Unter den verschiedenen Rollen, die eine Frau bei einer Liebesbeziehung spielen kann, hat die Literatur auch diejenige zu einem traditionsbildenden Schema ausgeformt, die der Frau eine unwiderstehliche Anziehungskraft und einen magisch-dämonischen Charakter zuschreibt, durch die sie den Mann nicht nur erotisch an sich bindet, sondern ihn auch von seinen höheren Interessen und Aufgaben ablenkt, seine Moral untergräbt und ihn meist ins Unglück stürzt.
Dieses eben beschriebene Bild des Weiblichen, das auch den Namen „dämonische Verführerin“ trägt oder in Anlehnung an John Keats Gedicht als „la belle dame sans merci“ bezeichnet wird, findet man seit jeher in der Literatur.
Auch Salammbô stürzt Mâtho ins Verderben. Sein Tod wird als ihr Werk betrachtet , was ihr in der Literatur eine Stilisierung zur femme fatale einbrachte.
Ziel dieser Hausarbeit ist es, zu eruieren, ob Salammbô in der Tat eindeutig dem Typus der femme fatale zuzuordnen ist. Da ich es für das Grundverständnis als sinnvoll erachte, stelle ich meiner Arbeit ein Kapitel voran, in dem ich den heutzutage fast inflationär gebrauchten Terminus femme fatale zunächst definiere und die Grundzüge dieses Typus beschreibe. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts nimmt die Darstellung dieses Phänomens zu. Daher sollen Gründe aufgezeigt werden, die erklären, warum sich jenes Frauenbild eben gerade zu diesem Zeitpunkt durchsetzen konnte.
Im darauffolgenden Teil werden Salammbôs Erscheinung, ihre Wirkung sowie ihr Handeln untersucht, um festzustellen, was sie evtl. zur femme fatale machen könnte.
In der Schlussbetrachtung soll letztendlich, nach Klärung der theoretischen Grundlagen, ein Resümee gezogen werden, das die gewonnenen Erkenntnisse erneut aufgreift und in einen sinnvollen Zusammenhang bringt, um abschließend zu beurteilen, inwiefern Salammbô dem Klischee der femme fatale entspricht.
Gliederung
1. Einleitung
2. Die femme fatale
2.1 Definition des Terminus
2.2 Vorbilder der femme fatale
2.3 Das äußere Erscheinungsbild der femme fatale
2.4 Charakteristika der femme fatale
2.5 Gründe für die zunehmende Darstellung der femme fatale in der Literatur des 19. Jh.
2.5.1 Die Rolle der Frau in der Gesellschaft vom 17. bis ins 19. Jh.
2.5.2 Die sexuelle Doppelmoral im 19. Jh.
3. Salammbô
3.1 Ihre Erscheinung
3.2 Ihre Wirkung
3.3. Ihr Handeln
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die literarische Figur der Salammbô aus dem gleichnamigen Roman von Gustave Flaubert, um zu eruieren, ob sie wissenschaftlich eindeutig dem Typus der femme fatale zugeordnet werden kann.
- Definition und Herleitung des Begriffs femme fatale
- Soziokulturelle Hintergründe des 19. Jahrhunderts
- Analyse der ästhetischen Erscheinung von Salammbô
- Untersuchung von Salammbôs Wirkung und ihrem Handeln
Auszug aus dem Buch
3.1 Ihre Erscheinung
Wenn wir die in Kapitel 2.3. dargelegten Merkmale als Maßstab nehmen, stellen wir schnell fest, dass Salammbô im Bereich der Körperlichkeit augenscheinlich sämtliche obligatorischen Attribute einer femme fatale zur Verfügung stehen: Sie ist jung, schön und sinnlich. Mâtho ist so sehr von ihrer Schönheit fasziniert, dass er bisweilen an Salammbôs Existenz zweifelt: « La splendeur de sa beauté fait autour d’elle un nuage de lumière ; et je crois, par moments, ne l’avoir jamais vue… qu’elle n’existe pas… et que tout cela et un songe ! »
Salammbô hat rote Lippen, große Augen. Sie ist « plus belle que la lune », unterstreicht ihre Schönheit aber zudem mittels kosmetischer Utensilien wie Zinnober und Antimon: « Le vermillon de ses lèvres faisait paraître ses dents plus blanches, et l’antimoine de ses paupières ses yeux plus longs. »
Salammbôs große Augen, die unter ihren großen Brauen leuchten wie Sonnen unter Triumphbögen entfalten ihre mystische Macht noch besser, wenn das Gesicht unter einem Schleier verborgen ist und nur die Augen sichtbar sind. In den Momenten, in denen sie sich verhüllt, wirkt sie noch geheimnisvoller.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das literarische Konzept der femme fatale ein und formuliert die zentrale Fragestellung, ob Flauberts Romanfigur Salammbô als solche klassifiziert werden kann.
2. Die femme fatale: Dieses Kapitel definiert den Begriff der fatalen Frau, beleuchtet ihre historischen Vorbilder sowie ihr äußeres und charakterliches Erscheinungsbild vor dem soziologischen Hintergrund des 19. Jahrhunderts.
3. Salammbô: Das Hauptkapitel analysiert Salammbôs Erscheinung, ihre Wirkung auf andere Figuren und ihre spezifischen Handlungen im Hinblick auf die zuvor erarbeiteten Kriterien der femme fatale.
4. Schlussbetrachtung: Das Fazit resümiert die Ergebnisse und kommt zu dem Schluss, dass Salammbô zwar äußerlich dem Klischee entspricht, aufgrund mangelnder Eigenständigkeit und Berechenbarkeit jedoch nicht als klassische femme fatale gelten kann.
Schlüsselwörter
femme fatale, Gustave Flaubert, Salammbô, Literaturanalyse, 19. Jahrhundert, Geschlechterrollen, Mâtho, Tanit, Sexualmoral, Sinnlichkeit, Schicksal, Dekadenz, Weiblichkeitsentwürfe, Mythos, Verführung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den Roman "Salammbô" von Gustave Flaubert im Kontext der literarischen Figur der femme fatale und prüft, inwiefern die Titelfigur diesem speziellen Typus entspricht.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Analyse?
Im Zentrum stehen die literaturwissenschaftliche Definition der femme fatale, die historischen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen des 19. Jahrhunderts sowie die Analyse von Salammbôs Aussehen, Wirkung und Handeln.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine fundierte Beurteilung, ob Salammbô als femme fatale eingestuft werden kann, unter Berücksichtigung sowohl ihrer optischen Inszenierung als auch ihres inneren Charakters.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die begriffliche Definitionen mit Textanalysen des Romans und soziokulturellen Kontexten verbindet.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Begriffs der fatalen Frau und eine detaillierte Untersuchung der Figur Salammbô hinsichtlich ihrer Erscheinung, ihrer Wirkung auf ihre Umwelt und der Motivation ihres Handelns.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Publikation?
Wichtige Begriffe sind unter anderem femme fatale, Sinnlichkeit, gesellschaftliche Doppelmoral des 19. Jahrhunderts, Geschlechterrollen, Mâtho und der spezifische Kult um die Göttin Tanit.
Warum spielt der religiöse Hintergrund von Salammbô eine Rolle bei der Einstufung als femme fatale?
Die religiöse Weihe an Tanit und die Lenkung durch Hohepriester Schahabarim schränken Salammbôs Autonomie ein, was im Gegensatz zur bewussten, selbstbestimmten Boshaftigkeit klassischer fataler Frauen steht.
Inwiefern beeinflusst der historische Kontext des 19. Jahrhunderts die Wahrnehmung von Salammbô?
Die zunehmende Darstellung fataler Frauen im 19. Jahrhundert wird als Ausdruck einer gesellschaftlichen Angst vor der Emanzipation der Frau und der damit verbundenen Instabilität patriarchaler Rollenbilder gedeutet.
- Arbeit zitieren
- Patrizia Scamarcio (Autor:in), 2013, Flauberts Salammbô. Eine femme fatale?!, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/275704