Zu Beginn wird in einem kurzen Abschnitt auf allgemeine Fakten zur näheren Definition des Begriffs der Vergangenheitsbewältigung eingegangen, um danach mit dem Umgang aus heutiger Sicht fortzufahren.
Der Hauptteil der Hausarbeit wird in unterschiedliche Abschnitte eingeteilt, die sich mit den verschiedenen Epochen des Verarbeitungsprozesses beschäftigen. Zu Beginn wird erläutert, wie die Menschen in der jungen Bundesrepublik mit dem Erbe des Krieges und des Nationalsozialismus umgegangen sind, dass eine Mehrheit der Bevölkerung aus verschiedenen Gründen eine Verdrängung einer Aufarbeitung vorgezogen hat, dass eine Entnazifizierung nicht vollends vollzogen wurde.
Der zweite Abschnitt wird sich mit dem langsamen Verschwinden des Dogmas des Schweigens seitens der Deutschen in Bezug auf ihre Vergangenheit beschäftigen.
Im dritten Abschnitt wird die 68er Generation und die damit verbundene großflächige Aufarbeitung der deutschen Gesellschaft mit ihrer Vergangenheit thematisiert. Ein weiteres Augenmerk dieses Abschnittes wird der Film „Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss“ darstellen, welcher nach Erscheinen eine Welle der Entrüstung und des Entsetzens lostrat, da zum ersten Mal der deutschen Öffentlichkeit ein Bild zu den Geschichten und Erzählungen der Leiden der Juden in den Konzentrationslagern geliefert wurde.
Der vierte Abschnitt wird sich mit den 80er Jahren beschäftigen. Hier wird die Rede vor dem Bundestag von Richard von Weizsäcker zum 40. Jubiläum der deutschen Kapitulation im zweiten Weltkrieg vom 08.05.1985 behandelt, welche als Einschnitt in der Verarbeitung der Deutschen mit ihrer eigenen Geschichte gilt. Außerdem wird noch kurz auf den Historikerstreit eingegangen.
In einem kurzen Abschnitt nach dem Hauptteil möchte ich noch auf die Person Graf Schenck von Stauffenbergs eingehen, welchem in der Bundesrepublik ein zentraler Platz bei der Verarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit eingeräumt wurde. Hier sollen die Person und die politischen Überzeugungen, sowie Ziele, Stauffenbergs aufgezeigt werden, damit deutlich wird, wieso die Bundesrepublik Deutschland in Bezug auf die Verarbeitung und Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit den Adligen zu ihrer Galionsfigur erklärt hat.
Abschließend sollen in einem kurzen Fazit nochmals alle erarbeiteten Fakten zusammengefasst werden und eine differenzierte Auseinandersetzung mit ihrer Gültigkeit und Tragkraft stattfinden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Allgemeine Begriffserklärung „Vergangenheitsbewältigung“
3. Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit in der BRD
3.1 Verdrängung in den 50ern
3.2 Aufarbeitung in den 60ern
3.3 Offene Auseinandersetzung in den 70ern
3.4 Wandel ab den 80ern
4. Die Bedeutung Graf Schenk von Stauffenbergs
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den historischen Prozess der Auseinandersetzung der deutschen Gesellschaft mit der nationalsozialistischen Vergangenheit in der Bundesrepublik Deutschland und analysiert, wie sich der gesellschaftliche Umgang mit diesem Erbe über verschiedene Jahrzehnte hinweg gewandelt hat.
- Phasen der Vergangenheitsbewältigung: Von der frühen Verdrängung zur kritischen Aufarbeitung
- Die Rolle der 68er-Generation bei der Thematisierung des Nationalsozialismus
- Einfluss medialer Ereignisse, wie des Films „Holocaust“, auf das öffentliche Bewusstsein
- Die symbolische Funktion von Graf Schenk von Stauffenberg im deutschen Erinnerungsdiskurs
- Die Bedeutung der Rede Richard von Weizsäckers als Zäsur in der deutschen Erinnerungskultur
Auszug aus dem Buch
3.3. Offene Auseinandersetzung in den 70ern
Die durch die 68er vorangetriebene Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit erreichte in den 70er Jahren nie dagewesene Ausmaße. Die Kinder der sogenannten Tätergeneration waren erwachsen und interessierten sich ihrerseits für die Geschichte ihrer Eltern und wollten nicht selten in Erfahrung bringen, inwieweit ihre Familienangehörigen in die Verbrechen verwickelt waren. Mit wachsendem Abstand stieg aber nicht nur das persönliche Interesse der deutschen Bevölkerung, sondern auch die Wissenschaft zeigte sich mehr und mehr interessiert die so lange totgeschwiegene Periode in der deutschen Geschichte aufzuarbeiten, zu analysieren und zu erforschen. Aufklärung fand immer öfter durch Zeitgeschichtsforscher, staatliche Einrichtungen und die Medien statt, weniger über persönliche Berichte von Zeitzeugen in der eigenen Familie. Auch die jüdischen Remigranten oder deren Nachkommen, die ihrerseits nach langer Abwesenheit den Weg zurück nach Deutschland suchten, sorgten mit Fragen oder Anschuldigungen dafür, dass die Vergangenheit in der deutschen Öffentlichkeit thematisiert wurde.
Der 1979 ausgestrahlte Fernsehfilm „Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss“ stellte im Prozess der Aufarbeitung eine weitere Zäsur dar, da durch die telemediale Darbietung zum allerersten Mal Verfolgung, Ausgrenzung, Unterdrückung, Leid und Qualen der jüdischen Bevölkerung nicht nur durch Berichte und Aussagen, sondern durch eine plastische Darstellung der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Hatte man vorher lediglich Zeugenaussagen von ehemaligen Insassen gehört oder gelesen oder eventuell einzelne Bilder, die von Soldaten gemacht wurden, die ein Konzentrationslager befreiten, gesehen, war die visuelle Darstellung in Form eines Fernsehfilms eine völlig neue Dimension der Konfrontation der breiten deutschen Masse mit der eigenen Geschichte. Gab es bereits zu Zeiten der Auschwitz-Prozesse rege Diskussionen in der Öffentlichkeit, so steigerte sich deren Intensität um ein Vielfaches. Diese enorme Wirkung auf die breite Masse war nur möglich, weil er auf die drei Mittel „des populären Massenmediums „Geschichtsfilm“ […] [setzte]: Personalisierung, Emotionalisierung, Dramatisierung.“ Ebendiese Tatsache macht den Film für die Geschichtswissenschaft eigentlich unbrauchbar, doch scheint es so, als ob die Deutschen dieses telemediale Werk gebraucht haben, um sich für die Geschichtswissenschaft und ihre Tragweite in Bezug auf die eigene nationalsozialistische Vergangenheit klar zu werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Zielsetzung ein, die historische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus in der Bundesrepublik Deutschland anhand verschiedener Zeitepochen darzustellen.
2. Allgemeine Begriffserklärung „Vergangenheitsbewältigung“: Hier wird der komplexe Begriff der Vergangenheitsbewältigung definiert und dessen Entwicklung von justiziellen Maßnahmen hin zu einer modernen Erinnerungskultur beleuchtet.
3. Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit in der BRD: Dieses Kapitel skizziert in vier Unterkapiteln den Wandel von der anfänglichen Verdrängung in den 1950er Jahren über die Aufarbeitung in den 1960ern und 1970ern bis hin zu den Veränderungen ab den 1980er Jahren.
4. Die Bedeutung Graf Schenk von Stauffenbergs: Dieser Abschnitt analysiert, warum Stauffenberg in der Bundesrepublik als zentrale Galionsfigur des Widerstands stilisiert wurde, trotz seiner eigenen nicht-demokratischen Überzeugungen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die kontinuierliche Entwicklung des deutschen Umgangs mit der NS-Vergangenheit zusammen und stellt kritische Fragen an die mediale Aufarbeitung der Geschichte.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Vergangenheitsbewältigung, Bundesrepublik Deutschland, Erinnerungskultur, Auschwitz-Prozesse, 68er-Generation, Holocaust, Historikerstreit, Richard von Weizsäcker, Graf Schenk von Stauffenberg, Widerstand, Zeitgeschichte, Aufarbeitung, Identitätsbildung, Verdrängung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie sich die deutsche Gesellschaft seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland mit der nationalsozialistischen Vergangenheit und den damit verbundenen Verbrechen auseinandergesetzt hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Phasen der Verdrängung, die justizielle Aufarbeitung, den Einfluss der Studentenbewegung (68er), die Wirkung des Films „Holocaust“ sowie die symbolische Bedeutung von Widerstandsfiguren.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, den chronologischen Wandel im gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Umgang mit der NS-Vergangenheit aufzuzeigen und zu analysieren, wie Deutschland den Weg von der Verdrängung zur Etablierung einer Erinnerungskultur fand.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historischen und analytischen Aufarbeitung, bei der Literatur und zeitgeschichtliche Ereignisse wie Reden, Prozesse und mediale Darstellungen interpretiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Jahrzehnte (50er bis 80er Jahre), um die dynamischen Veränderungen in der deutschen Gesellschaft bei der Aufarbeitung des Nationalsozialismus nachzuzeichnen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Vergangenheitsbewältigung, Erinnerungskultur, historische Identität, NS-Aufarbeitung und medialer Einfluss charakterisieren.
Warum wurde Graf Schenk von Stauffenberg in der Bundesrepublik als Galionsfigur gewählt?
Stauffenberg diente als wichtiges Symbol, um aufzuzeigen, dass es auch innerhalb der deutschen Wehrmacht Widerstand gegen das NS-Regime gab, was für die Identitätsbildung der jungen Bundesrepublik von hoher Bedeutung war.
Welche Rolle spielte der Film „Holocaust“ von 1979 für die Erinnerungskultur?
Der Film wirkte als Zäsur, da er durch seine visuelle und dramatische Aufbereitung die breite Öffentlichkeit erstmals emotional und unmittelbar mit den Schrecken des Holocaust konfrontierte.
Wie bewertet der Autor die mediale Aufarbeitung durch Dokumentationen, wie die von Guido Knopp?
Der Autor äußert Skepsis und warnt davor, dass durch Dramatisierung, Personalisierung und Emotionalisierung der Wahrheitsgehalt historischer Ereignisse gefährdet werden könnte und eine „Übersättigung“ droht.
Was zeichnet die Rede von Richard von Weizsäcker aus dem Jahr 1985 besonders aus?
Die Rede gilt als Meilenstein, da sie den 8. Mai 1945 nicht nur als Tag der Niederlage, sondern explizit als Tag der Befreiung von der nationalsozialistischen Terrorherrschaft definierte.
- Quote paper
- Thomas Weber (Author), 2014, Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit in der Bundesrepublik Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/279861