Diese Arbeit beschäftigt sich gezielt mit Nigeria als potentielle Regionalmacht. Es soll der Auftritt sowie seine Vorgehensweise im liberianischen Bürgerkrieg untersucht werden. Anhand verschiedener Indikatoren, die sich etwa auf das sicherheitspolitische Verhalten beziehen, soll analysiert werden inwieweit Nigeria als regionaler Hegemon betrachtet werden kann. Folgende Fragestellung soll diesbezüglich Zielführend sein: „Kann Nigeria aufgrund seines missionarischen Auftritts im liberianischen Bürgerkrieg als
regionaler Hegemon in Westafrika betrachtet werden?“
Zunehmend weisen prospektive Studien auf eine Verschiebung aufstrebender und stagnierender Wirtschaftsmächte in den nächsten Dekaden hin (Nolte 2006: 6). Ursprünglich wurden Konzepte zur Untersuchung von Hegemonie für Staaten entwickelt, die außerhalb des afrikanischen Kontinents liegen. Bei der Anwendung im afrikanischen Kontext müssen die komplexen Dynamiken der regionalen Beziehungen berücksichtigt werden. Allgemein lässt sich konstatieren, dass vergleichende Studien über die Außenpolitik in Afrika große Lücken aufweisen. Von der Vielzahl theoretischer Ansätze zur Erklärung von Außen- und Sicherheitspolitik gingen nur wenige gedankliche Anregungen aus, die sich auf Afrika und die intraregionalen Beziehungen auf diesem Terrain sinnvoll anwenden lassen (Körner 1996: 42ff).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Regionale Hegemonie
2.1 Selbst- und Fremdwahrnehmung
2.2 Vermittlung und Übertragung von Werten
2.3 Bereitstellung öffentlicher Güter
2.4 Die Einbettung regionaler Hegemone in das internationale System
3. Nigerias Umgang mit Liberia
3.1 Die Selbstwahrnehmung des regionalen Hegemon
3.2 Das regionale Akzeptanzniveau der Sekundärstaaten
3.3 Nigerias Vermittlung von Werten in der westafrikanischen Region
3.4 Nigerias Bereitstellung öffentlicher Güter
3.5 Die Einbettung Nigerias in das internationale System
Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Rolle Nigerias als potenzielle Regionalmacht in Westafrika, wobei der Fokus insbesondere auf dem militärischen und diplomatischen Eingreifen im liberianischen Bürgerkrieg liegt, um den Hegemonialstatus des Landes kritisch zu analysieren.
- Analyse von Hegemoniekonzepten im afrikanischen Kontext
- Untersuchung der Selbst- und Fremdwahrnehmung Nigerias
- Evaluation des Einflusses durch ECOMOG im Liberia-Konflikt
- Betrachtung der ökonomischen Dominanz und Bereitstellung öffentlicher Güter
- Einordnung Nigerias in das globale internationale System
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Selbstwahrnehmung des regionalen Hegemon
In diesem Abschnitt soll das außenpolitische Selbstverständnis Nigerias untersucht werden. Es soll aufgezeigt werden, inwiefern sich Nigeria selbst als hegemoniale Macht wahrnimmt.
Bis zum Ende der südafrikanischen Apartheid sah sich Nigeria zweifellos als einzige kontinentale Großmacht in Afrika. Das primäre außenpolitische Ziel lag in der Befreiung Afrikas von der Fremdherrschaft durch die Unterstützung der antikolonialen Befreiungsbewegung und der Frontline-Staaten im südlichen Afrika. Nigeria erwies sich als wichtigste ausländische Stütze sowie als großzügigster Geber des African National Congress (ANC). In Anbetracht der Tatsache, dass Nigeria zwei Jahrzehnte den Vorsitz des UN-Ausschusses gegen die Apartheid führte, bezeichnete es sich selbst als Frontline Staat. Diese Ära, in der Nigeria unter in Kaufnahme hoher Kosten die Antikolonialisierung unterstützt hat, prägt das Land und seine Selbstwahrnehmung bis heute.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik ein und definiert die Forschungsfrage, ob Nigeria aufgrund seines Auftritts im liberianischen Bürgerkrieg als regionaler Hegemon in Westafrika betrachtet werden kann.
2. Regionale Hegemonie: Dieses Kapitel erläutert theoretische Grundlagen zu Regionalmächten und führt Indikatoren wie Wahrnehmung, Wertprojektion und Bereitstellung öffentlicher Güter ein.
3. Nigerias Umgang mit Liberia: Hier wird das theoretische Konzept auf den konkreten Fall des Bürgerkriegs in Liberia angewendet, um das hegemoniale Handeln Nigerias anhand verschiedener Dimensionen zu überprüfen.
Fazit: Das Fazit stellt fest, dass Nigeria zwar regional einflussreich ist und sicherheitspolitische Verantwortung übernimmt, jedoch aufgrund innenpolitischer Defizite keine global anerkannte hegemoniale Vormachtstellung genießt.
Schlüsselwörter
Nigeria, Regionalmacht, Hegemonie, Westafrika, Liberia, ECOMOG, Außenpolitik, Sicherheitspolitik, ECOWAS, Regionale Integration, Machtpolitik, Internationale Beziehungen, Soft Power, Nationale Sicherheit, Konfliktanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das sicherheitspolitische Auftreten Nigerias in der westafrikanischen Region, insbesondere während des Bürgerkriegs in Liberia, um den Status des Landes als regionaler Hegemon zu bewerten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind Hegemonietheorien im afrikanischen Kontext, die Rolle Nigerias in regionalen Organisationen wie der ECOWAS sowie die Wechselwirkung zwischen innenpolitischen Defiziten und außenpolitischem Machtanspruch.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Leitfrage lautet: „Kann Nigeria aufgrund seines missionarischen Auftritts im liberianischen Bürgerkrieg als regionaler Hegemon in Westafrika betrachtet werden?“
Welche wissenschaftliche Methode wird für die Analyse verwendet?
Es wird ein indikatorenbasierter Ansatz verwendet, der auf den Kategorien von Miriam Prys basiert (Selbst- und Fremdwahrnehmung, Vermittlung von Werten, Bereitstellung öffentlicher Güter) und diese auf das Fallbeispiel Liberia anwendet.
Was wird im Hauptteil des Buches detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung des Regionalmachtkonzepts und die anschließende empirische Analyse Nigerias in Bezug auf sein Selbstverständnis, seine Akzeptanz bei Nachbarstaaten und seine Einbettung in das internationale System.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlagworte sind Regionalmacht, Hegemonie, ECOMOG, Liberia-Konflikt, Außenpolitik und regionale Integration.
Warum wird der liberianische Bürgerkrieg als Fallbeispiel gewählt?
Der Konflikt dient als empirisches Feld, um zu prüfen, ob Nigeria tatsächlich bereit und in der Lage ist, regional die Rolle eines stabilisierenden Hegemons zu übernehmen und diese Ansprüche auch praktisch durchzusetzen.
Zu welchem zentralen Schluss kommt der Autor?
Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass Nigeria zwar eine Vormachtstellung in der westafrikanischen Sicherheitspolitik einnimmt, diese jedoch aufgrund innenpolitischer Korruption und wirtschaftlicher Instabilität nicht auf eine globale Ebene übertragen kann.
- Arbeit zitieren
- Elisa Lina Wege (Autor:in), 2012, Regionale Hegemonie oder Selbstüberschätzung? Der Auftritt Nigerias im liberianischen Bürgerkrieg, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/314070