Anreiz zu dieser Arbeit bot das Wochenendseminar mit dem Thema „Das Bild – ein Lügner und ein Plappermaul? Umgang und Manipulation mit Bildern“ in Waren (Müritz) vom 22.11. – 24.11.2013 in der Europäischen Akademie Mecklenburg-Vorpommern. In der Forschung zur Geschichtsdidaktik finden sich in verschiedenen Werken dazu Aufsätze mit dem Thema „Medien historischen Lernens“ und werden in den letzten Jahrzehnten zu unverzichtbaren Elementen für einen gelungenen Unterricht erhoben.
Im Vordergrund dieser Abhandlungen stehen Kompetenzen, die durch einen abwechslungsreichen Medieneinsatz gelehrt werden. Diese Literatur bot ein umfangreiches Überblickswissen zum Thema. Desweiteren wurde ein Vergleich mit aktuellen Schulbüchern vollzogen, die im Anhang mittlerweile eigene Kapitel zum Thema Methodenkompetenz beinhalten und somit Schülerinnen und Schülern Fachwissen dazu vermitteln.
Eine vergleichende und zugleich naheliegende Wissenschaft für dieses Thema bietet die Kunstgeschichte. Um eine umfangreiche Bildanalyse durchzuführen, werden Analyseschritte aus Rainer Wohlfeils älteren, aber bestimmenden Aufsatz zur „Historischen Bildkunde“ angewendet. Gegenstand dieser Arbeit war das Werk Hermann Wislicenus: „Apotheose des Kaisertums“ von 1875, welches sich in der Kaiserpfalz zu Goslar befindet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Themenvorstellung
1.1 Arbeitsvorgehensweise
1.2 Die Bildquelle – eine Abbildung der Wirklichkeit?
2. Schritte der historischen Bildkunde
3. Analyse der Apotheose des Kaisertums
3.1 Die „Vorikonographische Beschreibung“
3.2 Die „Ikonographisch historische Analyse“
3.3 Die „Ikonologische Interpretation“
4. Der praxisorientierte Unterrichtsentwurf
5. Schluss: Chancen und Möglichkeiten des Einsatzes von Bildern im GU
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, den methodischen Umgang mit historischen Bildquellen im Geschichtsunterricht zu erörtern und anhand einer konkreten Bildanalyse ein praxisorientiertes Unterrichtsmodell zu entwickeln. Dabei wird die wissenschaftliche Bildanalyse nach Rainer Wohlfeil als Grundlage genutzt, um Schülerinnen und Schülern einen strukturierten Zugang zur Erschließung historischer Deutungen zu ermöglichen.
- Historische Bildkunde als fachdidaktisches Analyseinstrument
- Kunsthistorische und geschichtswissenschaftliche Quellenkritik
- Analyse der „Apotheose des Kaisertums“ von Hermann Wislicenus
- Methodik der Unterrichtsplanung für die Sekundarstufe I
- Förderung von Sach- und Methodenkompetenz im Geschichtsunterricht
Auszug aus dem Buch
3.1. Die „Vorikonographische Beschreibung“
Die obere linke Ecke ziert ein bogenförmiges Ornament mit schwarz-weißer Karomusterung. Darunter befinden sich goldene kreisförmige Ornamente. Diese werden von einer Art goldfarbenden Vorhang umschlossen, der mit gleichfarbigen Quasten am unteren Ende abschließt. Im unteren Teil der Ornamente sind verschiedene Symbole wie Kreuze erkennbar. Direkt unterhalb des Vorhangs verlaufen Girlanden aus Pflanzen in den Hintergrund. Das Gemälde wird am linken Rand sowie im linken und rechten Drittel durch Säulen im antiken Stil begrenzt. Das obere Ende der Säulen schließt ist golden und verschnörkelt dargestellt. Die bogenförmigen Ornamente werden von ihnen getragen. Sie sind farblich unterschiedlich gestaltet und weisen jeweils an den Enden farbige gezackte Muster auf sowie goldene Verzierungen am Sockel. Ihre Position befindet sich im Vordergrund und sie verdecken einen schmalen Streifen der Szenerie im Hintergrund.
Im der linken Mitte befinden sich vierzehn erwachsene Personen, von denen sieben stehend und sieben sitzend gezeichnet sind. Es handelt sich dabei ausschließlich um männliche Personen. Diese werden teilweise voneinander verdeckt und tragen, soweit erkennbar, alle Militäruniformen. Diese sind dunkel gestaltet, mit verschiedenen goldfarbenden Elementen, wie Schulterstücken oder Kordeln. Manche Personen tragen am Kragen kreuzförmige Orden. Unter den sitzenden Personen trägt eine von ihnen eine schwarze Uniform mit rotem Einband und gleichfalls goldene Schulterstücken. Außergewöhnlich ist jedoch die Tatsache, dass die Person einen purpurnen Mantel mit weißem Innenfutter, welches mit schwarzen Elementen verziert wurde, trägt. Dazu streckt die beschriebene Person ihre Arme Richtung Bildmitte und hält eine goldene Krone in den behandschuhten Händen. Der Mantel und die Geste zusammen verdecken mehrere im Hintergrund befindliche Anwesende.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Themenvorstellung: Das Kapitel führt in die Bedeutung des Bildeinsatzes im Geschichtsunterricht ein und begründet die methodische Herangehensweise anhand kunsthistorischer Analyseschritte.
2. Schritte der historischen Bildkunde: Hier werden die theoretischen Analysemodelle nach Rainer Wohlfeil und Erwin Panowsky vorgestellt, die als Grundlage für die methodische Arbeit mit Bildquellen dienen.
3. Analyse der Apotheose des Kaisertums: In diesem Hauptteil wird das Gemälde von Hermann Wislicenus detailliert nach den drei Ebenen der Bildanalyse (Vorikonographie, Ikonographie und Ikonologie) untersucht.
4. Der praxisorientierte Unterrichtsentwurf: Dieses Kapitel transferiert die theoretischen Ergebnisse in einen konkreten Unterrichtsentwurf für die 10. Klasse, inklusive Aufgabenstellungen zur Recherche und Quellenarbeit.
5. Schluss: Chancen und Möglichkeiten des Einsatzes von Bildern im GU: Das Fazit reflektiert die Stärken und Herausforderungen beim Einsatz von Bildmedien im Unterricht und unterstreicht deren Wert für nachhaltige Lernerfolge.
Schlüsselwörter
Geschichtsdidaktik, Historische Bildkunde, Bildanalyse, Hermann Wislicenus, Reichsgründung, Kaiserreich, Methodenkompetenz, Sachkompetenz, Quellenkritik, Unterrichtsentwurf, Visualisierung, Geschichtsunterricht, Interpretation, Ikonologie, Preußen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die methodische Nutzung von Bildern als historische Quellen im Geschichtsunterricht am Beispiel des Gemäldes „Apotheose des Kaisertums“ von Hermann Wislicenus.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Bildkunde, der Interpretation von Geschichtsbildern und der praktischen Anwendung dieser Methoden in einem Unterrichtskontext.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, ein systematisches Analyseverfahren aufzuzeigen, das es Schülern ermöglicht, Bilder nicht nur als Illustrationen, sondern als interpretierbare historische Quellen wahrzunehmen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird die Methode der „Historischen Bildkunde“ nach Rainer Wohlfeil angewandt, die auf dem Modell von Erwin Panowsky basiert und in Vorikonographie, Ikonographie und Ikonologie unterteilt ist.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil erfolgt eine detaillierte deskriptive und analytische Untersuchung des Gemäldes von Wislicenus sowie die Erarbeitung eines didaktischen Konzepts für eine 90-minütige Unterrichtseinheit.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Methodenkompetenz, Quellenkritik, Bildquelle, historischer Erkenntnisgewinn und die fachdidaktische Förderung durch visuelle Medien.
Welche Rolle spielt der Künstler Hermann Wislicenus in der Analyse?
Sein Werk dient als zentrales Fallbeispiel, wobei insbesondere die Intention der offiziellen Auftraggeber und die stilisierte Darstellung der Reichsgründung kritisch hinterfragt werden.
Wie werden die historischen Ungenauigkeiten im Bild bewertet?
Der Autor ordnet diese als bewusste Deutungsversuche oder Rechtfertigungen ein, da historische Fakten für die Repräsentation des Kaisertums teils gezielt verändert oder idealisiert wurden.
Warum wird im Unterrichtsentwurf der Fokus auf Zeitzeugenaussagen gelegt?
Dies soll bei den Schülern eine Perspektivübernahme fördern, die ihnen hilft, die Komplexität und die emotionalen Spannungen des deutsch-französischen Verhältnisses nach 1871 zu verstehen.
- Arbeit zitieren
- Gregor Grohmann (Autor:in), 2014, Die "Apotheose des Kaisertums" von Hermann Wislicenus. Eine (kunst-)historische Bildanalyse im Geschichtsunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/315016