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Frauenhelden in edozeitlicher Prosa und Unterhaltungsserien des 21. Jahrhunderts. Ein Vergleich der Figuren Kōshoku Ichidai Otoko und Barney Stinson

Title: Frauenhelden in edozeitlicher Prosa und Unterhaltungsserien des 21. Jahrhunderts. Ein Vergleich der Figuren Kōshoku Ichidai Otoko und Barney Stinson

Academic Paper , 2012 , 19 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Benjamin Rusch (Author)

Orientalism / Sinology - Japanology

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Summary Excerpt Details

In der Literaturgeschichte Japans sind es vor allem drei bedeutende Romanfiguren, die nach westlichem Verständnis als »Frauenhelden« bezeichnet werden können: Prinz Genji aus dem Genji-monogatari von Murasaki Shikibu, Ariwara no Narihira, so wie er im Ise-monogatari beschrieben wird und Kōshoku Ichidai Otoko von Ihara Saikaku (1682). Nach dem Ende der Heian-Zeit (794-1185), in der Kultur und Literatur in Japan gediehen waren wie nie zu vor und die ersten beiden der eben genannten drei Werke ihren Ursprung fanden, entstanden in den darauffolgenden Jahrhunderten im Zuge der sich verhärtenden Gesellschaftsordnung, diktiert durch das bakufu, nur noch wenige literarische Klassiker. Eine Wende brachten die Kaufleute und Handwerker, die gegen Mitte des 17. Jahrhunderts durch ihre neu gewonnene wirtschaftliche Macht und dem damit verbundenen Zugang zu Bildungsmöglichkeiten eine Art Volkskultur schufen (Hibbett, 1952: 413; Benl, 1965: 293). Ihr erster und vielleicht wichtigster Vertreter, Ihara Saikaku, selbst einer wohlhabenden Familie von Händlern entstammend, vermochte es, das Leben dieser Bürgerschicht eindrucksvoll und realistisch zu beschreiben. So ist es wenig verwunderlich, dass sich das gesellschaftliche Umfeld von Saikakus Kōshoku Ichidai Otoko grundlegend von dem der heianzeitlichen Romanfiguren unterscheidet.
Auch in westlicher Literatur stellen die Abendteuer von Lebemännern ein häufig porträtiertes Thema dar (Don Juan, Giacomo Casanova etc.). Mehr als literarische Werke sind es im einundzwanzigsten Jahrhundert oft Filme und TV-Serien, die große Teile der Bevölkerung erreichen und durch ihre raffiniert konzipierten und plastisch beschriebenen Charaktere – oft kritisch – den Zeitgeist der modernen Gesellschaft wiederspiegeln. Die Figur des Barney Stinson aus der US-amerikanischen TV-Serie »How I Met Your Mother« wird als eine der wichtigsten Repräsentanten von Frauenhelden (womanizer) des gegenwärtigen Unterhaltungsfernsehens gesehen und so wagt die vorliegende Proseminararbeit einen Vergleich ihrer und der in der japanischen Literatur aufgrund ihres bürgerlichen Hintergrundes am ehesten dafür geeigneten Romanfigur des Kōshoku Ichidai Otoko. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Forschungsstand

1.2 Transkription und Übersetzungen

2 Ihara Saikaku

2.1 Leben

2.2 Schreibstil

3 Kōshoku Ichidai Otoko

4 Barney Stinson

5 Vergleich der Figuren Kōshoku Ichidai Otoko und Barney Stinson

5.1 Kōshoku und Liebe

5.2 Vermessenheit und Narzissmus

5.3 Darstellung der Frauen

6 Resümee

Zielsetzung & Themen

Diese Proseminararbeit untersucht die Parallelen und Unterschiede zwischen dem literarischen Frauenhelden Yonosuke aus Ihara Saikakus Werk "Kōshoku Ichidai Otoko" (1682) und der zeitgenössischen TV-Figur Barney Stinson aus "How I Met Your Mother". Dabei wird analysiert, wie trotz kultureller und zeitlicher Distanz bestimmte Charaktereigenschaften und soziale Rahmenbedingungen das Verhalten der Protagonisten prägen.

  • Vergleich von Liebesverständnis und Promiskuität
  • Analyse der Rolle von Vermessenheit und Narzissmus
  • Darstellung und gesellschaftliche Wahrnehmung der Frauenfiguren
  • Bedeutung von finanziellem Status für den Lebensstil
  • Rezeption von "Frauenhelden" in verschiedenen Epochen

Auszug aus dem Buch

Vermessenheit und Narzissmus

»Sieh mal einer an! Manche bemühen sich, von Kurtisanen geliebt zu werden, aber seht mich an! Ohne etwas von mir aus zu veranlassen, bekomme ich von einem Mädchen einen Liebesbrief. Sie schrieb, sie würde ohne mich sterben. Sie ist nicht nur Kurtisane, sondern sogar Tayu. Das kommt daher, dass ich ein schöner Mann bin. Ihr solltet es mir nachmachen!« – Yonosuke (Ihara, 1682: 228)

»When I get sad, I stop being sad and be Awesome Instead. True Story« – Barney Stinson

Vermessenheit ist laut Koh (2012: 32) der absolut überzeugte Glaube an die eigenen Fähigkeiten oder den eigenen Erfolg, ohne die Möglichkeit des Versagens auch nur in Betracht zu ziehen. Während Vermessenheit in den meisten Gesellschaften als negative Eigenschaft gilt, ist es gerade sie, die Frauenhelden ihren Charme verleiht. Überzeugung in die eigenen Fähigkeiten resultiert aus der Abschätzung der Höhe des möglichen Gewinns im Verhältnis zum maximal möglichen Verlust. Evolutionär bedingt tendieren Männer dazu, sexuelles Interesse von Frauen wahrzunehmen, auch wenn dieses nicht vorhanden ist. Dies kommt daher, dass eine negative Fehleinschätzung (die Frau zeigt kein Interesse obwohl welches wahrgenommen wird) einen geringen maximalen Verlust mit sich bringt, nämlich verschwendete Zeit, vielleicht Geld für ein Getränk etc. während allerdings eine positive Fehleinschätzung (Frau zeigt Interesse, dieses wird aber nicht erkannt) evolutionsbiologisch einen großen Verlust bedeutet, nämlich das Verstreichen einer Chance auf Fortpflanzung. (Koh, 2012: 36ff)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in das Thema der Frauenhelden in der japanischen Literatur und das zeitgenössische Pendant in US-amerikanischen TV-Serien, inklusive der Forschungsfrage.

1.1 Forschungsstand: Überblick über die akademische Auseinandersetzung mit Saikakus Werk und den Mangel an wissenschaftlicher Literatur zu Barney Stinson.

1.2 Transkription und Übersetzungen: Erläuterung der angewandten Romanisierung japanischer Begriffe und Quellenlage der Zitate.

2 Ihara Saikaku: Biografische Darstellung des Autors und Einordnung seines Schaffens in die Genroku-Epoche.

2.1 Leben: Details zum Lebenslauf Saikakus und seinem Werdegang vom Dichter zum Prosaautor.

2.2 Schreibstil: Analyse der literarischen Merkmale von Saikakus Werken, insbesondere der Haibun-Form.

3 Kōshoku Ichidai Otoko: Inhaltliche Zusammenfassung des Werkes und Charakterisierung des Protagonisten Yonosuke.

4 Barney Stinson: Porträt der TV-Figur aus "How I Met Your Mother" und ihre Funktion als "breakout character".

5 Vergleich der Figuren Kōshoku Ichidai Otoko und Barney Stinson: Synthese der gemeinsamen Verhaltensweisen und sozialen Bedingungen der beiden Protagonisten.

5.1 Kōshoku und Liebe: Untersuchung der unterschiedlichen Liebesbegriffe und deren Interpretation im historischen vs. modernen Kontext.

5.2 Vermessenheit und Narzissmus: Analyse, wie Selbstbewusstsein und Hochmut als treibende Kräfte bei der Verführung dienen.

5.3 Darstellung der Frauen: Gegenüberstellung der literarischen Darstellung von Kurtisanen bei Saikaku mit den zweidimensionalen Frauenbildern bei Barney Stinson.

6 Resümee: Zusammenfassendes Fazit über die Gemeinsamkeiten trotz kultureller Unterschiede und die Bewertung der beiden Frauenhelden.

Schlüsselwörter

Frauenheld, Kōshoku Ichidai Otoko, Barney Stinson, Ihara Saikaku, Edo-Zeit, How I Met Your Mother, Vermessenheit, Narzissmus, Literaturvergleich, Kulturwissenschaft, Frauenbild, Kurtisane, Medienwissenschaft, Promiskuität, Yonosuke

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit vergleicht die literarische Figur des Yonosuke aus der Edo-Zeit mit der modernen TV-Figur Barney Stinson im Hinblick auf ihr Auftreten als "Frauenheld".

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind die Definition von Liebe, das Auftreten von Narzissmus und Vermessenheit sowie die Darstellung und Rolle von Frauen in den jeweiligen Erzählungen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Verführungskunst und im Lebensstil dieser beiden ikonischen Figuren über kulturelle und zeitliche Grenzen hinweg aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um einen komparativen Ansatz, der literaturwissenschaftliche Analyse von Saikakus Werk mit medienwissenschaftlichen Beobachtungen moderner Seriencharaktere verknüpft.

Was steht im Hauptteil im Fokus?

Der Hauptteil analysiert spezifisch die Charaktereigenschaften, das Verständnis von "Liebe" (kōshoku) und die Darstellung der jeweiligen Frauenfiguren in beiden Medien.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Frauenheld, Kōshoku, Narzissmus, Edo-Kultur und moderne Medienrezeption.

Inwiefern unterscheidet sich das Liebesverständnis der beiden Figuren?

Während Yonosukes Liebesverständnis durch Saikaku eine emotionale und ästhetische Komponente erfährt, reduziert sich Barneys "Liebe" meist auf rein physische Eroberung.

Wie werden Frauen in den beiden Werken dargestellt?

Saikaku zeichnet Kurtisanen als gebildete, faszinierende Persönlichkeiten, während die Frauen bei Barney Stinson in der Serie oft sehr eindimensional und schematisch porträtiert werden.

Welche Rolle spielt der soziale Status für die Figuren?

Finanzielle Unabhängigkeit, sei es durch familiäres Erbe oder beruflichen Erfolg, ist bei beiden Figuren die notwendige Voraussetzung für ihren ausschweifenden Lebensstil.

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Details

Title
Frauenhelden in edozeitlicher Prosa und Unterhaltungsserien des 21. Jahrhunderts. Ein Vergleich der Figuren Kōshoku Ichidai Otoko und Barney Stinson
College
University of Tubingen  (Asien-Orient-Institut, Seminar für Japanologie)
Course
PS Kulturgeschichte Japans
Grade
1,3
Author
Benjamin Rusch (Author)
Publication Year
2012
Pages
19
Catalog Number
V282729
ISBN (eBook)
9783656819059
ISBN (Book)
9783656819066
Language
German
Tags
frauenhelden prosa unterhaltungsserien jahrhunderts vergleich figuren kōshoku ichidai otoko barney stinson
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Benjamin Rusch (Author), 2012, Frauenhelden in edozeitlicher Prosa und Unterhaltungsserien des 21. Jahrhunderts. Ein Vergleich der Figuren Kōshoku Ichidai Otoko und Barney Stinson, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/282729
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