[...] Die vorliegende Arbeit stellt eine Einführung zur Thematisierung des Gemeinschaftsbegriffes
bei Aristoteles dar und versucht darzustellen, nach welchem Muster die staatliche
Gemeinschaft und der „Bürger“ von Aristoteles konzipiert wurden, sowie welche Bedeutung
sie im Hinblick auf seine Staatstheorie haben. Der erste Teil des Aufsatzes beinhaltet
eine kurze Übersicht zur Entstehungsgeschichte der Polis im griechischen Altertum. Im
Hauptteil wird dann die Bedeutung und Genese der staatlichen Gemeinschaft näher erläutert.
Hierbei wird dem Freundschaftsbegriff besondere Aufmerksamkeit gewidmet, da dieser
für das Entstehen des Staates von prägnanter Bedeutung ist. Ferner stehen im Mittelpunkt
der Betrachtung: Die verschiedenen Formen der Gemeinschaft, die Staatsformen der
Polis, sowie der Begriff des Bürgers und die Faktoren, die dessen Sein bestimmen.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Die staatliche Gemeinschaft und der Mensch als zoon politikon
1. Geschichtlicher Hintergrund zur Entstehung des Polisbegriffes bei den Griechen
2. Die staatliche Gemeinschaft
2.1 Freundschaft als Voraussetzung für die staatliche Gemeinschaft
2.2 Genetische und metaphysische Betrachtung der Polisentwicklung
2.3 Formen der Gemeinschaft
2.4 Die Staatsformen der Polis
3. Der Mensch als politisches Wesen- Lebewesen und Bürger
4. Der Staatsbegriff
III. Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht den Gemeinschaftsbegriff und die Rolle des Individuums innerhalb der Staatstheorie des Aristoteles. Das primäre Ziel ist es, das aristotelische Konzept der staatlichen Gemeinschaft sowie die Definition des „Bürgers“ kritisch zu analysieren und deren Bedeutung für das aristotelische Staatsverständnis darzulegen.
- Historische Herleitung des Polisbegriffes im griechischen Altertum.
- Bedeutung der Freundschaft als fundamentale Voraussetzung für die staatliche Gemeinschaft.
- Unterscheidung zwischen genetischen und metaphysischen Ansätzen der Polisentwicklung.
- Klassifizierung der Staatsformen nach aristotelischen Kriterien.
- Bestimmung des Menschen als „zoon politikon“ und die damit verbundenen Bürgerrechte.
Auszug aus dem Buch
2.1 Freundschaft als Voraussetzung für die staatliche Gemeinschaft
Die Grundlage für die gute Polis besteht laut Aristoteles in der Freundschaft. Ihr wird in der Nikomachischen Ethik ein gesamtes Kapitel gewidmet, ist sie doch für die Darstellung der Gemeinschaft als Teil der Politik unerlässlich.
Nach Aristoteles stellt die Freundschaft die wichtigste Voraussetzung für das Leben dar: „Ohne Freundschaft möchte niemand leben, hätte er auch alle anderen Güter.“ Substanz menschlicher Gemeinschaft ist, so auch Peter Weber-Schäfer, also die Tugend der Freundschaft. Insgesamt unterscheidet Aristoteles drei Freundschaftsarten: Die Freundschaft des Guten, die Nutz- und die Lustfreundschaft. Im Gegensatz zur Freundschaft um des Nutzens und des Vergnügens willen, die beide in ihrer Existenz unvollkommen sind, da sie lediglich ein Zweckbündnis darstellen, wie es bei ersterer der Fall ist, oder nur geringer Tugendhaftigkeit bedürfen, so wie die Lustfreundschaft, bedeutet die Freundschaft des Guten die vollkommene Form der Freundschaftsbeziehung: „Vollkommen aber ist die Freundschaft guter und an Tugend sich ähnlicher Menschen. Denn sie wünschen einander gleichmäßig Gutes, insofern sie gut sind, und sie sind gut an sich.“ Bei dieser Form der Freundschaft ist die Gleichheitsstruktur verwirklicht; sie stellt die Voraussetzung für die Gemeinschaft dar. Nützlichkeits- oder Zweckverhältnisse haben für diese Freundschaftsart keine Bedeutung. Der andere wird als er selbst geliebt, als derjenige, der er ist. Gleichzeitig aber sind die Partner einander nützlich und angenehm.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die aristotelische politische Philosophie ein und verdeutlicht den Zusammenhang zwischen dem Wohl des Individuums und dem des Gemeinwesens.
II. Die staatliche Gemeinschaft und der Mensch als zoon politikon: Dieses Hauptkapitel analysiert die historischen Grundlagen, den essenziellen Freundschaftsbegriff, die verschiedenen Staatsformen und die Definition des Bürgers bei Aristoteles.
III. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel reflektiert die zeitlose Relevanz der aristotelischen Staatstheorie und deren Nutzen für moderne politische Überlegungen.
Schlüsselwörter
Aristoteles, Politik, Nikomachische Ethik, Staatstheorie, Polis, Gemeinschaft, Freundschaft, Bürger, Zoon politikon, Staatsformen, Autarkie, Tugend, Gemeinwesen, Individuum, Gerechtigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse des Gemeinschaftsbegriffs und der Rolle des Individuums innerhalb der politischen Philosophie des Aristoteles.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Schwerpunkten gehören der Polisbegriff, die Funktion der Freundschaft, die Genese des Staates sowie die verfassungsrechtliche Stellung des Bürgers.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Darstellung des Musters, nach dem Aristoteles die staatliche Gemeinschaft und den „Bürger“ konzipiert hat, um deren Bedeutung für seine Staatstheorie zu erläutern.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Es wird eine textanalytische Untersuchung der Primärquellen (Politik und Nikomachische Ethik) unter Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur durchgeführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Herleitung des Polisbegriffes, die theoretische Durchdringung der Gemeinschaftsformen sowie die Definition des staatenbildenden Wesens.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Aristoteles, Polis, Gemeinschaft, Freundschaft, Bürger und Tugend.
Warum ist die Freundschaft für Aristoteles so wichtig für den Staat?
Laut Aristoteles erhält die Freundschaft die Staaten aufrecht, da sie die Grundlage für das Zusammengehörigkeitsgefühl bildet und für Gesetzgeber wichtiger ist als bloße Gerechtigkeit.
Was unterscheidet den Menschen laut Aristoteles von Tieren?
Der Mensch ist ein „zoon politikon“ und verfügt über die Sprache, die es ihm ermöglicht, über Gut und Böse sowie Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit zu kommunizieren.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2002, Der Gemeinschaftsbegriff und die Bedeutung des Individuums in der Staatstheorie des Aristoteles, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/26726