Das Handy ist zum ständigen Begleiter geworden - und hat somit auch einen immer größeren Einfluss darauf, wie wir uns im Alltag bewegen und welche Wege wir dabei zurücklegen. Über eine App können Landkarten abgerufen werden, in der Bahn auf dem Weg zur Arbeit werden schon einmal berufliche E-Mails gelesen, und steht man im Stau, genügt ein kurzer Anruf, um eine Verabredung zu verschieben, sodass der andere nicht warten muss.
Im Verlauf dieser Arbeit soll untersucht werden, wie mobile Medien unsere Bewegungen im öffentlichen Raum der Stadt verändern. Ein besonderer Fokus soll dabei auf Zwischenräume gelegt werden, also die Wege zwischen zwei Aufenthaltsorten, also beispielsweise von der Arbeit nach Hause oder zu einer Verabredung. Die theoretische Grundlage hierfür bildet Hägerstrands Raum-Zeit-Konzept, welches im nächsten Kapitel kurz beschrieben werden soll. Desweiteren soll auf die gesellschaftliche Bedeutung von Bewegung im öffentlichen Raum und insbesondere in Zwischenräumen eingegangen werden, bevor die Veränderung dieser Bewegung sowie der Zwischenräume an sich näher beschrieben werden.
Durch die neu gewonnene Mobilität unserer Kommunikation hat das Handy also insbesondere auch den Teil unseres Alltags verändert, den wir in Bewegung verbringen. Ziel dieser Arbeit ist es, die entsprechenden Veränderungen zu beschreiben und daraus folgend einen Ausblick auf zukünftige, sowohl positive als auch möglicherweise problematische Entwicklungen zu geben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Hägerstrand Raum-Zeit-Konzept: Lebenspfade und Beschränkungen
3 Die gesellschaftliche Bedeutung von Mobilität und Bewegung
3.1 Aggregierte Bewegungsmuster: Das "Platz-Ballett"
3.2 Zwischenräume und Doing Mobility
4 Zwischenräume als Orte der Mediennutzung
4.1 Mobile Medien im historischen Kontext
4.2 Veränderung des Zwischenraums durch mobile Medien
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht den Einfluss mobiler Medientechnologien auf die Bewegungsmuster von Individuen im öffentlichen städtischen Raum, mit einem besonderen Fokus auf sogenannte Zwischenräume – die Transitbereiche zwischen festen Aufenthaltsorten wie Wohnung und Arbeitsplatz.
- Analyse von Hägerstrands Raum-Zeit-Konzept im Kontext mobiler Kommunikation.
- Untersuchung der sozialen Bedeutung von Bewegung und Mobilität im urbanen Raum.
- Charakterisierung von Zwischenräumen als Orte der Mediennutzung und des „Doing Mobility“.
- Reflektion über Auswirkungen wie Mikro-Koordination, „Absent Presence“ und die Entgrenzung von Arbeit und Freizeit.
Auszug aus dem Buch
4.2 Veränderung des Zwischenraums durch mobile Medien
Mobile Medien verändern den Zwischenraum, sie organisieren ihn neu, verändern seine Bedeutung, verschieben seine Grenzen oder lösen diese gar komplett auf. In diesem Kapitel soll genauer betrachtet werden, auf welche Art und Weise mobile (Telekommunikations-) Medien die Zwischenräume, in denen wir uns täglich bewegen, verändern.
Bis auf das eben genannte Beispiel der Zugtelefonie war Telekommunikation vor der Erfindung des Mobiltelefons an einen Ort gebunden, etwa die eigene Wohnung oder die Arbeitsstelle. Inzwischen ist es von nahezu überall möglich zu telefonieren oder Textnachrichten und E-Mails zu schreiben, insbesondere in der Stadt, wo die entsprechende Infrastruktur gegeben ist. Mobile Telekommunikationsmedien bieten eine Vielfalt neuer Möglichkeiten der Kommunikation in Zwischenräumen, die vorher nicht genutzt werden konnten. Mobile Telekommunikation fordert aber auch einen hohen Teil der Konzentration des Nutzers; Gergen (2002) spricht von der "absent presence": wer unterwegs das Handy benutzt, ist also im Zwischenraum gleichzeitig sowohl anwesend als auch abwesend. Eine Ursache der "absent presence" ist die Möglichkeit, nicht nur physisch, sondern auch virtuell anwesend zu sein. Yu & Shaw (2007) bezeichnen dies als "Telepräsenz": "Tele-presence has been considered as a means to overcome the barrier of physical distance. It allows people from different locations to join the same virtual activity." (S. 7) Dabei unterscheiden Yu und Shaw außerdem zwischen synchroner und asychroner Telepräsenz, wobei es sich bei synchroner Telepräsenz beispielsweise um ein Telefonat oder einen Online-Chat handeln kann, während asynchrone Telepräsenz um Webseiten oder E-Mails handeln kann (ebd., S. 20).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Allgegenwart mobiler Medien in der modernen Gesellschaft und definiert das Forschungsinteresse an der Veränderung urbaner Bewegungsmuster in Zwischenräumen.
2 Hägerstrand Raum-Zeit-Konzept: Lebenspfade und Beschränkungen: Dieses Kapitel erläutert das theoretische Fundament, welches menschliches Handeln als in Raum und Zeit eingebettete Lebenspfade unter spezifischen Beschränkungen betrachtet.
3 Die gesellschaftliche Bedeutung von Mobilität und Bewegung: Hier wird der soziale Charakter von Bewegung thematisiert, unter anderem durch das Konzept des „Platz-Balletts“ und die soziologische Einordnung von Mobilität als „Doing Mobility“.
4 Zwischenräume als Orte der Mediennutzung: Das Hauptkapitel untersucht die historische Entwicklung mobiler Medien und deren aktuelle transformative Kraft auf die Wahrnehmung und Nutzung von Transiträumen.
5 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert die Konsequenzen wie die Entgrenzung von Lebensbereichen sowie die zunehmende Notwendigkeit zur Mikro-Koordination im digitalen Zeitalter.
Schlüsselwörter
Mobile Medien, Zwischenräume, Raum-Zeit-Konzept, Doing Mobility, Platz-Ballett, Telepräsenz, Mikro-Koordination, Absent Presence, urbane Mobilität, digitale Entgrenzung, Transit-Zonen, Kommunikation, Alltagshandeln, Standortgebundenheit, soziale Interaktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie moderne mobile Telekommunikationstechnologien – insbesondere Smartphones – unsere alltägliche Fortbewegung im städtischen Raum und die Nutzung von Übergangsbereichen (Zwischenräumen) verändert haben.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die theoretische Raum-Zeit-Geografie, die soziale Bedeutung urbaner Bewegung sowie die medienwissenschaftliche Perspektive auf Kommunikation unterwegs.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist zu analysieren, auf welche Weise mobile Medien den Nutzungskontext von Zwischenräumen prägen und wie sich dies auf den raum-zeitlichen Rahmen unseres täglichen Lebens auswirkt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit mediensoziologischen Konzepten und Raumtheorien, gestützt durch die Analyse aktueller Studien zur mobilen Mediennutzung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit inhaltlich behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst theoretische Grundlagen nach Hägerstrand vorgestellt, anschließend die soziale Dimension von Mobilität erörtert und schließlich die Veränderung von Zwischenräumen durch digitale Erreichbarkeit detailliert analysiert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Publikation?
Zu den prägenden Begriffen zählen „Doing Mobility“, „Absent Presence“, „Zwischenräume“, „Mikro-Koordination“ und das „Platz-Ballett“.
Wie verändert das Handy laut der Autorin das „Platz-Ballett“?
Mobile Medien verändern die Wahrnehmung der Umwelt und die Konzentration, was dazu führt, dass sich Nutzer und ihre Mitmenschen an die spezifische „Abwesenheit“ des medial aktiven Nutzers im physischen Raum anpassen müssen.
Was bedeutet der Begriff „Mikro-Koordination“ in diesem Kontext?
Mikro-Koordination beschreibt die Fähigkeit, dank mobiler Technik Verabredungen, Treffpunkte oder Zeiten kurzfristig und nuanciert anzupassen, anstatt starre und unveränderliche Pläne einzuhalten.
- Arbeit zitieren
- Christina Jahn (Autor:in), 2014, Mobile Medien im Zwischenraum, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/271856