zu rücken.
Welche Rolle nimmt der Pädagoge in der offenen Ganztagsschule ein?
Der Pädagoge fungiert primär als Lernbegleiter, der den Schüler in einer personenzentrierten Rolle unterstützt, statt lediglich curriculare Vorgaben zu vermitteln.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2013, Ganztagsbildung. Eine geeignete Maßnahme zur Verhütung von Schulverweigerung bei Risikoschülern?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/319213