Frontalunterricht – die meisten denken bei diesem pädagogischen Stichwort an eine Unterrichtsform, die an einem selbst in seiner Schulzeit zu Genüge praktiziert wurde. Der Lehrer
kommt in die Klasse, schreibt am besten noch das Thema der Stunde an die Tafel und schweift dann in einen endlosscheinenden Vortrag um, erzählt monologisch den Stoff, ja manchmal diskutiert er auch nur mit sich selbst und bringt den Schülern seinen Zwiespalt und das zur Diskussion hervorgebrachte Thema näher. (...)
Zu recht scheint der Frontalunterricht in den letzten Jahrzehnten in die Kritik geraten zu sein und aufgrund der Tatsache, dass er immer noch am meisten im Schulalltag praktiziert wird,
entwickelten sich immer mehr Konzepte des „Offenen Unterrichts“, des schüleraktiven Unterrichts, der die negativen Aspekte des Frontalunterrichts durchbrechen will und auf individuelles Lernen
mit Selbstmotivation, Eigensteuerung und Eigenverantwortung der Schüler zielt.
Aufgrund dieser Kritik und dem regelrechten „Streit“ zwischen Frontalunterrichtbefürwortern und Frontalunterrichtgegnern habe ich mich dazu entschlossen, mich mit dem Frontalunterricht näher
zu beschäftigen und meine eigene Meinung über dessen Praxis und Realisierungsmöglichkeiten zu bilden. Zunächst einmal, und das sollte gesagt werden, beziehe ich mich auf die wenige
Literatur, die ich zu diesem Thema gefunden habe. (...)
Im Allgemeinen jedoch werde ich mich jedoch auf die Positionen des Professors Herbert Gudjons stützen, der das Buch „Frontalunterricht – neu entdeckt, Integration in offene Unterrichtsformen“ geschrieben hat, das ich im Zuge dieser wissenschaftlichen Arbeit (...) gelesen habe. Da Gudjons meine Meinung zum Frontalunterricht, nämlich dass er durchaus wichtig ist und nicht mehr getilgt werden sollte, vertritt, jedoch nicht in der Form, wie wir ihn vielleicht in der Schule gekannt haben, sondern mehr in der Form verknüpft in einen modernen,
revolutionären Unterricht, werde ich mich oft auf Textpassagen beziehen und diese auch herausgreifen.
Hinsichtlich der Bedeutung des Frontalunterrichts speziell für die Grundschule habe ich folgende Fragestellung entwickelt: Wie lässt sich der Frontalunterricht in den Schulalltag und Unterricht
einer Grundschule integrieren und wie lässt er sich modern, individuell, fördernd, schüleraktiv und vor allem auf den kognitiven Prozessen des Kindes beruhend, d.h. kindgerecht, gestalten, ohne seine Wirkung als effiziente Unterrichtsform zu verlieren?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Frontalunterricht – .was ist das?
2.1 Traditioneller Frontalunterricht
2.2 Integrierter Frontalunterricht
2.3 Zusammenfassung
3. Vor- und Nachteile des Frontalunterrichts
3.1 Nachteile
3.2 Vorteile
4. Erfolgreiches Praktizieren des Frontalunterrichts
4.1 Was ist wichtig?
5. Schlussbetrachtung – Aufgreifen der Fragestellung
Zielsetzung und Themenfelder
Die Arbeit untersucht die kritische Rolle des Frontalunterrichts in der modernen Grundschulpädagogik. Das primäre Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie diese Unterrichtsform durch Integration in schüleraktive und offene Lehrkonzepte so modernisiert werden kann, dass sie ihre Effizienz behält, ohne die kindgerechte Förderung zu vernachlässigen.
- Abgrenzung zwischen traditionellem und integriertem Frontalunterricht
- Kritische Analyse der Vor- und Nachteile der lehrerzentrierten Methodik
- Methoden der Ergebnissicherung und Wissensvermittlung
- Bedeutung der sozialen Kohäsion in der Klassengemeinschaft
- Verbindung von kognitiven Lernprozessen und schüleraktivierenden Sozialformen
Auszug aus dem Buch
2.1 Traditioneller Frontalunterricht
Der traditionelle Frontalunterrichtsbegriff beschreibt die Art des Frontalunterrichts, wie dieser besser nicht sein sollte und wie wir ihn oft noch aus unseren Schultagen kennen. Er wird in der Regel als „selbstständige Unterrichtsform verstanden“ (Gudjons 2007, S. 21). „Seine Integration in andere Unterrichtsformen wird nicht vorausgesetzt.“ (Gudjons 2007, S. 21). Oft wird der traditionelle Frontalunterricht auch als Unterrichtsmethode bezeichnet, der einen „Allzweckcharakter“ (Gudjons 2007, S. 20) besitzt und somit in allen der vielseitigen Unterrichtssituationen eingesetzt werden kann und alle und nicht nur bestimmten Zielen gerecht wird. „Eine Methode ist aber kein Neutrum, keine bloße Vermittlungstechnik, sondern trägt in sich bereits normative Implikationen, die nur mit bestimmten Zielen harmonieren.“ (Gudjons 2007, S. 19). Möchte man den traditionellen Frontalunterricht einordnen, so muss man sich zunächst seine Natur anschauen:
„Der Frontalunterricht stellt in erster Linie einen Lehrprozeß [sic] dar, der durch den Lehrer gesteuert wird und stoffzentriert ist. Er zielt im wesentlichen auf Gedächtnisleistung ab und versucht durch eine relativ straffe Führung den Lernenden in einer begrenzten Zeit gleiche theoretische Kenntnisse, Informationen und Lehrstoffe zu vermitteln.“ (Köck & Ott 1998, S. 185). „Wenn im Unterricht alle Mitglieder einer Lerngruppe/Klasse in gleicher Zeit auf gleichen Wegen mit gleichen Inhalten zu gleichen Zielen geführt werden sollen, geschieht dies in der Form des stark lehrerzentrierten Frontalunterrichts. Dabei reguliert und kontrolliert der Lehrer bzw. die Lehrerin alle Lehr-, Lern-, Arbeits-, Kommunikations- und Interaktionsprozesse. Seine Aktivität ist groß, die äußerlich sichtbare der Lernenden dagegen gering.“ (Heckt & Sandfuchs 1993, 77).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hier wird die Problemstellung dargelegt, warum der Frontalunterricht in der Kritik steht und wie eine moderne Integration in den Grundschulalltag aussehen kann.
2. Frontalunterricht – .was ist das?: Es wird zwischen dem traditionellen, lehrerzentrierten Ansatz und einem integrierten Frontalunterricht als Teil eines modernen Methodencarrés unterschieden.
3. Vor- und Nachteile des Frontalunterrichts: Dieses Kapitel listet diverse kritische Punkte wie den "Lehr-Lern-Kurzschluss" sowie strukturelle Vorteile wie Zeitökonomie und effektive Wissensvermittlung auf.
4. Erfolgreiches Praktizieren des Frontalunterrichts: Der Fokus liegt hier auf konkreten didaktischen Funktionen, bei denen Frontalunterricht sinnvoll eingesetzt werden kann, wie etwa bei der Einführung neuer Themen oder der Ergebnissicherung.
5. Schlussbetrachtung – Aufgreifen der Fragestellung: Die Autorin resümiert ihre Erkenntnisse und unterstreicht die Wichtigkeit der Kombination von Frontalunterricht mit schülerzentrierten Methoden für die Grundschule.
Schlüsselwörter
Frontalunterricht, Grundschule, Didaktik, Methodik, integrierter Unterricht, Sozialform, Lehrerzentrierung, Lernprozess, Schüleraktivierung, Klassengemeinschaft, Pädagogik, Ergebnissicherung, Methodenkompetenz, Wissensvermittlung, Offener Unterricht
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Frontalunterricht, beleuchtet seine Stärken und Schwächen und erarbeitet Möglichkeiten, ihn sinnvoll und modern in den Grundschulalltag zu integrieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die Definition des Frontalunterrichts, die Abwägung zwischen traditioneller und integrierter Form sowie die praktische didaktische Anwendung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, wie man Frontalunterricht schüleraktiv, fördernd und kindgerecht gestalten kann, ohne die Effizienz der Methode zu verlieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, insbesondere gestützt auf die Theorie von Herbert Gudjons, sowie auf reflektierenden Ansätzen für die Praxis.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Definitionen vor allem die Vor- und Nachteile diskutiert sowie Strategien für ein erfolgreiches didaktisches Handeln präsentiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Frontalunterricht, Grundschule, Didaktik, integrierter Unterricht und Schüleraktivierung.
Was genau ist laut Autorin der „Lehr-Lern-Kurzschluss“?
Es ist ein pädagogischer Denkfehler, bei dem davon ausgegangen wird, dass das Lehren des Lehrers automatisch mit dem Lernen der Schüler gleichzusetzen ist.
Warum ist die „Klassengemeinschaft“ in diesem Kontext so wichtig?
Die Klassengemeinschaft fungiert als Basis für soziales Lernen; eine mittlere Kohäsion ist dabei entscheidend für den individuellen Lernerfolg und das Sozialverhalten.
Welchen Stellenwert nimmt der Frontalunterricht in der Grundschule ein?
Er wird nicht als alleinige Methode gesehen, sondern als unverzichtbare Phase innerhalb eines umfassenderen methodischen Arrangements, etwa zur Ergebnissicherung.
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- Cindy Dülfer (Author), 2014, Frontalunterricht in der Grundschule, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/273309