Unter Organisationsentwicklung versteht man einen geplanten, langfristigen und organisationsumfassenden Entwicklungs- und Veränderungsprozess. Es werden unternehmensweit Lernprozesse in Gang gesetzt, an denen sich alle Mitarbeiter aktiv beteiligen. Es handelt sich somit um einen ganzheitlichen, evolutionären Ansatz zur langfristigen Veränderung einer gesamten Organisation.
Dabei verfolgt die Organisationsentwicklung zwei Ziele: Neben einer Steigerung der Produktivität will man auch die Lebens- und Arbeitsqualität sowie die Fähigkeit zur Problemlösung innerhalb der Organisation verbessern. Die Organisationsentwicklung ist kein einheitlicher Ansatz, sondern eher eine Bezeichnung für viele unterschiedliche Methoden und Techniken. Die Veränderung der Organisationsstruktur und die dazu notwendigen Lernprozesse der Mitarbeiter stehen dabei im Vordergrund.
Immer häufiger wird in der Organisations- und Managementtheorie ein Konzept zur Organisationsentwicklung diskutiert: Die „lernende Organisation“. Hintergrund dieser Debatte ist die Entmaterialisierung der Wertschöpfung. Der größte Anteil der Wertschöpfung vieler Produkte wird nicht mehr durch Maschinen und Gebäude, sondern durch Wissen erzeugt. Die Interaktion von Wissen und Produkten wird in einer neuen Verschränkung mit der Arbeit zu einem eigenständigen Produktivitätsfaktor innerhalb eines Unternehmens. Wissen und dessen Management wird zu einer zentralsten Aufgabe zukunftsorientierter Unternehmen. Bei Computer- und Netzwerktechnik, Mobiltelefonen, Hifi-Technik, Healthtechnologie, sowie bei Kraftfahrzeugen etc., wird das Wissenskapital zu einer immer wichtigeren Ressource im internationalen Wettbewerb. Das Know-How ist somit einer der entscheidenden Größen im Kampf um Wettbewerbsvorteile.
In der Fachliteratur wird häufig von der lernenden Organisation gesprochen. Es wird unterstellt, dass eine Organisation lernt. Diese Ausdrucksweise verschmäht jedoch, dass eine Organisation ein Zusammenspiel von Akteuren ist, so dass nicht die Organisation an sich lernt, sondern deren Akteure lernen. Das Lernen von Organisationen erschöpft sich jedoch andererseits auch nicht allein in dem individuellen Lernen der Mitarbeiter.
Inhaltsverzeichnis
1 Lernende Organisation als Mittel zur kontinuierlichen Organisationsentwicklung
2 Definition und Idee der lernenden Organisation
2.1 Lernende Organisation in seinen Grundzügen
2.2 Organisationales Lernen aufgrund von Wechselwirkungen zwischen individuellem und kollektiven Wissen
2.3 Wirkungsvolles Organisationslernen
2.3.1 Anpassungslernen (single-loop learning)
2.3.2 Veränderung der Reaktionsfähigkeit (double-loop learning)
2.3.3 Das Lernen erlernen (Deutero learning)
2.4 Vorteile der lernenden Organisation
3 Organisationales Lernen als systemorientiertes Veränderungskonzept im Zuge des Change Managements
3.1 Schwierigkeiten einer lernenden Organisation
3.2 Praxisbeispiel einer lernenden Organisation
4 Perspektiven einer lernenden Organisation
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Konzept der lernenden Organisation als zentrales Element der Organisationsentwicklung und des Change Managements. Ziel ist es, die theoretischen Grundlagen des organisationalen Lernens zu beleuchten und aufzuzeigen, wie Unternehmen durch den effektiven Wissenstransfer und die Förderung individueller sowie kollektiver Lernprozesse Wettbewerbsvorteile sichern können.
- Theoretische Abgrenzung von Lernformen (Single-, Double-Loop und Deutero-Learning)
- Wechselwirkungen zwischen individuellem Wissen und kollektiver Organisationskultur
- Herausforderungen und Barrieren bei der Implementierung des Konzepts
- Praxisnahe Anwendung des Modells am Beispiel des Unternehmens 3M
Auszug aus dem Buch
3.2 Praxisbeispiel einer lernenden Organisation
Einige Unternehmen haben sich bereits mit dem Konzept der lernenden Organisation auseinandergesetzt. Das hier beschriebene Praxisbeispiel für die Ansätze einer lernenden Organisation findet innerhalb des Multi-Technologieunternehmen 3M statt.
Das heutige Unternehmen 3M wurde im Jahr 1902 unter dem Namen Minnesota Mining Manufacturing Company gegründet. Die ersten Produkte stellten Schleifmittel für den Bergbau dar. Aus diesem Zuliefererbetrieb für den Bergbaubedarf hat sich ein Weltkonzern ausgebildet, der heute in über 70 Ländern agiert. Global arbeiten ca. 89.000 Mitarbeiter für 3M. Das Unternehmen stellt mehr als 50.000 unterschiedliche Produkte auf der Basis von 47 Technologieplattformen und über 25.000 Patenten her.
Der Unternehmensname 3M ist gleichzeitig die bekannteste Marke und fungiert als Dachmarke für die meisten Produkte. Das Portfolio des Unternehmens ist sehr breit gefächert und erstreckt sich von Hochleistungsklebestoffen für die Automobil- und Flugzeugproduktion über Schleifmittel für Handwerksbetriebe bis hin zu medizinischen Einwegprodukten wie bspw. Pflaster. 3M gelingt es fortwährend erneut, durch Erfindergeist im Unternehmen und kreative Kreuzungen von Produktfamilien innovative Produkte und Neuerungen auf dem Markt zu etablieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Lernende Organisation als Mittel zur kontinuierlichen Organisationsentwicklung: Einführung in die Notwendigkeit von Lernprozessen im Kontext der zunehmenden Entmaterialisierung der Wertschöpfung.
2 Definition und Idee der lernenden Organisation: Erläuterung der theoretischen Grundlagen und der verschiedenen Stufen organisationalen Lernens von Anpassungslernen bis hin zum Lernen des Lernens.
3 Organisationales Lernen als systemorientiertes Veränderungskonzept im Zuge des Change Managements: Diskussion der praktischen Implementierungsschwierigkeiten sowie Analyse von 3M als konkretes Unternehmensbeispiel.
4 Perspektiven einer lernenden Organisation: Kritische Würdigung der Zukunftsfähigkeit des Konzepts und der Anforderungen an Führung und Mitarbeiter.
Schlüsselwörter
Lernende Organisation, Organisationales Lernen, Change Management, Wissensmanagement, Single-Loop Learning, Double-Loop Learning, Deutero Learning, Organisationsentwicklung, Unternehmenskultur, Wissenskapital, Problemlösungskompetenz, Innovation, 3M, Mitarbeiterbindung, Kollektives Wissen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die „lernende Organisation“ als strategisches Konzept zur kontinuierlichen Organisationsentwicklung und zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit in einer wissensbasierten Wirtschaft.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Felder umfassen die Definition des organisationalen Lernens, die verschiedenen Stufen des Lernprozesses, die Verknüpfung mit Change-Management-Methoden und die praktische Anwendung bei 3M.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Funktionsweise einer lernenden Organisation zu analysieren und zu hinterfragen, wie individuelle Lernprozesse der Mitarbeiter systematisch in kollektiven Wissenszuwachs überführt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturgestützte Analyse, die durch die Fallstudie des Unternehmens 3M ergänzt wird, um theoretische Konzepte in der betrieblichen Praxis zu verdeutlichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Lernstufen (Single-, Double- und Deutero-Learning), die Vorteile des Konzepts sowie die Analyse von Implementierungshürden und deren Überwindung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Wissensmanagement, Lernkultur, organisatorische Flexibilität, individuelle Kompetenzentwicklung und kollektives Handeln.
Warum wird 3M als Praxisbeispiel herangezogen?
3M dient als Beispiel für ein Unternehmen, das durch eine Kultur der Eigeninitiative und kontinuierliche Technologieförderung erfolgreich organisationales Lernen in seine Strukturen integriert hat.
Welche Hauptprobleme bei der Umsetzung des Konzepts werden identifiziert?
Die Arbeit nennt insbesondere die abstrakte Formulierung des Konzepts, mangelnde konkrete Umsetzungspläne sowie psychologische Barrieren wie Angst und Desorientierung bei den Mitarbeitern.
- Arbeit zitieren
- Sten Hoffmann (Autor:in), 2014, Grundzüge und Charakteristika einer lernenden Organisation, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/285099