„Der Film macht sichtbar, was wir zuvor nicht gesehen haben oder vielleicht nicht einmal sehen konnten.“ (Kracauer 1974: 389) Er gilt als zeitgenössisches Leitmedium der Gesellschaft und interpretiert sie zugleich. Filme behandeln den sozialen Wandel innerhalb der sozialen Beziehungen, vermitteln Welt- und Lebensanschauungen und thematisieren darüber hinaus alles, was im Leben bedeutungsvoll ist, wie etwa die Geburt, Familie, Gewalt,
Sexualität oder der Tod. Filme lassen sich als ein Fenster in ihre Gesellschaft und ihre Geschichte deuten.
Obwohl der Film ein so wichtiges Medium für unsere Gesellschaft darstellt, wurde er in der Soziologie weitgehend vernachlässigt. Gerade der Bereich der Film- und Genderforschung trat erst sehr spät in den Mittelpunkt des
theoretischen Interesses. Zu dem galten die Untersuchungen in diesem Bereich hauptsächlich der feministischen Auseinandersetzung mit dem Film. Betrachtet man die Gesellschaft als offenes Feld, und nicht als in sich
geschlossenen Blick, verändert sich auch der Blick auf die
geschlechtsspezifischen Grundstrukturen. Mir gab die vernachlässigte Untersuchung der Männlichkeit im Film den Anstoß dazu, mich innerhalb meiner Arbeit mit der Entwicklung dieser, speziell der hegemonialen Männlichkeit, zu beschäftigen.[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlage
2.1 Männlichkeiten bei Connell
2.2 Hegemoniale Männlichkeiten und männlicher Habitus
3. Männlichkeit im Film
3.1 Männlichkeit im Western
3.2 Männlichkeit im Action
4. Entwicklung der Männerbilder
4.1 The Graduate (1967)
4.2 Annie Hall (1977)
4.3 When Harry Met Sally (1989)
4.4 American Beauty (1999)
4.5 Up In The Air (2009)
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelor-Arbeit untersucht die Entwicklung hegemonialer Männlichkeitsbilder im Film über einen Zeitraum von fünfzig Jahren. Ziel der Arbeit ist es, anhand ausgewählter filmischer Beispiele aufzuzeigen, wie sich die Darstellung des "Mannseins" im Kontext gesellschaftlichen Wandels verändert hat und welche neuen Ausprägungen von Männlichkeit im Mainstreamkino dominieren.
- Soziologische Grundlagen der Männlichkeitskonzepte nach Raewyn Connell und Pierre Bourdieu.
- Analyse der Männlichkeitsdarstellungen in den Genres Western und Action.
- Untersuchung von Wandel und Konstanten des Männlichkeitsbildes anhand von fünf repräsentativen Filmen (1967–2009).
- Reflexion über die Rolle von Krisen, Bindungen und Karriere im modernen Männerbild.
Auszug aus dem Buch
3. Männlichkeit im Actionkino
„Kein anderes filmisches Genre weist eine dem Actionkino vergleichbar ostentative Beschäftigung mit dem männlichen Körper auf.“ (Morsch 2002: 50)
Erste Aufsätze, die sich mit Männlichkeitsbildern im Actionkino beschäftigen, erschienen erst in den 1980er Jahren. Und auch die Männlichkeitsforschung ließ, wie erwähnt, bis in die 1990er Jahre auf sich warten.
Bereits in den 1970er Jahren wiesen die damaligen Männerbilder im Actionkino, die weitgehend von Eastwood, Bronson und McQueen dargestellt wurden, bestimmte Verhaltensmuster auf, wie Unabhängigkeit, Entschlossenheit, Härte oder Souveränität. Ein Jahrzehnt später explodierte die Szene der Männerbilder im Actionkino gerade zu. Im Jahre 1982 trat zum ersten Mal Sylvester Stallone als John J. Rambo auf der Leinwand auf. Diese demonstrative Zurschaustellung des männlichen, muskelgestählten Körpers erreichte eine neue Dimension des Männerbildes im Actionkino. Erst in den 1990er Jahren schien die Erfolgssträhne von Stallone, Schwarzenegger, Segal, Van Damme & Co. abzureißen.
Doch wieso brachten gerade die 1980er Jahre so viele Actionhelden hervor? Zum einen erscheinen die vor Muskel protzenden Actionhelden „als Verkörperung eines obsoleten männlichen Machismo“ (ebd.: 52) und verkörpern gleichzeitig auch das patriarchale Ego, welches zu dem Zeitpunkt mehr und mehr zu verschwinden schien. Das vermehrte Auftreten der Frauen in Führungsposition, das eigentlich Männern zustand, und der Verlust der Position als Familienoberhaupt und Alleinernährer „kann man in dem Exzess der Männlichkeit, die sich im Actionfilm zeigt“ (ebd.: 52) als eine symbolische Kompensation für den eigentlichen Verlust des bisher traditionellen Männerbildes sehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz des Films als gesellschaftliches Leitmedium ein und begründet das theoretische Interesse an der Entwicklung hegemonialer Männlichkeit.
2. Theoretische Grundlage: Es werden die zentralen Männlichkeitskonzepte von Raewyn Connell sowie der Habitus-Begriff von Pierre Bourdieu vorgestellt und miteinander in Beziehung gesetzt.
3. Männlichkeit im Film: Dieses Kapitel beleuchtet allgemein die filmische Untersuchung von Männlichkeit und analysiert spezifische Prototypen in den Genres Western und Action.
4. Entwicklung der Männerbilder: Anhand von fünf ausgewählten Filmen (1967-2009) wird die zeitliche Entwicklung und Veränderung des männlichen Rollenbildes im Kino detailliert analysiert.
5. Fazit: Das Fazit fasst die theoretischen und empirischen Ergebnisse zusammen und bewertet den Trend hin zum ungebundenen Karrieremann.
Schlüsselwörter
Hegemoniale Männlichkeit, Männerbild, Filmsoziologie, Raewyn Connell, Pierre Bourdieu, Actionkino, Western, New Hollywood, Midlife Crisis, Geschlechterkonstruktion, Maskulinität, Genderforschung, Anti-Held, Rollenverteilung, Gesellschaftswandel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie sich das männliche Rollenbild in Filmen der letzten fünfzig Jahre entwickelt hat und inwiefern diese Darstellungen soziologische Konzepte von Männlichkeit widerspiegeln.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Themenfelder umfassen die soziologische Theoriebildung zu Männlichkeit, die filmische Repräsentation von Geschlechterrollen sowie den Wandel von Männerbildern in verschiedenen Filmgenres über mehrere Jahrzehnte hinweg.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Entwicklung der hegemonialen Männlichkeit anhand ausgewählter Filmbeispiele von 1967 bis 2009 aufzuzeigen und dabei filmsoziologische Interpretationen vorzunehmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer filmsoziologischen Untersuchung, die theoretische Konzepte (Connell, Bourdieu) auf ausgewählte Spielfilme anwendet, um gesellschaftliche Entwicklungen in der Darstellung des Mannes zu analysieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, eine Analyse der Männlichkeitsdarstellung im Western- und Actionkino sowie eine chronologische Fallstudienanalyse von fünf Filmen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den prägenden Begriffen gehören "hegemoniale Männlichkeit", "Geschlechterkonstruktion", "Männerkrise", "Habitus" und der "Anti-Held" im filmischen Kontext.
Welche Rolle spielen die Neurosen der Protagonisten in Filmen wie "Annie Hall"?
Die Neurosen dienen als Ausdruck einer neuen Form der Männlichkeit, die sich von den traditionellen, harten Action-Vorbildern distanziert und eine verunsicherte, reflektiertere oder krisenhafte Männlichkeit zeigt.
Warum wird "Up In The Air" als Abschlussbeispiel gewählt?
Der Film wird als aktuelles Beispiel für das hegemoniale Bild des ungebundenen, karriereorientierten Mannes gewählt, das einen starken Kontrast zu den traditionellen Familienmodellen früherer Jahrzehnte darstellt.
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- Sarah-Jane Fenner (Author), 2012, Hegemoniale Männlichkeiten im Film. Von Woody Allen bis George Clooney, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/266306