Nach den Empfehlungen der International Planned Parenthood Federation sollte eine zeitgemäße Sexualpädagogik stets darum bemüht sein, im Rahmen sexueller Aufklärung und Bildung möglichst alle maßgeblichen Lebensräume von Jugendlichen einzubeziehen. In den letzten Jahren ist durch die Sozialen Online-Netzwerke ein neues, virtuelles Terrain entstanden, das besonders unter Jugendlichen immer mehr in den Fokus ihrer Aufmerksamkeit gerückt und mittlerweile ein integraler Bestandteil ihrer Lebenswelten geworden ist. Dabei ist von besonderer Bedeutung, dass Jugendliche das Internet als interaktives Web 2.0 nicht nur als Konsumenten, sondern auch als Produzenten zur Selbstpräsentation verwenden, die einen essenziellen Bestandteil ihrer individuellen Identitätsentwicklung ausmacht. Diese Entwicklung stellt die gegenwärtige Sexualpädagogik konsequenterweise vor die Aufgabe, Jugendliche auch im Kontext von Sozialen Online-Netzwerken in ihrer sexuellen Identitätsentwicklung zu unterstützen.
Diese Arbeit möchte zunächst ein differenziertes Verständnis für die Bedeutung von Sozialen Online-Netzwerken auf dem Gebiet jugendlicher Sexualentwicklung vermitteln. Darauf aufbauend wird skizziert, wie eine zeitgemäße Sexualpädagogik aussehen kann, die Soziale Online-Netzwerke nicht nur als einen weiteren Kommunikationskanal zur Information und Beratung Jugendlicher nutzt, sondern darüber hinaus vor allem auch Jugendliche in ihrem sexuellen Sozialisationsprozess im Web 2.0 exemplarisch beratend begleitet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Jugend und Sexualität
2.1 Lebenswelten Jugendlicher
2.1.1 Eltern und Familie
2.1.2 Peergroup
2.1.3 Schule und Arbeit
2.1.4 Web 2.0
2.2 Definition Sexualität
2.3 Sexuelle Entwicklung im Jugendalter
2.3.1 Psychosexuelle Entwicklung im Jugendalter
2.3.1.1 Veränderungen innerhalb der Jugendphasen
2.3.1.2 Probleme innerhalb der Jugendphasen
2.3.2 Der Umgang mit dem eigenen Körper
2.3.3 Der Umgang mit Sexualpartnern
3 Jugend und Sexualität im Web 2.0
3.1 Ausdrucksmöglichkeiten von Sexualität im Web 2.0
3.2 Der Umgang Jugendlicher mit ihrer Sexualität im Sozialen Netzwerk facebook
3.3 Probleme und Gefahren
4Grundlagen der gegenwärtigen Sexualpädagogik
4.1 Institutionenübergreifende Grundlagen der Sexualpädagogik
4.2 Familiale Sexualpädagogik
4.3 Staatliche Sexualpädagogik
4.3.1 Schulische Sexualpädagogik
4.4 Kirchliche Sexualpädagogik
5 Sexualpädagogik im Zeitalter des Web 2.0
5.1 Erziehung zur Kompetenz im Umgang mit Sozialen Netzwerken
5.2 Erziehung zum Umgang mit sexuellen Inhalten in Sozialen Netzwerken
5.3 Vorschlag für einen sexualpädagogischen Leitfaden Web 2.0
6 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie eine moderne Sexualpädagogik Jugendliche in ihrer sexuellen Identitätsentwicklung innerhalb der neuen Lebenswelt des Web 2.0 unterstützen kann. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, welche Rolle soziale Netzwerke bei der sexuellen Sozialisation spielen und wie pädagogische Konzepte angepasst werden müssen, um Jugendliche in ihrer digitalen Selbstpräsentation und Kommunikation beratend zu begleiten.
- Verständnis der Lebenswelten Jugendlicher im digitalen Zeitalter
- Analyse von sexuellen Ausdrucksformen und Risiken in sozialen Netzwerken (z.B. Sexting, Cybersex)
- Evaluation gegenwärtiger sexualpädagogischer Ansätze (familial, staatlich, kirchlich)
- Entwicklung eines kompetenzorientierten Leitfadens für die Sexualpädagogik im Web 2.0
Auszug aus dem Buch
3.1 Ausdrucksmöglichkeiten von Sexualität im Web 2.0
Bekanntlich besprechen Jugendliche ihre sexuellen Erlebnisse und Erfahrungen mit ihren Freunden. Sie tauschen sich aus, diskutieren gemeinsam über Inhalte und Erlebnisse und probieren zusammen Neues oder neue sexuelle Sensationen aus. Laut der neusten James-Studie 2012 zählt das soziale Online-Netzwerk facebook mit knapp 80 % jugendlichen Anwendern zu den am häufigsten genutzten Online-Netzwerken (James-Studie 2012, S. 36). Deshalb möchte ich mich in dieser Arbeit auf das soziale Online-Netzwerk facebook beschränken. Die häufigste Aktivität innerhalb der SNS ist die Kommunikation.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in das Thema der Sexualpädagogik im Web 2.0 und Formulierung der zentralen Forschungsfragen zur Jugendsexualität im Kontext sozialer Netzwerke.
2 Jugend und Sexualität: Darstellung der Lebenswelten Jugendlicher, der Definition von Sexualität und der psychosexuellen Entwicklungsaufgaben in der Pubertät.
3 Jugend und Sexualität im Web 2.0: Analyse von digitalen Ausdrucksformen wie Sexting und Cybersex sowie deren Risiken und die Bedeutung des sozialen Netzwerks facebook für Jugendliche.
4Grundlagen der gegenwärtigen Sexualpädagogik: Überblick über bestehende Ansätze der familialen, staatlichen und kirchlichen Sexualpädagogik und deren institutionelle Einbindung.
5 Sexualpädagogik im Zeitalter des Web 2.0: Erarbeitung von Erziehungszielen zur Medienkompetenz und ein konkreter Vorschlag für einen sexualpädagogischen Leitfaden für das Web 2.0.
6 Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Betrachtung der Notwendigkeit einer ressourcenorientierten Sexualpädagogik, die das Web 2.0 als Raum für Identitätsarbeit begreift.
Schlüsselwörter
Sexualpädagogik, Jugendsexualität, Web 2.0, Social Network Sites, Facebook, Identitätsentwicklung, Sexting, Cybersex, Medienkompetenz, Soziale Netzwerke, sexuelle Sozialisation, digitale Identität, Sexualerziehung, Medienpädagogik, Prosumption
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Abschlussarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen und Chancen, die sich durch die Nutzung sozialer Netzwerke für die sexuelle Identitätsentwicklung von Jugendlichen ergeben, und wie moderne Sexualpädagogik darauf reagieren kann.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Analyse?
Zentrale Themen sind die Lebenswelten Jugendlicher, die psychosexuelle Entwicklung in der Pubertät, spezifische digitale Verhaltensweisen wie Sexting und Cybersex sowie die Einordnung der aktuellen sexualpädagogischen Praxis.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, ein differenziertes Verständnis für die Rolle von Social Network Sites (SNS) in der jugendlichen Sexualentwicklung zu vermitteln und einen sexualpädagogischen Leitfaden für den Umgang mit diesen digitalen Räumen zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde verwendet?
Die Autorin führt eine theoretisch-kritische Überprüfung der aktuellen Sexualpädagogik unter Einbeziehung zahlreicher aktueller Studien und Fachliteratur durch, um die Web-2.0-Perspektive zu erörtern.
Welche Schwerpunkte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung jugendlicher Lebenswelten, die Beschreibung sexueller Ausdrucksmöglichkeiten im Web 2.0, eine Bestandsaufnahme der traditionellen Sexualpädagogik und die Erarbeitung eines modernen kompetenzbasierten Leitfadens.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich über Begriffe wie Sexualpädagogik, Web 2.0, mediale Sozialisation, Identitätsarbeit, Medienkompetenz und digitale Selbstpräsentation definieren.
Wie unterscheidet sich die "neue" Sexualpädagogik von klassischen Ansätzen?
Während klassische Ansätze oft rein auf körperliche Aufklärung fokussierten, betont die moderne "Sexuelle Bildung" die aktive Weltaneignung, Identitätsformung und die Begleitung von Jugendlichen in ihrer gesamten, auch digitalen, Lebenswelt.
Warum ist das soziale Netzwerk Facebook laut der Arbeit besonders relevant?
Facebook wird als das weltweit größte und von Jugendlichen am häufigsten genutzte soziale Netzwerk identifiziert, das durch Funktionen wie Profilgestaltung, Fotoalben und Chats optimale Spielräume für Identitätserprobung und soziale Interaktion bietet.
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- Martina Schlund (Author), 2013, Sexualpädagogik goes Web 2.0, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/275685