"Zu den größten Kämpfen des Menschen, gut/böse, Vernunft/Unvernunft etc. gehört auch dieser gewaltige Konflikt zwischen der Phantasie der Heimat und der Phantasie der Ferne, der Traum von den Wurzeln und der Fata Morgana der Reise."
Immer näher rückt diese Ferne. Seit Menschen den Mond bereisen und Satellitenaufnahmen beweisen, wie unsere winzige Erdkugel im schwarzen Nichts schwebt. Seit es für Jedermann einigermaßen erschwinglich ist, in ein Flugzeug, den Zug oder das Auto zu steigen und an (fast) jedes Fleckchen der Erde zu reisen. Vor allem das Flugzeug holt die Ferne ganz nah ran.
Aber ist das alles so einfach? Wo liegen die Gefahren und Probleme, die der Exodus der - vor allen anderen - „Westhalbkugler“ mit sich bringt?
Im Trend liegende Kontinente wie Asien, Afrika, Lateinamerika, die in Hochglanzkatalogen sonnenverwöhnte, unberührte Paradiese versprechen sind das Ziel.
Zwar sieht die Welttourismusorganisation (UNWTO) den internationalen Tourismus als größte Einnahmequelle und wichtigsten Faktor zur Verbesserung des Lebensstandards in Entwicklungsländern,2 räumt aber ebenso ein, „dass der Tourismus negative kulturelle, umwelttechnische und soziale Folgen haben kann, wenn er nicht verantwortungsvoll geplant, verwaltet und überwacht wird. Deshalb fordert die UNWTO die Regierungen dazu auf, grundlegend am Tourismus mitzuarbeiten, (...)
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Zahlen und Tatsachen
1.2 Ursachen für das Wachstum des Fernreisemarktes
1.3 Reisemotivation und Typen von Dritte-Welt-Touristen
2. Ferntourismus – Risiken und Chancen
2.1 Wirtschaftliche Blickwinkel
2.1.1 Arbeit und Einkommen
2.1.2 Tourismus als Devisenquelle
2.1.3 Schaffung von Infrastruktur
2.1.4 Gefahr der Monostrukturierung
2.2. Sozio-kultureller Blickwinkel
2.2.1 Konsequenzen für Sozialstruktur und Werte
2.2.2 Konsequenzen interkultureller Begegnungen
2.2.3 Konsequenzen des Sex-Tourismus
2.3 Ökologischer Blickwinkel
2.3.1 Zerstörung der Umwelt durch Tourismusprojekte
2.3.2 Zerstörung der Umwelt durch spezielle Formen des Tourismus
3. Nachhaltiger Tourismus als Alternative?
3.1 Die Formen des „anderen“ Tourismus
3.2 Entwicklungspolitik im Tourismus
3.2.1 Reiseleitertraining
3.2.2 Vorurteile abbauen durch Sympathie Magazine
3.3 Entwicklung durch Tourismus oder doch eine Einbahnstraße?
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch die Rolle des Ferntourismus in Entwicklungsländern und analysiert, ob dieser als Entwicklungshilfe oder als problematische Einbahnstraße fungiert. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, wie die negativen ökonomischen, sozio-kulturellen und ökologischen Auswirkungen minimiert und positive Potenziale des Tourismus durch nachhaltige Ansätze gefördert werden können.
- Ökonomische Auswirkungen: Chancen durch Devisen und Infrastruktur vs. Abhängigkeiten und Monostrukturen.
- Sozio-kulturelle Folgen: Akkulturation, Identitätsverlust und die Problematik des Sextourismus.
- Ökologische Herausforderungen: Ressourcenverbrauch, Umweltzerstörung und die Rolle des Massentourismus.
- Lösungsansätze: Konzepte des nachhaltigen, öko- und sozialverträglichen Tourismus als Alternative.
- Verantwortung: Die Rolle von Reiseveranstaltern und Reisenden zur Gestaltung eines ethischen Tourismus.
Auszug aus dem Buch
2.1.2 Tourismus als Devisenquelle
Durch den Zufluss von Devisen in ein Land können Schulden abgebaut werden. Vor allem bei Ländern, die kaum eigene natürliche Ressourcen – insbesondere Erdöl - oder Möglichkeiten zur Landwirtschaft besitzen und zudem stark importabhängig und wenig exportierend agieren, nimmt der Tourismus einen bedeutenden Stellenwert ein.20
In der Tat, bei oberflächlicher Betrachtungsweise erscheinen die Touristen tatsächlich als großartige Devisenquelle. Bei zusätzlicher Betrachtung der Außenhandelsbilanz erscheint dies wiederum in einem anderen Licht:21 Von Hotellerie und Infrastruktur werden hohe Beträge verlangt, die in der Regel von ausländischen Kapitalgebern kommen. Beim Transfer von Gewinnen fließen also zum Einen wieder monetäre Mittel demzufolge ab, zum Anderen muss die Beschaffung vieler Investitionsgüter – wie Baumaterialien und technische Anlagen – im Ausland erfolgen. Auch Konsumgüter werden häufig für die Touristen aus dem Ausland besorgt, wobei die Menge stark mit dem Charakter des Tourismus zusammenhängt:22Luxusresorts beziehen natürlich mehr extravagante Konsumgüter - wie Sportgeräte und andere Ausstattung - auf dem internationalen Markt, als einheimische Häuser, die vermehrt regional einkaufen.
Die hohen Gehälter ausländischer, hochqualifizierter Angestellter schlagen sich weiterhin auf die Außenhandelsbilanz nieder. Solche, wieder aus dem Land abfließende Devisen werden mit dem „Sickerrate-Modell“ erklärt.23 Dabei sind vor allem das Maß der Importe und die Kraft, der diesen „entgegentretenden“, eigenständigen Volkswirtschaft ausschlaggebend für die Höhe der Sickerrate.24 So haben Luxusresorts durchschnittlich eine Sickerrate von gut 23%, kleine einheimische Hotels eine von 15%.25 Wird die ganze Volkswirtschaft betrachtet, haben arme, abgelegene und kleine Länder wie Tansania Raten von bis zu 80%, wohingegen größere Staaten, die auch „Eigenleistung“ erbringen können – wie Brasilien – zwischen 5 und 30% variieren.26
Nicht zuletzt hat auch die oft hohe Inflationsrate einen negativen Einfluss, da sie zu Abwertungen der Währung, damit Schwankungen der Wechselkurse und letztlich zur Tilgung von, anfänglich gestiegenen, Einkünften führt.27
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik des Ferntourismus ein, beleuchtet aktuelle Statistiken zur Reiseentwicklung und definiert die grundlegenden Spannungsfelder zwischen globalem Reisewachstum und den negativen Folgen für Entwicklungsländer.
2. Ferntourismus – Risiken und Chancen: Hier werden die ökonomischen, sozio-kulturellen und ökologischen Auswirkungen des Tourismus detailliert analysiert, wobei kritische Aspekte wie Abhängigkeiten, kulturelle Entfremdung und Umweltzerstörung im Vordergrund stehen.
3. Nachhaltiger Tourismus als Alternative?: Dieses Kapitel untersucht Konzepte wie den Öko- und Alternativtourismus sowie entwicklungspolitische Maßnahmen als Lösungsansätze, um Tourismus langfristig verträglicher zu gestalten.
Schlüsselwörter
Ferntourismus, Entwicklungsländer, Dritte Welt, Tourismusanalyse, Nachhaltiger Tourismus, Ökotourismus, Massentourismus, Sozio-kulturelle Auswirkungen, Devisenquelle, Infrastruktur, Akkulturation, Sextourismus, Umweltzerstörung, Forum Anders Reisen, Ethik im Tourismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Analyse primär?
Die Arbeit befasst sich kritisch mit der Rolle des Ferntourismus in Entwicklungsländern, wobei die Ambivalenz zwischen Tourismus als wirtschaftlicher Chance und als Quelle vielfältiger Risiken im Mittelpunkt steht.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der ökonomischen Bedeutung des Tourismus, seinen sozio-kulturellen Konsequenzen für die Zielgebiete sowie den ökologischen Folgen für die betroffenen Regionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, eine Übersicht der Chancen und Risiken zu geben und aufzuzeigen, wie durch nachhaltige Tourismuskonzepte die negativen Effekte minimiert und positive Entwicklungspotenziale gestärkt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine Student Consulting Analyse, die auf einer kritischen Literaturrecherche und der Auswertung von Statistiken (u.a. UNWTO) sowie verschiedenen Fallbeispielen basiert.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der ökonomischen Effekte (z.B. Devisen, Arbeitsplätze), sozio-kultureller Auswirkungen (z.B. Akkulturation, Sextourismus) und ökologischer Probleme, gefolgt von der Vorstellung alternativer Tourismusformen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Nachhaltigkeit, ethisches Handeln, ökonomische Abhängigkeit, kulturelle Identität und die Abkehr vom unreflektierten Massentourismus.
Was sagt das „Sickerrate-Modell“ über den Tourismus aus?
Das Modell beschreibt den Verlust von Devisen, die aus dem Zielland wieder abfließen, beispielsweise durch den Import von Investitionsgütern oder hohe Gehälter für ausländisches Personal.
Warum wird der Sextourismus als gravierendes Problem hervorgehoben?
Die Autorin verdeutlicht, dass Sextourismus keine bloße Begleiterscheinung ist, sondern ein immanenter Teil von Tourismussegmenten in armen Ländern, der die sexuelle Ausbeutung von Frauen und Kindern massiv vorantreibt.
Welche Rolle spielen „Sympathie Magazine“ in der Arbeit?
Sie werden als Beispiel für eine Maßnahme des Studienkreises für Tourismus und Entwicklung genannt, die durch Aufklärung und Porträts helfen soll, Klischees abzubauen und das Verständnis für fremde Kulturen zu fördern.
Welches Fazit zieht die Analyse zum nachhaltigen Tourismus?
Die Autorin sieht im nachhaltigen Tourismus den besten Weg in die richtige Richtung, betont jedoch, dass dies ein Umdenken aller Beteiligten – inklusive der Touristen und Reiseveranstalter – erfordert.
- Arbeit zitieren
- Deborah Bertram (Autor:in), 2014, Ferntourismus in Dritte Welt Länder. Entwicklungshilfe oder Einbahnstraße?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/275006