Seit einigen Jahren ist der Konflikt zwischen der westlichen und islamischen Welt eines der aktuellsten außenpolitischen Themen in den westlichen Nationen.
Dementsprechend thematisieren die westlichen Medien dieses Thema, wobei jedoch die äußerst komplexe Konfliktlage häufig vereinfacht dargestellt wird. Es werden bei der Thematisierung dieses Konfliktes durch die Presse oft Verstöße der islamischen Länder gegen die Menschenrechte gemeldet.
In unserer westlichen Gesellschaft existieren viele Vorurteile bezüglich der islamischen Welt, welche zum Teil von den Medien verstärkt werden. Insbesondere der Vorurteil, dass alle islamischen Länder Frauen und deren Rechte unterdrücken und somit der Islam generell nicht mit den Menschenrechten vereinbar ist, ist an dieser Stelle weit verbreitet.
In der vorliegenden Hausarbeit soll eine kritische Auseinandersetzung mit diesem Vorurteil stattfinden.
Es wird dabei die zentrale Fragestellung verfolgt, ob eine Vereinbarung mit dem Islam in Bezug auf die Rechte der Frau mit den Menschenrechten möglich ist oder nicht.
Dabei sollen zuerst die allgemeinen Begrifflichkeiten der Menschenrechte sowie die des Islams näher erläutert werden.
Hierbei wird auf eine ausführliche Thematisierung der Inhalte der allgemeinen Menschenrechtserklärungen an dieser Stelle verzichtet, da dies den Rahmen der Hausarbeit sprengen würde.
Vielmehr soll eine allgemeine Übersicht über die Entstehungshintergründe sowie die unterschiedlichen Formen der Menschenrechte (hier: Frauenrechtskonvention sowie islamische Menschenrechtserklärungen) erfolgen.
Im darauf folgenden Teil dieser Arbeit erfolgt eine Auseinandersetzung mit der Stellung der Frau im Islam in Abhängigkeit von den Menschenrechten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Menschenrechtserklärungen
2.1 Hintergründe
2.2 Frauenrechtskonvention
2.3 Islamische Menschenrechtserklärungen
3. Islam
3.1 Unterschiede zum Christentum
3.2 Islamisches Recht
4. Die Frau im Islam
4.1 Abgrenzung westlicher und islamischer Lebensweisen
4.2 Rechtliche Gleichheit von Mann und Frau
4.3 Religiöse Gleichheit von Mann und Frau
5. Konflikte zwischen Islam und Menschenrechten
5.1 Menschenrechte und Scharia – Konflikte
5.2 Menschenrechte in islamischen Ländern
5.3 Menschenrechte und Frauenrechte – Konflikte
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Hausarbeit untersucht kritisch das Vorurteil, dass der Islam grundsätzlich nicht mit den Menschenrechten vereinbar sei. Zentrales Ziel ist die Beantwortung der Forschungsfrage, ob eine Vereinbarung zwischen den Rechten der Frau im Islam und allgemeinen Menschenrechtskonventionen möglich ist, wobei insbesondere die Rolle religiöser Texte und deren Interpretation analysiert wird.
- Grundlagen der Menschenrechte und ihrer Entstehung
- Vergleich der religiösen Strukturen von Islam und Christentum
- Rechtliche und religiöse Stellung der Frau im Islam
- Konfliktlinien zwischen der Scharia und westlichen Menschenrechtsvorstellungen
- Diskussion über die Möglichkeiten der Vereinbarkeit von Islam und Menschenrechten
Auszug aus dem Buch
4.1 Abgrenzung westlicher und islamischer Lebensweisen
Viele Menschen aus den westlichen Gesellschaften betrachten den Islam als Paradebeispiel für die Unterdrückung der Frau. Der im Westen gängigen Meinung nach muss sich die Frau im Islam dem Mann unterordnen, hat sich zu verschleiern und darf nichts unternehmen ohne die ausdrückliche Erlaubnis ihres Ehemannes.
Allerdings wird dabei die Lebensweise und Weltanschauung von Muslimen kaum verstanden. Für die westliche Lebensweise ist ein Individualitätsdenken charakteristisch, die Menschen versuchen sich mehr und mehr von den herkömmlichen Rollenvorstellungen zu emanzipieren. Freiheit gilt als hohes Gut, man möchte sein Leben nach eigenen individuellen Vorstellungen und Werten leben können. Werthaltungen pluralisieren sich und es entsteht eine Mannigfaltigkeit an unterschiedlichen Lebensstilen. Die Geschlechterrollen gleichen sich aneinander an durch eine große Freiheit der Rollenwahl. Es werden Gesetze geschaffen, die Männern Elternzeit ermöglichen und Frauen entscheiden sich gegen Kinder aufgrund von beruflichen Karrierebedürfnissen.
Im Gegensatz dazu ist im Islam die Familie der wichtigste Bestandteil des Lebens, nicht die Individualität. Die Vorstellung, dass ein Individuum aus allen seinen herkömmlichen Rollen heraustreten kann um Individualisierungsprozesse zu durchleben, ist den Muslimen völlig fremd. Es herrscht vielmehr die Vorstellung, dass insbesondere das Geschlecht den Menschen ihre Rollen in der Gesellschaft vorgibt. Das Geschlecht legt sowohl Einschränkungen als auch Möglichkeiten auf. Demzufolge sind die Menschen nicht als völlig gleich zu betrachten. Gerechtigkeit wird geschlechtsspezifisch angesehen. Sowohl Männer als auch Frauen haben unterschiedliche Fähigkeiten, aus denen sich verschiedene Aufgaben und Pflichten in der Gesellschaft und vor Gott ergeben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Spannungsfeld zwischen westlichen Vorurteilen über den Islam und der komplexen Realität ein, mit dem Ziel, die Vereinbarkeit von Frauenrechten im Islam mit allgemeinen Menschenrechten zu hinterfragen.
2. Menschenrechtserklärungen: Dieses Kapitel erläutert die historischen Hintergründe der Menschenrechte, die Bedeutung der Frauenrechtskonvention (CEDAW) und die Besonderheiten sowie kritische Einordnung islamischer Menschenrechtserklärungen.
3. Islam: Das Kapitel arbeitet die fundamentalen Unterschiede zwischen Christentum und Islam heraus und beleuchtet die Rolle des Korans sowie des islamischen Rechtssystems (Scharia).
4. Die Frau im Islam: Hier wird die divergierende Lebensweise von Westen und Islam verglichen sowie die rechtliche und religiöse Stellung der Frau detailliert analysiert.
5. Konflikte zwischen Islam und Menschenrechten: Dieses Kapitel thematisiert die Kollisionen zwischen Scharia und Menschenrechten, beleuchtet die Lage in islamischen Ländern und diskutiert die Kritik an androzentrischen Menschenrechtsverständnissen.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Vereinbarkeit von Islam und Menschenrechten maßgeblich von der Art der Interpretation und dem Verzicht auf vermittelnde Instanzen abhängt.
Schlüsselwörter
Menschenrechte, Islam, Frauenrechte, Scharia, Koran, Unterdrückung, Geschlechterrollen, Rechtsgelehrte, Emanzipation, Vereinbarkeit, Interpretation, Religionsfreiheit, Traditionen, Gesellschaft, Familienwerte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit setzt sich kritisch mit dem verbreiteten Vorurteil auseinander, dass der Islam per se nicht mit universellen Menschenrechten vereinbar sei und Frauen in islamischen Ländern systematisch unterdrücke.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Themen gehören die Grundlagen des Menschenrechtsbegriffs, der Vergleich zwischen christlichen und islamischen Glaubensgrundlagen, die Rolle des islamischen Rechts (Scharia) sowie die spezifische Lebenswirklichkeit von Frauen in islamischen Gesellschaften.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, ob eine Vereinbarung zwischen den Rechten der Frau im Islam und den allgemeinen Menschenrechtskonventionen möglich ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Analyse und Auseinandersetzung mit Fachliteratur sowie die kritische Interpretation religiöser Quellen und bestehender Menschenrechtserklärungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Hintergründe von Menschenrechten, die rechtliche und religiöse Stellung der Frau, die Konflikte mit der Scharia sowie die philosophischen Debatten um die Interpretation religiöser Texte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Menschenrechte, Islam, Frauenrechte, Scharia, Koran, Interpretation und Geschlechterrollen.
Warum wird im Text die „Buchhörigkeit“ des Islams kritisiert?
Die Kritik bezieht sich auf die Gefahr, dass durch starre Interpretationen religiöser Texte der eigentliche Sinn verloren gehen kann, wobei Nawal El-Saadawi argumentiert, dass Vermittler und feste Schriftauslegungen den direkten Bezug des Menschen zu Gott verfälschen könnten.
Wie steht die Autorin zur These, dass die Unterdrückung der Frau niemals durch den Islam zu begründen sei?
Die Autorin bewertet diese These als nur bedingt zustimmungsfähig, da sie einräumt, dass der Islam zwar Verbesserungen gegenüber früherer Zustände gebracht hat, jedoch weiterhin erhebliche rechtliche Benachteiligungen von Frauen bestehen bleiben.
- Arbeit zitieren
- Isabel Seibel (Autor:in), 2013, Die Stellung der Frau im Islam unter Berücksichtigung allgemeiner Menschenrechtskonventionen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/302024