Georges Simenon ist einer der meistgelesenen Autoren der Welt, und seine beinahe unzähligen Romane, Erzählungen und Essays erschienen bereits in 32 Ländern und 41 Sprachen. Allen voran seien seine Kriminalromane erwähnt, von denen er in drei großen Zyklen in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts mehr als hundert verfasst hat (Henry, 1993, S.7). Sie alle haben die gleiche Hauptfigur, welche die Fälle löst: Kommissar Maigret. Es stellt sich unweigerlich die Frage, warum der gebürtige Belgier mit seiner Figur solchen Erfolg hatte und seine Maigret-Romane bis heute gelesen, verfilmt und geliebt werden. In der Hoffnung, eine Antwort auf diese Frage zu finden, soll ein Kriminalroman Simenons ausführlich untersucht werden. Dazu dient sein 1962 verfasster, 135- Seiten langer Band „Maigret et le Clochard“.
Zunächst ist es unumgänglich, den Inhalt des Werkes zusammenzufassen, um Kenntnisse über die Handlung und die Hauptfiguren zu verfügen. Anschließend sollen alle wichtige Aspekte eines Romans analysiert werden- der Erzähler, die Figuren, Zeit und Raum, die Handlung sowie die symbolische Kulisse. Einführend sollen stets allgemeine Prinzipien der Romananalyse dargelegt werden, bevor diese anhand von Simenons Werk zur Anwendung kommen. Abschließend können nach einer ausführlichen Analyse hoffentlich konkrete Schlüsse gezogen werden, welche die oben gestellte Frage zu beantworten vermögen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Zusammenfassung des Buches
Erzähleranalyse
Der Erzähler
Erzählerstimme
Erzählerperspektive und Blickwinkel
Formen der Redewiedergabe
Formen der Handlungswiedergabe
Figurenanalyse
Quantitative und qualitative Figurenkonstellation
Flat- und Round- Characters
Der Autor und seine Hauptfigur
Raumanalyse
Anschauungsraum
Handlungsraum
Gestimmter Raum
Zeitanalyse
Erzählzeit und erzählte Zeit
Rhythmuswechsel
Zeitraffung
Rückwendungen
Häufigkeit
Pausen
Handlungsanalyse
Eröffnung und Schluss
Struktur und Handlung
Handlungsstränge
Spannung- und Spannungshöhepunkte
Symbolische Kulisse
Der Vogel
Die Farben schwarz und weiß
Die Murmeln
Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Georges Simenons Kriminalroman „Maigret et le Clochard“ (1962), um zu ergründen, welche narrativen und strukturellen Merkmale den anhaltenden Erfolg der Maigret-Reihe begründen.
- Analyse der narrativen Instanzen, insbesondere der Rolle des auktorial-allwissenden Erzählers.
- Untersuchung der Figurengestaltung und der symbolischen Bedeutung der Figurenkonstellation.
- Raum- und Zeitanalyse zur Verdeutlichung der erzählerischen Dichte und Struktur.
- Untersuchung der symbolischen Kulisse als Mittel zur Untermalung der Handlung.
- Evaluierung der Einfachheit und Dialoglastigkeit als Faktoren für die breite Publikumswirksamkeit.
Auszug aus dem Buch
Der Erzähler
Simenon hat für seinen Maigret- Roman einen Erzähler geschaffen, der berichtend erzählt. Er erzählt folglich in der Er- oder sie- Form und weiß mehr als die Figuren, über die er erzählt, denn er ist auktorial- allwissend. So liest man zum Beispiel: „Maigret n’en savait guère plus ques ses compagnons“ (Simenon, 1969, S.9), was zeigt, dass Maigrets Wissen begrenzt ist, während der Erzähler alles zu wissen scheint, denn er kann auch erklären, warum Maigret so wenig weiß (Er hat nur die knappen Schilderungen gelesen) und folglich auch alles andere.
Ein anderes Beispiel wäre: „Maigret n’en savait rien. On aurait dit qu’il n’était pas pressé de savoir. Il vivait dans le présent aveec, toujours l’impression de choses deja vécues il y avait très longtemps “ (Simenon, 1969, S. 25). Wieder weiß der Erzähler mehr als seine Figur, denn er kennt seine Beweggründe und seine Vergangenheit. Aber auch, was in der Zukunft geschehen wird, ist dem auktorialen Erzähler bekannt: „Il était plus grand, plus maigre, de quelques années plus jeune, et Maigret allait bientôt s’aperçevoir qu’il bégayait“ (Simenon, 1969, S. 68). Der auktorial-allwissende Erzähler stellt sein Wissen vor allem durch Kommentare und Erklärungen des Verhaltens der Figuren zur Schau, da er alles über sie und die Handlung weiß.
Zusammenfassung der Kapitel
Erzähleranalyse: Untersuchung der auktorialen Erzählweise, der Perspektive und der verschiedenen Formen der Redewiedergabe, die den Roman prägen.
Figurenanalyse: Betrachtung der Figurenkonstellation und Differenzierung zwischen Flat- und Round-Characters unter Einbeziehung der Parallelen zwischen Autor und Protagonist.
Raumanalyse: Analyse der Funktion des Raumes als Handlungsort sowie der symbolischen Bedeutung von Paris als „gestimmter Raum“.
Zeitanalyse: Untersuchung der zeitlichen Struktur, einschließlich Rhythmuswechsel, Zeitraffung und Rückwendungen zur Steigerung der Spannung.
Handlungsanalyse: Aufarbeitung des linearen Handlungsstrangs, der Eröffnungs- und Schlussstruktur sowie der spezifischen Spannungsaufbau-Mechanismen.
Symbolische Kulisse: Deutung von Symbolen wie Vögeln, den Farben Schwarz-Weiß und Murmeln als atmosphärische oder inhaltliche Verstärker.
Schlüsselwörter
Georges Simenon, Maigret et le Clochard, Kommissar Maigret, Romananalyse, Auktorialer Erzähler, Figurenkonstellation, Raumanalyse, Zeitanalyse, Symbolik, Kriminalroman, Erzählstruktur, Spannung, Literaturwissenschaft, Französische Literatur, Paris.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser literaturwissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert Georges Simenons Kriminalroman „Maigret et le Clochard“ im Hinblick auf seine strukturellen und narrativen Besonderheiten, um den Erfolg der Maigret-Romane zu erklären.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Untersuchung umfasst die Rollen von Erzähler, Figuren, Raum und Zeit, die Handlungsstruktur sowie die symbolische Kulisse des Romans.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, herauszufinden, warum die Maigret-Romane von Georges Simenon so populär sind und bis heute ein breites Publikum weltweit ansprechen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die sich auf gängige Konzepte der Romananalyse stützt, etwa Erzähltheorie, Figurenanalyse nach Werner Ludwig und Raumtheorien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil ist in thematische Sektionen unterteilt, die jeweils einen Aspekt der Romananalyse beleuchten, von der Erzähleranalyse bis hin zur symbolischen Bedeutung einzelner Requisiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Erzählstruktur, auktorialer Erzähler, Figurenanalyse, Symbolik und Kriminalroman-Rezeption charakterisieren.
Warum spielt die Murmel im Roman eine so bedeutende symbolische Rolle?
Die Murmeln symbolisieren Kindheit, Unschuld und eine Form der Kommunikation zwischen Maigret und dem Clochard, die jenseits von Sprache stattfindet.
Wie bewertet der Autor den Schluss des Kriminalromans?
Der Schluss wird als untypisch für das Genre eingestuft, da er keine klassische Festnahme des Täters beinhaltet, sondern den Leser zum Nachdenken über ethische Fragen anregt.
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- MMag. Lisa Pfurtscheller (Author), 2010, Maigret und der Clochard, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/265424